NewSlangVonDenShins 22.06.2009, 00:23 Uhr 45 20

Der perfekte Bett-Talk

Männer, hört zu: Reden im Bett ist toll. Aber das, liebe Frauen, ist kein Freibrief zum hemmungslosen Quaken. Die fünf Stufen zum perfekten Bett-Talk:

Für einen gelungenen Einstieg: Der Trash-Talk
„Hast du den Biber heute gesehen, unter der Brücke?“ Ich schüttele den Kopf. „Nein, aber weißt du, wer gestern mein Zugführer war? Kurt Beck.“ – „Bussi-Beck?“ Du kneifst mir in die Wange und ich erzähle von deinen Gedanken: „Du triffst den Biber heimlich, in seinem Bau verführt er dich – mit spanischem Akzent.“ Jetzt jaulst du: „Mi corazón! Mein Schatz!“ Und ich mache Zug-Durchsagen zur Zukunft der Partei.
Die Grundregel des Trash-Talks lautet: Anything goes! Solange es sich anarchisch gibt und beide mitmachen. Er dauert meist nicht lang, ist eine heikle Gratwanderung. Denn schnell kippt das Gemüt des Betalkten, wir sind genervt. Das kann zu einem handfesten Beziehungsstreit oder dem verpassten One-Night-Stand führen. Manchmal dauert der Talk zu lange, um intim zu werden. Dann schlafen beide ein oder verzetteln sich in Blödsinnigkeiten und am Ende: Mehr als Küsschen nicht gewesen. Ich rate, während des Trash-Talks heimlich die Berührung zu suchen und den nächsten Level anzusteuern.

2. Aufwärmen: Frechheit macht sexy!
Mein kleiner Finger steckt in deinem Hosenbund. Und bevor ich deine Nase küssen kann, sagst du: „Ungeschnittene Fingernägel? Raus aus meiner Hose!“ Dann legst du nach. „Hat Mami das nach dem letzten Baden vergessen?“ Die zwei NoGos dieser frühen Phase sind Beleidigtsein und offene Scham. Aber Haltung bewahren ist natürlich eine Frage der Laune. Verfliegt die Lust auf den anderen zu schnell, sollte ein Rendezvous mit Beck’s oder CSI: Miami bevorzugt werden. Und Frechheit kann nur derjenige auf die leichte Schulter nehmen, der aus dem gleichen Holz geschnitzt ist oder aber dem Angreifer unterstellt: Er oder sie will mich herausfordern. Was frech kommt, wird mit der besten Waffe geschlagen: dem Konter-Angriff. „Vielleicht“, antworte ich kühl. „Aber so kann ich dich später an den roten Striemen erkennen.“ Und bevor du Luft holst bin ich schon über dir.

3. Lieben heißt Informationen austauschen: Das Vorlieben-Gespräch
Jetzt kehren wir dem Nonsense den Rücken – denn hinter Ironie versteckte Unsicherheit würde uns um Längen zurückwerfen. Beim Sex können wir uns nun dem widmen, was erotische Leidenschaft wesentlich braucht: den mutigen, selbstbewussten und vor allem transparenten Umgang mit den eigenen Wünschen sowie die Offenheit gegenüber den Vorlieben des Sex-Partners. „Ich mag es, wenn du mich da streichelst.“ „Meine Lieblingsstellung ist, warte… nein, nicht so… ich zeig’s dir.“ „Würdest du mich da unten…?“ Oder: „Mich törnt an, wenn du…“ Der Preis, den wir zahlen könnten ist vermeintlich hoch: die Offenbarung eigener Unerfahrenheit oder die Enttäuschung, wenn sexuelle Wünsche auf Ablehnung stoßen. Und oft ist da in der Intimität die Furcht, gedemütigt oder verletzt zu werden. All das verleitet uns häufig dazu, in der hypothetischen Phantasie oder auch im vorgespielten Eros zu bleiben – leidenschaftslos. Das Reden über die Lust braucht zwar Mut, aber es öffnet möglicherweise Tore zu aufregenden Erfahrungen und unverhoffter Leichtigkeit.
Natürlich auch hier ein NoGo. Wer den Bogen überspannt, riskiert viel und ist sich oft gar nicht so nah, wie er oder sie denkt. Aufforderungen wie „Du musst jetzt…“ oder unangekündigte sexuelle Offensiven sorgen meist für ein schnelles Ende, wenn der mir anliegende Mensch dabei aus dem Blick gerät.
Schon klar: Im besten Fall ist das Sprechen überflüssig – wenn die Luft schon brennt, müssen wir keine Kerze mehr anzünden. Aber dass die Male, wo wir wie benommen übereinander herfallen, die Bettkante auch dann noch nicht stört, wenn sie zum zigsten Mal in unser Kreuz rammt: dass diese Begegnungen also nicht alltäglich sind, das wissen wir schon seit Bravo & Co oder spätestens seit der Beziehung, welche die ersten sechs Monate überdauerte.

4. Exkurs: „Ich liebe dich!“
Das Liebesgeständnis ist im Bett etwas Besonderes. Obwohl manche Vorbehalte haben, ist nichts dagegen einzuwenden, im Alltagsgeschäft, wenn die Zweisamkeit zu einer Liebesbeziehung gereift ist, großzügig die Floskel „Ich liebe dich!“ zu gebrauchen. Häufigkeit muss nicht entwerten, sondern sie kann das Zusammensein auch institutionalisieren. Im Bett sind diese Worte aber keine sichere Bank, sondern bestechen durch Einzigartigkeit im konkreten Situationsbezug. Zu empfehlen sind die Tugenden der Sparsamkeit, Authentizität und – um den „Im Winde verweht“-Effekt zu vermeiden – der unpathetischen Sprachfarbe.

5. Die Königsdisziplin: Schöne Gefühle erleben – und teilen
Worte können noch mehr, als uns einen lockeren Einstieg oder einen mutigen Umgang mit sexuellen Wünschen bescheren. Richtig angewandt vermögen sie Leidenschaft und intensive Gefühle noch zu steigern – indem sie das zum Ausdruck bringen, was wir empfinden und wie es sich anfühlt, körperliche Nähe zu genießen und von ihr berührt zu werden. Sie können uns helfen, den eigenen Genuss verständlich zu machen und den Anderen so daran teilhaben lassen. Und wer seine Gefühle verbalisiert, kann ein bewusstes Gespür für den eigenen Genuss fördern. Da können ein paar Dinge hilfreich sein.

Erstens der Schritt auf die Ebene der Selbstwahrnehmung: Manchen Menschen fällt es gar nicht so leicht, schöne Gefühle überhaupt wahrzunehmen und damit relaxt umzugehen. Einige lassen sie nicht zu, weil sie auch traurig machen können („Das darf nicht sein, weil es ja eh wieder zu Ende geht.“). Auch können Gefühle abgestumpft sein, was sich im hemmungslosen Gerammel oder im devoten „Mach alles mit mir“ zeigen kann. Ein guter Rat ist hier Geduld und die an sich selbst gerichtete Frage: Was gefällt mir und wie fühle ich mich dabei? Dann kann uns manchmal klarer werden, wie es etwa ist, sich geborgen zu fühlen und welche Phänomene damit einhergehen können – körperliche (Entspannung, ruhiges Atmen etc.) oder psychische (Empfindung von Entlastung, Sicherheit etc.). Und wie wichtig sie uns sein können.

Zweitens Vertrauen: Denn wenn wir Gefühle ausdrücken, zeigen wir ziemlich viel von uns und machen uns damit verletzlich. Wenn wir nicht den Eindruck haben, dass der Andere uns versteht, dann sollten wir lieber still bleiben. In einer vertrauensvollen Bett-Situation – sowohl in einer langjährigen Beziehung, als auch beim One-Night-Stand – kann uns plötzlich klar werden, dass Sex nicht nur sexy ist, sondern Facetten hat, die uns tiefer berühren: wie zwischen weiblichen Schenkeln zu liegen Geborgenheit stiften kann; wie das Eindringen des Penis’ bei einigen Frauen das Gefühl der Vollständigkeit erzeugt; wie seltsam magisch es ist, Busen anzufassen; die Zufriedenheit, die sich manchmal beim Orgasmus des Anderen einstellt. Die Chance die im gesprochenen Wort liegt ist, dass es das explizit macht, worüber sich der Zuhörer im Schweigen oft nicht sicher sein kann – dass er ein Grund ist, warum der andere erregt ist, sich entspannt oder geborgen fühlt. Das ist eine schöne Wertschätzung, weil es dem Sex-Partner den direkten Zusammenhang zwischen ihm und dem eigenen Wohlfühlen vermittelt.

Drittens die Sparsamkeit mit Worten. Im Zweifelsfall ist Schweigen immer Gold. Eine Frau fing im Bett vor lauter Entspannung plötzlich an, über den letzten Saunabesuch zu berichten. Er sei sehr angenehm gewesen, bis die Putzkraft das Alhambra-Dampfbad mit Essigessenz reinigte. Gefasst lachte ich kurz und verdrückte eine Träne des Abschieds. Auch in eine andere Falle tappen Männer und Frauen oft: Unter dem Deckmantel der Romantik beginnen sie zu intellektualisieren. Goethe, Rilke, Hesse – sie alle konnten zweifelsohne den großen Gefühlen auf ganz besondere Weise Worte leihen. Aber im Moment des Erlebens projizieren sie nur. Und warum Bilder an den Himmel malen, wenn das Eigentliche doch greifbar ist? Auch Männer verfallen natürlich dem gesprochenen Todesstoß („Das erinnert mich gerade an Bastian Schweinsteiger im Spiel um Platz drei“). Dann lieber still bleiben und sprachlos genießen. Und wenn hier der Funke nicht überspringt, dann hilft vielleicht doch noch das Liebeslied eines aus der Schaffneruniform quellenden Parteivorsitzenden a.D. Und mit ein bisschen Glück beginnt das Spiel von vorn.

20

Diesen Text mochten auch

45 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    sehr niedlich.
    und offensichtlich wissenschaftlich eigenexperimentell belegt und geprüft?

    mal gucken was passiert... nachti nachti herr lehmann!

    17.11.2009, 02:23 von Chouchette_fou
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wie das Eindringen des Penis’ bei einigen Frauen das Gefühl der Vollständigkeit erzeugt jaja der Penisneid. Sensibel und intelligent geschrieben!

    04.07.2009, 03:20 von Heinz_Hans
    • 0

      @Heinz_Hans wie das Eindringen des Penis’ bei einigen Frauen das Gefühl der Vollständigkeit erzeugt jaja der Penisneid. Sensibel und intelligent geschrieben!

      04.07.2009, 03:21 von Heinz_Hans
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    sehr nice

    28.06.2009, 01:30 von linski
    • Kommentar schreiben
  • 0

    trés bien

    27.06.2009, 13:41 von xunintendedx
    • Kommentar schreiben
  • 0

    mir gefällts. nicht mehr und nicht weniger.

    25.06.2009, 17:09 von JulesWinfield
    • Kommentar schreiben
  • 0

    =P superinteressanter text ^^

    25.06.2009, 10:24 von bbennie
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Plong. Haste das gehört? Da ist ein Sack umgefallen. Sowas. Was war bloß drin in dem Sack? Und wo ist er umgefallen? Und was reden die Leute da, wenn sie im Auto sitzen?

    25.06.2009, 03:50 von quatzat
    • Kommentar schreiben
  • 0

    total verwirrend geschrieben irgendwie... und etwas langweilig...

    24.06.2009, 16:47 von GelberEngel
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ok, ich habe jetzt zwei mal versucht, es zu lesen und beide male irgendwann aufgegeben.
    langweilig.

    24.06.2009, 12:29 von .Elendstouristin.
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 5

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare