deterioratedSystem 14.07.2012, 22:27 Uhr 0 11

Ein Abend unter Freunden

Ein Abend wie so viele andere. Unter Freunden. Unter dem einen Freund.

Sommer. Ein lauer Sommerabend. Sie sassen alle gemeinsam draussen auf der Terrasse und zogen genüsslich an den Shishas oder tranken schluckweise die farbigen Drinks, die der Hausbesitzer zubereitete. Lachen. Geschichten erzählen. Insider. Die Drinks wurden immer mehr, ein Pot reichte lange nicht aus, die Umrisse des Garten wurden in meinen Augen immer schwummriger. So sehr, dass ich im Halbdunkel mein Glas nicht mehr fand. "Da, du Maulwurf", grinst mein bester Freund. Ich ziehe lächelnd den Rauch in meine Lungen, lasse ihn dort pausieren und puste ihn in Ringen wieder raus. Den Blick auf ihn fixiert. Ich gebe den Schlauch weiter und er hält mir das Glas an die Lippen. Wenige Augenblicke später hat er mir alles eingeflösst, ich pruste und huste. Er lacht.

So geht es weiter, spät in den Abend. Dunkel ist's, nur das flackernde Licht des Feuers erhellt unsere Gesichter. Das Gelächter immer lauter. Der Alkoholpegel immer höher. "Noch ein Drink?", fragt mich mein bester Freund. Ich nicke lächelnd und folge ihm in die Küche. Stolpere, stosse an die Barstühle. Schwierig, im Dunkeln zu sehen wenn man betrunken ist.

Tequila, Orangensaft, Grenadine, Zitronenscheiben. "Tequila Sunrise", flüstere ich. Stütze mich auf die Arbeitsfläche während er mixte und beobachte ihn. Er, mein wunderschöner bester Freund.

Flashback, das erste Mal dass ich ihn sah. Adonis. Total crush. Wenige Tage später erzählte mir eine gemeinsame Bekannte völlig verkatert dass er schwul sei. Puff, Seifenblase zerplatzt. Aber es entstand eine unbeschreibliche Freundschaft.

Ein Dreh und er hält mir meinen Drink entgegen. Aus irgendeinem Grund muss ich wieder lachen und der Tequila schwappt über den Glasrand. Er nimmt mir sicherheitshalber das Glas aus der Hand. Als er meine Hand streift zucke ich zusammen. Er stutzt, schaut mich an und bemerkt wohl meinen verwirrten Blick, der aber sogleich wieder verschwindet. Schüttelt kaum merkbar den Kopf. Ich streiche ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Jetzt zuckt er zusammen. Ich runzle die Stirn. Er blickt mich fragend an. Stellt sich vor mich hin und schaut mir in die Augen. Ich blicke hoch und sehe den Alkohol in seinen Augen glitzern, wie er es wohl auch bei mir sieht. Er legt eine Hand an meinen Hals und küsst mich auf die Lippen. Ich ziehe ihn näher an mich.

Flashback, der Tag an dem er mir selber sagte er sei schwul.

Flashback, der Abend an welchem er mir von seinen Verflossenen erzählte, weinte und lachte.

Flashback, sein Freund sitzt draussen auf der Terrasse und ich mag auch ihn.

Wir lösen uns. Verwirrt. Doch merkt man dass wir mehr wollen. Ich kippe meinen Drink und küsse ihn wieder. Jetzt nur nicht aufhören, scheint sein Blick zu sagen. Er fasst nach meiner Hand und zieht mich mit in sein Zimmer.

Seine Hände überall, wie er sich meiner und seiner Kleidung entledigt. Hungrig, meine Küsse sind hungrig nach seinen Lippen, nach seinen Bartstoppeln die meinen Hals aufkratzen, nach seinem natürlich schönen Körper. Unter ihm. Er küsst meine Brüste während er mich von innen her streichelt. Ich stöhne auf, er geht tiefer. Meine Hände gleiten an seiner Seite entlang zu seinen Boxern die er immer noch anhat. Er schaut mich an, ich nehme es als Erlaubnis und lasse den letzten Fetzen Stoff zwischen uns verschwinden.

Über ihm. Er hält inne als ich sein bestes Stück in den Händen halte. Er lässt sich leiten, ich führe ihn in mich ein. Er beisst sich auf die Lippen. Ich will ihn tiefer in mir. Ganz in mir. Er drückt sich in mich, folgt meinem Rhythmus. Zieht mich an sich, legt sich wieder über mich.

In mir. Kein Platz für Fragen. Schliesse die Augen und verliere mich in den Wogen seiner Bewegungen. Er wird schneller, ich öffne die Augen wieder, muss mich an seinen Schultern festhalten. Heiss. Stickig. Mehr. Die einzigen Gedanken die ich formen kann. Wie ein Vulkan explodieren wir beide innerlich, knapp nacheinander, krallen uns ineinander, ein einziges Knäuel von zwei Menschen und hunderttausend Gefühlen

Sein Atem noch schwer, Schweiss perlt von seiner Stirn. Sieht mich an, immer noch über mir. "Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr mit einer Frau.", gesteht er mir. Ich streichle seine Wange, schaue in seine tiefblauen Augen. Und weigere mich die grosse Frage zu stellen, die über uns sich dreht.

 

und jetzt?

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