missweiss 16.07.2012, 22:13 Uhr 11 3

Denn sie weiss nicht, was sie will

Mein Verstand sagt mir ich will dich. Mein Herz sagt vielleicht. Mein Stolz sagt nein.

Es war vor sechs, vielleicht sogar sieben Jahren. Eine eiskalte Nacht im Januar. Ich ging die Untergasse entlang, stapfte durch den Schnee und wollte nur noch nach Hause. Da sah ich dich vorbeigehen. Hand in Hand mit einer hübschen Frau. Das war unsere erste Begegnung. Ich sah dich an und dachte mir: er ist es. Nicht nur weil du gross, attraktiv und wie ein richtiger Beschützer-Mann aussahst - einfach weil ich es fühlen konnte. Oder zumindest dachte, es zu fühlen. Mein Herz gehörte dir. Damals verschenkte ich es noch vorschnell, schmiss es jedem hin, der es nicht wollte. Macht mir das Leben selber zum Massaker.


Dann, eines Abends im Club. Ich tanze ausgelassen mit meinen Freunden, bin süsse siebzehn Jahre alt. Du stehst ein paar Meter entfernt und dein Blick klebt förmlich an mir. Du kannst dich kaum losreissen, und auch ich muss immer wieder in deine braunen Augen schauen und lächle zurück. Mein Herz fühlt sich knisternd an. Mein Magen wird flau. Deine Aufmerksamkeit setzt mir zu. Aber dann, ich hätte es fast nicht gemerkt, sehe ich wie deine Freundin neben dir steht. Sie kriegt von uns nichts mit. Sie ist sich deiner Liebe und Treue sicher. In dem Augenblick weiss ich nicht ob ich mich von deinem Verhalten noch geschmeichelter oder total angewidert fühlen soll. Ihr macht euch auf den Nachhauseweg, ich bestelle mir gerade etwas an der Bar. Deine Freundin ist bereits aus der Tür, du tippst mir auf die Schulter. Du bist riesig - ich glaube vor Begeisterung zu sterben. Deine Hand ruht auf meinem Oberarm und du sagst grinsend: "Einen schönen Abend noch." Ich wünsche dir dasselbe - und du gehst mit ihr nach Hause. 

Ein anderer Abend, es ist jetzt bereits Sommer. Ich bin vor ein paar Monaten 18 geworden. Du stehst am anderen Ende des Mischpultes der kleinen Openairwiese. Unsere Blicke streifen sich wie immer millionenfach. Wir verharren, wir lächeln, wir wollen einander. Ich gehe an dir vorbei und du grüsst mich. Wir führen ein bisschen Smalltalk, du willst wissen, ob ich einen Freund habe. Ich verneine. So halb. Nur ein Flirt sei es. Du erzählst mir in deiner Beziehung sei "der Wurm drin". Sagst, es laufe nicht so gut. Flirtest mit mir. Aber ich gehe nicht darauf ein, gebe dir deutlich zu verstehen, dass ich nicht eine Betrügerin sein werde. 
Ich glaube deswegen wolltest du mich noch mehr.

Ein paar Monate später. Wir sind in einem Club, dem einzig richtig brauchbaren der Stadt. Wir reden, flirten. Du erwähnst beiläufig, dass du single seist. Wir trinken beide zu viel. Aber ich will das nicht, nicht mal dich küssen. Nicht weil wir zuviel Wein hatten - nicht bei dir. Ich will, dass unser erster Kuss so triefend kitschig an einem Ort, zu einem Zeitpunkt geschieht, dass wir ihn nie wieder vergessen werden. Aber als du mich zum Abschied umarmen willst, komme ich mir vor wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Wir umarmen uns etwas verhalten, ich spüre wie deine Hände den Druck um meine Taille verstärken. Ich rieche dein Haar, deine Haut und meine Knie fangen an zu wackeln. Ich spüre deine Wange an meiner und als wir uns aus der Umarmung lösen wollen, nähern sich unsere Lippen wie automatisch einander an. Wir verlieren uns in einem innigen Kuss. Du 27. Ich 18. 

Was danach war, daran erinnere ich mich nicht gerne. Du konntest dir nicht eingestehen was du willst - oder mir nicht sagen was du nicht willst. Aber obwohl dann eine Neue hattest, kamst du nicht von mir los. Unzählige Nachrichten mitten in der Nacht, am Abend, wenn du wissen wolltest wie es mir ging und was ich machte. Ich reagierte schnippisch. Wenn wir uns in der Stadt über den Weg liefen, habe ich dich nicht mehr gegrüsst. Und du mich nicht mal mehr anschauen können. Wir haben uns wie die grössten Kinder verhalten - oder besser ich wie ein Kind, du wie ein Kleinkind. Aber Schuldzuweisungen brachten nichts. Ich hatte akzeptiert, dass Du jemanden in deinem Alter, mit deinen Interessen gefunden hattest. Und irgendwann hab ich mich sogar für dich gefreut. Nachdem ich dich und uns aufgegeben hatte.

Dann, letztes Jahr an meinem Geburtstag eine Nachricht von dir: "Ich weiss, du bist nicht so gut auf mich zu sprechen aber ich wollte dir trotzdem alles Gute zum Geburtstag wünschen." Ich antwortete dir, dass das so nicht ganz stimme, aber das ich nicht wisse, wie ich mit dir umgehen solle. Du meintest darauf, dass du das alles gerne mal persönlich klären würdest. Wir trafen uns, wir konnten wirklich gut miteinander reden. Wie Erwachsene. Wie ich mir das vier Jahre lang gewünscht hatte. Du hattest sogar deiner Freundin von mir erzählt - was mich leer schlucken liess. 

Juni. Jetzt liegst du neben mir. Über ein Jahr haben wir uns nicht gesehen. Dann eine Nachricht von dir. Ein Treffen. Du bist wieder single, hast dich von ihr getrennt. Ihr habt zusammen gewohnt. Du bist dieses Jahr 30 geworden. Wir haben zwei Flaschen Rotwein geleert. Den besten Rotwein. Ronco Nolé. Dazwischen haben wir etwas gegessen im kleinen Lokal bei mir um die Ecke. Ich bin an dieses Treffen ohne Hintergedanken, aber vielleicht mit einem Funken Hoffnung gegangen. Dann wollte ich dich noch auf einen Kaffee bei mir einladen, es wurde aber ein Gin Tonic daraus. Dann sassen wir auf dem Sofa, guckten das Ende eines EM-Spiels. Dann endlich kamen die Worte aus deinem Mund: "Darf ich etwas machen, was ich schon seit circa sechs Jahren machen möchte?" Ich ziehe dich noch etwas auf und sage, das hätten wir doch bereits mal gemacht. Du grinst ungeduldig. Ich gestatte es. Ich will es ja auch. Wir küssen uns. Es ist schön. Aber kein Feuerwerk, keine Explosion. 

Du willst dich nicht in eine Beziehung stürzen. Und ich weiss nicht, ob ich eine Beziehung mit dir will, ob mein Herz und mein Stolz noch einen Rückschlag ausgerechnet von dir erträgt. Wärst du irgendeiner, wäre es anders. Aber wir haben zuviel Geschichte. Wenn du noch mal mit mir spielen würdest, müsste ich mir ehrlich überlegen, ob ich noch ganz dicht bin, dir auch nur ein Wort zu glauben, dass aus deinem Mund kommt. 

Sag mir nicht Dinge wie "Ich hab dich irgendwie vermisst", nachdem wir Sex hatten. Sag doch nicht ich sei immer ein Mensch gewesen, der dich beschäftigt hat, der dich nie ganz losgelassen hat. Sag es nicht, wenn du es nicht meinst. Ich möchte doch nur ein bisschen Liebe, so wie wir alle. Will jeden Tag drei Mal Sex mit dir haben, wie an diesem verdammt heissen Donnerstag. Und zwei Mal davon betrunken. Aber ich will das alles nicht wollen, denn ich hab so eine Scheissangst, dass du mich zurückweisen wirst.

Mein Verstand sagt mir ich will dich. Mein Herz sagt vielleicht. Mein Stolz sagt nein.

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11 Antworten

Kommentare

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  • 1

    son Würstchen.

    17.07.2012, 09:31 von Jingeling89
    • 0

      Rein textlich kann ich mich Tranquillo anschließen

      17.07.2012, 09:32 von Jingeling89
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      Ich schließe mich euch beiden an.

      17.07.2012, 09:46 von halbkindmf
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  • 0

    kein guter rat und nichts...
    ...aber diese angst...die ist abfuck!

    17.07.2012, 01:15 von civa_vc
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      jap ;)

      17.07.2012, 09:47 von missweiss
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    Hört sich jetzt auch mal wieder sehr authentisch an, also.

    Wir trafen uns, wir konnten wirklich gut miteinander reden. Wie Erwachsene.

    Dann solltest du das mal fortsetzen, auch über deinen Ängste, deinen Stolz und so weiter reden, anders ist eine dauerhafte Beziehung eher unwahrscheinlich.

    17.07.2012, 00:33 von EliasRafael
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      Das ist ein sehr guter Rat. Ich weiss das ja eigentlich, aber mein Stolz hält mich grad davon ab, sehr erwaschsen zu sein. Ich halt im Geiste immer den Mittelfinger hoch, wenn ich an ihn denke. Wohl kein gutes Zeichen.

      17.07.2012, 09:49 von missweiss
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      Weiß nicht, die Wege der Liebe sind unergründlich.

      17.07.2012, 09:59 von EliasRafael
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      Das ist so. Leider. Aber das ist ja auch das Schöne an der Liebe.

      17.07.2012, 10:06 von missweiss
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    Etwas zu kitschig erzählt... Anfang besser geschrieben al mittel und endteil... Story nicht besonders spannend...

    p.s.: such dir vielleicht besser jemand andern. Hört sich an als wärst du der Lüückebüsser

    17.07.2012, 00:14 von Tranquillo_for_Real
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      Tja, ich weiss klingt kitschig ist aber nix übertrieben ;)

      Nö die Story ist nicht spannend, ist halt was so passiert im Leben eines Mädchens. Wenn schon ist er mein Lückenbüsser :D

      17.07.2012, 09:50 von missweiss
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