painispleasure 20.03.2011, 22:55 Uhr 2 1

Just one decent girl (ein Stoßgebet)

Und die schäbige Fake-Fünfzigerjahrejukebox in dem siffigen Schuppen spielt Death of a Clown.

„Kennst du schon die Dani?“ flötet mir die Freundin meines Kumpels ins Ohr. Im Schlepptau hat sie eine nicht unattraktive schlanke Frau mit braunen Locken und blauen Augen. Ich lächle. „Hallo Dani, trinkst du nen Shot mit uns?“ Sie nickt und lächelt zurück. Kein schlechter Anfang.

Zwei Wodkashots und zwei Pils später hat Dani abgecheckt, dass ich solo bin, wo ich arbeite, wie alt ich bin, wo ich normalerweise rumhänge und dass ich Tiere mag. Ich habe im Gegenzug herausgefunden, in welchem Viertel sie wohnt, dass sie 28 ist und dass ihre Wohnung groß und leer ist und sich „einsam anfühlt“. Mein Kumpel und seine Freundin sitzen in der Ecke rum und haben sich durch Rumknutschen aus dem Dialogkreuzfeuer entfernt. Danis nette, aber ziemlich unförmige Freundin zeigt schon unglaublich lange Fotos ihrer Katzen rum. Dani entschuldigt sich kurz in Richtung Klo davon, und ich beschließe aufs Gas zu treten. Ist ja schließlich Wochenende und ich bin auch schon ziemlich lange solo und sexlos. Also schlendere ich zur Theke, hole noch ein paar Biere und bestelle noch eine Runde Wodka.

Tina signalisiert mir von hinter dem Tresen, dass sie mir etwas ins Ohr zu sagen hat. Sie flüsterbrüllt gegen die Jukebox an. „Du Tom, es geht mich ja nix an. Aber die ist verheiratet. Nicht dass es dir morgen aus Versehen schlecht geht oder so.“ Hm. Ich gebe Tina mein schönstes Lachen und einen Wodka vom Tablett und jongliere die Getränke zum Tisch zurück. Als Dani wiederkommt setzt sie sich gleich ziemlich eng neben mich und legt mir die Hand aufs Knie. Wir trinken. An ihren Händen ist kein Ring.

Wir reden belangloses Zeug und erhöhen den Pegelstand. Zwischendurch gehe ich eine Runde kickern und aufs Klo. Vor der Klotür treffe ich auf Dani, sie hält mich fest. Außer Sichtweite der anderen. „Ich würd gern was probieren..“ sagt sie und blickt mir in die Augen. Ok, denke ich. Wir küssen uns. Sie kann gut küssen, finde ich und überlege, wie es aussehen würde wenn wir uns jetzt verdrücken. „Warum hat so einer wie du keine Freundin?“ fragt sie. „Da gibt es einige Theorien.“ sage ich, „Aber wenn ich ehrlich bin, es liegt an mir. Ich hab ziemlich hohe Ansprüche und kann niemandem vertrauen.“ Und das liegt an Frauen wie dir, denke ich. Sie lacht. „Und ich bin total schlecht im Bett.“ Sie lacht noch mehr und greift beidhändig an meinen Hintern. „Glaub ich nicht.“ Ich setze nochmal an: „Sag mal, das klingt vielleicht blöd jetzt, aber hast du nen Freund?“ „Ist kompliziert, ich erklärs dir ein andermal.“ Aha, denke ich. Das Spiel wird politisch.

Zurück am Tisch. Die Freundin meines Kumpels hat trotz ihrer laufenden Knutscherei anscheinend was gemerkt und blickt misstrauisch. Vielleicht ist Danis momentan gelebte Auslegung von Ehe ja chronisch. Oder vielleicht hat ihr auch die Katzentussi was gesteckt. Jedenfalls sitzen wir kaum, da blökt sie schon „Du Dani, wir hattens grad von deiner Hochzeit, wie gut das Essen da war.“ Keine Ahnung, wen von uns beiden sie jetzt warnen will. Ich lasse mir nichts anmerken, fixiere Dani und lächle. Kompliziert. Sie zieht mich zu sich und flüstert mir ins Ohr „Nimms nicht zu ernst, ich will bloss n bisschen spielen. Ich mein, du bist echt ein guter Typ. Wenn ich nicht schon alles so geregelt hätte, mit Beziehung und so. Du wärst genau der richtige für eine geile Nummer. Also jetzt theoretisch, weißt schon.“ Ja klar. Ich lächle. Und irgendwo tief drinnen verfluche ich diesen ganzen Desperate-Housewives-Sex-and-the-City-Schuhsammlungen-und-Rumvögeln-Scheiß. Und stelle mir vor, wie ich sie von hinten durchnehme und wie sie dabei schreit. In ihrem Ehebett. Wie ich die Klobrille oben lasse, als Abschiedsgruß. Und wie sie wohl am nächsten Tag das Kondom verschwinden lässt und das Bettzeug wäscht. Später vielleicht.

Die anderen verkrümeln sich nach und nach und irgendwann ziehen wir an den Tresen um. Gegen 3 Uhr sehe ich ein, dass ich heute trotz Unmengen Alkohol einfach nicht betrunkener werde, es gibt so Abende. Die letzten zwei Stunden habe ich damit verbracht, Dani weiter vorzuglühen. Hauptsächlich erreiche ich das durch Ausweichen, Scheinangriffe und Geheimnisvollwirken. Sie hat, seit die Katzenpummelfrau als letzte der Runde gegangen ist, laufend eine Hand auf meinem Bein oder in meiner Arschtasche und macht massierende Bewegungen. Es fühlt sich ziemlich gut an. Ich habe den Eindruck, sie platzt gleich vor Notgeilheit und ist völlig willenlos besoffen. Tina wechselt zwischen komischem Grinsen und Kopfschütteln, wenn sie sich in unserer Nähe aufhält. Bald ist Schluß, die letzte Runde steht vor uns. Dani dreht mich mit dem Barhocker zu sich und legt die Hände an meine Hüften.

Und die schäbige Fake-Fünfzigerjahrejukebox in dem siffigen Schuppen spielt Death of a Clown. Tina fängt an, die Stühle hochzustellen. Es wird Zeit. „Ich bin jetzt mal mutig. Ich will dass du mit zu mir kommst und mich fickst.“ Ich lache. „Und was ist mit deinem Mann?“ „Der ist zwei Wochen in Paris.“ Sie lehnt sich rüber und haucht mir ins Ohr. „Ich bin total ausgehungert.“ Ihre Stimme ist heiser. „Dann schaun wir mal, wie oft dein Mut heute noch belohnt wird..“ flüstere ich zurück und grinse. Mit den ganzen Bieren im Kopf ist sie wirklich richtig hübsch. Es ist vier, außer uns gibt es nur noch drei andere Gäste. Neidische Blicke, schließlich bin ich der einzige verbleibende Typ der heute noch todsicher die Trommel leerballert. Tina bittet uns zu gehen. Ich zwinkere ihr zu. „Bis nächste Woche.“ „Machs gut, Tom.“ Die Tina, denke ich. Ne ganz liebe.

Wir schlendern engumschlungen zum Taxistand. Ich öffne ihr die Tür und helfe ihr auf den Rücksitz. Unsere Hände lösen sich. „Da gibt es nur noch ein Problem“, sage ich. „Ich mach sowas nicht.“ Ich lächle. „Mach es gut.“ Ich schließe die Taxitür ohne ihre Reaktion abzuwarten, drehe mich um und gehe los. Du betrügst heute keinen mehr, denke ich. Ganz schön armselige Rache, du kleiner Wichser, denke ich. Der Tom gegen die Frauenwelt, wie schon so oft. Ich frage mich, zum gefühlt zehntausendsten Mal, wie es passieren konnte dass ich so geworden bin. Death of a Clown, flüstere ich. Und lache mich aus.

1

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    The old fortune teller lies dead on the floor
    Nobody needs fortunes told anymore...

    Wo läuft den »Dead of a clown«?
    Ich muss gelegentlich immer dieses entsetzliche Lola ertragen...

    21.03.2011, 19:09 von sailor
    • 0

      @sailor Tja als Rausschmeißer isses nicht schlecht. Wenn man das morgens im Suff hört will man schnell heim, und wenn es nur ist um sich aufzuhängen.

      21.03.2011, 21:09 von painispleasure
    • 0

      @painispleasure Na dann hat man wenigstens was zu tun am Sonntagmorgen...

      22.03.2011, 09:32 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Ficken ist doch überbewertet. Schön nachvollziehbar erzählt, wenn auch die Moral am Ende fragwürdig ist, ...

    21.03.2011, 18:41 von EliasRafael
    • 0

      @EliasRafael wieso denn das? die moral steht wie n 1.

      21.03.2011, 18:47 von Icke_un_du_ooch
    • 1

      @Icke_un_du_ooch Der Autor sucht sie noch, die Moral.

      21.03.2011, 19:01 von painispleasure
    • 0

      @painispleasure die moral des autors ist mit der motivation von Icke einen trinken. beides fehlt, es ist ein graus.

      21.03.2011, 19:05 von Icke_un_du_ooch
    • 0

      @Icke_un_du_ooch hoffentlich fragt ickes motivation des autoren moral nicht nach ficken. das könnte ins auge gehn.
      hihi, ich hab ficken gesagt. und schon wieder.

      21.03.2011, 19:10 von painispleasure
    • 0

      @painispleasure icke smotivation is ein faules miststück, da is selsbt ficken zuviel.

      21.03.2011, 19:18 von Icke_un_du_ooch
    • Kommentar schreiben
  • Ski und Schiene

    Freeriden ist Tiefschneefahren für jedermann. Wir haben die besten Abfahrten verbunden – mit Hilfe der Eisenbahn.

  • Die Weihnachts-Links d. Woche

    u.a. mit klingenden Kassen, jeder Menge Vorfreude auf das Fest der Liebe und einem treffenden Rückblick auf die Highlights und Fauxpas des Jahres.

  • Wie siehst du das, Valerie Schmidt?

    Jeden Mittwoch interviewen wir NEON-Fotografen oder Illustratoren. Auf unsere 10 Fragen dürfen sie uns nur mit Bildern antworten.

Adventskalender: Jetzt gewinnen!

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare