Never fuck the company
Mit meinem Mitbewohner schlafen? Niemals, denke ich – obwohl das Drama bereits begonnen hat. Unbemerkt
"Ich gebe euch noch zwei Wochen", sagt Tom und verschwindet mit einem Lächeln durch die Tür. "Niemals", lalle ich. Meine Zunge ist schwer vom Havanna. "Niemals", wiederhole ich mehr für mich selbst und schenke uns nach.
Seit Sebastian bei uns eingezogen ist, reißen die Gerüchte um uns beide nicht mehr ab. Wie ein Sturm brach er in unser Zuhause und genauso wirbelte er erstmal alles ordentlich durcheinander. Stundenlange Gespräche, albernes Gelächter und versumpfte Abende sind seitdem Programm. Karl und ich, eingemummelt in unserer schicken Altbauwohnung, ordneten nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Freundschaft neu. Ob sie dem frischen Wind gewachsen ist, wird sich erst noch herausstellen müssen.
Mein Kopf ist schwer. Ich hab's satt, mich ständig den Gerüchten stellen zu müssen. "Ihr passt super zusammen", sagt Tom. Er ist in die Küche zurückgekehrt und lässt sich neben mir nieder. "Wirklich. Es gibt nicht viele Frauen, die Sebastian das Wasser reichen können. Du aber schon!" – "Mensch Tom", sage ich. "Zum hundersten Mal, ich habe nicht die Absicht, mit Sebastian etwas anzufangen. Wir sind Mitbewohner, verdammt!"
In diesem Moment schwingt die Küchentür auf, Sebastian schlurft hinein, streicht mir übers Haar und ruft: "Hey Schatz, gehen wir rauchen jetzt?" Langsam erhebe ich mich, ich schwanke ein wenig, hole meine Jacke und wir verziehen uns auf den Balkon.
"Tom gibt uns noch zwei Wochen, bis wir endlich im Bett landen", sage ich. "Ich weiß", sagt er und schaut mich an. "So ein Quatsch", sagen wir beide und wechseln das Thema.
Sebastian und mich verbindet etwas Tiefes, das spüre ich. Aber es ist nicht groß genug, so leid es mir tut. Aber es ist auch nicht so klein, dass wir es einfach ignorieren können. Dafür sorgt allein schon Tom. Und Karl. Daher leben wir einfach nebeneinander her, flirten, schäkern, lachen, trinken, feiern, tanzen und rauchen. Sonst nichts.
Es kribbelt nicht, aber es funkt. Da sind keine Schmetterlinge, aber ein Grinsen. Das wissen wir beide und wohnten wir nicht zusammen, wären wir der Versuchung vermutlich längst erlegen. Das ist mehr als ein Angebot und weniger als ein Versprechen.
Mittlerweile ist der Abend spät geworden, immer mehr Freunde gesellen sich zu uns in die Küche. Eine Flasche nach der anderen wird geköpft, die Musik wird lauter, die Gespräche unbefangener. Sebastian legt den Arm um mich und wir lachen in die Runde.
Doch heute abend wird nichts passieren. Und am Ende ist es Tom, der mich küsst.






Kommentare
wie geht's weiter?
18.01.2010, 12:51 von Kitty_KaddiAlso... ich hätt ja Sebi bevorzugt.
28.12.2009, 16:37 von LifeInANickSag niemals nie. Eine WG ist voller Überraschungen und was dort passiert, bleibt dort.... ;) So zumindest meine Erfahrung...
01.10.2009, 04:19 von Riku_Hanagibts eine fortsetzung?
30.09.2009, 10:56 von Suselwusel