goldenerloewe 13.03.2012, 12:47 Uhr 11 7

Nackte Tatsachen

Deine Haare stinken oft nach Rauch, Bier und schmutzigen Küssen.

Deine Augen öffnen sich langsam. Du spürst die bröckelnde Wimperntusche wie sie sanft, aber doch unangenehm störend auf deinen Wimpern klebt und lebt. Es ist so hell, dass du eine Sonnenbrille vertragen könntest. "Wieso zum Teufel gibt es Menschen die keine Rolläden haben?", denkst du dir. Es ist dreißig Minuten nach sieben. "In fremden Betten schläft es sich meist nicht gut.", murmelst du gedanklich. Es war wieder eine dieser Nächte in denen man sich prächtigst amüsiert hat, so sehr, dass man jetzt umso stärker ans Bett gefesselt fühlt, weil der Körper streikt. Du stehst auf. Deine Beine müssen sich erst wieder daran gewöhnen aufrecht zu stehen. Auf dem Boden liegt deine Jacke, sie riecht nicht sonderlich gut. Du kontrollierst deine Jackentaschen mit beiden Händen gleichzeitig während du zum ersten Mal einen Blick auf das zerwühlte Bett wirfst. Eine Schönheit liegt im Bett, dessen nackter Oberkörper stellenweise nicht mit Bettwäsche verdeckt ist. Ein unauffälliger Kuss und schon findest du dich im Treppenhaus wieder.

Alles find mit einem Gläschen Wein auf deiner Couch an. Der Abend war noch jung - du ebenfalls - und eigentlich war dir nicht nach großen Aktivitäten zumute. Ein kurzer Anruf bei einer guten Freundin, die sich gerade in Gesellschaft befindet und schon machst du dich fertig. Die Musik trällert fröhlich vor sich hin, während du dich schwungvoll für den doch noch verplanten Abend zurecht machst. Du brauchst nicht lange. Schnell siehst du umwerfend aus. Bei der Freundin angekommen, merkst du das schon viel getrunken wurde. Du trinkst mit. Die Leute um dich herum sind in ausgelassener Feier Stimmung. Du brauchst noch eine Weile. Eigentlich bist du mit den Gedanken ganz wo anders. Und eigentlich möchtest du nur betrunken sein. Die Zeit verrinnt, und du findest dich in einem Club wieder. Es spielt laute elektronische Musik. Eine Art von Tekkno. Eine Art von Goa. Ein Gemisch aus vielem. Dein Kopf, sowie auch dein Körper, sind schon heftig am wackeln. Die Artikulation wird primitiver, die Blicke düsterer. Durch die Musik, wird der Rausch irgendwie noch stärker.

Dann entdeckst du ihn. Er steht in einer Ecke und unterhält sich mit ein paar Leuten. In deinem Rausch merkst du gar nicht, wie auffällig du bist. Deine Blicke durchbohren ihn. Bis er plötzlich anfängt zu Lächeln. Du erinnerst deine Mundwinkel daran zu lächeln, möchtest ja etwas erreichen. Er trinkt sein Glas leer und kommt zu dir rüber. Die Unterhaltung ist sehr anregend, der Körperkontakt entsteht mit voller Absicht. Mal fühlst du seinen Arm auf deiner Schulter, während er dir ins Ohr schreit, mal fühlst du seinen Bauch während du ihm etwas ins Gesicht sagst. Alles geprägt von unheimlichem Charme und viel Gelächter. Man spürt es einfach, wenn man mehr voneinander will. Wenn man Sex miteinander haben möchte. Es kommt dir vor, als würdest du richtig Gefallen an ihm finden. Draußen fängt es an zu dämmern, die Räume werden leer. Die Musik wird leiser. Du selbst, wirst immer liebesbedürftiger.

Nach gemeinsamer Kennenlern-Phase, verlässt ihr gemeinsam die Räumlichkeiten. Es wird kurz besprochen wohin es geht. Ihr seit mit dem Taxi auf dem Weg zu ihm nachhause. Zuhause angekommen, wird Musik aufgelegt, damit man nicht miteinander reden muss und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Schnell geht es zur Sache, zuerst sitzt du auf seinem Schoß. Ihr streichelt euch. Dann küsst ihr euch. Die Hände gleiten unter Haut und Haare, du fühlst dich in dem Moment unfassbar sinnlich. Die Musik im Hintergrund untermalt die Leidenschaft. Ihr tut es miteinander. Ihr liebt euch für den einen Moment.

All zu lange dauert diese Prozedur nicht. Schnell liegt ihr wieder nebeneinander und schläft halbnackt, mit einer leichten Fahne nebeneinander ein.

Im Treppenhaus am nächsten morgen, hast du sein Gesicht vor Augen. Seine Handbewegungen und Beckenbewegungen. Du spürst seine Hände noch auf deiner nackten Haut und fasst dich genau an den Stellen an, wo er dich angefasst hat. Du hast ein Lächeln im Gesicht, denkst daran, wie schön es ist einem Menschen so nahe zu sein. Im Gleichen Moment, spürst du wie eine Träne dein Auge verlässt. Noch eine, und noch eine. Du hast dich hergeschenkt. Alles war nur halb so magisch wie es gewirkt hat. Du wirst diesen Mann nie wieder sehen, nicht weil du kein Interesse an ihm hättest. Nein, weil er genau das hatte wonach er gesucht hat: Sex für eine Nacht.

Immer wieder, gibst du dich her. Auf eine Art und Weise, durch die du möglicherweise niemals richtige Liebe bekommen wirst. Du kennst diesen Menschen gar nicht, fühlst dich ihm dennoch so verbunden. Euch beide verbindet aber nichts, außer der Sex. Das Spiel. Die kurzzeitige und schnell verwehende Lust aufeinander. Du verlässt das Haus und somit sein Leben. Du verlässt dich selbst, ohne es zu merken. Du wirst zur Männerfressenden Bestie, weil du überall nach Liebe suchst. Sex ist aber keine Liebe, das weißt du nur noch nicht. Ständig suchst du die Liebe. Sie wäre so greifbar, wenn du nicht das Gefühl hättest, dass Männer dich nur anschauen, wenn du ihnen Hoffnung auf Sex vorspielst.

Vor ein paar Jahren, hattest du Angst vor dir selbst. Jetzt hast du Hoffnung. Hoffnung auf Liebe. Jedes mal, wenn du in einem anderen Bett aufwachst, fühlst du dich für einen Moment geliebt. Ein klitzekleiner Moment, der es dir Wert ist deine Seele so zu schänden. Aber es ist alles nur eine Illusion. Eine Illusion, einer verlorenen Seele die angefangen hat sich selbst zu hassen.


Tags: Scham, Zerstörung, Küssen
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11 Antworten

Kommentare

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  • 0

    danke für die kommentare. habe den text innerhalb von paar minuten geschrieben, einfach so aus langeweile. insofern habe ich einfach nur geschrieben und geschrieben ohne zurück und ohne überlegung, wäre ich länger daran gesessen, wäre er wunderbar geworden;o))))

    22.06.2012, 19:11 von goldenerloewe
    • 0

      Hättest mal lieber lassen sollen...

      22.06.2012, 19:23 von Neania
    • 0

      aus prinzip nicht... ;)

      22.06.2012, 19:30 von goldenerloewe
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  • 0

    Finde den Text gut- besonders diesen schleichenden Wandel: Zuerst ist die Person scheinbar glücklich und dann stellt sie selber ihre eigentlichen Gefühle fest..wie sich das Lächeln in die Tränen wandelt...Und die Beschreibung von dir selbst(?) in der Du-Perspektive und die Selbsterkennung...

    17.03.2012, 22:25 von Tahina
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  • 0

    Puh, die Erzählweise ist abgesehen von dem doch recht uninterssanten Text echt anstrengend, immer dieses "du machst dieses und jenes", bzw. "ihr geht da und dort hin"...nee, selbst wenn der Text gut wäre, würd mir diese Perspektive ihn vergrätzen.

    17.03.2012, 16:43 von topfbluemchen
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  • 0

    "verlässt ihr gemeinsam die Räumlichkeiten",
    "Die Hände gleiten unter Haut und Haare" (iiiiehks. anm. d. verf.)

    17.03.2012, 15:46 von Ozelotte
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  • 0


    Tekkno


     "The King of IronFist Tournament enters the Tekkno!"
    achneh.. das war Tekken (3).



    Die Hände gleiten unter Haut und Haare,


    Freddy Krüger?



    Männerfressenden Bestie


    Ich wusste, dass es nen Horrorfilm wird!


     


    Neh ganz im Ernst: 08/15


    Kann mich lalina nur anschliessen


     

    15.03.2012, 10:40 von Jingeling89
    • 0

      Tekkno und Goa waren die einzigen Wörter, die bei mir hängengeblieben sind, da ich mich gefragt hab, wer die beiden Wörter heute noch benutzt. Selbst Lieschen Müller bumst doch heute nur zu minimal, neotrance und dubstep.

      15.03.2012, 10:53 von EliasRafael
    • 0

      Die Bezeichnung Tekkno klingt aber furchtbar.
      Techno sieht vom Wortbild viel besser aus.


      neotrance kennsch ned, is das sowas wie Schiller? ich dachte der wäer Ambient.
      dubstep findsch kagge.


      House und Industrial fetzt

      15.03.2012, 11:00 von Jingeling89
    • 0

      Tekkno war vor über 20 Jahren mal der "offizielle" Szenedeppenjargon und die ersten Raves wurden damit abgefeiert, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Tekknozid


      Daher meine Verwunderung, wie lange die Autorin schon rumbumst. 

      15.03.2012, 11:05 von EliasRafael
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      :D


       Tekkno = normale DrogenRaveParty
      Tekkkkkkkno = hardcore DrogenRaveParty mit ExtasyFlat oderwas?


      Naja, is vielleicht ein altes Textchen

      15.03.2012, 11:07 von Jingeling89
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  • 1

    Zu dem Thema habe ich hier schon weitaus bessere Artikel gelesen. Absolut nicht spannend erzählt.

    15.03.2012, 09:17 von lalina
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  • Haben wir sie noch alle?

    Burn-Out, Internetsucht, Depression - immer mehr Deutsche lassen sich therapieren. Braucht es all diese Therapien wirklich?

  • Apokalypse Wow!

    Die Mode ist die Message: Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine sehen mit Macheten, Masken usw. aus wie Figuren aus den »Mad Max«-Filmen.

  • Der Witz geht nicht mehr weg!

    Jeder kennt den Moment, in dem der Send-Balken hochgeht und man noch denkt: Stop! Was würdet Ihr gern aus dem Netz löschen?

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