KleinJen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 25 1

In deinem Leben ist kein Platz für mich...

Wieder wache ich allein auf, wie so oft wenn ich die Nacht bei dir verbracht habe.

Ich schaue aus deinem Dachfenster und beschließe mich noch einmal in deinem Bett umzudrehen und deinen Geruch, der noch immer in den Kissen steckt in mich aufzusaugen und noch ein wenig zu dösen. Meine Gedanken beginnen sich zu drehen, daran zu denken, was wir letzte Nacht getan haben... Lange Gespräche die dann doch im Bett endeten und genau dort liege ich jetzt und vermisse deinen Körper neben mir, wünsche mir, dass du deine Hand noch einmal auf meinen Bauch legst und sie dort einfach für ein paar Minuten liegen lässt.

Doch als ich meine Augen wieder aufmache sehe ich, was wirklich ist: Unsere Klamotten in der ganzen Wohnung verteilt, zwei Flaschen Prosecco neben dem Sofa, die Anlage, mit der Lauryn Hill CD darin, ist immer noch an. Die CD starte ich zum aufwachen, setze mich auf dein Sofa und rauche noch eine. Keine Ahnung, wie oft ich diese CD schon mit dir zusammen gehört habe. „You’re just too good to be true...” Nein, alles Schwachsinn, wir haben schon zu oft über dieses Thema geredet und ich weiß, dass ich solche Gedanken nicht zulassen darf, denn sie bringen sowieso nichts.

Nein, stattdessen schlendere ich jetzt durch deine Wohnung, die ich mittlerweile schon besser kenne als mein eigenes kleines Zimmer. Ich sammle die Klamotten zusammen, räume die Gläser und Flaschen weg, mache das Bett, alles wie immer, denn wenn du heute Abend nach Hause kommst, soll dich nur mein Geruch in deinem Bett an mich erinnern und kein hinterlassenes Chaos.

Während ich mir eine Badewanne einlasse frage ich mich, warum ich das immer wieder mit mir machen lasse. Ich bekomme nichts davon mit, wenn du dich morgens um sechs aus dem Bett schleichst, deine Sachen packst und fährst. Manchmal wache ich kurz auf, wenn du mir noch einen Kuss gibst und sagst, ich solle noch ein wenig schlafen, doch ich weiß nicht einmal ob du das immer machst oder eben nur dann wenn ich davon aufwache. Ich bediene mich an deinem Kühlschrank, nehme mir die Flasche Wasser mit in die Badewanne und trinke sie komplett aus und hoffe insgeheim, dass es nicht deine letzte war. Ich grinse über diesen Gedanken, denn eigentlich sollte es mir egal sein, denn du hast mich schließlich hier alleine gelassen. Aber das ist egal, ich denke nicht dran.

Als ich aus der Badewanne steige sehe ich mein Auto, als ich angekommen bin, stand deins neben meinem, jetzt ist dort nur noch eine Spur im Schnee zu sehen. Ich ziehe mich an, suche den Rest meiner Sachen zusammen und setze mich auf dein Bett. Insgeheim freue ich mich, ich weiß, dass ich hier bald wieder sitzen werde, mit dir zusammen und wir werden uns wieder in die Kissen fallen lassen und gemeinsam einschlafen und am nächsten Morgen wache ich auf und hoffe inständig, dass du dich gegen das Board und für einen Morgen mit mir entschieden hast. Doch so selten wie das passiert, muss ich wohl warten, bis der Winter wieder vorbei ist und du dich ab 9 Uhr früh in den Kissen wälzt und unbedingt irgendetwas tun willst und mich irgendwann entnervt dazu bewegst auch aufzustehen.

Eigentlich ist es mir lieb so, alleine aufzuwachen, den Morgen zu genießen und schmunzelnd an die letzte Nacht zu denken. In deinem Leben ist kein Platz für mich und ich denke in meinem auch kein Platz für dich. Deshalb ist das gut so, ich ziehe die Tür hinter mir zu und hinterlasse dir deinen Schlüssel wie verabredet unter der Fußmatte. Manchmal spiele ich mit dem Gedanken ihn mitzunehmen, doch... In deinem Leben ist kein Platz für mich und wahrscheinlich ist das auch gut so.

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25 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    wirklich super schön geschrieben...

    aber es kann nciht nur frauen so gehen mit der einseitigen liebe, mir geht es auch so und halte kontakt - obwohl es wahrscheinlich klug gewesen wäre den kontakt gleich nach dem ersten mal abzubrechen...
    aber so ist sie halt - die einseitige liebe


    wäre gerne so stark und könnte es so rational sehen...
    danke :)!

    16.06.2005, 23:28 von Schwarzlicht
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    Schöne Geschichte, aber so traurig :[

    15.05.2005, 19:04 von Junge_Helden
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    Das find ich irgendwie doof, nein schade für euch beide. Ich mag solche Geschichten nicht.

    11.05.2005, 20:08 von olympic
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    hallo liebe jen,

    dein text ist toll, ich habe ihn gerade einer freundin geschickt der es ähnlich geht, Unterschied: Sie liebt ihn, er sie nicht.

    Und das ist wirklich difficile....

    so long
    splendid

    28.04.2005, 17:24 von splendid
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    meine freundin leidet zuweilen, wie ich glaube, unter dem gleichen phänomen. hat aber gar nichts damit zu tun dass kein platz ist für den anderen. geh halt mit zum snowboarden, du wirst es nicht bereuen...

    24.03.2005, 20:42 von korb_man
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    also ich finde die beziehung der beiden toll! zumindest, wenn sich nicht tag ein, tag aus das oben beschriebene bild bietet...

    aber morgens aufzuwachen, zu wissen, der andere hat neben mir, bei mir, mit mir geschlafen und beim aufstehen ruecksicht auf mich genommen.... gemuetlich aufzustehen und dann nach hause zu fahren... ist doch schoen :o)

    ich finde, dass da durchaus platz ist - und sei es nur im bett :-)

    23.03.2005, 20:17 von Anna-
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    schöner text, ein bisschen traurig. aber weniger traurig, als die überschrift vermuten lässt.

    Geniesse doch einfach, was du hast! :)

    21.03.2005, 17:35 von aeni
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    Ich kann das alles was du da beschreibst auch gut verstehen.
    Man weiß ganz genau, dass es falsch ist. Eigentlich... wenn man die ganze sache mal objektiv betrachtet, weiß man sofort was zu tun ist. Alles abbrechen und NIIIEE wieder diesen Fehler machen. Aber leider ist das nicht so leicht!
    Aber was soll man dann bloß machen??

    *roverin*

    06.03.2005, 12:50 von roverin
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