FrankFrangible 30.11.-0001, 00:00 Uhr 14 0

harter Stahl und weiche Körper

Brief eines Gerüstbauers an seine geliebte Frau

 

Heute haben wir das Gerüst vorbereitet, die Gelenkschellen entrostet, die verbogenen Geländer-Stangen begradigt, schadhafte Gerüst-Böden und gebrochene Halterungen aussortiert.

Du weißt was das bedeutet, der Frühling kommt und wir werden wieder loslegen.

Es war so schön, das Skifahren, der Urlaub in der Karibik, die Zeit zuhause mit dir und den Kindern. Jetzt werden sie wieder anbrechen diese harten Wochen und Monate, in denen ich kaputt nach Hause komme, einsilbig bin, zu Müde um mit dir abzuhängen, mit dir und den Kindern Spiele zu machen, zu Müde um dich zu umsorgen und dir die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die dir gebührt.

Du wirst mich, wie jedes Jahr lieblos nennen, aber dabei zwingt mich mein Körper auf das Sofa oder ins Bett, ich bin zu schwach um dich zu halten und dich mit Zärtlichkeiten zu verwöhnen. Auch muss ich dich wieder der Angst aussetzen, mich zu verlieren:

Plötzlicher Blitzschlag, zu nahe Arbeiten an einer Hochspannungsleitung, vereiste, rutschige Gerüstböden am Morgen, Dächer die unter dem Tritt nachgeben, Wanddübel die im mürben Putz die Verankerungen loslassen. Ein unbedachter Schritt, ein überraschender Windstoß, der einen Mann wie Staub vom Gerüst fegt. Es gibt tausend Gefahren und ich will sie dir nicht alle schildern, damit du nicht ständig in Angst leben musst.

Ich liebe dich und ich will dich nicht verlieren, aber versteh wenn ich am Tag nicht an dich oder die Kinder denke, denn jeder Gedanke an euch, macht mich schwach, macht mich unsicher, lenkt mich ab von der Aufmerksamkeit, von der Achtsamkeit, die ich brauche um jeden Tag aufs Neue zu überstehen.

 

Da ist noch diese andere Sache, diese Frauen die uns bei unserer Arbeit beobachten, wenn wir mit schweißnassen, nackten Oberkörpern diese enormen Gewichte bewegen oder wenn wir geschickt und flink, wie Affen, die Höhen erklimmen. Diese Frauen die uns Kaffee anbieten oder kühle Getränke, im Bademantel, im Bikini. Die erleben wollen wie jeder Muskel an uns in Bewegung ist, um ihnen für einige Minuten Freude zu bereiten.

Keine dieser Frauen hat mir etwas bedeutet, aber was geschehen ist kann ich nicht mehr rückgängig machen und ich kann dir nicht garantieren, dass es nicht wieder passiert.

Denn wenn du den ganzen Tag vollgepumpt bist mit Adrenalin, durch das Wissen jeden Augenblick von einem herabfallenden Metallteil erschlagen zu werden oder wie zwischen Mahlsteine, in ein umstürzendes Gerüst zu geraten, dann gierst du nach dem Leben in all seinen Extremen und wenn es nur der Rausch weniger Minuten ungezügelter Wollust ist.

 

Ich weiß nicht ob es billige Pornos sind, die diese Frauen veranlassen in uns Sexobjekte zu sehen? Ob sie der Geruch von Metall und Schweiß so erregt? Ob sie teilhaben wollen an der Lebenslust die uns vorantreibt, die uns über die Abgründe der Fassadenschluchten balancieren lässt? Wollen sie die Härte unserer Körper? Den Stahl der Muskeln, den harten Griff unserer groben Hände? Wollen sie uns bezwingen? Ist es eine Herausforderung für eine Frau, unsere Körper zu erschlaffen, wo es den Tonnen, die wir täglich stemmen, nicht gelingt? Wollen sie austesten ob so harte Kerle wie wir, an ihrer Lust scheitern, nachgeben, schwächeln? Oder wollen sie ihre weichen Leiber mit unseren verschmelzen, gemeinsam geschmiedet im gemeinsamen Rhythmus? Wollen sie genauso schwitzen wie wir? Genauso sich winden und in Muskelzuckungen erstarren?

Sie bereiten es genauso vor, wie wir die Gerüstteile um die Fassade bereitlegen. So richten sie den Kaffee, reizvolle Kleidung und cremen ihre Körper .

Wie wir das Grundgerüst stellen, bieten sie uns Einlass, Verborgenheit, Vertrauen, ihre Bereitschaft.

Wie wir, nach und nach, das Gerüst in die Höhe treiben, steigern sie unsere Lust mit Berührungen, Anzüglichkeiten und Nähe.

Wir sichern das Gerüst vor dem Umfallen, schaffen Schutz durch Sicherungsmaßnahmen. Decken mit Planen das Gerüst ab. Sie verschließen die Tür, die Fenster, ziehen den Vorhang zu, geben uns Sicherheit im Verborgenen. Wie die Arbeit beginnt, indem wir Stiefel, Helme, Handschuhe überstreifen. Beginnt der Akt mit dem lustvollen überstreifen des Kondoms.  

Wir arbeiten fieberhaft an der Vollendung, errichten die Zinnen eines Gerüstes, setzen Fahnen als Zeichen unserer Firma. Sie streben nach der Vollendung des Liebesakts, errichten Glied um Glied, zur höchsten Befriedigung ihrer Gelüste. Wie eine Fahne winden sie sich im Sturm der Leidenschaft.

 

Du lagst in meinen Armen und weißt was ich meine, du weißt ich bin dir treu und mich verlangt nach dir, aber gönn meinem Körper diese Entspannung. Mein Herz, meine Seele will nur dich, aber der tägliche Kampf, diese Schinderei verlangt meinem Körper so viel ab, dass er sich in den weichen Wogen einer Frau erquicken will. Verzeih, wenn mein Geruch am Abend auch den Geruch einer anderen Frau enthält. Sei gewiss, dass es nur ein kurzer Rausch, ein Abtauchen, ein Abschalten war, worin mein Körper Salbung erfuhr. Durch sanfte, wärmende Zärtlichkeiten die den kalten harten Stahl des Gerüsts für ein paar Momente vergessen ließen.

Sei dir gewiss – ich liebe nur dich. 





14 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Klingt für mich nichts aus einem wirklichem Leben. Wenns so wäre würde die Beziehung oder was auch immer das sein mag nicht lange halten :D

    21.04.2016, 23:34 von Protein
    • 0

      Und wenn die Männer immer wieder ihre Arbeit für ein Amusement verlassen würden, würde ihre Arbeitsstelle nicht lange halten. ;-}

      22.04.2016, 06:34 von FrankFrangible
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  • 1

    Muss weinen...

    18.04.2016, 10:56 von sailor
    • 2

      Ei.

      18.04.2016, 11:07 von Fin_Fang_Foom
    • 0


      :D

      18.04.2016, 11:33 von sailor
    • 0

      ;) 

      18.04.2016, 11:34 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Ja, harte Männer haben´s hart.

      21.04.2016, 23:14 von FrankFrangible
    • 3

      "Überraschen Sie meine Tränen? Auch starke Männer können weinen, Mr. Lebowski, auch starke Männer können weinen."

      22.04.2016, 09:47 von RAZim
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  • 3

    Boah.

    Ist das Satire? :'D

    18.04.2016, 09:43 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Nein, das ist für die Satyre, die in männlichen Körpern gefangen sind.

      21.04.2016, 23:13 von FrankFrangible
    • 0

      :D Ach so. 

      22.04.2016, 07:42 von Fin_Fang_Foom
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