Paul_Kaufmann 22.03.2018, 08:15 Uhr 6 1

Ich, Onan der Barbar

Jetzt mal was über ein Thema bei dem sich jeder auskennt. Hoffe ich.

Am liebsten onaniere ich ja. Onanie ist eine feine Sache. Ich bin geübt darin. Ich mache das täglich und in dem täglich steckt der Plural drin.

Der Arzt Kellogg, ja genau der mit den Frühstücksflocken, empfahl Eltern ihre Kinder im Bette festzubinden. So verhindere man Onanie, die die Wurzel vieler Übel sei. Man würde davon dumm und sehe schlechter, besagte ein Gerücht. Das ist Unsinn. Wenn das stimmen würde, säße ich sabbernd hier und wäre komplett blind.
Schwachsinnig und blind wird man bei Selbstbefriedigung und Sperma entstammt dem Rückenmark. Das dachten die Leute wirklich! So denkt heute keiner mehr. Doch auch heute liegt die Onanie im Schatten. Sie wird nicht ernst genommen. Als Notlösung gilt sie. In Verlegenheit betreibt man sie. Ist das überhaupt Sex? Onanie gilt irgendwie nicht als Sex. Man macht ihn ja mit sich selbst, was in der Regel ziemlich einsam ist. Es ist irgendwie nur so ein halber Sex.

Aus diesem Winkel wird Selbstbefriedigung gern betrachtet, wenn denn überhaupt.

Diesen halbgaren Ruf hat die Onanie zu Unrecht. Keine Statistik erfasst diesen sehr privaten Spaß. Ich bin mir sicher: Kein Sex wird häufiger gemacht. Kein Wunder: Onanie ist die optimale Lösung für das Verlangen in vielen Lebenslagen. Die Vorteile liegen in der Hand.

Man kennt den Partner gut, was beim Sex von Vorteil ist. Auch hat man alles dabei, den Kopf und das Geschlecht. Mehr braucht man nicht. Das ist einfach. Das kann ja nur gelingen.

Ich kenne Frauen die tun es am Tag fünf Mal. Einige bekommen Orgasmen nur mit sich. Niemand macht es ihnen so perfekt, wie sie sich selbst.

Ich kann das verstehen. Der normale Sex ist kompliziert. Da sind zwei Personen, mindestens. Da ist ein Gegenüber. So ein Gegenüber kann ganz schön lästig sein.

Der Vorteil von zwei und mehr Personen beim Sex ist die Stimulation. Die anderen machen ja etwas. Sie fummeln an einem herum, oder stellen sich als Arbeitsmaterial zur Verfügung. Es ist immer ein hin und her, ein Nehmen und Geben. Es ist ein Austausch, da kommt Input und das reizt mit Reizen und mit Ziel. Das kann sehr handfest und phantastisch sein. Allerdings muss man reagieren auf dieses Gegenüber. Es muss ein Zusammenspiel sein und das ist Arbeit. Sex mit Partnern ist anstrengend. Immer diese Rücksichtnahme, immer dieses Reagieren, Mitdenken und vielleicht noch freundlich sein. Das will man manchmal nicht. Manchmal will man einfach nur Befriedigung. Manchmal will man sich einfach nur geil machen und dann kommen, spritzen, zucken. Manchmal ist manchmal ziemlich oft.

So kann es mir denn auch passieren, dass in Spitze gekleidet die Dame auf denn Bette wartet, doch ich Banause entschuldige mich und sage ich hätte Migräne. In Wirklichkeit habe ich zuvor gehobelt. Im Bad liegen noch die Späne.

Die Onanie kann besser sein, als der Sex zu zweit!

Seien wir mal ehrlich: Beim Sex mit einer Partnerin, einem Partner, läuft nicht immer alles optimal. Wie oft wird der gewünschte Wunsch nicht erfüllt, weil nicht genannt, oder beiden nicht bekannt? Wie oft stört beim Blick aus nächster Nähe hier ein Makel, dort ein Pickel?  Ist man Ästhet so fällt einem doch immer wieder diese eine Proportion ins Auge, die einem insgeheim am anderen doch nicht so gefällt. Wie oft hat man beim Sex einen Krampf im Bein? Wie oft ist man beim Vögeln verrenkt und müht sich ab? Wie oft hat eine Stellung Tücken? Wer hat noch nicht erlebt, dass Geilheit blitzschnell vergeht, schmeckt ein heiß ersehntes Körperteil unerwartet streng? So ist die Realität. Das schmeckt nicht immer jedem.

Nur im Film verläuft Sex optimal. Nur dort ist alles richtig schön und glatt. Und in der Phantasie, auch dort…

Die Selbstbefriedigung benutzt die Phantasie. Selbstbefriedigung ist Sex im Kopf mit Rubbeln noch dabei. Bei der Selbstbefriedigung schmerzt kein Bein, oder man kommt irgendwo nicht dran. Ok, ein paar Ungeschickte gibt es immer, die zählen nicht.

Die Phantasie füllt alles perfekt genau so, wie es soll. Sie ist meilenweit entfernt von den Nachteilen der Wirklichkeit und zeigt sie nicht. Sie fallen ihr gar nicht ein.

Viele stimulieren sich mit Bildern. Früher kaufte man verschämt ein Pornoheft in einem Kiosk, zufällig am anderen Ende seiner Stadt. Die Hefte der Fremden fand man später dann zerfledert im Wald zwischen irgendwelchen Fichten, oder in Nachbars Altpapier ganz unten. Heute gibt es angeblich dafür das Internet. Da soll es solche Bilder geben, hat man mir erzählt.

Diese Bilder füttern die Phantasie. Zeigen was möglich, aber oft nicht durchzuhalten ist. Es sind Vorlagen, mehr nicht. Jeder weiß das.

Was erfindet man sich bei der Selbstbefriedigung? Ich habe noch nie darüber gelesen, noch kein Wort. Da schreibt niemand drüber. Haben die Phantasiefiguren Gesichter? Sind es Persönlichkeiten auf und in die man im Traum da spritzt? Hm, bei mir kaum. Ich sehe keine, glaube ich.

Und wo ist man in der Phantasie? Ist man Darsteller, oder ist man Zeuge? Ist man mittendrin, oder nur dabei? Ich weiß nicht recht. Diffus ist das irgendwie. Wieso redet man darüber nie?

Schon klarer sind die Gegenstände der Phantasie. Was phantasiert man da? Ich persönlich habe da so Settings. Das sind Einstellungen, Szenen. Sie sind sich ähnlich und im Detail immer wieder wandelbar. Sie begleiten mich seit Jahren.

Das kann ganz sanft sein. Szenen mit einer Blumenwiese, nackte Frauen, alles ist ganz pflaumenweich. Das ist eher selten.

Uhh, jetzt wird mir gerade anders, uhh, jetzt werde ich scharf. Ich denke an mein Lieblingssetting: Eine Frau mit langen glatten Beinen stakt auf Higheels durch den Schlamm mit ihrem Chef. Dann steigt sie in den Bauwagen rein und wird von der Gruppe Bauarbeiter durchgevögelt, dass die Bude wackelt. Das ist nicht sehr ästhetisch. Das einzige was schön ist auf dem groben Tisch und bei dem ganzen Dreck, ist sie. Und die Typen… buhaaaa. Sie grunzt vor gier und ächzt vor Ekel, von überall wird sie bedient und Sperma spratzt aus ihr heraus, weil sie die Flüssigkeit bei so viele Männern gar nicht halten kann. Der echte Kick ist, dass ich als ihr Erschaffer weiß, dass ihr das jetzt so gehen wird für viele Stunden. Es ist eine riesengroße Baustelle und nur eine Frau!

So etwas phantasiere ich. Aber nicht nur solches, gelegentlich auch harte Sachen.

Neben dem Vorteil, dass alles möglich und nichts strafbar ist, gibt es noch den, dass niemand wirklich Schmerz erfährt. Niemand wird verletzt, zumindest hat sich noch nie eine meiner Phantasiefiguren bei mir beschwert am nächsten Tag. Könnten sie ja. Es sterben ja nicht alle.

Onanie ist perfekt, sie passt zum Wunsch, immer. Man kann justieren, wann man kommt. Es kann Minuten dauern, oder Stunden. Das große Geheimnis der Onanie ist die vollkommene Kontrolle. Das gibt es nirgendwo sonst.   

 

Moment Mal, was schreibe ich denn hier? Was sollen denn die Leute denken? Ich quassele mich um Kopf und Kragen!

Also lieber Leser und vor allem liebe Leserin: Der Text ist reine Theorie. Ich onaniere nie. 

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6 Antworten

Kommentare

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    Haha, zu geil. 

    Ne. Keiner onsniert. Dat is n Märchen... haste Recht :D

    26.03.2018, 11:51 von Mitmichnich
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    Conan, der Barbar als intertextuelle Referenz, klasse Überschrift. Nur, was folgt ist Anais Nin auf Männlich für Arme, nein, eigentlich nicht mal das. Eher so eine Sprache aus dem 19. Jahrhundert, vermischt mit Sex-Ratgeber der frühen 1960er Jahre. Oder doch Porno-Paules Praline-Kurzgeschichten?

    22.03.2018, 11:39 von green_tea
    • 0

      Also selbst wenn man sich mit der Materie nicht so auskennt muss man erkennen, dass a) im 19.Jahrhundert ganz anders geschrieben wurde, stilistisch und inhaltlich, und b) in den Sex-Ratgebern der 60er gaaaaanz andere Dinge stehen. Ich kann es beurteilen. Ich habe einen hier stehen. Erbstück. 

      22.03.2018, 11:49 von Paul_Kaufmann
    • 0

      "im bette"? nö.

      22.03.2018, 16:11 von green_tea
    • 0

      Jaaaaa green_horn, sorry, tea, oh wunder, oh wunder. Kelloggs dazugehöriges treatment ist ja auch von 1888 und darauf nehm ich Bezug in dem Satz. Total absurd dann eine kleine Brücke zu schlagen in die Zeit, total absurd ich weiß. 

      Es steht übrigens eins zu eins. Meine Buchhalterin weint über den Kommentar, ich lache. Der Grund ist der gleiche. 

      22.03.2018, 17:47 von Paul_Kaufmann
    • 0

      sinnlos, darauf zu antworten

      22.03.2018, 19:08 von green_tea
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