Dirty Talk
Wörter verletzen ja niemanden.
Jedes Gespräch mit dir dreht sich um Sex, um hemmungslosen, aufregenden, harten Sex. Es sind aufregende, lustige, bisweilen ernste Unterhaltungen, die wir tags wie nachts führen.
Wir sind Freunde, du und ich. Gute Freunde, die nur ein bisschen albern. Wir begeben uns mit Wörtern in die berauschende Welt der Fantasie. Wörter verletzen ja niemanden. So ein Blödsinn.
Du wirst verletzt. Von den Gewissensbissen, die dich plagen, wenn du abends zu deiner Freundin ins Bett steigst und deine aufgestaute Leidenschaft in ihren Körper stillst. Dann ist es Zeit, mir erst einmal aus dem Weg zu gehen.
Ich werde verletzt. Von der heißen Hoffnung, die du mit deinen Wörtern entfachst, und die du in den kommenden Wochen durch dein Fernbleiben zerstörst.
Sie wird auch verletzt. Ist dir das eigentlich egal? Sie ist nicht meine Freundin, ich kenne sie noch nicht einmal, und trotzdem mache ich mir Sorgen um sie. Du nicht. Du willst nicht wahrhaben, dass du sie in all unseren Gesprächen betrügst - nicht physisch, nur psychisch. Eine Entschuldigung ist das nicht.
Vor allem wird unsere Freundschaft verletzt. Wir reden davon, was wir alles (völlig harmloses) unternehmen wollen, doch in Wahrheit erlaubt dir deine Freundin nicht mehr als einen Kaffee mit mir in der Uni. Du erlaubst es ihr, weil du Angst hast. Du hast Angst vor mir. Angst davor, schwach zu werden. Das willst du aber nicht wahrhaben, suchst Ausreden, die mich nicht eine Sekunde täuschen. In der stickigen, überfüllten, nach Pommes riechenden Mensa wird niemand schwach. Selbst wir nicht.
Wir waren mal ein paar Wochen ein Paar, irgendwie. Sind übereinander hergefallen, haben Tage und Nächte in deinem riesigen Bett verbracht. Die Zeit war intensiv, irrational, irre. Mir war nicht bewusst, wie viel Lust in mir steckt, wie gierig ein Mensch werden kann. Nur die Lust aufeinander hielt uns zusammen. Geliebt haben wir uns nicht; gemocht auch nicht immer. Aber unsere Körper verstanden sich hervorragend.
Inzwischen leidet unsere Freundschaft. Weil ich mehr von dir will, als Freunde haben können. Plötzlich bin ich dadurch der Arsch, der davon träumt, einen vergebenen Mann zu verführen.
Ich weiß, du würdest schwach werden, wenn ich das durchzöge. Du weißt, dass ich das könnte, und du glaubst, ich werde es nie tun. Wie naiv du doch bist.
Gedanklich ist es längst passiert; und es existieren genügend Pläne in meinem Kopf, wie es sich auch in die Realität umsetzen lassen könnte. Aber was, wenn ich einfach nur klar stellen will, dass ich dich im Griff habe? Wenn es hierbei gar nicht um Sex mit dir geht, sondern um den Beweis, dass ich begehrlich bin, dass ich gewollt werde? Denkbar. Möglich. Wahrscheinlich. Aber ganz so einfach ist es nicht. Dafür ist das Verlangen viel zu groß.
Dennoch, du müsstest der sein, der die Grenze überschreitet. Meine Grenze ist eine fünf Meter hohe Konfliktableiter-Wand, alleine werde ich da nie herüberkommen. Ich will nicht mit dir schlafen. Die Konsequenzen sind zu unbequem. Du müsstest dich vor deiner Freundin rechtfertigen oder sie anlügen; du müsstest um sie kämpfen und mich nie wiedersehen. Das will ich nicht.
Eine Alternative gibt es nicht. Ich kann sie nicht ersetzen, will es auch gar nicht. Damals habe ich versucht, deine Freundin zu sein, und mich wie ein Vogel im Käfig gefühlt. Wie froh ich war, ausgebrochen zu sein. Zurück in diesen Käfig will ich nicht mehr. Trotz Sex. Aber den kann ich ja auch mit einem anderen Mann haben. Oder?







Kommentare
Die geliebten Fesseln der Masochisten.
Und, wie fühlt man sich so als Komplizin?
19.02.2012, 21:32 von konsTanteLieb sein wollen aber können....traurig
19.02.2012, 03:37 von EliasRafaelUnd die Moral von der Geschichte? Die Pointe? Wenn ihr ficken wollt, tut das doch. Wenn ihr treu sein wollt (also er) seid treu. Aber du bist nicht heilig, weil du geil auf ihn bist, aber auf seinen ersten Schritt wartest. Du bist eher eine Masochistin in meinen Augen... ;)
19.02.2012, 03:06 von PlutarchDas sehe ich ähnlich. Es ist masochistisch, feige, unvernünftig, doof - such dir was aus.
19.02.2012, 09:38 von BeKindSo ein bisschen von allem, ja. Aber wie wäre es klug zu sein und ihn seiner Wege gehen zu lassen und dich frei zu machen für eine bessere Zukunft?
22.02.2012, 20:56 von PlutarchDie Macht einer Frau...
18.02.2012, 22:19 von TilmannKleyeLass alles fiktional sein: Weshalb sucht sich die Erzählerin nicht einfach irgendeinen anderen Armleuchter... Ist es nicht eigentlich das: Findet sie es nicht interessant, was sie alles mit ihren Geschlechtsmerkmalen bewirken könnte und kann. Ein, zwei unbedeutende F&%§€, fliegende Teller, fließenden Grog und fallende Tränen. Für nichts. Nichts Bedeutendes.
Das kann man auch so ziemlich alles im Leben Münzen.
19.02.2012, 21:34 von konsTanteOder wie Kafka einst sagte: "
Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße."
..so kann es gehen...
18.02.2012, 12:08 von AnderSindInMirIch habe den Text verschlungen!:) Sehr schön!
17.02.2012, 20:24 von RomanciergeUnd ich glaube, es gibt hier zu viele Krammatiglehrer mit Rotschtift!
Schön, dass es dir gefallen hat! ;-)
17.02.2012, 22:48 von BeKindAber ich kann die Kommentare unten auch verstehen. Ich habe jetzt alle Fehler beseitigt, die mir noch aufgefallen sind. Aber irgendwer findet immer irgendwas, dass nicht gefällt. Das ist doch ganz normal.
Hey,
18.02.2012, 01:15 von DalekVon dem
Gewissensbissen, die dich plagen,
-> von den Gewi...
dass du sie in all unserer Gespräche
betrügst -> unseren
Is mir spontan ins Auge gestochen ^^"
Ach, und in ihren Körper stillst is irgendwie komisch (gewollt?). Also komisch lustig =P
18.02.2012, 01:17 von DalekDanke, ist geändert!
18.02.2012, 09:05 von BeKindMan macht immer alles falsch. Es kommt nur druf an, wen man fragt.
18.02.2012, 16:00 von sailorFreundschaft, sich nicht geliebt, nicht gemocht... alles sehr paradox.
17.02.2012, 20:01 von FrauKopfUnd dem und den verwechselt man auch zu gern.
Alles in allem ist das nicht schön.
Sind Menschen, was Gefühle angeht, nicht immer etwas paradox? Wenn es in einer Beziehung nicht hinhaut, dann mag man sich schon mal auch nicht so gerne leiden; trotzdem schließt das ja nicht aus, dass man nicht auch befreundet sein kann, wenn sich die Verhältnisse ändern.
17.02.2012, 22:41 von BeKinddas hat für mich immer was mit Liebe zu tun.
17.02.2012, 22:53 von FrauKopf