noahjonsson 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 13

Gleis 5, Mittwoch, 20:14

All meine Neugier geweckt, deinen Duft geschmeckt, als wäre sie in den letzten zwei Jahren U-Bahn Station irgendwo im anderen Zug verschwunden.

Mein Leben ist wie ein U-Bahnhof. Ich stehe da und ein Zug nach dem anderen zieht gewaltsam an mir vorbei, droht mich mitzureißen, doch ich bleibe stehen. Auf den ein oder anderen möchte ich aufspringen, sie halten nie.

Du bist so einer, dabei solltest du nicht. Ich habe meinen Zug gefunden, schon lange. Er ist einfach so stehen geblieben, hat das Gleis blockiert an dem ich stand und ich fand das gut so. Doch auf der anderen Seite des Gleises rauschst du mit enormer Gewalt vorbei. Schon beim ersten Mal zog mich der Sog hinüber und drüber, doch ich konnte nicht, ich wollte nicht, ich sollte nicht.




Samstagabend. Feiern. Meine Freunde sind zu Besuch in meiner neuen Stadt. Du bist da, wie immer. Vor und zurück fährst du an meinem U-Bahn Gleis vorbei, ohrenbetäubend, sinnesraubend, mit Nebel bestäubend und Gedanken verzaubernd. Unaufhaltsam, so wie ich. All meine Neugier geweckt, deinen Duft geschmeckt, als wäre sie in den letzten zwei Jahren U-Bahn Station irgendwo im anderen Zug verschwunden. Der Verstand bleibt aus, die Augen auf, die Lippen zu, der Abend vorbei. Ein paar wenige Berührungen, vorsichtig, die Blicke umso intensiver ohne Bemühungen ihnen auszuweichen, von doch so großer Spannung, vom Schlag getroffen, ein Foto geschossen, doch Gefühle sind ausgeschlossen, das dürfen wir nicht, das wollen wir nicht. Eine kurze Nachricht, mehr soll es nicht sein, alles ist cool, für dich und mich, aber du bleibst allgegenwärtig. Was gibt es auch zu bereden, alles vergessen und vergeben, weiter gequatscht und gelacht und gemacht, als wäre sie nie gewesen, die eine vernebelte Nacht.

Doch sie war und jetzt kommt sie wieder, du, gewaltsam, schnell, reißt mich mit und reißt mich nieder, Höhenflug, so schön und so unklug, so schnell und nie genug. Inmitten all unserer Freunde, die doch alle wissen, wie es ist, wen wir haben, wen wir lieben, und wie beschissen es ist zu betrügen. Doch der Verstand bleibt aus, die Augen auf, die Lippen öffnen sich, ewig lang der Augenblick und ich will nicht aufhören, dir all das zu sagen, was mein Inneres so sehr aufwühlt. Denn ich will nicht betrügen, will nicht lügen, will weiter lieben und doch kann ich nicht. Du stehst so eng vor mir, hinter dir nur eine Tür, öffne sie oder lass sie zu, ich bleibe. Ich komme nicht klar. Von dem Fremden getrieben, keine Gehirnzelle geblieben, will ich so sehr und noch viel mehr. Doch du hast Hemmungen, zu Recht, die Vorstellungen in mir sind schon mehr als ungerecht. Ich ziehe mich zurück an meine Wand, immer noch so schrecklich nah, doch ich will ihn dir nicht nehmen, deinen Verstand. Nur eine Sekunde und noch kürzer, da ist es geschehen. Ein Kuss, eine Umarmung, kein Verstand und Verwahrlosung. Gepackt vom Reiz des Verbotenen, hast du mich fest und lässt nicht los. Ich kann nicht glauben, was geschieht, bin es ich, bist es du, der sich soeben verliert? Kein Boden unter den Füßen, der Grund bist du, sowohl der auf dem ich Halt finde, als auch der an dem meine Gedanken erblinden, Gefühle verschwinden, wo sich Körper verbinden.

Du wohnst fast nebenan und doch schaffst du es auch dann nicht, als alle ins Bett gehen, zu gehen. Unangenehm schweigend liegen wir zu dritt in meinem Bett. Sie, nichts ahnend, was eben passiert ist, was wir so sicher nicht wiederholen wollen, doch kaum verlässt sie den Raum sind die Pulsadern geschwollen, wir wollen und sollen nicht und doch tun wir noch einmal, was so viel Gutes verspricht. Stürmisch, ein Kuss, für mehr reicht es nicht, sie kommt wieder und wir kehren zurück zum Sicherheitsabstand. Da liegen wir also, stumm, und ich weiß nicht, was das ist, was es wird oder vielmehr nicht wird, denn eigentlich war es nur ein Mal und doch wohl wissend schon mehrmals, nur hat sich keiner getraut, auszusprechen, wie der Trieb unser Gewissen versaut.

Ich schwebe. Sowohl in meinem selbst verschuldeten Leid, als auch in der leisen Hoffnung, noch ein Mal so fühlen zu dürfen. Und du? Wer weiß das schon. Eine kurze Nachricht, mehr soll es nicht sein, nichts ist cool, nicht für dich, nicht für mich, aber du bleibst allgegenwärtig. Keiner kann vergessen, das dürfen wir nicht, Strafe muss sein, wenn auch geheim und insgeheim ein bisschen Genuss. So schizophren der ganze Mist. Und lege ich mich in sein Bett, zu meiner Liebe, zu meinem Held, dann denke ich anders, träume mich weg, was wäre wenn und wann passiert, wenn einer von uns beiden sich wieder verliert?


Tags: Lügen, Versuchung, widerstehen
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7 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Sehr fein zu lesen.


    26.04.2014, 08:33 von atropabelladonna
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    Wirr, laut, leer. U-Bahn Station. Für mein eigenes bisschen mehr Klarheit, Ruhe und Inhalt begann ich aus einer Situation heraus zu schreiben. Allerdings verstehe ich, dass das schwer nachvollziehbar ist. Ich habe dieses Element gewählt, weil es zu meiner Person auf seine Art passt.

    Auf dem Bild hingegen ist nichts zu sehen, als eine hübsche, junge Frau, vermutlich in meinem Alter, die etwas ausdrückt, was meine Gefühlslage wiederspiegelt.

    02.03.2014, 17:17 von noahjonsson
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    u-bahnen und bahnhöfe sind hier für mich verstörende metaphern - sie werden im rap gern auch für viel verkehr unten in tunneln oder im hintertürchen etc. benutzt. ich finde zudem, dass das motiv zu sehr stapaziert wird.

    02.03.2014, 15:14 von libido
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    Oh ich danke dir! Das erfüllt mein ganzes Ich mit Freude, dass das was ich da ausgeschüttet habe, jemandem zu gefallen scheint!

    25.02.2014, 22:34 von noahjonsson
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