nikola 01.09.2007, 22:05 Uhr 0 0

Fuck you and nothing more

Affairen und Ihre Verfallsdaten

Unkomliziert.Leidenschaftlich und Vergänglich. So sollten Affairen sein.
Artikel die man sich im Warenhaus "Club" or where ever else anschaut, einkauft, mitnimmt und ausprobiert.
Das gute daran- bis zu zwei Wochen Umtauschgarantie.

Der Artikel - vielleicht ein Kleidungsstück,sexy mit guter Passform, aber man weiß, dass die Wolle kratzt. Der Status des bis zum auseinanderfallenden, tragenden Wohlfühlpullis ist kilometerweit entfernt .
Also tauscht man es um.

Vielleicht bekommt man sein Geld wieder und vergisst so schnell wie man in seiner Begierde kaufwütig die Einkaufstüte in seine Hand wandern ließ. Vielleicht bekommt man nur einen Gutschein, den man in die Schublade legt, wo er verstaubt, aber daran erinnert sobald man versehentlich das Fach aufzieht und darin rumwühlt auf der Suche nach...

Die Affaire -
Wir probieren es aus weil wir neugierig sind, es zieht uns an, weil die Person unseres Begehrens etwas ausstrahlt, dass uns dazu verleitet sie in unsere Bettlaken einzuladen- der Platz wo sie hin soll. Von all unserem Restlichen lässt sie sich so gut trennen. Wir lassen sie liegen gedanklich und körperlich, wenn wir aufstehen und durch unseren Tag wandeln, ohne dass etwas von ihr an uns haftet. Vielleicht ein bisschen von dem Gefühl dass wir hatten, als wir auch in den Laken lagen. Betrunken von der Nacht mit Zigarettenrauch in den Haaren, schlaftrunken am frühen Morgen, bevor wir uns eilig aus dem Laken schälten, dass am Morgen plötzlich so eng und unrichtig erschien. Entsexualisiert, realisiert vom Tageslicht.

Das Beste daran -
wenn wir müde sind und die Laken sich nicht mehr weich anfühlen, ziehen wir sie ab. Schnell und unkompliziert trennen wir sie von der Matratze und unserer nackten Haut und dann sind sie weg. Womöglich in die Waschmaschine gesteckt und auf Kochwäsche gestellt, um die letzten Momentfetzen versieden zu lassen.

Es war ein Kleidungsstück das sexy aussah, aber wenn wir etwas zu viel Schokoeis geleckt haben, verrutschte es an der Hüfte und nach der sexy Umrundung wird verzweifelt im Spiegel gesucht. Das Gefühl ist weg und wir kramen nach unserem Wohlfühlpulli, der uns ein schönes wohliges Gefühl in der Magengegend verschafft.

Sobald eine Affaire ihr Verfallsdatum überschreitet, sobald wir vergessen die Laken abzuziehen, passiert etwas mit uns, was unverständlich ist. Wir haben uns plötzlich an das Kratzen gewöhnt, dass zu unserem Gefühl auf der Haut gehört. Wir gewöhnen uns an den Geruch der sich in Duft entfaltete und ehe wir uns versehen, verheddern wir uns in dieses Etwas, das uns das Aufstehen zur einer unglaublichen Überwindung werden lässt.

Das ist nicht der Sinn dieser Geschichte, des Namens, dessen Semantik eine zeitliche Begrenzung impliziert. Die Affaire. Der Inhalt hat sich verändert; müsste sich dann nicht zwangsläufig auch der Name verändern, um noch immer davon sprechen - und seine Redeabsicht verdeutlichen zu können?

Das Verfallsdatum einer Affaire - wenn man es überschreitet, muss man mit den Konsquenzen verhandeln. Kein Rückgaberecht. Kein Gutschein. Dafür vielleicht ein neuer Wohlfühlpulli auf einer Hauft, auf der der letzte Kondenstropfen der Vergänglichkeit perlt.

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