Ein Tag danach...
Wenn der Zauber verfliegt!
Als ich aufwache sticht es in meinem Kopf. Meine Zunge klebt an meinem Gaumen fest und ich habe kaum einen Tropfen Spucke, um meine Kehle zu befeuchten. Mein Hals schmerzt und durch meine Nase kann ich meinen Atem riechen. Er stinkt bestialisch nach Alkohol und Zigaretten. Langsam komme ich wieder zu Bewusstsein und bemerke noch einen anderen Geruch, der sich vorsichtig durch meine Alkoholfahne hindurchschleicht. Es riecht nach Sex und nach Mann. Ich erkenne seinen Geruch nicht und für einen kurzen Moment höre ich auf zu atmen.
Ich spüre seinen warmen Körper an meinem, kann seinen Atemrhythmus fühlen. Er hat den Arm um meinen Körper geschlungen. Das Klingeln in meinen Ohren weicht um sein leises schnarchen zu bemerken. Bruchteile der letzten Nacht schießen in meinen Kopf. Ich geniere mich. Übertrieben haben wir es, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf seinen Erfolg haben wir angestoßen und dann die ganze Nacht getanzt. Irgendwann küssten wir uns. Ich weiß nicht mehr, ob es mir gefallen hat.
Er hat mir schon immer gefallen. Ein großer, stattlicher Mann, mit tiefblauen Augen und einem enormen Talent. Langsam traue ich mich, meine Augen zu öffnen. Das Tageslicht blendet und versetzt mir einen weiteren Stich in meinem Kopf. Mein Verstand versucht langsam, das Zimmer aufzubauen, indem wir uns befinden. Stück für Stück erkenne ich zuerst Umrisse, dann Farben und nach ein paar Sekunden klare Linien. Ein schönes Zimmer, sehr sauber und gepflegt. Ich möchte aufstehen, ihn dabei jedoch auf keinen Fall wecken. Ich brauche Wasser. Ganz vorsichtig nehme ich seine Hand und hebe sie von meinem Körper herunter. Keine Reaktion. Also robbe ich mich leise aus dem Bett. Der Boden ist weich.Wer hat denn bitte Teppichboden in seiner Wohnung? Das kenne ich nur aus den USA und aus Hotels. Komplett nackt stehe ich auf und sehe mich um. Okay, ich bin in einem Hotel. Langsam schleiche ich am Bett vorbei, ohne ein einziges Mal zu ihm rüber zu sehen. Dafür bin ich noch nicht bereit.
Das Badezimmer ist groß und warm. Am Boden liegen feuchte Handtücher. Als ich die leeren Flaschen Champagner am Boden sehe, schießen mir weitere Erinnerungen in den Kopf. Wir hatten sehr viel Spaß. Ich setze mich auf die Kloschüssel und entlasse die wohl letzten Tropfen Flüssigkeit aus meinem Körper. Alles tut mir weh. Jeder einzelne Muskel schreit in mir auf. Ich gehe zum Waschbecken und betrachte mich im Spiegel. Tiefe dunkle Ringe unter den Augen zieren mein blasses Gesicht. Meine Lippen sind spröde und meine Wimperntusche verwischt. In meinen Haaren erkenne ich vereinzelte Dreads. Mir ist schlecht und mein Magen tut weh. Am liebsten würde ich mich in die Badewanne setzen, das Wasser voll aufdrehen und weinen. Aber ich kann nicht hier bleiben. Ich drehe den Wasserhahn auf eiskalt und versuche mein Gesicht wieder ein wenig herzustellen. Das Wasser läuft tropfenweise auch meinen Körper hinunter und hinterlässt eine Gänsehaut. Mein Blick fällt auf meine Füße, sie sind verdreckt. Ich erinnere mich, ein Stück lang Barfuß gelaufen zu sein. Das mache ich öfter, wenn ich voll bin und High Heels meine Füße quälen. Ich atme ein paarmal tief durch und mache mich auf den Weg zurück ins Schlafzimmer.
Er hat seine Schlafposition verändert, ist aber nicht aufgewacht. Ich höre ihn noch schnarchen. Vorsichtig suche ich meine Sachen zusammen. Meine Kleidungsstücke stinken erbärmlich und ich hasse es, sie wieder anziehen zu müssen. Auf dem Boden verstreut liegt auch seine Kleidung. Er war wiedermal unverwechselbar gut angezogen. Mein Blick fällt auf seinen nackten Körper. Ohne seine Kleidung sieht er ganz normal aus. Vielleicht sogar ein wenig unattraktiv. Seine Oberschenkel sind, im Gegensatz zu seinen Unterschenkeln nur spärlich behaart und auf seinem Rücken erkenne ich ein paar Pickel und Hautunebenheiten. Seine Haare sehen schuppig aus und seine Arme sind viel zu dünn. Ich habe nie gesehen, wie er wirklich ist. Er hat mich immer geblendet. Und jetzt liegt er vor mir, wie das Universum ihn schuf. Eine unscheinbare Erscheinung.
Oft habe ich davon geträumt, eines Tages genau das zu erleben. In meiner Vorstellung sah es jedoch immer anders aus. Ein wenig wie in einem Hollywoodfilm. Bekannter Schauspieler trifft unscheinbare Kindergärtnerin, sie sehen sich tief in die Augen, der Blitz schlägt ein und alles hüllt sich in ein weiches Licht, indem das Leben nur noch in Zeitlupe abläuft. Aber was kommt danach? Wie geht es weiter? Im Film steht er öffentlich zu ihr, gesteht ihr seine Liebe und irgendwann Heiraten sie am Strand auf Hawaii. Alle Probleme und Sorgen werden dort einfach ausgeblendet oder mit der totalen Einsicht der anderen gelöst. Sogar seine Drogensucht bekommen sie spielerisch in den Griff. Weil er sie ja so sehr liebt.
Aber so ist das Leben nicht und schon garnicht die Liebe. Auch wenn die Liebe verzaubert, sie tut dennoch was sie will und meist macht sie uns verrückt und blind. Aus mir macht sie zudem ein schwaches, weiches Wesen. Ich beschließe, dass ich noch nicht so weit bin mein Herz wieder zu öffnen und nehme die rosarote Brille einfach ab. Schon garnicht für ihn. Mir wird klar, dass er es wiedermal nicht ist. Denn wäre er es, dann würde ich jetzt nicht auf meinem Absatz kehrt machen und dieses Hotelzimmer stillschweigend verlassen. Und genau das tue ich!
Tags: Hotel, Alkohol, rosarote Brille, nackt, verkatert, Schauspieler, Kindergärtnerin, Hollywoodfilm





Kommentare
Diese ganzen Kitschfilme blasen uns das Hirn und jegliche Realitätsvorstellungen weg.
Ja, das stimmt! It´s not like the movies;)
07.02.2012, 12:19 von LadyLes kann aber auch tausend mal schöner sein als in jedem film. passiert aber scheinbar nur mir. mann ich bin ein glückspilz...
09.05.2012, 08:12 von einmachglasKlingt für mich nach zuviel Hollywoodschmonzette.
07.02.2012, 09:06 von FrauKopfAber ist das nicht das schöne? Das es in Wahrheit auch ein bisschen Hollywood gibt, nur ohne Happy End?;)
07.02.2012, 12:20 von LadyLNee, nicht für mich.
07.02.2012, 12:23 von FrauKopfich weiß was du meinst aber ich lebe das anders.
Ein Zauber der nie da war. Und wer hat dich gezwungen und dich blenden lassen? Sorry, aber nüchtern erwachen steht jedem Frei. Ihm sich hinzugeben und es am nächsten Tag bereuen und auf oberflächliche Art (dünner Arme hat er) jammern? Typisch Frau..Deine Entscheidung. Dein selbstgewähltes Drama.
05.02.2012, 17:43 von DunkleNachtIch jammere ja garnicht!Ich erzähle nur, wie es aussieht, wenn die rosarote Brille unten ist;)
05.02.2012, 18:38 von LadyLBer du wolltest sie doch aufsetzen oder? Arme sind morgens nicht dünner als abends, und meist sind es die Frauen, die des Nachts eine Metamorphose ungeahnten Ausmaßes vollziehen. Will sagen: Du wolltest die Brille, also sei nicht geschockt, wenn du das siehst was du siehst, wenn du sie absetzt
05.02.2012, 19:00 von DunkleNachtIch bin auch nicht geschockt;)
05.02.2012, 19:03 von LadyLVielleicht war er es ja, als er aufwachte und du nicht mehr da warst.
05.02.2012, 19:07 von DunkleNachtOder er hat dem Sinn entsprechend, deinem Verhalten nach, agiert und dich abgehakt. Vielleicht kommst du ja damit nicht klar..
Diese Geschichte ist so nie passiert;) Schon mal gehört, was Autoren so machen? Sie erfinden Geschichten!
05.02.2012, 19:35 von LadyLAber scheinbar habe ich bei dir eine wunde Stelle getroffen?
05.02.2012, 19:37 von LadyLKann ich nicht beurteilen, ich brauch nichts erfinden um ein total abgedrehtes Leben zu führen oder geführt zu haben..
05.02.2012, 19:45 von DunkleNachtVielleicht wäre es besser für dich gewesen, wenn es nicht erfunden gewesen wäre..
Ne wunde stelle? Warum?
Ich bin noch nie gegangen, ohne mich zu verabschieden!
05.02.2012, 20:02 von LadyLWenn ich deine Texte so lese, habe ich das Gefühl, dass du schwer enttäuscht wurdest! Bitte nicht an mir auslassen;)
Tue ich nicht. Nur der Grundtenor deiner Story missfiel mir. Können Männer genauso. und ist genauso scheisse.
05.02.2012, 20:15 von DunkleNachtund Enttäuschungen bestimmen immer in irgendeiner Art und Weise unser Leben, Wie Erfolge auch.
Aufstehen und weitermachen ist das Einzige, was dabei zählt. Völlig geschlechtsunspezifisch. ;)
Autor ist nicht gleich lyrisches Ich.
Und darum maßregelte ich mich auch selbst. und entgegnete nur dem "lyrischen Ich" was mir nicht gefallen hat..
06.02.2012, 13:24 von DunkleNachtUnd ich bin nicht dein "Mon ami"
Geh in den Kindergarten Gruppenkuscheln..
Geh, wieso bist du denn so fies???
06.02.2012, 14:17 von LadyLDas Leben macht uns zu dem was wir sind. Und wir bestehen, oder gehen klanglos unter.. Ganz einfach
06.02.2012, 20:12 von DunkleNachtIn jeder Geschichte eines Autoren steckt ein wenig des Ichs.
07.02.2012, 09:06 von FrauKopfNein, das Leben hat mich lehren und lernen lassen. Kindisch? Was daran? Untalentierte Gurken wie dich zu durchschauen? Gähn..
07.02.2012, 12:43 von DunkleNachtUnd meine Oma war die beste Frau der Welt und starb vor 9 Jahren..
untalentiert? ich? und das willst du jetzt anhand meiner zwei Kommentare hier durchschaut haben, da du ja noch nie was von mir gelesen hast..?
07.02.2012, 13:00 von Ansoticagenau solche Kommentare machen dich kindisch.
Frau Kopf:
ich weiß schon, was du meinst, und das ist grundsätzlich richtig. Dennoch kann es ein gänzlich unrealisierter Teil der Persönlichkeit sein. Mag er auch irgendwo schlummern, so hat die Autorin sich dennoch nicht wie das lyrische Ich verhalten.
Oh man, du bist doch ein armes Kerlchen! Steckst Leute in Schubladen und beschimpfst sie, statt wie ein Erwachsener zu diskutieren. Was hast du bitte vom Leben gelernt? Welche Schublade zu welchem Menschen passt und wie man unqualifiziert argumentiert?
07.02.2012, 13:18 von LadyLIhr amüsiert. Ehrlich. Mit jedem Wort.
07.02.2012, 18:01 von DunkleNachtIhr seid echt süss ihr 2.
Lyrisches Ich? Kathegorischer Imperativ? Schubladendenken? Ihr 2 Hühner habt keine Ahnung von gar nix, eindrucksvoll beweisend.
Und darauf: Glückwunsch ;)
Schön, dann hätten wir das ja geklärt! Brauchst niemanden zu gratulieren, weil hier keiner jemanden etwas beweisen musste & wollte!
07.02.2012, 18:39 von LadyLBei dir muss keine Frau in der Nacht eine "Metamorphose ungeahnten Ausmaßes" mehr durchmachen...Da merkt man gleich, woran man ist:D
Ja, an mir. Sollte meist genügen ...
08.02.2012, 11:52 von DunkleNacht