Fieseise 21.05.2012, 12:28 Uhr 26 22

Denn es war Sommer

Dorfjugendtagebucheintrag

Frühsommerluft, Abendduft, hing schwer wie eine Symphonie auf der Schrebergartenkolonie, bevölkert von Blockwarten aller Arten, die im zarten und milden Sommerklima grillten während ihre Frauen chillten. Nicht weit entfernt, ich im Zwischenweg wo wir es zu tun pflegten, wenn die Triebe uns trieben einander zu lieben. Auch er war da, auf seiner Vespa, wunderbar und adrett. Seine Worte so viel mehr als nett, ward es mir warm von herbem Charme.
In seinem Arm lag ich gut. Kein Mut und kein Müssen, nach ein paar Küssen war die Begierde da, unzähmbar nah, als er auf die Knie sank, sich an mir betrank während ich in Lust versank, auf die Moral schiss und mich im Efeu verbiss, die Nägel in die Mauer krallte und mein Schrei im Nichts verhallte.
In meinem Kopf uralte Lieder, die Luft duftete nach Flieder, Adams-Stokes-Syndrom, Pheromon und Palindrom. Mad mod, no condom? Dam! Also mit der Hand, er an der Wand und ich daneben, provozierte Erdbeben, o junges wildes Leben voller Pracht. Dachte auch der Betrachter der in seinem Garten stand, sich genüsslich wand bei der Aussicht. Doch ereilte ihn die Pflicht mit dem finstren Gesicht seiner Frau, der eine solche Sauerei nicht einerlei - sie war nämlich eher bieder- sondern ganz und gar widerlich aufstieß.
Für ihn hieß es nun, den Helden zu zu spielen und zu melden, was er sah, was geschah so sonderbar und ganz und gar plötzlich erschien er: Ein erboster Staatsdiener und klagte uns lautstark an. „Guter Mann!“ lobte ärgerlich erregt die Öffentlichkeit. Jederzeit bereit, dem Unrecht pikiert, couragiert und vor allem ungebeten entgegen zu treten. Auf einen anderen Planeten wünschte ich mich schnell, während sich die Handschelle um mein linkes Handgelenk schloss und dann ergoss mein Freund sich klebrig warm in meiner Rechten. Und die Menschen, nicht die Schlechten, nein, die guten Gerechten applaudierten, salutierten dem angepissten Polizisten denn dort war kein Ort für Terroristen.

22

Diesen Text mochten auch

26 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Cool. Ich find das unendlich viel besser als den überstapazierten Gegenentwurf, nämlich einen Prosatext zu schreiben und in Strophenform zu präsentieren (kann natürlich auch mal klappen).

    Die Reime (ein paar sind schon etwas verbogen, aber nun gut) parodieren das Versaute und die Botschaft ein bisschen. Sie  entschärfen es und verleihen beidem ein Augenzwinkern. Das macht diesen Text schön und entspannt, obwohl er ja eigentlich eine Anklage ist. Wirklich ein lässiger Text.

    07.06.2012, 15:50 von Trebor-Faust
    • 0

      Oh Den...ähm Faust, deinen Kommentar lass' ich mir rahmen. Oder ich häng# ihn mir in Ordensform an die Brust. Ich freu' mich. Dankeschön.

      07.06.2012, 20:11 von Fieseise
    • 0

      Das erinnert mich daran, dass Ein Neon-User (Damals hieß er anders, jetzt TilmannKleye) ein ganzes Buch in diesem Stil geschrieben hat. Das wollte ich mir immer bestellen, jetzt mach ich es. Seine Texte hier waren damals gut.

      Soso. In Ordensform. Aber bitte nicht in Strophen!

      07.06.2012, 20:34 von Trebor-Faust
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Was soll man da noch sagen ... :-) 

    04.06.2012, 17:12 von Lna__
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

     Ich muss lachen über den Titel "Denn es war Sommer" *schubidubididu-träller*:  Marianne Rosenberg oder doch eher Peter Maffay?
    Alles klasse. Aber der Titel... auweia.

    24.05.2012, 06:49 von Jackie_Grey
    • 0

      Doch, ist der Maffay, die alte Muräne. Und der Song ist groß. Verdammt groß.

      24.05.2012, 21:18 von Fieseise
    • 0

      Klingt für meine Ohren so ähnlich wie "Ein Bett im Kornfeld" von Jürgen Drews ;))
      Nein - ich mach Spaß. Wollte nur ein bisschen rumpöbeln :D

      24.05.2012, 21:31 von Jackie_Grey
    • 0

      nix gegen "ein bett im kornfeld" und
      diesem hier!

      26.05.2012, 22:10 von Gluecksaktivistin
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Bin gerade noch mit dem Rad durch das nächtliche und sommerliche Köln geradelt und meine, im Park erst ein heimliches Stöhnen und dann hektisches Getuschel gehört zu haben. Nur gesehen habe ich nichts.

    Dein Beitrag dazu passt gerade so gut.

    24.05.2012, 03:29 von lalina
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    wirklich, wirklich großartig.

    23.05.2012, 10:41 von mo_chroi
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Applaus!

    22.05.2012, 22:06 von Surecamp
    • Kommentar schreiben
  • 0

    gabs das auch schon einmal ungereimt? ich meine, mich zu erinnern. aber auch mit reim fein.

    22.05.2012, 12:39 von YOLK
    • 0

      Dankeschön, allerdings gab's den schon immer mit Reim.

      22.05.2012, 12:45 von Fieseise
    • 0

      dann erinnerte ich mich wohl falsch. hm.

      22.05.2012, 18:18 von YOLK
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2
  • Hitzefrei

    Wir haben Tipps gesammelt, die sich perfekt umsetzen lassen, wenn ihr Menschenmassen und tropischen Temperaturen lieber entgehen möchtet.

  • Durchs Wochenende mit Oliver

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Digitalchef Oliver Kucharski.

  • Links der Woche #20

    diesmal u.a. mit einem Geburtstagsständchen an die Kanzlerin, und einem spektakulären Feuerwerk aus der Vogelperspektive.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare