Midorschka 02.12.2013, 16:55 Uhr 53 11

Der Unerreichbare.

Wie ich den König traf.

Wir kennen das doch alle. Irgendwann in unserer mehr oder weniger aktiv-erfolgreichen sexuellen Laufbahn treffen wir ihn. Diesen einen Kerl, der uns komplett von den Socken haut. Diesen Traummann, von dem wir schon von vorne herein wissen, dass wir nicht in seiner Liga spielen. Diesen unglaublich sexy Bastard, der wohlwollend von seinem königlichen Männerthron auf uns herabschaut. Und es gefällt uns, wie er auf uns herabschaut. Wie sein kühler Blick auf uns fällt und uns vermutlich direkt in die Kategorie „Ficken in Notzeiten“ einordnet. Obwohl wir uns nämlich im Klaren sind, dass dieser Wahnsinnsmann es schlicht nicht nötig hat, sich mit mittelmäßigen, ziemlich unperfekten Nerdfrauen wie uns abzugeben, schleicht er sich direkt in unser Herz und unser H&M-Höschen. Im übertragenen Sinne natürlich. Und wenn wir ganz, ganz viel Glück haben, ergibt sich eine winzige Gelegenheit, den Duft des scheinbaren Perfektionismus zu schnuppern.

Und ich ergreife Gelegenheiten. Vielleicht, weil ich verzweifelt bin. Vielleicht, weil ich nix versäumen will. Vielleicht, weil ich mir manchmal für vieles leider nicht zu schade bin.

In diesem Fall muss ich aber sagen: Worth it. Ich bereue nichts. Und ich bin mir meiner Schuld bewusst. Ich habe mich selbst in die Scheiße geritten, ich habe mich benutzen lassen, und es hat so verdammt schaurig-schön wohlig weh getan.

Warum wir uns in meiner WG begegnet sind, sei dahingestellt, denn es ist nebensächlich und eine ziemlich schräge Geschichte, die wahrscheinlich eh keiner glauben würde. Aber fangen nicht die besten Geschichten so an? Unglaublich, aber wahr.

Aber. Trotzdem lasse ich immer noch gerne diesen Moment in meinem sentimentalen Mädchenkopf Revue passieren, als er die Treppe hochgestiefelt kam und mein Kopfkino bei seinem Anblick im Bruchteil einer Sekunde den erfolgreichsten Blockbuster aller Zeiten produzierte. Bääääm! Golden Globes, Oscars, Emmys (?) und so.

Er schwebte also die Altbau-Holztreppe zu mir und den fünf weiteren, natürlich situationsbedingt eher nebensächlichen Personen hinauf und stellte sich mir kurz vor. Das mit dem Vorstellen vergaß ich selbst kurzfristig, denn verdammt, war der Blowjob überragend, den ich ihm gerade in Gedanken gab.

Ehrlich mal, ich habe in meinem Leben selten einen Mann getroffen, dem ich so unglaublich gerne 24/7 hingebungsvoll den Schwanz lutschen wollte. Ich hätte alles dafür gegeben. Und dabei waren wir uns noch nicht einmal begegnet. Also sein Schwanz und ich. Habe bestimmt einen hundertprozentig positiven Eindruck hinterlassen, als ich irgendwas Sinnfreies, Zusammenhangloses vor mich hin brabbelte, aber sorry, Gehirnsituation.

Der Versuch, kettenrauchend und „Wie-kann-ich-ihn-behalten“-Pläne schmiedend möglichst locker zu wirken, als er seinen Astralkörper im Keller entblößte (ja, das ist der Wahrheit, nähere Erläuterungen dafür gebe ich gerne bei Gelegenheit), endete darin, dass ich mir dann am Ende auch spontan und mangels besserer Ideen die Kleider vom Leib riss. Man muss da manchmal an das Tier im Mann appellieren, wenn ihr wisst, was ich meine. Der Fotograf (Ja, zu spät erwähnt, ich weiß! Spannungsbogen!) schoss dann auch viel zu schnell viel zu perfekte Bilder dieses seines unglaublichen tätowiert-muskulösen Männerkörpers, und viel zu viele Fotos, auf denen meine Orangenhaut-Krater erschreckend gut zur Geltung kommen.


So verabschiedeten wir uns dann (Ich: „Brbllllbblllll“, er: flotter Spruch und Vaginalsekretproduktions- und Kreislauf-anregendes Strahlelächeln), woraufhin ich die nächsten zehn Minuten tief (Leider-nur-)Zigarettenrauch inhalierend und ziemlich hirngefickt in der Küche verbringen musste.
Damn.

Hier setzt jetzt dieses völlig unrealistische Hollywood-Würgereiz-erzeugend-schnulzig-unglaubliche kleine Quäntchen Glück ein, das man ja in mehr oder weniger unangebrachten Situationen dann doch manchmal hat. Wünschte, ich könnte mir das zeitlich selbst einteilen, aber, wie gesagt, no regrets.

Man gammelte also völlig verwirrt in den nächsten Supermarkt, um die wochenendliche Lebensmittelversorgung zu sichern, und -Tadaaa!- da war er, der „GZSZ“-Moment!

Da stand der König zwischen feuchtem Klopapier und Maggi-Tütensuppe, und unsere Blicke trafen sich und mein wahnsinniger Kopf sagte: „Guten Tag!“ Und er war es tatsächlich.
So einfach war das, seine Kontaktdaten zu bekommen. Und wie das in Hollywood oder in „Marienhof“ so ist, das war natürlich gottgewollt, klar, Schicksal und so. Da glaub ich ganz fest dran! Haha.

Und wie er von seinem königlichen Thron herabstieg und mir das auf das Stück Papier geschrieben hat! Also seine Kontaktdaten. Himmlisch. Der meinte es ernst!


Die subtil ironische, ganz wunderbar vielversprechende schriftliche Konversation („Der Mann meines Lebens!“), die unserem ersten Treffen zu zweit am nächsten Abend vorausging, muss nicht weiter erläutert werden, außer, dass sie perfekt war. Und wenn dann einer sagt: „Kommze mal her und bist nackt?“ und auf die Frage „Gibt's Bier dazu?“ mit „Natürlich!“ antwortet, dann ist es bei mir sowieso vorbei.

Nicht, dass ich an ihn irgendwelche weiteren charakterlichen Ansprüche gehabt hätte, aber ich bitte euch, wir befinden uns hier in einem verdammten Schnulzentraum. Natürlich ist alles perfekt. Und mit klopfenden Herzen macht sich die Hure auf den Weg ins Schloss.

Da kommt dann auch eins zum anderen. Man trinkt ein paar Bierchen, man unterhält sich unglaublich gut („So viele Gemeinsamkeiten!"). Und dann fällt man irgendwann endlich übereinander her. Oh, Glückseligkeit. Oh, lange ersehnte Befriedigung höchsten Grades. Allein deshalb bin ich dankbar für diese Erfahrung. Wie lang ist es nicht mehr passiert, dass ich jemanden so unglaublich heiß fand, dass ich schon bei der kleinsten Berührung elektrisiert zusammenzuckte. Mein König!


Ich weiß nicht, ob sein arbeitsbedingter überdurchschnittlicher Pornokonsum (ja, echt) ihn zu dem Vögelkönig gemacht hat, der er ist. Eigentlich hat das ja nicht wirklich was damit zu tun. Ich glaube, diese meine leicht verzerrt-idealisierte Wahrnehmung, das lag einfach nur an der Königssache. An dem Bewusstsein, dass ich unter seiner Würde war. Und er theoretisch unerreichbar war, aber dann doch mal an die Absperrung gekommen ist und mir kurz die Hand gedrückt hat. Weil ich zufällig gerade in der ersten Reihe stand.

Und ja, das klingt jetzt flach, aber selten hat ein Penis so gut geschmeckt. Da war so eine ganz leichte Krümmung drin. Das hat ihn noch schöner gemacht.

Jaja, der König sagt dann natürlich auch nette Sachen und ist lieb und bezaubernd. Er kuschelt und nimmt einen in den Arm, bis man wegschmilzt wie ein Aldi-Ofenkäse ohne Schachtel. Er fährt einen nachts auf der Fahrradstange nach Hause und er macht einem Komplimente. Wie wunderschön man ist. Oh ja, er geht definitiv zu weit, wenn er sagt „Das ist der beste Sex meines Lebens!“ Warum er das tut? Weil er es kann. Und weil er es nicht besser weiß. Er rupft einem nicht mit Absicht das kleine Herzlein in tausend blutige Stücke. Er kennt es nicht anders.

Außerdem hat er es von Anfang an gesagt. „Ich will keine Beziehung gerade. Ich will mein eigenes Ding machen“. „Es ist so schön unkompliziert mit dir!“ und „Ich hatte sowas schon mal, da hat das Mädel sich in mich verliebt. Das war nicht so cool.“


Übersetzt heißt das: „Nicht du. Nicht mit dir.“ oder vereinfacht „Joooaaah, jetzt so gerade schon, aber auf Dauer…och nööö.“


Und man nickt und lächelt und schluckt (ha!). Und man denkt in seinem verklärten Kopf: „Jaja! Scheiße! Besser das als gar nichts!“

Man ist halt sowas wie die Nutte des Königs. Und das Gehirn sagt: „bllllbrllllbllll“, und das Herz singt: „Forbidden Loooooove goes straight to your heart!“ und der Bereich unterhalb des Bauchnabels sagt „Fuck yeah (Achtung, flacher Wortwitz!)!“
Und deshalb macht man eben mit. Weil man es eigentlich weiß. Dass das nicht gut ausgehen wird. Aber weil man genauso gut weiß, dass das, was man gerade bekommt, das, was sich so verdammt gut anfühlt, in diesem Falle das Allerhöchste der Gefühle ist. Alles, was man kriegen wird. Man ist geschmeichelt, dass man vom König höchstpersönlich ausgewählt wurde. Zu Diensten.

Und man sagt: „Ja, super, so unkompliziert!“ während man im Kopf den Namen für das erste Kind aussucht („Sie wird seine Augen haben!“) und überlegt, ob die Hochzeitsreise lieber klassisch-Strandchillig auf irgendeiner Südseeinsel oder aufregend-jugendlich in einem Backpacker-Round-the-World-Trip endet.

Ich habe einige Wochen zufrieden vor mich hin gelitten, bis ich es dann schriftlich bekam: Da ist irgendeine andere. Und außerdem, wir verstehen uns ja so gut. Und der Sex ist wirklich Wahnsinn! Und deswegen, und überhaupt: Lass uns doch Freunde bleiben!

Abgesehen von einem schwächlichen, zudem auch noch von Mr.„Ich-will-dich-als-Freundin-nicht-verlieren“ gänzlich ignoriert-unbeantworteten Rückfall (Stichwort: Freunde bleiben, klar, können wir machen!) einige Wochen später bin ich aber doch ziemlich stolz auf mich, dass ich nein gesagt habe. „Du, kannst mir nicht das geben, was ich will, aber ich kann dir auch nicht das geben, was du willst.“ Drama, Baby!

Ja, ich bin stolz. Stolz, dass ich ein kleines bisschen Rest-Selbstrespekt zusammengekratzt habe und gegangen bin. Ohne ihn noch einmal zu umarmen. Weil wir alle wissen, das kann nur böse enden, wenn man das tut. Dann riecht man ihn ja auch nochmal. Und spürt die muskulösen Arme, wie sie einen umschlingen. Und wie sich die eigenen Brüste gegen seine starke Männerbrust drücken und…ihr wisst schon. Nein, nein! Ich muss weg!


Na gut, auf dem Heimweg 20mal laut „Fuck!“ gerufen (der Coolness halber) und auch ein paar schwächliche Tränchen geweint. Aber das Leben geht weiter. Und ich hoffe, er ist unglücklich und die Neue gibt ihm eine unheilbare Geschlechtskrankheit und er muss für immer ein Biest bleiben, weil niemals jemand in sein Schloss kommt, der ihm zeigt, was wahre Liebe ist, und die verdammte Rose einfach so verblüht und er jämmerlich dahin siecht, wenn das letzte beschissene Blütenblatt fällt und…! Aber lassen wir das. Man muss sich dann zwischendurch eben wieder den Gastons des Lebens zuwenden. Ficken können die ja auch.

Tja. Hure bleibt eben Hure und König bleibt König in dieser unserer sexuellen Ständegesellschaft. Da gibt’s kein Happy-End. Da gibt’s nur kurz mal Glück gehabt oder auch nicht. Wir sind ja hier nicht im Fernsehen oder so.

Ich hätte mir das schon denken können. Der wollte ja auch immer so gerne in mein Gesicht abspritzen. Machtspielchen und so. Hail to the King!


Tags: Sexbeziehung, Perfektion, Männer
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53 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Er schwebte also die Altbau-Holztreppe zu mir


    Ich kann mir nicht helfen, da habe ich sofort Edward im Kopf. 

    22.03.2014, 20:59 von Bambi_Eyes
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  • 0

    Haha. Etwas langwierig und irgendwie war ja klar worum es geht und worauf es hinauf läuft. Aber so Authentizitätsmäßig viel echter und schöner als jegliche "du"-Geschichte auf der Startseite. Endlich riecht man mal Spaß an Sex.

    02.02.2014, 23:59 von WieSieSehnSehnSieNix
    • 0

      Dankeschön! Authentizität ist mein zweiter Vorname. Oder so. :)

      03.02.2014, 15:49 von Midorschka
    • 0

      Midorschka Autthentizität Romanowski

      03.02.2014, 16:18 von WieSieSehnSehnSieNix
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  • 0

    wie smilla sagen würde- "ab könig war schluß"
    nee. ich möchte die welt und die menschen nicht in "könige und volk" aufteilen. ich brauch auch keinen könig, keinen hofnarr und keine untertanen. ;)

    04.12.2013, 21:10 von yuhi
    • 0

      Ist vielleicht auch besser so ;)
      Danke fürs Lesen!

      05.12.2013, 12:15 von Midorschka
    • 0

      (hab ich doch gar nicht;)  )

      05.12.2013, 13:20 von yuhi
    • 0

      Danke fürs Überschrift lesen? :D

      05.12.2013, 16:28 von Midorschka
    • 0

      schon eher ;)

      05.12.2013, 16:30 von yuhi
    • 0

      Schade, dann hast du die Hure verpasst ;)

      05.12.2013, 16:31 von Midorschka
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    • 0

      Die Firma dankt recht herzlich! :)

      05.12.2013, 12:15 von Midorschka
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    • 0

      Es gibt noch viel zu schreiben... ;)
      Danke fürs Lesen! Vorgeschichte...? Was stellst du dir vor?

      05.12.2013, 12:14 von Midorschka
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    • 0

      Ich kann dir das mal per PM schreiben :D

      05.12.2013, 16:29 von Midorschka
  • 1

    Nee, kenn ich nicht und Bastarde auch nicht.

    04.12.2013, 19:02 von FrauKopf
    • 0

      Schade eigentlich! Danke fürs Lesen ;)

      05.12.2013, 12:14 von Midorschka
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  • 0

    Déjà-vu – So ne Beziehung hatte ich vor etwa 10 Jahren ;-) Mittlerweile klingt das so oberflächlich, kalt, pornografisch vulgär.... nur dass es kein Porno ist.
    Guter Sex hat für mich was mit Leidenschaft, tiefen Blicken und Sinnlichkeit zu tun, dieser Text hat mich nicht angemacht.

    03.12.2013, 13:51 von zooropa
    • 1

      Ich glaube, es gibt viele Arten von gutem Sex, je nachdem, was man sich gerade wünscht. Leidenschaftlich und sinnlich war das da auch. Aber anders als in einer Beziehung auf Augenhöhe.

      05.12.2013, 12:13 von Midorschka
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    • 0

      den kenn ich!
      hach, wär ich doch nur ein mann..

      03.12.2013, 15:12 von nnoaa
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    • 0

      du müsstest aber um einiges größer und muskulöser werden als mann, um als könig zu gelten nnoaa. ;)

      03.12.2013, 16:58 von nuescht
    • 0

      mhh, so viel ist mir der spruch dann glaub doch nicht wert.

      03.12.2013, 17:02 von nnoaa
    • 0

      und ey, ich bin schon groß und muskulös! ich hau alle weg!

      03.12.2013, 17:02 von nnoaa
    • 0

      ja glaub ich dir und dann wäre da noch die tatsache, dass du dich dann mit frauen abgeben müsstest im bett... oder mit schwulen... xD

      beide ziemlich komplizierte zeitgenossen sag ich dir.

      03.12.2013, 17:04 von nuescht
    • 0

      "und ey, ich bin schon groß und muskulös! ich hau alle weg!"

      najjjjjjjja mit telekinese vielleicht. ;)

      03.12.2013, 17:05 von nuescht
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  • 7

    ich freu mich ja immer, wenn mir texte gewidmet werden.


    und jetzt tanzt ihr nutten, der könig hat laune!

    03.12.2013, 13:07 von IceIceFriedhelm
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  • 0

    Ich finds gut, hat mich zum lachen gebracht.

    03.12.2013, 12:22 von Jssc
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      Das freut mich sehr, das war Sinn und Zweck der Sache! :)

      05.12.2013, 12:12 von Midorschka
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