LaBrit 13.08.2009, 20:54 Uhr 2 1

Deine Nacht mit ihr

Es war nur Sex. Sonst nichts. Mehr möchte ich darüber nicht wissen.

Ich bin so wütend auf mich selbst und ich weiß nicht wohin mit meiner Wut.
Nachdem ich geheult, telefoniert, geraucht und das erste Bier getrunken habe, werde ich etwas ruhiger.
Auf dem Sofa pflücke ich die leere Zigarettenschachtel auseinander und werfe die Schnipsel in den Raum. Wäre schön, das mit den Gedanken machen zu können.
Funktioniert nicht.
Und das ärgert mich noch viel mehr.
Ich bin ja schließlich selbst schuld.

„Ich hab mit ihm geschlafen.“
Mehr wollte sie mir nicht mitteilen. Mehr musste sie auch nicht sagen.
Mein Körper hat schneller reagiert als ich. Ich hing über dem Klo und kotzte dich aus mir raus. Tage-, wochenlang. Reden konnte ich nicht. Nicht mit dir, nicht mit meinen Freunden. Ich habe nichts gesagt. Ich habe einfach keine Anrufe beantwortet, keine Emails, keine SMS. Ich habe versucht, dich nicht mehr zuzulassen. Geistig und räumlich nicht.

Du warst nicht mehr da und ich fast auch nicht mehr.
Zehn Kilo und um dich leichter habe ich mich wieder unter Menschen getraut.
Natürlich warst du da, weil du schon immer da warst, wo viele Menschen sind und besonders warst du schon immer da wo ich bin, wenn ich dich nicht sehen will.

Zeit heilt keine Wunden, Zeit macht Narben daraus und die tun nicht mehr weh.
Aber man kann sie noch sehen.
Ich konnte immer noch nicht sprechen. Du wusstest nicht, was ich wusste.
Mein Gefühl für dich, was auch immer das für ein Gefühl war, hatte ich nie verloren.
Du warst ja schließlich immer noch der gleiche Mensch.
Der Mensch, der mir soviel beigebracht und gegeben hatte wie noch niemand zuvor.
Aber nun eben auch gleichzeitig der Mensch, der mich mehr verletzt hatte, als ein anderer es jemals konnte.

In Filmen würde jetzt jemand sagen „Ich habe dir verziehen.“
Aber das habe ich nicht.
Ich habe akzeptiert, was passiert ist, weil du mir wichtiger bist als deine Lust auf einen anderen Körper in einer versoffenen Nacht. Wichtiger als mein Stolz, was das angeht.
Einmal wolltest du mit mir über die Sache reden. Ich habe dich nicht gelassen.
Ich weiß bis heute nichts, als dass ihr Sex hattet.
Mehr will ich nicht wissen. Mehr vertrage ich nicht.

Ich habe solche Angst vor dem, was du mir sagen könntest.
Dass ihr geredet habt. Dass du ihr von dir erzählt hast. Dass sie jetzt weiß, dass du früher Torwart warst und du jeden Morgen Kakao trinkst. Dass du nichts sagst, sondern nur grinst, wenn jemand dir ein Kompliment macht.
Dass du ihr erzählt hast, dass die Haut auf den Unterarmen die weichste Haut am ganzen Körper ist.
Dass sie dir durch deine Haare gestrichen hat und dir deinen Kakao gekocht hat morgens. Dass du ihr einen Kuss zum Abschied gegeben hast.
Dass sie womöglich auf eine SMS von dir gewartet hat. Dass du ihr die auch noch geschrieben hast.

Kein Wort.
Was ich nur vermuten kann, muss nicht passiert sein. Ich kann mir das ausreden.
Das einzige, was ich mir nicht ausreden kann, ist diese verdammte Angst, die jedes Mal kommt, wenn du ohne mich unterwegs bist.
Und mit ihr die Wut.
Auf dich, aber vor allem auf mich.
Auf dich, weil du das getan hast.
Auf mich, weil ich nicht von dir loskomme, egal, was du tust.
Weil ich das nie können werde.
Und dann wieder auf dich, weil ich glaube, dass du das weißt.

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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich kann die Situation sehr schwer nachvollziehen. Aber durch den Text gelingt es mir ein bisschen. Daher: Gut geschrieben.

    14.08.2009, 13:09 von coronaria
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  • 0

    Seit ihr den nicht getrennt?

    14.08.2009, 11:46 von Tanea
    • 0

      @Tanea Erst schon. Und dann habe ich alle Bedenken über Bord geworfen. Aber es sitzt, irgendwie.

      14.08.2009, 12:36 von LaBrit
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