Kalinka92 30.11.-0001, 00:00 Uhr 134 32

Er, der nicht du ist

Ich träume von ihm, der nicht du ist. Dabei sollte ich mich endlich davon abwenden, dem Abgrund die Visage zu küssen.

Ich liege im Bett und es wird schon dunkel. Du bist Heute Nacht nicht zuhause, hast geschäftlich zu tun, doch das würde auch nichts ändern, denn ich denke an jemanden, jemand anderen als dich. Ich verzehre mich nach ihm und nichts kann daran etwas ändern.

Ein kleiner Nachtfalter fliegt über mich hinweg. Die sind überall in unserer Wohnung, weil du ständig das Licht anlässt.

Er sieht so weich aus, weich und pudrig, der Nachtfalter. Er wirkt verschwommen, wie er so im Halbdunkeln von einer Zimmerecke in die andere fliegt. So als wäre er gar nicht wirklich da, nur eine Projektion seiner selbst. Schon fliegt er wieder weg.

Jetzt denke ich wieder an ihn, den, der nicht du ist. Ich stelle mir vor, wie er hier ist, bei mir, im Bett. Ich stelle mir vor, wie ich schlafe,wie er hereinkommt und mich wachküsst, so wie du es jeden Morgen tust, und doch irgendwie noch besser.

Ich werfe mich herum und atme tief ein. In die Nase steigt mir der Geruch deiner Seite des Betts. Dieser Geruch nach Schweiß und Axe-Deo. Doch ich stelle mir vor es wäre sein Geruch, lasse mich davon nicht beirren.

Ich stelle mir vor, wie er überall ist, mich berührt, wie er über mir ist. Ich berühre sein Gesicht, ich lächle, denn ich liebe ihn. Jetzt gerade in diesem Moment liebe ich ihn mehr als dich.

Ihn, der nicht du ist.

Wir werden leidenschaftlicher, er und ich. Er küsst meinen Hals und liebkost ihn mit seinen Zähnen, so wie du es nicht kannst, obwohl du weißt, dass es mir gefällt. Ich grabe meine Hand in sein Haar und stöhne leise auf, denn er ist der beste Liebhaber der Welt, der, mit dem ich immer gewinne.

Er, der nicht du ist.

Manchmal fühle ich mich schuldig deswegen. Weil er es ist, den ich will und nicht du. Weil er ist, den ich mir vorstelle, wie er über mir ist, obwohl du es bist auf dem ich bin. Ich werde es dir nie verraten, dir nie sagen was ich fühle, auch wenn ich an sonst nichts mehr denken kann.

Denn am Ende wäre es nicht er, der dich abschreckt. Es wäre der Wahnsinn in mir, der mich ihn erschaffen ließ, der dich von mir stößt. Es wäre die dunkle Seite, die mich ihn lieben lässt, auch wenn ich mich immer wieder für dich entscheide.

Ihn, der nicht wie du ist.

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Kommentare

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  • 1

    Toller Text...

    08.07.2012, 20:27 von Wattehaddedudennda
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  • 0

    traurig oder lustig das alle hier partner- und liebestips geben wollen?! ein text ist ein text ist ein text

    08.07.2012, 16:20 von analog
    • 0

      Traurig oder lustig, dass du offenbar nicht die Hälfte der Kommentare gelesen oder verstanden hast und gleich erstmal drauf los keulst.

      08.07.2012, 16:34 von FrauKopf
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  • 3

    Scheiss auf das Geblubber hier. Diesen Text hast du verfasst, weil du vermutlich in dem Moment genauso empfunden hast. Authentizität befreit von jedweder Kritik. Weitermachen!

    08.07.2012, 00:56 von wisher78
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    • 6

      Authentizität befreit von jedweder Kritik.

      So einen Blödsinn habe ich ja lange nicht gehört.

      08.07.2012, 10:12 von FrauKopf
    • 1

      Da stimme ich FrrauKopf zu...

      08.07.2012, 12:36 von sailor
    • 0

      Eine Frage der Intention. Schreibt man für sich oder für andere. Schreibt man für sich ist jeder Text befreit von Kritik. Meine Meinung...

      08.07.2012, 20:58 von wisher78
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    • 1

      Ich behaupte mal, dass nahezu jeder Text hier aus einer Gefühlsregung heraus geschrieben wurde.Man schreibt seine innersten Gedanken und Gefühle nieder. Etwas das einen persönlich bewegt und berührt. Man schreibt es erst mal für sich selbst und und nicht für eine community.
      Vielleicht ist man neugierig was andere darüber denken, aber dennoch schreibt man es nicht für andere.

      Und -die Gedanken sind frei-, also auch frei von jedweder Kritik.

      Einigen wir uns darauf, dass die rhetorische Verpackung stilistisch durchaus bewertet werden kann, aber der Kern, nämlich die Gedanken der Menschen sind unantastbar.

      08.07.2012, 23:18 von wisher78
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    • 0

      Du lehnst dich ganz schön weit aus dem Fenster :)

      09.07.2012, 08:57 von FrauKopf
    • 0

      Folgt nicht irgendwie alles einer 'Gefühlsregung'...?

      09.07.2012, 10:28 von sailor
    • 0

      @FrauKopf, ja wird sicher noch ein paar mal passieren. ;o)

      @sailor, mhm, ich glaube oft ist im Verhalten der Menschen auch kühle Berechnung ausschlaggebend für ihr Verhalten?!

      09.07.2012, 17:16 von wisher78
    • 0

      Mist der letzte Satz ist irgendwie doppeltgemoppelt. Und wo kann ich ihn jetzt editieren? :-D

      09.07.2012, 17:17 von wisher78
    • 0

      »kühle Berechnung« ist eine kulturelle Errungenschaft.

      Ein paar Etagen tiefer ist auch der Mensch »Driven by instinct« (vor allem wenn's eng wird).

      Die Strategien werden verfeinert, die Impulse bleiben basal.

      09.07.2012, 17:22 von sailor
    • 0

      Dem hab ich nichts entgegen zu setzen. ;o)

      09.07.2012, 21:15 von wisher78
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      Wurde der Fehler korrigiert? Finde die vermeintlich falsche Textstelle gar nicht mehr.

      07.07.2012, 14:29 von justanotherpicture
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    • 0

      ich dacht zuerst auch darüber nach, aber das "ist" bezieht sich ja auf "ihn" und nicht auf "du". Kann mich aber auch täuschen und es ist falsch.

      07.07.2012, 21:34 von Kalinka92
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      Er [...] ist. Das ist schon richtig.

      08.07.2012, 00:38 von justanotherpicture
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    • 0

      "er ist nicht du". stimmt doch. ,oder?

      08.07.2012, 01:40 von Gluecksaktivistin
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      Das Problem ist, wenn ich mich als Laien-Germanist mal einschalten darf, dass das Verb "Sein" kein rechtes Verb ist, sondern (nach meinem Latein-Gedächtnis) ein Coppola, das heißt, zum Verb wird es nur in Verbindung mit einem "Attribut":

      "Ich bin König"

      Das heißt, dass das geforderte Attribut "König" im gleichen Kasus steht wie das "Ich" nämlich im Nominativ: "König bin ich."

      Vgl. Er lobt mich (Akkusativ - wen oder was?).

      Wie schon richtig gezeigt, bezieht sich das "Ist" im Ursprungssatz auf das Realtivpronomen "der" (Nominativ), was insofern grammatisch logisch ist, da es als Realtivsatz in diesem Falle das näher zu bestimmende Subjekt "Er" näher bestimmt.

      "Er, der nicht du bist" - ist auch möglich, jedoch würde dann das Subjekt des Relativsatzes "Du" sein, es könnte auch heißen: "Er, du bist nicht der" - und das nennt sich dann...ach mist vergessen...unverbundener Nebensatz wie: "Peter, Maurer von Beruf, geht auf den Bau" (weiß jetzt nicht, wie der Fachbegriff heißt).

      Eindeutiger wäre es, die Wortstellung zu ändern:
      Er, der ist nicht du
      Oder
      Er, du bist nicht er

      würde aber die Verbendstellung aufheben und damit die Wirkung
      Auch möglich:

      Er, das heißt, nicht du - klingt aber auch komisch.

      Warum nicht eine elliptisch, im Sinne des Nebensatzes, dessen Namen ich vergessen habe?
      Er, nicht du

      Auf der anderen Seite finde ich es "psychologisch" interessant, denn der Relativsatz, der das "ist" enthält, erläutert ja die fiktive Figur näher, und somit wird an dieser Stelle das "Du" zusätzlich "entwertet", ähnliches Phänomen wie:

      Ich bin König - König bin ich.

      Der zweite Satz betont dadurch, dass König zum Subjekt wird und "Ich" zum coppola den König viel mehr - das heißt, das Subjekt des Nebensatzes erfährt eine Hervorhebung, das Coppola eine Verminderung, da es nur noch zum Attribut "degradiert" wird.

      L'État, c'est moi!

      08.07.2012, 11:10 von chrisbow
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      In aller Kürze: Grammatisch nicht falsch, doch man ist es gewohnt, wenn jemanden mit "du" angesprochen wird, dass über das "du" geredet wird, und nicht über Personen, die "sich nicht im Raum befinden".

      08.07.2012, 11:21 von chrisbow
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    • 0

      ich kam auch ins stutzen, bzw. war irritiert...
      zumindest gab der titel anlass zu einer debatte über die deutsche sprache !

      08.07.2012, 11:42 von Gluecksaktivistin
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      gähnt

      09.07.2012, 12:18 von Gluecksaktivistin
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    Uiuiui, da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll... zunächst eine kleine Klugscheißerei:

    "Weil er es ist, den ich will und nicht du. Weil er ist, den ich mir vorstelle,"

    Wie wär es mit geläufigeren Akkusativen, Kommata und einer stilistischen Begradigung in Form eines Parallelismus?

    Weil er es ist, den ich will, und nicht du(weil er es ist, den ich will und nicht dich), weil er es ist, den ich mir vorstelle/weil er ist, was(wen) ich mir vorstelle.

    Nicht bös sein, ich mache auch Fehler (hier in diesem Kommentar bestimmt mehrere)

    Ansonsten stilistisch i.o.

    Jetzt inhaltlich:
    Dass es ein Phantasiegebilde ist, dürfte ja schon aus dem Lead hervorgehen...dieser hat auch einen Lösungsvorschlag, der im Text irgendwie nicht mehr aufgegriffen wird. Vermutlich gäbe es noch ein paar andere Möglichkeiten, mit seinem Partner über den Sex oder offene Beziehung sprechen, sich fragen, welche Rolle Sex im eigenen Leben spielt, ob man mit der Gesamtsituation zufrieden ist.

    Ansonsten hab ich jetzt vermehrt von Frauen gehört, die in der Beziehung resp. Ehe mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, und frage mich, warum sie dann nichts daran ändern - meist bekomme ich von ihnen zur Antwort, Sex sei nicht alles.

    Meine pragmatische Frage ist dann wiederum, warum sie sich dann darüber beschweren? Es heißt, Männer haben Sex um einen Konflikt zu lösen, Frauen haben Sex nachdem der Konflikt gelöst wurde (aus "An deiner Seite") - Wie lässt sich dies nun auf den Text übertragen, denn der Konflikt im Text - nicht so toller Sex - ist ja noch da? Hier scheint es, dass sich der Spruch nicht halten lässt, außer man nimmt an, sie löst den Konflikt einfach im Kopf, bevor sie Sex hat, indem sie sich dafür entscheidet, mit jemand anderem Sex zu haben - und den hat sie dann auch - in der Phantasie mit aller Befriedigung, mit jemand anderem - kritisch wird es nur, und da ist wohl auch das schlechte Gewissen zu suchen, dass nach diesem Sex der Konflikt immer noch da ist...wie gesagt, ich würd ihn lösen, dann ist auch der Sex besser - und meist auch die Beziehung. Ansonsten könnte es passieren, dass sich der Konflikt, den man sich im Kopf ausgeredet hat, wieder zurück meldet und dann die Phantasie nicht mehr ausreicht...ein Glas Wein, ein attraktiver Gegenüber, ein Anlass...

    ...übrigens ist es nicht immer mit pornoschauenenden Männern zu vergleichen, denn die können durchaus mit ihrem Sexualleben zufrieden sein (Das ist dann eine Frage der Stimulation beim Sex mit sich selbst, weshalb es Männern auch reicht, einzelne Körperteile in der aufnahme wackeln zu sehen)

    ...übrigens übrigens ist die Zielgruppe der Axe-Deo-Produzenten die 13 bis 19 Jährigen, da würd ich als Partnerin noch mal nachregulieren...bei 92 Jahren würd ich da eher 47/11 empfehlen ;)

    07.07.2012, 12:46 von chrisbow
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    • 1

      Nicht 92 Jahre, sondern 1992 geboren. Also Altersspanne noch nicht soweit hinter mir gelassen ;-)
      Den Text könnte man bestimmt noch ewig umformulieren. Wenn ich ihn nochmal lese, würde ich ihn auch nicht nochmal genauso schreiben, aber das habe ich und ich will ihn nicht im Nachinein wieder änder. Trotzdem danke für die Anmerkungen.
      Hier über mein die Befriedigung in meinem Sexleben zu diskutieren wäre, nicht böse gemeint, dann doch etwas zu viel. ;-)

      07.07.2012, 21:38 von Kalinka92
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    • 1

      @ Kalinka:n Same procedure as every text: Ich versuche es zu vermeiden den Autoren anzusprechen und kann durchaus zwischen Erzählerin, Figur und Autorin trennen...ich habe nicht einmal angenommen, dass der Text von dir handelt, die Sache mit dem Deo ist mit einem ironischen Zwinkern versehen - ich finde es interessant, da die Markenlancierung an dieser Stelle sehr auffälig ist.

      Dass der Text geändert wird, nahm ich auch nicht an, das Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi und manchmal ist es interessant Texte zu lesen, die man vor Jahren geschrieben hat. Selbst Van Gogh hätte seine größten Gemälde am Ende seines Schaffens bestimmt anders gemalt...das nennt sich dann bei ihm blaue Phase und so..also, du musst nix ändern...

      @Hildegrunde: Interessant, ich sah gestern nur noch, dass du meinen Kommentar kommentiert hast, und dachte, du würdest minen konstruktivistischen Unterbau kritisieren...na ja, der ist wackelig, das gebe ich zu, aber:

      "so wie du es jeden Morgen tust, und doch irgendwie noch besser."

      "Jetzt gerade in diesem Moment [in dem sie Sex mit ihm hat] liebe ich ihn mehr als dich."

      "Er küsst meinen Hals und liebkost ihn mit seinen Zähnen, so wie du es nicht kannst, obwohl du weißt, dass es mir gefällt."

      " Weil er es ist, den ich will und nicht du. Weil er ist, den ich mir
      vorstelle, wie er über mir ist, obwohl du es bist auf dem ich bin."

      ...lässt für mich nicht gerade auf eine harmonische Intimbeziehung schließen. Ganz im Gegenteil, das schließt sie aus. Mein theoretischer Unterbau beansprucht natürlich keine metaphysische Gewissheit, es gibt gewiss auch Frauen, die Probleme mit Sex lösen, oder Pornos zur Selbstbefriedigung schauen, interessant ist an dieser Stelle, so sehe ich das (reduziert auf das, was ich im Text lese, denn ich weiß ja nicht, ob es noch andere gibt), dass hier Sex das Problem selbst ist. Die Lösung, die ich anbot, gesetzt, es ist so, wie der Spruch sagte, dass es schon sinnvoll ist, das Problem vorher zu klären.

      Persönlich finde ich, ist das Sexualverhalten immer ein Spiegel der Beziehung, was nicht heißt, dass jeder Ideal-Sex haben muss, sondern vielmehr, dass die Veränderung im Sexualverhalten meist auch mit einer Veränderung der Beziehung insgesamt einher geht. Weshalb ich sogar glaube, dass das Problem ein anderes ist, nämlich die mangelnde Anziehungskraft des Partners. Gesetzt meine Konstruktion stimmt, so wird er dieses Problem nur mittels Sex lösen wollen (insofern er es als Problem sieht), sie hingegen wird sich immer mehr zurückziehen, da Anziehung mehr als nur die äußerliche Attraktivität beinhaltet (siehe meine Zitate)..und somit kann, was momentan noch eine Phantasie ist (die, wie angedeutet der Realität ja schon vorgezogen wird), eigentlich der Anfang vom Ende sein. Nun ist es so, dass ein prominenter Vertreter in Sachen Liebe sagt, Liebe entsteht/erhält sich vor allem durch Kommunikation, und sie vergeht durch den Mangel an Kommunikation...und der Mangel an Kommunikation beginnt hier nun mal mit dem Satz:

      "Ich werde es dir nie verraten, dir nie sagen was ich fühle, auch wenn ich an sonst nichts mehr denken kann."

      08.07.2012, 10:40 von chrisbow
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      Wie gesagt, ich arbeite mit dem, was der Text hergibt, stelle eine - nicht von mir entwickelte - Theorie auf (der prominente Vertreter ist übrigens Luhmann), und versuche zu beweisen, ob sie stichhaltig ist anhand dessen, was der Text hergibt. Ich versuche demnach das, was ich intuitiv glaube, explizit nachzuweisen - ist so eine Literaturwissenschaftlermasche von mir. Auch wenn ich mir der Möglichkeit bewusst bin, dass eine Theorie eben doch nur eine Theorie ist, so finde ich "Kann anders sein" nicht sehr stichhaltig oder intersubjektiv überprüfbar. Da bin ich Pragmatiker, ich glaube an die Kontingenz, finde aber, dass unwahrscheinliche Konstruktionen müßig zu diskutieren sind.

      Wenn demnach eine fiktionale Person derart bevorzugt wird, so finde ich es unplausibel, dass es die Kirsche auf dem Eis ist, dass es kein Problem gibt. Die Konstruktion versucht eine Erklärung abzuliefern, die wiederum plausibel zeigt, woran es scheitern kann, am Nichtkommunizieren. Es heißt, Vertrauen ist dann, wenn man nicht mehr nachfragt. Ich glaube, man muss nicht mehr nachfragen, wenn man annimmt, dass der Partner es auch ohne Nachfrage sagt, etwa, dass er in irgendeiner Form mit irgendetwas unzufrieden ist, so wie der Partner darauf vertraut, dass man damit umgehen kann. Aus seiner Perspektive also ist ihr Schweigen ein Vertrauensmissbrauch - und das kommt eigentlich noch vor dem, was der Text uns hier darstellt.

      Nun liefere ich ja zugleich noch die Deutung der Gegenperspektive, dass der Partner aus ihrer Sicht nicht mehr attraktiv ist. Das kann daran liegen, dass er sich gehen lässt, das kann aber auch daran liegen, dass aus Gewöhnung das Attraktivitätsgefühl einfach verschwunden ist (Eis ist lecker, aber dreimal am Tag und nach einer Woche quillt es dir aus den Ohren raus). Warum auch immer, das mag ich nicht zu beurteilen, das Problem, und das versuchte ich ebenso darzustellen, ist, dass ER es vielleicht nicht sieht, nicht sehen kann -weil es ihr Problem ist - und deshalb ist es, wenn das Problem gelöst werden soll, an ihr das zu tun.

      Mit all dem versuche ich schließlich nicht zu sagen, es ist so, sondern vielmehr den Spielraum der Möglichkeiten zu erweitern, sie kann auch sagen, sie fühlt sich wohl dabei, ab und zu ein schlechtes Gewissen haben, das braucht sie vielleicht - kann ich nicht beurteilen, fänd ich zwar auf Grund der allgemeinen Vorstellung von "Glück" ziemlich unplausibel, aber das spielt keine Rolle, denn gesetzt sie fühlt sich glücklich dabei, heißt das nicht, dass das anderen so geht, und sollten jene diesen Kommentar lesen, sehen sie vielleicht ein wenig anders auf die Sache, und jene sind es auch, die ich damit anspreche. Nicht die Isso-Menschen, alles Isipisi, die will das so haben, sondern jene, die an sich etwas verändern wollen (das sind meine impliziten Leser), wenn sie oder sie oder du dabei aus meinem Erwartungshorizont fallen, dann kann ich nur sagen, ich beschränke mich lieber auf wenige, als alle zu erreichen.

      08.07.2012, 20:24 von chrisbow
    • 0

      Erreichen zu wollen...

      08.07.2012, 20:24 von chrisbow
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    • 0

      War wirklich interressant zu lesen.


      09.07.2012, 08:20 von Tanea
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      Also ich finde es ziemlich unplausibel nach den Sätzen, dass sie sagt, sie liebe diese fiktive Person in dem Augenblick mehr als den Mann mit dem sie zusammen ist, später ein schlechtes Gewissen hat, noch davon auszugehen, dass ihr (a) Sex nicht so wichtig ist (b) sie kein Problem hat.
      Zudem berufe ich mich deshalb auf Autoritäten - und damit nicht auf meine Meinung - da ich mal davon ausgehe, dass diese Autoritäten sind, das hat nichts mit naivem Denken zu tun, sondern mit der Einstellung, dass die individuelle Res Cogitans ein Aberglaube i        der Plausibilität ihrer Theorien, dem Respekt vor der Forschung und schließlich, dass ,man sonst Gefahr läuft ein Crackpot zu sein oder dem Dunning-Krueger-Effekt zu erlegen...

      Aber wie gesagt, Menschen mit solchen Interpretationen, dass sie ganz anders sind, als allgemeinhin psychologisch/soziologisch erschlossene Theorie, fallen auch aus meiner Zielgruppe.

      09.07.2012, 10:46 von chrisbow
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    Hmn, die Überschrift hätte gereicht. Zumindest habe ich genau so einen Text erwartet, weil typischer NEON-Text. Hat man schon ziemlich häufig hier gesehen und gelesen, was ihn aber nicht zwangsläufig schlecht macht. Dennoch nix weltbewegendes...

    07.07.2012, 11:37 von DerWesir
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      Ist vielleicht auch noch ein bisschen Gefühlsfantasie drin deswegen muss ich es meinem Freund nicht unbedingt unter die Nase reiben. Aber es bleibt eine Phantasie.

      07.07.2012, 10:43 von Kalinka92
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      kalinka, dir ist aber schon klar, dass das internet, wozu neon ja bekanntlich gehört, in der regel öffentlich und frei verfügbar ist? so von wegen nicht unter die nase reiben... 

      07.07.2012, 19:29 von oern
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      Mein Freund ist kein Neon-Leser, im allgemeinen überhaupt kein Leser. Er weiß, dass ich hier etwas geschrieben habe von dem ich nicht will, dass er es ließt, also tut er es auch nicht. Noch dazu müsste er dazu nur in einem meiner Tagebücher nachlesen, die liegen offen auf dem Nachkästchen, wir teilen uns eine Wohnung und er weiß, dass alles was ich auf Neon schreibe zuerst in meinen Tagebüchern anfängt.

      07.07.2012, 21:41 von Kalinka92
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      Wenn ihr so ne offene Beziehung führt, dann verstehe ich allerdings nicht, wieso du es ihm nicht sagst. Könnte extrem beflügelnd sein die ein oder andere Phantasie mit ihm zu teilen.



      09.07.2012, 08:22 von Tanea
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      Schlechter vergleich.
      "Du bist kacke im Bett deswegen erfinde ich mir einen Phantasiedude ders drauf hat." ist doch etwas anderes als Pornos schauen. Immerhin zieh ich mir ja auch Pornos rein und masturbiere wenn der Sex nicht schlecht ist.


      09.07.2012, 15:39 von b4rt0
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