Mein Gesicht bleibt auf facebook.
Kindesmissbrauch ist furchtbar. Stigmatisierung von Pädophilen auch.
Kindesmissbrauch ist furchtbar.
Davon bin auch ich überzeugt.
Opfern von Kindesmissbrauch gilt meine tiefste Unterstützung und ich hoffe, dass sie eines Tages den Missbrauch auf irgendeine Weise verarbeiten können.
Ich verurteile die Tat des Kindesmissbrauches zutiefst.
Trotzdem ändere ich mein Profilbild nicht in einen Comichelden.
Viele facebook-Nutzer haben gar nicht mitbekommen, dass unter den vielen „ändert eurer Profilbild in einen Comichelden eurer Kindheit“-Meldungen auch Meldungen ähnlich der folgenden auftauchten:
In support of anti-child violence, change your Facebook profile picture to a cartoon from your childhood. Until Monday Dec. 6, there should be no human faces on Facebook, but an invasion of memories. Join the fight against CHILD ABUSE. Invite your friends to do the same.
Ist es fair, dass eine Kampagne durch die Unwissenheit vieler Nutzer größer wirkt, als sie ist?
Aber vor allem mir stellte sich noch eine andere Frage:
Wie möchte diese Kampagne Kindesmissbrauch stoppen oder auch nur verringern?
Dass Kindesmissbrauch schlimm ist, wissen wir alle.
Und spätestens seit der medienwirksamen Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wissen wohl auch alle, dass es Kindesmissbrauch gibt und schon immer gegeben hat.
Inwiefern ist es also notwendig, Aufmerksamkeit auf ein Thema zu werfen, dass neben der Wirtschaftskrise die Medien im letzten Jahr dominiert hat?
Die Opfer standen in den Reportagen, Diskussionsrunden und runden Tischen im Mittelpunkt.
Die Traumata, die sie das Erlebte noch viele Jahre später immer wieder durchleben lassen.
Ihre Einbußen in Beziehungen im Erwachsenenalter.
Ihre Trauer, ihr Zorn.
Das sind sehr wichtige Themen.
Aber warum wird nie über die Täter geredet?
Haben wir überhaupt ein Bild von den Tätern?
Als Kindern wurden wir immer gewarnt, nicht bei Fremden ins Auto zu steigen.
Nicht mit fremden Männern zu sprechen.
Zu schreien, wenn uns jemand anfasst.
Wir können uns mit den Opfern identifizieren, wissen, dass jeder von uns ein Opfer hätte sein können.
Aber wem wurde jemals gesagt, was er machen muss, wenn er sich in ein Kind verliebt?
Wenn er sich von einem Kind angezogen fühlt?
Wenn er sich überlegt, mit einem Kind Sex zu haben, weil er sich Erwachsenen unterlegen fühlt?
Das Bild des Pädophilen ist unklar, verschwommen, fast nicht vorhanden.
Die einzige Eigenschaft, die mit ihnen verbunden ist, ist: „böse“, gleichgültig, ob er ein Kind missbraucht hat, ob er „nur“ Kinderpornographie gesehen hat oder ob er auch nur Gefühle für ein Kind hat.
Als ich mit Freunden über das Thema diskutierte, habe ich immer wieder die Ansicht gehört, dass Pädophile ein Leben lang eingeschlossen gehören oder man sie am besten sogar erschießen sollte.
Pädophile seien brutale Triebtäter, unmenschliche Perverse, Monster.
Nach Schätzungen ist jeder hundertste Mann pädophil.
Zwar missbraucht nicht jeder Pädophile Kinder, aber hinzu kommen noch diejenigen, die nicht pädophil sind, aber mit Kindern als „Ersatz“ für Erwachsene Sex haben und die die Mehrheit der Täter darstellen.
Die meisten Fälle von Kindesmissbrauch geschehen in Familien- oder Bekanntenkreis.
Mein Bekanntenkreis umfasst mehr als 100 Männer.
Aber keiner von ihnen ist ein Monster.
Pädophile wissen wohl auch, dass Kindesmissbrauch geächtet ist, dass es falsch ist.
Sie brauchen keine facebook-Profil-Cartoonhelden, die es ihnen sagen.
Hilfreich wäre es, Pädophilie als das zu präsentieren, was sie ist: Eine Krankheit. Und zwar eine Krankheit, die zwar nicht heilbar ist, deren Betroffene aber lernen können, sie zu kontrollieren.
Hilfreich wäre es, mehr Therapieangebote für Pädophile anzubieten. Die Behandlung sexueller Präferenzstörungen ist kein Bestandteil der Psychotherapeutenausbildung.
Zurzeit gibt es nur drei Angebote in ganz Deutschland: In Berlin, Kiel und Regensburg.
Betroffene müssen die Kosten selbst tragen, da entsprechende Therapien nicht zum Leistungskatalog der Kassen gehören.
Hilfreich wäre es, eine Atmosphäre zu schaffen, in denen Menschen mit pädophilen Gefühlen keine Angst haben müssen, ihre Freunde, ihre Familie zu verlieren, wenn sie nach Unterstützung bei der Kontrolle ihrer Gefühle suchen, sondern ermutigt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Mit Kettenprofiländerungen auf facebook wird das wohl leider nicht erreicht werden.






Kommentare
Ich hab mein Gesicht auf Facebook geändert und ich wusste von der Aktion. Und natürlich war die Aktion eher nichtsbringend, aber man sollte trotzdem immer wieder auf das Thema aufmerksam machen. Es passiert eben nicht nur in der Kirche es passiert ständig.
19.12.2010, 20:26 von EngelEmiUnd naja ob Pädophilie jetzt als Krankheit oder Neigung eingestuft wird, da ist der Übergang glaub ich eher fleißend. Homosexualität wurde auch mal als sexuelle heilbare Störung eingestuft und nicht als Neigung. Und ich glaube niemand bezweifelt (hoffentlich) das Homosexualität wirklich keine Störung sondern eine Neigung ist. Und ich denke einfach, dass sich Pädophile da zum Schutz der Kinder einfach nicht ihrer Neigung hingeben sollten. Und natürlich ist das nicht immer einfach, aber manche Schwule heiraten ne Frau kriegen Kinder und das nicht für sich, sondern nur für ihre Eltern oder sonstwen, also muss ja wohl ein Pädophiler auch kein Kind missbrauchen nur weil er Sex mit ihm haben möchte. Er sollte sich also durchaus zurückhalten können.
Und ich finde sobald ein Pädophiler ein Kind missbraucht oder eben auch schon einen Kinderporno sieht und somit Kindesmissbrauch unterstützt gehört für mich an den Pranger. Und das bei möglichst jeder Gelgenheit... Und natürlich wäre das wahrscheinlich nicht toll für ihn, aber war es toll für das Kind toll missbraucht zu werden? Wahrscheinlich trägt das die Folgen ein ganzes Leben lang mit sich....
Ich glaub es ist egal wie man einen Pädophilen bestraft, man kann ihm nicht so viel Leid zufügen wie er dem Kind zugeführt hat. Somit ist keine Strafe zu hart genug.
Meiner Meinung sollte man jedem Kinderschänder, Kinderschänder auf die Stirn tätoowieren, damit jeder weiß mit was für einem Schwein man es zu tun hat, egal obs der Chef oder die Freunde oder Familie ist.
Pädophilie ist in erster Linie eine sexuelle Ausrichtung. Wenn du das als Krankheit bezeichnest, ist jeder Mensch, der sich sexuell in irgendeine Richtung entwickelt hat, krank.
16.12.2010, 14:21 von frl_smillaNicht jeder Pädophile ist automatisch ein Kindesmisshandler. Zustimmung an dieser Stelle. Es gab dazu sogar mal vor vielen Jahren einen recht interessanten Artikel in der Print-Ausgabe von Neon. Dort wurde von einem Pädophilen erzählt, der einen Weg gefunden hatte, damit umzugehen, OHNE Kindern Schaden und Leid zuzufügen. Dafür war ihm aber seine Arbeit mit Kindern in der Jugendgruppe wichtig. Als er seinem Chef die Problematik offenlegte, wurde mit Kündigung gedroht.
"Mein Bekanntenkreis umfasst mehr als 100 Männer.
Aber keiner von ihnen ist ein Monster."
Wow, wie gut du bescheid weißt.
@frl_smilla Natürlich ist es nicht immer einfach, Krankheit und Gesundheit voneinander abzugrenzen.
16.12.2010, 23:42 von HannelleIch denke jedoch, dass es zwei gute Gründe gibt, Pödophilie als Krankheit anzusehen:
1.) Die Betroffenen leiden unter ihrer Pädophilie.
2.) Pädophilie ist behandlungsbedürftig.
Übrigens steht Pädophilie auf der Liste der sexuellen Störungen der WHO, wird dort also als Krankheit definiert.
Den Satz "Mein Bekanntenkreis umfasst mehr als 100 Männer. Aber keiner von ihnen ist ein Monster" habe ich als Kritik auf das Bild des Pädophilen formuliert. Ich wollte damit sagen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass einer meiner Bekannten pädophil ist, jedoch keiner dem allgemein vermittelten Bild des Pädophilen entspricht.
Schade, dass du anscheinend nicht den Text aus der Neon von vor ein paar Jahren kennst. Da wurde beschrieben, wie sich ein Padophiler, eben weil er kein Täter werden wollte, an einen Psychologen gewandt hat. Der hat ihn hochkant aus der Praxis geworfen...
11.12.2010, 11:02 von Charlie_BDie Charité in Berlin hat soweit ich weiß eine Kampangne "Kein Täter werden" gestartet. Da werden Padophile behandelt. Die Lösung ist ähnlich wie bei Alkoholismus: Totale Abstinenz plus Therapie. Das war für den genannten Mann dann auch die Lösung. Leider kennen zuwenige in Deutschland diesen Ansatz.
Kurz nach dem Artikel in der Neon tummelten sich hier ein paar Gestalten, die den Mann aus dem Artikel beschimpften: "Wenn das Zölibat für dich funktioniert, dann zwing das doch nicht anderen auf!" Das folgende Wochenende war ein Edit-War!
"Wir (!) tun den Kindern doch nichts, wir haben die nur ganz lieb!", "Die Kinder wollen das doch auch und verführen die armen Männer doch sogar!", "Warum darf sich in Spanien schon ein 13jähriger sexuell betätigen und in Deutschland erst ab 14? Hebt das Schutzalter auf!" Das waren einige der Kommentare. Diese Leute haben NICHT die Einsicht gezeigt, die der Mann im Artikel hatte, sie haben sogar allen die sie hier in ihre Schranken gewiesen haben mit Anzeigen wegen Beleidigung, u.s.w. gedroht.
Die Facebook-Action ist trotzdem dumm und nichtssagend...
@Charlie_B Stimmt... Da war mal was. Ich fand das ziemlich spooky...
16.12.2010, 14:28 von sailor...nicht heilbar ... aber mann kann es behandel´n..
06.12.2010, 23:43 von KaiNer...ich komme aus der fetischscene und "fetischismus"... ist eine krankheit die aber seit den letzt´n 50 jahr´n nicht mehr als behandlung´s bedürftig ein gestufft ist...
...trozdem gibt es medikamente die neigung und ihre einflüsse komplett auf heb´n...
(in fach+text´n bestätigt,und bewies´n)
...es funktioniert mit allen neigung´n... der mensch ist einfacher zu beeinflusss´n als man denkt....
...aber das wird nicht an die große glocke gehängt... genauso das viele Pädophile sich frei+willig in behandlung geb´n....
...die medien interessiert nur das monster dahinter...und monster kann man nur ...
das team is und bleibt "heikel"
schau
@KaiNer danke für deinen Kommentar!
07.12.2010, 00:59 von HannelleAls grundlegenden Unterschied zwischen Pädophilie und Fetischismus würde ich allerdings sehen, dass ausgelebte Pädophilie Kindern Leiden zufügt, unter ausgelebten Fetischismus aber höchstens der Betroffene selbst leidet.
Pädophilie würde ich also sehr wohl als behandlungsbedürftig ansehen.
Dass es möglich ist, mit Medikamenten die Neigung komplett aufzuheben, wusste ich nicht. Wäre das nicht eigentlich schon eine "Heilung"?
@Hannelle Pädophilie würde ich also sehr wohl als behandlungsbedürftig ansehen.... ich hab nichts gegenteiliges behauptet oder ?
07.12.2010, 15:52 von KaiNer...nur wenn die Medikamente regelmäßig genommen werd´n...von dauerhafter Heilung hab ich noch nicht´s gehört..
(bin am ende meiner weisheit...)
...und die wenigst´n leid´n unter ihrem "Fetischismus" ... oder jedenfalls nehmen wir es net so war...
ick wüsch dir wat, schau
ernsthaft: ich hatte das auch nicht mitbekommen...ich war eine Woche lang Pippi Langstrumpf und habe mich in dieser Woche mehrfach mit Freunden über alte Zeiten unterhalten, was wir geguckt haben, was wir durften, was wir erlebten. Es war eine süße Idee, da es im Status meiner Freunde als solche dargestellt wurde: Um Erinnerungen aufleben zu lassen. Ich fand es süß und es hat genau das auch bewirkt, wir haben uns gemeinsam erinnert. Ich bin nicht eine für Kettenbriefe, und was du über stigmatisierung sagtest mag auch stimmen, aber so etwas Unschuldiges wie das Wechseln von Profilbildern zu verdonnern...das sieht mir doch ein wenig nach Problem-suche und überanalysieren aus. Mit keinem Gedanken habe ich durch meine Pippi im Profil irgendwen verurteilt. Ich sehe das Problem, welches du identifizierst, ich sehe nur nicht die Verbindung zu meiner Pippi Langstrumpf.
06.12.2010, 19:58 von sparklenina@sparklenina Danke für deinen Kommentar!
07.12.2010, 01:01 von HannelleIch kritisiere auch nicht die Nutzer, die ihr Profilbild geändert haben.
95% von ihnen haben ja wie du von der Kampagne überhaupt nichts mitbekommen.
Ich kritisiere die Kampagne selbst, die ein facebook-Spiel umwertet.