udo_hoeppner 30.11.-0001, 00:00 Uhr 9 25

Einer russischen Dame nimmt man nicht die Wodkaflasche weg - oder: BORN IN THE USSR

Mit getragenen Slips würde er nie beworfen werden, das wäre ihm wahrscheinlich sogar unangenehm gewesen.

Wir waren ständig bekifft und LSD war für uns zwar nicht die Lösung, aber erst recht kein Problem. Ein sedierter Haufen guter Musiker. Na ja, die Jungs waren es. Ich konnte einigermaßen singen und spielte irgendwas zwischen Wandergitarre und Punk. Mein Gitarrenverstärker war immer ziemlich auf leise gestellt. Doch ich fühlte mich einfach wohler mit der Klampfe in der Hand, anstatt dauernd mit dem Mikrophonständer `rummachen zu müssen oder sowas. Ich war nicht so sexy wie Bryan Ferry. Nicht ganz.
Wir hatten zum Glück aber auch einen richtigen Gitarristen. Einen richtig guten. Russe. Jewgeni. Jeff. Der Typ hatte nur einen Knopf an der Gitarre, so `ne Fenderkopie spätsowjetischer Produktion. Aber er konnte alles auf dem Ding spielen, jeden noch so verqueren Sound `rausquetschen aus diesem Glasnost-Modell von Gitarre. Dazu hatte er antike Marshall-Röhrenverstärker und getunte Effektgeräte. Er war brilliant, ein studierter Musiker alter Schule und somit für unseren Minimalsound einigermaßen überqualifiziert. Doch er schien uns irgendwie zu mögen und hielt wohl deshalb unsere drogengeschwängerte Ziellosigkeit für Avantgarde. Ich mochte ihn auch. Er sprach kaum ein Wort.

Ich war dreißig und hatte zuletzt schwer auf die Fresse gekriegt. Die Mutter meines Kindes hatte mich im November wegen einer Frau verlassen, was schlimm genug gewesen war. Noch schlimmer: Ich war ihr geschlagene acht Jahre so gut wie treu gewesen, war `raus aus dem Spiel, und nachdem ich den Winter gerade so überlebt hatte, stürzte ich mich in meinem persönlichen Frühlingserwachen kopflos in jedes erstbeste amouröse Abenteuer. Keines davon ging gut aus, ich war einfach nicht mehr in Übung und hatte jede Leichtigkeit verloren. Ein Mädchen nach dem anderen arbeitete seine Neurosen an mir ab, ich stand da, wie der berühmte Ochs vorm Berg und wusste nicht, wohin mit mir. Mit meiner Liebe ebenso wenig wie mit meinem Schwanz. Ich beschloss, den Frauen für geraume Zeit zu entsagen, das hätte mir sonst das Genick gebrochen. Die Welt schien rauer geworden zu sein. Glücklicherweise gab es die Band. Und die Drogen.

Jewgeni hat ja bei uns meist nur auf einer Saite gespielt und trotzdem oder drum höllische, wilde Soli gebracht, der arrogante Hund. Die waren zum Niederknien. Während eines Konzerts haben wir das dann auch einmal voll durchgezogen, auf irgendso`nem Bauern-Open-Air legten wir, als Jeff so richtig in Fahrt gekommen war, unsere Instrumente ab und verließen auf den Knien watschelnd die Bühne. Er merkte nix, sondern spielte das ganze Brett. Er überschüttete uns mit quälend virtuosen Harmonien, die er mal in Hendrix-Manie, dann in galoppierende Countrysounds kleidete. Am Ende stand die Restband in der ersten Reihe und beschmiss ihren Zauberer mit Bierdosen. Das Publikum jubelte und wir fühlten uns zum ersten Mal als richtige Punks. Jeff würde immerzu ein Jazzer bleiben. Mit getragenen Slips würde er nie beworfen werden, das wäre ihm wahrscheinlich sogar unangenehm gewesen.

Wir probten selten. Aber lange. Nicht selten vergingen zwölf oder mehr Stunden, bevor wir wieder Tageslicht sahen, wenn zufällig draußen ein Tag war. Ein wenig Koks war auch immer im Spiel. Aber vor allem Wodka. Russische Schmuggelware, so rein, wie die Seele einer niederrheinischen Jungfrau und genau so scharf. „Whottka" war unser Bandname. Später nannten wir uns dann „Die Nachkriegsjugend", doch ab dem Punkt fielen uns keine Songs mehr ein und wir lösten uns bald auf. Aber von der Zeit wollte ich eigentlich nicht erzählen.

Wie gesagt, ab und zu probten wir auch. In `nem Bunker, natürlich war es darin feucht, staubig und versifft. Aber wir hatten immer buntes, psychedelisches Licht und wenn wir merkten, dass das Tempo unserer Songs nachzulassen drohte, schalteten wir das Stroboskop ein. Jeff hatte den ganzen Krempel zusammen mit ein paar Kumpels in einem günstigen Moment aus einem offenen Transporter des Stadttheaters geklaut. „Subventionen," hatte er uns schief angegrinst und seine Goldzähne blitzen lassen. Ab und zu liefen ein paar Leute auf und hörten uns beim Proben zu. Ab und zu fragten wir auch mal jemanden, was er von einem neuen Song hielt. Es waren immer nur Kerle, was mir zu diesem Zeitpunkt mehr als recht war. Wir tranken Wodka, ab und zu gemixt mit Sprite, zogen ab und an `ne Nase durch und brachten wirklich einiges an Songs zustande.

Ja. Und an irgendeinem Tag stolzierte sie dann herein. Wir waren mitten in einem Riesensonggewitter, „Born in the USSR", Jeff sang den ausnahmsweise halb auf russisch und ich schrammelte irgendwelche unpassenden Akkorde dazu, Pedder am Schlagzeug war groß in Form, er bearbeitete sämtliche Trommelfelle mit Hochdruck. Es war so ein Strobo-Moment, wo wir kein Halten wollten und mit dem Kopf durch die meterdicken Wände. Ich sang nicht die zweite Stimme, ich schrie. Genau in dem Moment kam sie herein. Das Schlagzeug brach ab, Peter waren die Drumsticks aus den Händen gepurzelt. Mir versagte die Stimme und ich röchelte zu Jeffs Solo, das sich dieses Mal anhörte, wie ein Mark Knopfler auf Amphetaminen. Nur der Bassist, fällt mir doch glatt sein Name nicht ein, spielte wie immer ungerührt weiter. Sauber und exakt. Ich weiß nicht, ob der schwul war oder was.

Sie trug einen roten Lackminirock und ebensolche Pumps und weiße Nylons dazwischen. Jeff kniete vorm Verstärker, provozierte schön fiese Rückkopplungen und ich fing, quasi a capella, mit der ersten Strophe wieder an. Zupfte zarte Akkorde dazu, der Bassist passte sich dem entschleunigten Rhythmus an. Von unserem Sound ging ein Sog aus, der uns tief in unsere eigenen Eingeweide zu verschlucken drohte. Nur das Stroboskop hielt den ausgedienten Takt. Mir floss der Schweiß in Strömen und ich kämpfte gegen das Gefühl an, in ihr Gesicht schauen zu müssen. Hier ging es um mehr. Ein Lied wurde geboren. Trotzdem roch es Im Bunker plötzlich anders. Nach Lächeln. Pedder war auch wieder eingestiegen und Jeff hatte sich seine olle Westerngitarre umgeschallt und das war das erste und das letzte Mal, dass ich ihm ansah, dass er stolz auf eine neue Komposition der Whottkas war. Meine Augen waren nur noch Schlitze, ich sang fast so beschissen wie Axel Rose und ausnahmsweise hatte meine hohe E-Saite das letzte Wort.

„Darf ich vorstellen: Das ist Ludmilla, meine hässliche Schwester." Sie stand mit gekreuzten, dünnen Beinen in der mit Eierkartons und Schaumstoff ausgeschlagenen Tür. Sie grinste genauso schief wie er, nur dass ihre Lippen so prall waren und blutrot geschminkt. Sie brauchte ihre blassblauen Augen nicht mal halb aufzusperren, damit ich mich am Mikrophonständer festhalten musste, um nicht hineinzufallen.Um nie wieder aufzutauchen. Mit ihrer Haltung machte sie einen auf Macker. Aber sie roch nach verletztem Wild.
„Nicht schlecht!" bemerkte sie, „ey, du Arschloch von einem Bruder, was hast Du mir da erzählt, von wegen, das sei nur so `ne Hobbyband, mit denen du dir hier die Nächte um die Ohren schlägst?"

Wir setzten uns schlapp und zufrieden auf diese selbstgezimmerte Bühne und ließen die Wodkaflasche kreisen, schütteten uns gegenseitig die Pinnekes mehr als voll. Ludmilla hielt Abstand. Um mich zu schützen. Wir schwiegen, mehr oder minder, nur unser Bassist, ach, Uli hieß der, stammelte immer wieder vor sich hin: „Wahnsinn, echt Wahnsinn, Wahnsinn das..." Er ließ offen, ob er damit die ultimative Version von „Born in the USSR" meinte, oder die kleine, süße, abgefuckte Schwester unseres Bandprimus. „Geiler Song, machen wir auf Platte", meinte der endlich. „Prost drauf!" Ludmilla holte einen kleinen Flachmann mit ihrem eigenen Wodka hervor und stieß mit uns an. Unsere Flasche war fast leer, na was soll`s, die Joints kreisten und wir kämen schon irgendwie durch. Ich versuchte Ludmilla zu ignorieren, so gut es ging. Wir stießen mittlerweile im Minutentakt unsere Gläser aneinander und schluckten das pure, brennende Gesöff tief in unsere genialen Musikantenkörper hinein. „Mußt öfter vorbeikommen, Mädchen, scheinst `ne spirierende Wirkung auf uns zu haben;" machte ich mich halbwegs verständlich. Ich Idiot. „Kein Problem, Cohen." Sagte sie. Und lachte dreckig.

Am nächsten und am übernächsten Abend trafen wir uns im „Oblomov", der versifftesten und billigsten Kneipe der Stadt. Der Wodka war dort nicht halb so gut wie Jeffs heiße Ware, doch er kostete nicht die Welt und hier aßen wir ausnahmsweise auch mal was (Pizza „Lollobrigida" vor allem), während wir über neue Projekte sprachen. Wir hatten tatsächlich ein einigermaßen prominentes Independent-Label an der Angel und das war nicht nur für den Ruhm, sondern auch zum Überleben wichtig, dass der Rubel langsam ins Rollen kam. Nach der Trennung von G. hatte ich sämtliche miesen Jobs gekündigt und es wurde langsam eng. Auch wenn ich selten daran dachte. Ich war wirklich froh, vor Schmerz nicht völlig durchgedreht zu sein und wusste jeden halbwegs unbeschwerten Augenblick zu schätzen. Und die Ekstase, die uns Bekloppte ab und zu in unserem Bunker packte, war für mich gerade gesünder als Sex und die unvermeidlichen Probleme drumherum. Ich betrachtete die reizende Präsenz von Jeffs Schwester deshalb mit einem weinenden und einem lächelnden Auge.

Ich wagte einen Blick.. Gerade war sie dieser verdammten russischen Schwermütigkeit verfallen, die mich so anmachte. Aber, so gut kannte ich sie schon, man durfte sich in ihr nicht täuschen. Sie war in der Lage, sich in sekundenschnelle von der tiefsten Melancholie in dreiste Hochstimmung zu katapultieren, besonders, wenn es irgendwas zu spötteln gab. Da war sie dann plötzlich voll da, mich hatte sie dabei besonders auf dem Kieker. Sie nannte mich mittlerweile mit Vorliebe und einer viel zu tiefen und rauen Stimme für ihren zierlichen Körper „Cohen", wenn ich sie doch wieder mal gedankenversunken anstierte und versuchte, mir nicht vorzustellen, wie ich in diese knallroten Lippen biss und meine Zunge tief in ihren Mund versenkte.

„Cohen, willst nicht mal was für mich singen? Der Wirt hier hat `ne wunderbare Wandergitarre im Hinterzimmer, komm, mach schon, spiel „Suzanne" für mich. Vielleicht blas ich dir heut` nacht dann einen!" Ich fand ihren Spott ein wenig zu vertraulich, kann sein, dass ich Idiot sogar rot wurde. Ich war nie besonders schlagfertig gewesen. Ich guckte einfach doof und riskierte einen etwas bangen Seitenblick auf ihren Bruder, der allerdings nur auf die übliche Weise grinste. Er wusste ja nicht, dass seine missratene Schwester mir mit dieser offensichtlichen Verarsche eine stabile Erektion verpasst hatte. „Jewgeni, wie kommt eigentlich ein so kultivierter, schüchterner Kerl wie du an so ein Flittchen von Schwester?", versuchte Uli einen von meiner Peinlichkeit ablenkenden Scherz. Und fing sich eine. „Halts` Maul, du Autist, ich versteh` nicht so einen Spaß, wenn es um Ludmilla geht, du verstehst!"
Ludmilla tätschelte ihm die Wange und alles war gut. „Jeff, darf ich dich unterwürfig um die Erlaubnis bitten, euren Sänger zu entführen und ihn heute nacht in die Geheimnisse des russischen Steppenritts einzuweihen?" „Mir Schnitzel. Hauptsache Cohen hat morgen bei den Aufnahmen Stimme, sonst kriegst`e es mit mir zu tun!"

Ich grinste, wie über einen misslungenen Scherz. Dabei war mir klar, dass sie es bitter ernst meinte. Oh Mann, ich war wirklich aus der Übung. Und das mehr als selbstbewusste Auftreten Ludmillas war nichts, was ich irgendwie von früher kannte. Mir kam das nicht gelegen. Sicher war ich scharf auf sie, aber ich konnte mir kaum vorstellen, ihr gewachsen zu sein. Noch ein Schritt weiter und mein mühsam wiedererlangtes Gleichgewicht wäre mit einem Fick dahin. „Ludmilla, bitte spiel nicht solche Spielchen mit `nem angeschlagenen Mann, laß mich lieber mal von Deinem Edelwodka probieren. Von dem Gesöff hier bekomme ich ja schon während des Trinkens `nen Kater und hoch heute sowieso keinen mehr." Sie zierte sich. Zog `ne niedliche Schnute und traf eine blitzartige Entscheidung: „Ey, Jupp, ne Runde für die ganze verlotterte Combo hier und `nen doppelten für Cohen!" Und zu mir: „Süßer, du kannst von mir heute nacht alles bekommen, verstehst du? Aber dieser Wodka hier ist nur für Damen!" Sagt`s und nimmt einen kräftigen Schluck aus ihrem Flachmann.

Sie war gar nicht so. Nicht, dass ich mir sicher war, dass diese Lolita einen weichen Kern hatte, doch ihre derbsten Sprüche klopfte sie nur in ausgesuchten Momenten. Dann aber: Torpedo. Treffer. Versenkt. Außer Jeff musste es irgendwo weitere drei Brüder geben, kein Wunder, dass sie keine Probleme hatte, sich in unserer Runde zu behaupten. Wir waren eh nur auf der Bühne laut, bellende Hunde, und in unseren besten Momenten pflegten wir eher leise zu winseln, da waren wir so piano, wie die Ruhe nach dem Sturm. Wir waren nicht durchschaubar. Als Band. Jeden einzelnen von uns hielt ich im wahren Leben für ein ziemliches Weichei. Wir kifften uns die Welt schön friedlich und kämpften dann mit Koks, Wodka und zehntausend Watt eben genau gegen diesen Frieden an. Bescheuert. Als ich als Sextaner in `ner Beatles Coverband gespielt hatte, war ich mehr bei mir gewesen. Aber das war es, was ich jetzt nötig hatte: Außer mir sein!

Die kleine russische Provokation konnte auch anders. Sie saß mir mittlerweile direkt gegenüber und machte mir schöne Augen. Sie sagte mir, dass sie meine Stimme wirklich mochte und dass sie mir im ersten Augenblick angesehen hätte, dass ich ein sensibler Mann sei. „Aber da habe ich geschrien, wie`ne Sau, die abgestochen wird," meinte ich. „Ja. Darum ja." Die nächste Runde Wodka wurde serviert. Ich war schon halb hinüber. „Bitte laß mich mal von deinem Zeug probieren, Lolita, sei nicht so, Dame hin oder her." „Ja, laß ma` testen den Stoff," steuerte Peter auch mal was zur Unterhaltung bei und entriss ihr die Flasche. Schon hatte er die kleine Pulle angesetzt und sein Adamsapfel war dreimal panisch rauf und runter gehüpft. Dann hielt er inne. Und prustete das kostbare Zeug aus, mitten in die verdutzte Fresse des Bassisten. Und lachte, hustete, lachte, „Ich glaub`s nicht, das ist nichts als klares Wasser, die Kleine will uns wohl unter den Tisch saufen und uns dann alle vernaschen, oder wie versteh ich dat hier?"

Ich nahm ihm den Flachmann aus der Hand und roch an dem Ding. Tatsächlich. Keine Spur von Alkohol. Ich sah die scheinbar so abgebrühte Braut fragend an. Sie wich meinem Blick aus. Sie wich den Blicken von allen aus. Nur Jewgeni guckte traurig und wissend. „Milla ist seit zwei Jahren trocken. Sie hat sich fast umgebracht, weil sie ständig besoffen und auf Speed
Auto gefahren ist. Das wäre nicht mehr lange gut gegangen so."
Betretenes Schweigen.

Nur der blöde Uli rülpste von zu viel Bier. Ich nahm einen tiefen Zug von der Zigarette. „Komm, laß uns gehen," hörte ich mich sagen. „Bei mir zuhause gibt es jede Menge Wasser." Ich nahm ihre kleine Hand, die sich langsam in meiner entspannte. Sie lächelte. „Glaubst du mir denn jetzt noch ein verschissenes Wort? Ich hab` nämlich noch ein verdammtes Geständnis auf Lager. Ich war ebenfalls seit zwei Jahren nicht mit `nem Typen im Bett. Keine Ahnung warum. Du weißt, dass ich so ziemlich jeden haben könnte. Aber ehrlich: So stocknüchtern habe ich viel zu viel Angst davor, `nen Kerl an mich `ranzulassen." Die Musik war sehr laut in dem Moment, Nine Inch Nails, die einzige Band, wo wir uns geschmeichelt fühlten, wenn uns jemand mit denen verglich. Ich beugte mich zu ihr `rüber: „Ehrlich, Milla, so viel Schiss wie ich kannst`e gar nicht haben. Aber laß es uns probieren. Wenn`s nicht klappt, gehen wir zusammen in `ne Selbsthilfegruppe oder belegen `nen Kochkurs oder sowas. Hauptsache, ich kann ab heute jeden Tag in deine Augen gucken, ich weiß nicht, wie ich ohne deine blauen Augen überleben soll, ehrlich, eher hör ich mit dem Saufen auf, als ohne deine Augen noch klarzukommen..."

Am Morgen wachte ich blinzelnd auf. Mir war sofort klar, dass dies der erste Sommertag des Jahres werden würde. April. Ich fühlte mich ausgezehrt, vertrocknet und mein Kopf schmerzte. Aber ich umfasste Ludmillas Arschbacke mit meiner rechten Hand und ich wusste, der Schmerz würde bald vergehen. Zum Vögeln war ich wirklich zu besoffen gewesen. Aber sie hatte es mir tatsächlich, wie versprochen, mit ihrem kleinen, warmen Mund gemacht. Das hatte ich seit Jahren nicht mehr zugelassen. Für mich gehört dazu das allergrößte Vertrauen. Da muß ich mich wirklich fallen lassen und alle Kontrolle aufgeben. Mit Milla war das kein Problem gewesen.

Ich schielte auf ihren kleinen, appetitlichen Po und beschloss, ein paar Gläser Wasser zu trinken und mich unverzüglich zu revanchieren. Sie wäre nicht die erste Frau auf Erden gewesen, der es gefiel, so geweckt zu werden. Es gab Sonne durchs Fenster und jede Menge zu verlieren. So plötzlich, wie ein Sonnenstich im April.

"Suzanne takes you down to her place near the river
You can hear the boats go by
You can spend the night beside her
And you know that she's half crazy
But that's why you want to be there
And she feeds you tea and oranges
That come all the way from China
And just when you mean to tell her
That you have no love to give her
Then she gets you on her wavelength
And she lets the river answer
That you've always been her lover
And you want to travel with her
And you want to travel blind (...)"

"Suzanne" by Leonard Cohen


Für M.
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9 Antworten

Kommentare

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  • 0

    jetzt muss ich auch mal: schönes gefühl, dann und wann sowas wie das hier ausgerechnet hier zu finden.

    gut gemacht, udo!

    23.02.2016, 19:47 von libido
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  • 1

    Schöner Text! Lust auf Wodka, dunklen Kneipen und roten Lippen bekommen! Zum Glück ist Freitag...

    25.02.2011, 11:56 von Sulai
    • 0

      @Sulai Freitag is gut. Und wie hast Du bloß diese Geschichte von `nem Neon-Schläfer wie mir hier gefunden?

      25.02.2011, 12:51 von udo_hoeppner
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  • 0

    "Mit ihrer Haltung machte sie einen auf Macker. Aber sie roch nach verletztem Wild. "

    schön. sehr sogar.

    10.05.2010, 21:40 von Icke_un_du_ooch
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  • 1

    Ich hab mal irgendwann vor Jahren mich für Capoeira interessiert und mir im Internet Filme dazu angesehen. Eines Tages sah ich einen - und der entwickelte sich nach 5 Minuten völliger Normalität zu einem Schwulenporno. Ich fühlte mich betrogen und entsetzt. So ähnlich fühlte ich mich beim Lesen der ersten paar Absätze.Kein Interesse an Frauen und die ziemlich genaue Beschreibung von Jeff... ich hatte Angst.

    Gut,dass es (für mich) gut ausging. Sehr lesenswert!

    10.05.2010, 10:22 von Dunnagh
    • 0

      @Dunnagh Was glaubst Du, wie erleichtert ich erst bin!

      10.05.2010, 14:00 von udo_hoeppner
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  • 0

    geiler stoff

    10.05.2010, 10:02 von frl_smilla
    • 0

      @frl_smilla geiles lob.

      10.05.2010, 14:00 von udo_hoeppner
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    klasse Geschichte!

    10.05.2010, 08:47 von Daner
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    "[...]da waren wir so piano, wie die Ruhe nach dem Sturm."

    Schlechtester Satz, aber trotzdem eine gute Geschichte. Bitte mehr!

    07.05.2010, 20:20 von Steifschulz
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  • 0

    Hahaha! Schon der erste Satz verspricht was gutes. Ich fange dann jetzt mal an. *g*

    07.05.2010, 20:10 von Steifschulz
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