SteveStitches 27.01.2013, 08:45 Uhr 10 2

der alte Sack und die wehrtätige Nachbarin

make love not war

Der alte Sack steht vor seiner Wohnungstür, nur mit Pulli und Socken bekleidet.
Er ist einem angeblichen Groupie nachgerannt, die vorgab mit ihm GV haben zu wollen. Aber in Wirklichkeit wollte die zukünftige Direktorin des Museums der Schwänze nur den Gipsabdruck des Gliedes eines unbekannten Autors.
Während sich der alte Sack Gipsreste vom Sack wusch, nahm sie ihre Trophäe, ihre sieben Sachen, und eilte aus der Wohnung. Der alte Sack folgte ihr, bis zum Treppengeländer vor seiner Wohnung und sah wie sie gerade durch die Haustür auf die Straße entwich, während die Zugluft seine Wohnungstür zuzog.
Noch immer hat er einen prallen Ständer, durch Einnahme eines pharmazeutischen Präparats und der anregenden Wechselwirkung: warmes Gipsreinigunswasser und eindeutige (wenn auch vorgetäuschte) Koitusierungs-Angebote.  

Zunächst ärgert und philosophiert er ein Weilchen über seine geilheitsverblendete Blödheit und seine fatale maskulinbedingte Triebhaftigkeit.

Er schwört sich, nur noch mit einer einzigen Frau zu verkehren, so denn sie wieder zu ihm zurückkäme. Oder er wolle eigenhändig, sich das derzeit von ihm abstehende Teil abhacken.

Er betrachtet es, wie man eine große Warze angewidert betrachtet, dabei fällt ihm ein, dass er durch die zwei Türspione der gegenüberliegenden Wohnungen beobachtet werden könnte. Schnell zieht er den Pulli drüber.

Er muss die Tochter seiner Freundin anrufen, die beiden haben einen Zweitschlüssel zu seiner Wohnung, der Schlüsseldienst ist ihm zu teuer, er ist ja schließlich Schwabe.

Bei wem soll er klingeln, bei Familie Schnetzler oder bei Frau Kolbe? Die Kolbe ist meist nicht da, Auslandseinsatz, zwangsläufig klingelt er bei Familie Schnetzler.

 

Frau Schnetzler: (Frau Schnetzler öffnet die Tür einen kleinen Spalt, spricht zögerlich, vorsichtig) Ja?

aS: Ja Hallo, ich bin´s, ihr Nachbar Herr Sack von Nebenan.

FraSler: Ja?

aS: Meine Tür ist zugefallen und ich hab mich ausgesperrt, könnte ich von Ihnen aus kurz telefonieren?

FraSler: (strenger Ton) Hallo Herr Sack, sie haben keine Hose an.

aS: Ja, ich weiß, deshalb muss ich doch telefonieren.

FraSler: Gerade sagten sie noch, sie müssen telefonieren weil sie sich ausgesperrt hätten?

aS: (langsam erklärend) Ich habe keine Hose an und meine Wohnungstür ist zugefallen.

FraSler: (streng) Sie gehen ohne Hose vor die Tür?

aS: Ich bin einer jungen Dame gefolgt und habe mich dabei ausgesperrt.

FraSler: Was wollten sie von der jungen Dame?

aS: Äh, …, die …, die hat was mitgenommen.

FraSler: Es sah eher aus als wäre die Dame auf der Flucht vor Ihnen, Herr Sack!

aS: Weil sie mir was geklaut hat.

FraSler: Oder weil sie die junge Dame bedrängt haben?

aS: Warum soll ich die junge Dame bedrängt haben?

FraSler: (öffnet die Tür, bis ihre Kette spannt und zeigt auf den Unterleib des alten Sacks, sagt streng) Deswegen!

aS: (Der alte Sack schaut auf die kleine Beule im unteren Teil des Pullis, hält den Pulli so, dass man die Wölbung nicht mehr sieht) Frau Schnetzler, das ist nicht das wonach es aussieht.

FraSler: (böse) Herr Sack, ist das ihre Handytasche?

aS: (reißt sich zusammen, überlegt, gesteht) Die junge Dame gerade, hat einen Gipsabdruck von meinem Glied angefertigt, dazu habe ich ein pharmazeutisches Präparat eingenommen, das (er hält den Pulli so, dass die Wölbung deutlich zum Vorschein kommt) ist das Ergebnis.

FraSler: (läuft sichtlich rot an, wendet den Blick von Wölbung und Herrn Sack) Ich kann sie unmöglich in die Wohnung lassen, wenn das meine Kinder mit ansehen müssen.

aS: Ihre Kinder sitzen bestimmt wieder vor der Glotze.

FraSler: (fühlt sich kritisiert, schaut ihn scharf an – scharf nicht wie geil, sondern scharf wie „ich dreh dich gleich durch den Fleischwolf!“) Herr Sack, wo meine Kinder sitzen geht sie einen alten Dreck an. Ich will doch auch nicht wissen wo und wann sie überall in ihrer Wohnung umhervögeln.

(„omanandveglad“ – das Gespräch wurde auf schwäbisch geführt und für den werten Leser ins Hochdeutsche transformiert.

Frau Schnetzler beruhigt sich wieder und sagt in schneidendem Ton) Vielleicht sollte ich die Polizei rufen? Vielleicht kann die Polizei ihnen helfen? Vielleicht ist die Polizei für so Leute wie sie zuständig?!

(Die nächste Wohnungstür geht auf, es ist nicht die Tür vom alten Sack)

Frau Kolbe: (Sie trägt passend zu ihrer sehr kurzen dunkelbraunen Stoppelfrisur ein Unterhemd der Bundeswehr – mit dem Adler auf der Brust. Steckt in einer blauen Trainingshose der Bundeswehr. Fragt im harten Befehlston) Frau Schnetzler kann ich ihnen helfen?

FraSler: (sichtlich erschrocken, erklärt mit dünngeschrumpfter Stimme) Nein, Herr Sack wollte nur kurz telefonieren.

FraKoe: (sichtlich amüsiert, befiehlt) das kann er genauso gut bei mir machen.

FraSler: Ja, aber… (weiß nicht was sie dazu sagen soll)

FraKoe: Frau Schnetzler, stellen sie sich vor: er telefoniert bei Ihnen und ihr Mann kommt nach Hause.

FraSler: (Ihre Gesichtsfarbe wechselt von rot auf weiß) Nicht auszumalen!

FraKoe: Sehn sie. (zum alten Sack) Herr Sack, immer rinn in die Stube!

aS: Wo ist das Telefon?

FraKoe: Zweite Tür links! (Es klingt als hätte sie dem alten Sack gerade einen Marschbefehl erteilt, der alte Sack gehorcht, geht in ihren Flur, zweite Tür link. Frau Kolbe scheucht Frau Schnetzler mit einem kurzen Kinnzucken zurück in ihre Wohnung, folgt dem alten Sack)

aS: (Steht im Schlafzimmer von Frau Kolbe, schaut sich um: Eine Deutschlandfahne an der Decke über dem Futon, in der Mitte ein großes Loch aus der, anstelle des sowjetischen Emblems mit Ähren, Hammer und Sichel, die Zimmerlampe hängt. Hanteln neben dem Bett. Gegenüber dem Bett ein offener Schrank mit Uniformen. Diverse Bücher auf einem Regal neben der Tür: Waffen, Schlachten, alle Noah Gordon und Ken Folett Bücher, ‚der Afghane‘ von Frederick Forsyth ist auch dabei. Er ruft hinter sich)

‚Der Afghane‘ – spannendes Buch. (erschrickt ein bisschen, sie ist direkt hinter ihm)

FraKoe: Ja. (Betrachtet den Knackarsch des alten Sacks, prüft mit beiden Händen) Krafttraining?

aS: (Überrascht, für eine Frau hat sie erstaunlich warme Hände, wahrscheinlich weil sie gerade ein bisschen trainierte, er riecht ihren Schweiß)  Fitness, wegen dem Rücken.

FraKoe: (umfasst mit einer Hand seinen Ständer, fragt stramm) Auch wegen dem Rücken?

aS: (Ist es nicht gewohnt wie Frischfleisch angefasst zu werden) Viagra (sagt das Wort als wäre es Ungeziefer). Wo ist das Telefon?

FraKoe: Live hab ich so was schon lange nicht mehr gesehen.

aS: (erschrickt) ein Telefon?

FraKoe: Einen Ständer, höchstens in den Pornos der Kameraden.

aS: Keinen Kameradenständer?

FraKoe: (sagt es wie eine Parole) Ein Kamerad ist ein Bruder, ich habe bestimmt keinen Sex mit meinem Bruder.

aS: Und Sex mit einem Vorgesetzten? (muss an seine Chefin denken, die auch so was Befehlshaberisches an sich hat)

FraKoe: (die nächste Parole) Kein Sex am Arbeitsplatz! Bringt nur Stress und Ärger (Etwas darin klingt nach eigenen Erfahrungen).

aS: Au! Du fasst mein Ding an als wäre es ein Gewehrlauf.      

FraKoe: (wird sanfter, fährt mit der anderen Hand unter seinen Pulli und durch seine Brusthaare, hinab, spielt mit seinen Eiern und über sein Bäuchlein zurück zur Brust. Sie hat sich so an ihn angeschmiegt, dass er ihren heißen Atem in seinem Nacken fühlt. Sie flüstert ihm ins Ohr) Bin ein bisschen aus der Übung.

aS: (versucht sich zu wehren) Du befummelst gerade einen ehemaligen Zivildienstleistenden.

FraKoe: (haucht ihm ins Ohr) I make love not war!

aS: O, oh, ich glaub ich komm gleich.

(er will mit einer Hand seine Vorhaut drüber ziehen und zuhalten, sie hält seine Hände mit der linken, schiebt mit der rechten weiter sacht vor und zurück. Als sie spürt wie sein Schwanz zu pumpen beginnt, schiebt sie seine Vorhaut zurück bis sie spannt, beobachtet wie er auf ihr Bett spritzt)

FraKoe: (übertrieben empört) Zivi-Ejakulat auf meinem Bett! Wie soll ich das meinen Vorgesetzten erklären?

aS: (kontert) Hier vergnügen sich deine Vorgesetzten?

FraKoe: (erklärt) Zimmerinspektion.

aS: (erschrocken) Die kommen extra zu dir nach Hause? Ich wasch dir deine Bettwäsche.

FraKoe: (lacht) Quatsch, muss das Bett sowieso frisch beziehen.

(foppt ihn schon wieder) Aber ich finde es trotzdem eine Ungeheuerlichkeit, dass du auf mein Bett onanierst.

aS: Du hast doch …

FraKoe: Hab ich oder du? Ich bin höchstens schuldig Beihilfe geleistet zu haben. Wem gehört der Kleister?

aS: (durchschaut langsam ihren schrägen Humor. Betrachtet ihre Bettdecke mit den Pferdeköpfen) Vielleicht hat dein Pferd Schnupfen? Das ist bestimmt Pferderotz.

FraKoe: (prüft die Festigkeit seines Glieds) Viagra, oder bleibt er bei dir steif?

aS: (bestätigt) Ja, Viagra. (schaut immer noch nach dem Telefon) Ich bin Alduin, oder Asi (dreht sich zu ihr um, damit sie seinen Ast loslässt).

FraKoe: Alduin? Komischer Name?

aS: Ja kommt vom altdeutschen Namen Aldwin und heißt so viel wie alter Freund.

FraKoe: Ich heiße Anette, das ist eine französische Kurzform von Anne und heißt die Anmutige, Liebreizende (sie geben sich die Hand).

aS: Kurzform von Anne? Was ist da kürzer?

Anette: Keine Ahnung? Findest du mich Anmutig?

aS: Eher Liebreizend.   

Anette: Das hast du schön gesagt. Kannst du küssen? (fängt an ihn auf den Mund zu küssen)

aS: (Eigentlich empfindet er gerade gar nichts – er hat abgespritzt, eine etwaige Geilheit ist verschwunden, er riecht jetzt das muffelige, als wäre das Zimmer lange nicht gelüftet worden, ihr Schweiß riecht jetzt unangenehmer, ihr Atem nach Schinken und Oregano, als hätte sie Pizza gegessen + das säuerliche von Bier.

Ihre Küsse sind suchend und forschend als hofften sie auf eine Antwort, er will ihr diese Antwort nicht schuldig bleiben.

Langsam wird seine nüchterne Wahrnehmung von einer höheren Macht weggeschwemmt.

Sie setzen sich aufs Bett, sie auf ihm ohne dass er eindringt, seine Eichel geborgen im Dickicht ihres Venushügels. Sie küssen sich, sie zählen nicht die Stunden.

Irgendwann folgt auch der Hauptgang.

Sie liegen beieinander und er betrachtet den schwarz-rot-goldenen Stoff an der Decke)

Anette: Was denkst du?

aS: (weiß nicht wie er es sagen soll) Ich finde Nazis Scheiße.

FraKoe: (krault ihm die Brust) Ja find ich auch, wie kommst da drauf?

(sieht seinen Blick zur Decke) Nazis haben die Reichskriegsflagge, rot – weiß- schwarz mit dem deutschen Kreuz. Die da oben steht für unser demokratisches, vielfältiges, soziales Deutschland.

aS: Nazis haben auch die Fahne.

FraKoe: Ja, weil sie doof sind. Die steht für das heutige Deutschland, die wollen aber das Deutsche Reich – Deutsches Reich= andere Fahne, andere Zeit, anderes System.

aS: Ich hatte Angst du wärst ne Nazibraut.

Anette: (wundert sich) Mit so einer würdest du poppen?

aS: Männer machen manchmal die seltsamsten Sachen wenn ihr Zepter die Herrschaft übernimmt.

(Gesteht) Eigentlich dachte ich du wärst so eine Kampflesbe, wegen deiner Kleidung, Frisur und Aussprache.

Anette: Aussprache?

aS: Du hast so einen militärischen Ton an dir.

Anette: Der Kasernenhof – das färbt ab. Das mit der Lesbe: Wenn man sich in so einem Männerverein zu weiblich gibt wirst du ein Opfer, da muss man ständig gegen halten.

Wenn die Jungs denken, du bist ein Mann in einem weiblichen Körper, erst dann behandeln die einen wie einen Kameraden und nicht wie ein Mäuschen.

Deshalb bin ich froh endlich mal wieder zu Hause zu sein (kuschelt sich enger an den alten Sack) und sich wie eine Frau zu fühlen.

aS: Seit wann bist du bei dem Schützenverein?

Anette: Seit 2011.

aS: Nein, ich meinte: wie alt warst du als du eingetreten bist?

Anette: (überlegt) Hauptschule, danach Berufsvorbereitungsjahr, ein soziales Jahr und danach zum Bund, mit 18.

aS: Nach dem sozialen Jahr, hattest du da keine Lust einen sozialen Beruf zu machen?

Anette: Klar, aber ich wollte etwas mehr verdienen, deshalb bin ich Sanitäterin beim Bund geworden, oben im BWK (Bundeswehrkrankenhaus). Genauso Krankenhaus, aber bessere Ausbildung, bessere Bezahlung, bessere Aufstiegsmöglichkeiten – ich möchte mal Arzt werden.

aS: Was bist du jetzt?

Anette: (wiederholt) Sanitäterin.

aS: Nein, welcher Rang?

Anette: Hauptgefreite.

aS: Du kommst gerade vom Auslandseinsatz?

Anette: Ja klar! Afghanistan. Als Zeitsoldat musst du auch mal Auswärts.

aS: Die Kehrseite der Medaille?

Anette: Ich hab mich freiwillig gemeldet. Für die Jungs, die raus ins Gelände müssen, da kann das schon ziemlich gefährlich werden. Aber im Lager fühl ich mich sicher, da wird für Unterhaltung gesorgt, der Verdienst ist super, man sieht mal ein anderes Land, wenn auch ganz wenig davon.

Endlich hat man mal Praxis (wird sehr still und verliert sich in irgendwelchen afghanischen Gedanken. Bis sie sich selbst aus ihren Gedanken befreit)

Sag mal wie alt bist du eigentlich? (Er flüsterts ihr ins Ohr)

Mein Vater ist zwar sechs Jahre älter als du, aber du könntest trotzdem mein Vater sein.

aS: Und? Ein Problem?

FraKoe: Nö, auf alten Rössern lernt man reiten.

aS: Ulan oder Husar?

FraKoe: Was?

aS: Was bist du für ein Reiter?

FraKoe: Meine Mutter ist Russin – ich bin ein Kosake!

aS: Das hab ich gemerkt.

(Er denkt an seinen Schwur, aber wenn Frau Hauptgefreite Anette Kolbe ihn noch einmal so zureitet, fällt ihm sein Kolben ganz von alleine ab)

 

  

 

 

 

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Kommentare

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  • 1

    „omanandveglad“


    Super!

    08.02.2013, 00:26 von Mann_vom_Meer
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      Frag doch mal den Helmut Dietl.

      28.01.2013, 23:29 von SteveStitches
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      wem denn?

      07.02.2013, 00:37 von SteveStitches
    • 0

      wem traust du das zu?

      08.02.2013, 00:28 von SteveStitches
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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