reveuse 27.06.2005, 01:47 Uhr 56 2

luscious tangle of oblivion…

Sex. Jetzt sofort. Ohne Hemmungen, zügellos.

Ich sitze an der Bushaltestelle und überlege gerade gelangweilt, ob ich dem lasziv dreinblickenden Model auf dem Werbeposter durch einen angemalten Damenbart meine Verachtung für aufgetakelte Weiber zum Ausdruck bringen soll, als er sich plötzlich als Silhouette in ihrem überdimensionalen Gesicht spiegelt. Ich stutze kurz, gehe zwei Schritte rückwärts und schaue genauer hin, bevor ich mich umdreh und mir fast das Herz stehen bleibt. Nach einem Jahr Trennung steht er plötzlich einfach so vor mir. Groß. Attraktiv. Unter seinem legeren Hemd ein Oberkörper, der bequem den Platz zwischen nem Türrahmen meiner neuen Altbauwohnung ausfüllen würde. Keine übertrieben, aufdringlich hervorstehenden Muskelmassen sondern einfach nur Männlichkeit, in deren Nähe man sich sicher fühlen will.
Seine Wirkung auf mich hat noch nicht ganz nachgelassen. Als er mir gegenüber steht, bringe ich nur mühsam eine Begrüßung hervor und schaue nervös zu Boden. Fast schon niedlich, wie er sich auf die Bank plumpsen lässt und mich so aufmerksam mustert, als würde er auf die erbarmungslose Kritik der Professoren in seiner Schauspielschule warten. Er schnippt seine Kippe weg, öffnet leicht den Mund und beißt sich auf die Lippe, während er mich mit seinem hinreißend, herausfordernden Lächeln anschaut.Dann umfasst er mit der linken Hand den rechten Arm. Ein schöner Spielzug. Mein Blick fällt auf seine schlanken Finger, die ich so geliebt habe, aber auch auf das Lederband mit dem Scarabäus an seinem Handgelenk.
Sein Gesicht, unverändert eine Mischung aus Jude Law und einem Hauch Keanu. Männlich, weiblich, die Grenzen verschwimmen. Vielleicht kann man sich auf kindlich einigen. Scheiße man, so ein wunderschöner Mann gehört verboten. Irgendwo eingesperrt und in einer Vitrine, umgeben von einem perfekt ausgeklügelten Sicherheitssystem für die Öffentlichkeit nur unter Bewachung ausgestellt.
Ich spüre wieder dieses flaue Gefühl in der Magengegend, aber diesmal ist es nicht das gleiche wie damals, als mir das zufällige Zusammentreffen mit ihm noch Bauchschmerzen bereitete.
Denn heute weiß ich, dass ich in Wahrheit gar keinen Mann haben wollte, bei dessen Anblick die Frauen reihenweise lang hinschlagen. Viel zu anstrengend.
Heute und hier, gelehnt an den Fahrplan, in der schwülen Hitze des Großstadtsommers habe ich in seiner Gegenwart plötzlich nur noch einen Gedanken:
Sex.
Jetzt sofort.
Ohne Hemmungen, zügellos. Ich war fest davon überzeugt, er dachte in diesem Moment das gleiche und auch wenn wir uns auf Grund unserer getrennt gegangenen Wege auseinander gelebt haben, ergriff uns der altbekannte Dialog ohne Worte von neuem.
Manchmal sind es nur Details, die eine Situation wie diese hier auslösen.
Unsere Blicke treffen sich, er steht auf und kommt mit gespielt schüchternem Lächeln langsam auf mich zu.
„Lass es uns tun“, flüstert er mir ins Ohr, während seine Arme mich fest aber zärtlich gegen die Plexiglaswand der Haltestelle drücken, „nur noch dieses eine Mal…“.
Meine Beine und Hände beginnen zu zitterten und ich versuche, die Situation zu realisieren. Er schmiegt sich an mich, zieht mich näher zu sich und ich genieße den vertrauten Duft von Aqua de Gio und ihm. Zärtlich streicht er über meine Wange, umfasst mit beiden Händen meinen Kopf und zieht ihn immer dichter an seine erwartungsvollen Lippen. Ich schließe genießerisch die Augen und als ich endlich seinen Mund, seine Zunge spüre...stöhne ich unwillkürlich auf. Diese paar Sekunden ließen das vergangene Jahr vollkommen aus meinem Gedächtnis verschwinden. Seine Lippen und sein Geschmack waren mir so vertraut und brachten die alten Gefühle der Nähe und Zusammengehörigkeit wieder mit sich. Wir küssen uns wie Ausgehungerte und vergessen die Umgebung. Und wie damals bin ich plötzlich wieder Wachs in seinen Händen. Bei jeder seiner Berührungen erzittert mein Körper und der dünne Stoff, der seine Hand von meiner Haut trennt, scheint unter innerer Hitze zu schmelzen.
Mein Puls schnellt in die Höhe und ich spüre, wie meine Hände feucht werden.
Er spielt mit meiner Erregung, macht mich zu seiner Marionette, während seine Hände über meinen Körper fahren, meinen rechten Oberschenkel umfassen und fest um seine Hüfte schlingen. Lustvoll gleiten seine Lippen über meinen Hals, er streift mit einem Ruck das T-Shirt von meiner Schulter und beißt spielerisch in meinen Nacken, während ich seufzend stöhne und mein Becken an ihm reibe. Mein Körper passt sich seinen Bewegungen an und verlangt nach seinen Händen. Er hat seine Augen geschlossen und stößt leise, kaum hörbare Atemzüge aus. Zitternd suche ich erneut nach seinen Lippen. Während meine Finger sich in seinem Nacken festkrallen, treffen sich unsere Lippen erneut und Blitze durchfahren mich. Meine Hände gleiten durch seine Haare und zeichneten dann die weichen Konturen seines Gesichts nach. Er bewegt sich mit festen Stößen und ich spüre mein Herz schnell und laut das Blut durch meine Adern pumpen, während sein Mund auf meinem liegt und mit meiner Zunge ein erregendes Spiel spielt. Unwillkürlich schiebe ich meine Hüfte etwas von ihm weg, um ein leichteres Ausziehen des störenden Stückes kleinen Stoffes unter meinem Rock zu ermöglichen. Er stößt einen erregten Seufzer aus als er mit sanften, kühlen Händen meinen Po umfasst, mich ein wenig anhebt und vorsichtig in mich eindringt. Ein Aufstöhnen entfährt mir und ich bäume mich unter seinem Spiel, welches er nun ohne Stoffbarriere fortsetzt, leidenschaftlich auf.
Sein Gesicht wenn er stöhnt, seine Haut, seine Bewegungen – alles zigmal gesehen. Aber jetzt sauge ich all diese Eindrücke in mich auf, weil ich weiß, dass es das letzte Mal sein wird. Er greift suchend nach meinen Händen, unsere Finger umschlingen sich, krallen sich ineinander, während er sie mit festem Griff über meinen Kopf führt um an der Wand Halt zu finden. Nun bin ich wehrlos und genieße diese ungeheure Welle der Lust, die über mich hereinbricht. Unsere Blicke treffen sich, rhythmische Bewegungen, seine Lippen kommen meinem Gesicht so nah, dass ich seinen Atem fühle, jedoch bevor sie sich berühren, weicht er meinem Mund aus und gleitet meinen Hals entlang.
Immer, wenn ich denke, jetzt explodiere ich, - bricht er im letzten Augenblick ab und beginnt wieder von neuem. Jede Pore meines Körpers kribbelt – ein in dieser Intensität einmalig gebliebenes Gefühl.
Ich liebe dieses Spiel des Hinauszögerns und dieser Mann beherrscht es perfekt. Nur noch einen kleinen Moment ist es ihm möglich mich zu küssen, denn plötzlich ringe ich nach Luft, keuche in seinen Mund, trinke Atem und eine Oxytocinwelle ergreift mich und trägt mich ins Nirvana. Ich spüre seine zufriedenen Blicke auf meinem Gesicht ruhen, dann genügt eine letzte Bewegung und er kommt unter zugleich leichten Zuckungen.
Wir haben nie ein Wort über diese Begegnung verloren.
Aber es war ein perfekter Schlusspunkt unserer Beziehung.

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56 Antworten

Kommentare

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    woran erkennt man die kerle, die das können, ohne dass man es ausprobieren muss?

    05.12.2006, 20:37 von zuckerpuppe
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  • 1

    ich werde so schnell an keiner bushaltestelle mehr stehen können, ohne an diesen text zu denken... ;)

    04.09.2006, 23:56 von Ysbig
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    klingt.. ja... ja spannend. hab mir meine eigenen bilder gemacht. super text

    17.08.2006, 13:32 von Josephin
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    yeah! Rock it Baby *g*

    12.02.2006, 02:29 von Seeedi
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    ein sehr schöner text! ich bin beeindruckt und neidisch, obwohl es bestimmt gefühlsmäßig nicht leicht war!

    09.11.2005, 15:47 von carrie_dorrie_dark
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  • 0

    heiß :-)

    13.10.2005, 09:01 von darleen
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    WOW Echt scharf! will auch! Vielleicht könnte ich menen Ex überreden, bestimmt sogar...

    04.09.2005, 20:39 von angie_neuburg
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    klasse text, mensch.

    25.08.2005, 19:26 von blick
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