annabellissima 30.11.-0001, 00:00 Uhr 51 20

Das wollen sie alle, Babe

Freitag. Ich suche? Nö. Ich lasse finden. Ich liege in der Badewanne und rekonstruiere den Tag.

Den Scheiß-Tag, hängt mir auf den feuchten Lippen, beiden. Ich hab Schaumkrönchen im verpappten Haar, meine Augen sind ein kühler Waschlappen und der Geruch ranziger Avocado hängt in der Luft. Meine Knie berühren Badewannenemaille, schon eine ganze Weile. Ich wette sie haben die Farbe der gusseisernen Schale angenommen. Sonst berührt mich nichts mehr, Tag sei Dank, besteht er nur noch aus dumpf pochenden Druckstellen, und das vorwitzige Körperteil, das sich eben noch submarin in mich bohren wollte, hat auch aufgegeben. Mundwinkelknurren vs. große Zehe 1:0
Ein Naturschwamm schabt mir in Zeitlupe die unrasierten Stoppeln schienbeinaufwärts, dann bekniet er mich eine Weile, entdeckt kreisbewegend einladende Stellen darüber, nimmt darauf eine beherzte Abzweigung zur Innenseite... Innenseite Badewanne, Innenseite gefickte Schenkel, Innenseite Cerebrum. Fühlt sich alles gleich an. Druckstellendasein. Ein demütiger Zustand der Erkenntnis, dass nichts wirklich ausfüllbar ist, was sich reproduktiv zeigt.
Da verliert nicht nur das Leben den Mut, auch der Schwamm taucht ab, schlägt ein paar Wellen, startet wieder bei den Zehen. Langeweile keimt auf. Sag ich doch, Scheißschwamm, Scheißtag. Nulpe.
Hängt an meinen Lippen wie ein hormoneller Blutegel.

Als ich aufwachte, goss es in Strömen.
Unter dem gekippten Fenster eine Parkettpfütze, Gleichgewichtsübung am frühen Morgen, ich mittendrin, die verschlafenen Augen auf Grauschleier gestellt, Fokus: Bäcker gegenüber. Ob der mir was rauf liefert, wenn ich ihn mit vergrippter Todesstimme anrufe, um die letzten zwei Brötchen meines Lebens zu ordern? Ach ne, ich starb ja schon vor zwei Wochen den Beinah-Tod. Mit mäßigem Erfolg.
"Hören Sie? Tut mir sehr leid, ich bin allein heute, Sonja ist krank, ich muss alles selbst wuppen hier, können Sie nicht selbst...?"
Hunger hab ich trotzdem. Ich starre auf meine fröstelnden Zehen in der Lache und überlege, ob ein Beinbruch plausibler wäre. Ich habe die Wahl zwischen einem drei Jahrhunderte alten Zweiback und zwei duftenden frischen Brötchen.
Mein Magen ist plötzlich ein wenig eingebildetes hungriges schwarzes Loch.
Manche Tage sind echt nur ausgekotzte Seufzer.

Ich entscheide mich für eine Handvoll Studentenfutter und einen Instant-Tag. Ratter-ratter-ratter, was steht an? Tom treffen, er kriegt nen Pack CDs zurück, Alma anrufen wegen Sonntag, Post-Päckchen abholen, Wohnung putzen, zur Bank, Geschirr abspülen, Bettzeug waschen, Staubsaugen, Wischen, Alex vögeln, Aufräumen, Bad säubern, ach ja: Brötchen holen, Schminken, Zähne putzen, anziehen... STOOOPP! Wer hat sich da reingeschlichen? Ich grinse und fange gedanklich schon mal mit Aufräumen an. Indem ich Alex unter die Rubrik "OPTIONAL" einsortiere, ihn beim Pinkeln rasch wieder rausnehme und in "DRINGEND" verstaue. Ja, genau, DEN Alex. Leider lässt mich das ebenfalls ein wenig seufzen. (aus bekannten Gründen.) Ich leg mich wieder hin, rauche eine. Geht nix über eine Kippe im Bett, halbgar hergerichtet, ne Tasse Instantkaffee Marke "Hauptsache heiß" in der Hand, blaue Wölkchen formend, kurz die Nase unter die Achseln gesteckt. Fettes Grinsen. Ihr könnt mich mal.

Mein Kopf saust dazu wie ein Stein ins Kissen zurück, die nassen Füße kuscheln sich ein, auch schon schnuppe. Vorteil Single: "leckt mich" ist ein geflügeltes Wort. Vorteil Beziehung: Sex am Morgen lässt auch abheben. Dafür kein unnutzes Gesabbel. Dafür keinen Sex, keine Nähe, keinen Körper. Keinen Fremdkörper! seufze ich schon wieder. Nähme ich hin. Morgendialoge der abgefahrenen Art. Ich hab noch schlappe 5 Minuten. Wieso wache ich stets ne Viertelstunde vor dem Piepen auf? Ätzend. Ich überlege, wie ich meine innere Uhr an die Wand feuern könnte..., und döse weg, rhythmische Stöße im Kopf, Alex Muskelfleisch an... ach nein, schade, nur meine Hand zwischen den Beinen. Was mir mein erstes schmales zufriedenes Lächeln entlockt. Kuscheln mit Anna ist auch nicht schlecht.

Dann die tägliche Weck-Abmahnung. piep piep piiiiieep PIIIEEEEP. Ja, ja, schon gut, ich komme schon. Von wegen. Knapp daneben ist auch vorbei. Ich muss genau deswegen schon wieder an Alex denken und folgendes Gespräch vollzieht sich in mir, während ich ins Bad torkele, um nen Menschen aus mir zu machen:

"Hey. Alex. Anna hier."
"Oh. Hi Anna. Was verschafft mir die Ehre? Schon was vor für heute Abend?"

Arschloch, denke ich mir. Er weiß genau, warum ich anrufe. Shit. Und ich lege in Gedanken wieder auf, ramme mir die Bürste ins Zahnfleisch. Fletsche die Beißerchen: Bin ich ein billiges Flittchen? Kein Blut. Hab ich's vielleicht so nötig? Tut dennoch weh. Lass ich mich auf Spielchen ein? Soll sich nur nichts einbilden, der Typ. Gibt genug andere. Dennoch antwortet mein verwischtes Spiegelbild unentschlossen mit "ja" "JA!" und "begrenzt"

Neustart.

"Hey. Alex. Anna hier. Du, ich bräuchte jemanden, der mir bei einem Regal helfen kann..."
"Oh. Hi Anna. Regal? Klarer Fall. Wann?"
"Na, heute, früher Abend wäre nicht schlecht. Gleich nach der Arbeit."
"Soll ich nen Wein mitbringen...? Ich meine, wenn ich danach auch beim Verstauen von gewissen Sachen behilflich sein kann..."

Autsch, schon wieder durchschaut. Nein, nein, nein, so geht das nicht, ich muss mir was anderes einfallen lassen. Aber wieso? Ich hab Lust, Alex zu ficken. Wieso ruf ich ihn nicht einfach an und sag:

"Hey. Alex. Anna hier. Lust heute mit mir zu vögeln? Du hast auch nen Extra-Wunsch frei."
Stille. Ich grinse ob meiner Dreistigkeit. Der Spiegel grinst angeschmiert zurück:
"Oh. Hi Anna. Also... Du... sorry..., aber ich hab heute schon was vor..."

Blöder Wichser, denke ich mir, warum muss man abgefahrene Spielchen anzetteln, um euch ins Bett zu kriegen? HÄ?? Nur weil man ein bisschen Spaß und Wärme haben will am Wochenende, hmm? Wieso darf nicht ICH die Eroberin sein? Wo seid ihr tollen Typen, die man an sich reißen und so mal eben ein bisschen unterwerfen darf? Bullshit.

Ich schmeiß erbost die Haarbürste ins Waschbecken, zupfe verzweifelt an der Frisur herum. Keine Chance. "Frisör" wird in die Agenda "Chaosfreitag" eingebaut. In der Mittagspause vielleicht. Für diese Kraftanstrengung genehmige ich mir einen schnellen Cheeseburger bei Nörgelking als Belohnung. "Da wird dir wieder schlecht von!" warnt mein Magen und rät ab. "Halt die Klappe", fahr ich ihn an, "sonst geb ich dich zur Organspende frei, verzärteltes Saftgesicht!"

Noch ein schneller Espresso im Stehen, um die Instantscheiße von vorhin loszuwerden, eine weitere Kippe dazu, ein paar Schluck Wasser. Ich muss dringend weniger rauchen. Ich muss auch dringend mehr Sex haben. Ich muss dringend was essen, funkt mein Kreislauf SOS. Die nötige Unterlage hole ich mir sofort in der Bäckerei gegenüber: Schinkenbrötchen mit weichem Gürkchen und mickrigem Matschsalat.
"Nein. Nicht einpacken, ich schmeiß es gleich weg. HAHAHAHA. Nein, war'n Scherz. Wie? Nein, die Verpackung mein ich. Ist sinnlos. Ach so, ja, hab ich vergessen, dürfen Sie ja nicht."
Ich verdrehe die Augen, grabble das Ding aus seiner hässlichen braunen Papierhaut, und lass die zerknüllte Tüte wie einen erbärmlichen Stimmzettel auf der Theke liegen.
"Stimmt so...", triumphiere ich mit grüner Stimme.
Ein Typ aus dem Hinterzimmer glotzt mich böse an. Ich lächle unschuldig zurück. Geht doch, Tag.

Die Anhöhe runter kommt mir ein alter Herr entgegen. Den sehe ich fast jeden Morgen. Er hat ne fette Plastiktasche in der Hand und in der anderen eine Zigarre, an der er geistesabwesend nuckelt. Alle paar Meter bleibt er stehen, ringt nach Luft, hustet, pafft. Er blickt zu mir rüber.
"Die Füße", erklärt er mir mit glasigen Augen, "die Füße machen nicht mehr mit. Sind 74 Jahre alt, diese Füße."
"Klar", sage ich, "scheiß Füße."
Ich guck kurz in den Himmel, um den Flug des Todesengels nicht zu verpassen.
Kein Spektakel.
"Sonst alles fit? Lunge, Herz...?"
Er versteht nicht.
Ich kann ihm nicht helfen. Terminjagd.

Ich treffe noch: die Kaugummifrau, die stets wie ne Kuh auf der Alm mit halboffenem Mund vor sich hin malmt, Brabbelselbstgespräche als Standarte, eingepackt wie ein Eskimo; Flying Tobi, den Fahrradkurier, wie immer bestens gelaunt, "Tagchen, Rotnase" huste ich ihm zu, er winkt lässig (Wie kriegt man einen Fahrradkurier rum?); das putzige Kind, das nie lacht, stets verschüchtert guckt, als bekäme es schon vor dem Frühstück eine erzieherische Abreibung Marke Palisierstab, es winkt mir zu, ich reiße eine Grimasse, mach ihr den Beetlejuice, ein sonniges Lächeln als Applaus, die Mutter zerrt die Kleine möglichst weit weg von mir - ts, darf man auf offener Straße herzlos kalte Mütter verprügeln?; ansonsten treffe ich den üblichen unausgeschlafenen Alptraum-Alltag: jede Menge Leute mit ner Miene, die einen stumm anbrüllen "ich-hab-nen-Scheißjob-geh-aber-dennoch, seht, bin-ich-fleißig-bin ich-Held", dann auch noch PERFUMEMAN, der zuverlässig mit der tödlichsten Waffe der Welt kokettiert, ein unsichtbares P auf der Brust, und das übliche gelangweilte Bushaltestellen-Gesindel, ich ein nicht unmaßgeblicher Teil davon.

Ich rattere den Job runter wie Roboter Rudi, Treibstoff Kaffee, Freitag geht alles flotter von der Hand, die Laune sinkt zwar bis gegen elf kontinuierlich, dann wache ich aber irgendwann auf, und die Kurve nimmt die Talsohle mit Bravur, die Ziellinie liegt greifbar nahe im Blickfeld. Fenster werden zu Glücksvitrinen, Kolleginnen lächeln urplötzlich ausnehmend nett, die Krake Netzwerk flutscht einer zweitägigen Auszeit entgegen, Tentakel mit lockerem Griff, "können Sie diesen einen Auftrag bis spätestens drei Uhr...?", wo ist meine Heckler&Koch, verdammt.

Irgendwann ist es drei, und ich ernte Beifall in Form eines nichtssagendes Nickens von Herrn Stock-im-Arsch, der mit den Prints zufrieden abrauscht. Emelie findet, ich wäre eine Heldin, ich selbst finde, ich brauche dringend ne Auszeit und verzichte auf den Publikumspreis. Dann kommt Vollhorst Abteilungsleiter von Eiterpickel mit der üblichen Wochenend-Anmache, ich muss an den Terminator denken, aus vielerlei Gründen, raune aber nur mit Grabesstimme:
"Meine Datenbank umfasst nicht die Dynamik menschlicher Paarbindung."
Emelie kriegt nen Lachanfall, er glotzt nur doof, ich sortiere ruckartig meine Siebensachen in die Handtasche, brause mit zackigen Bewegungen ab.
Emelie gluckst im Off. VhAbtLvEP gafft paralysiert.
Mein Arsch wackelt raus, eine Hand wedelt in den Rückspiegel, "Ciao Emelie, bis Montag!" Cut.

Geht doch, lieber Tag.

"Wie immer?"
"Nein, heute bitte nicht wieder Tina Wischmopp Turner, Ronnie, heute mal so, wie ich es beschreibe, ja?"
Er hört sich meinen zweiminütigen Vortrag an, ist ganz einfühlsames, stummes, verständnisvolles Nicken, meine Stimme überschlägt sich zuweilen, meine Hände dirigieren eine Udo-Walz-Hymne. Dann intoniert er linkisch:
"Aber Schnuckelchen, ich kann keine Haare ANKLEBEN, ich kann sie nur schneiden und stylen, du hast nunmal nicht die zarten Löckchen von Keira Knightly, du hast volles festes Haar, sei doch froh, ich zaubere dir auch..."
"...etwas, wo ich morgens ohne schmerzverzerrtes Gesicht mit ner Bürste durchkomme?" unterbreche ich ihn. "Ich will aussehen wie Keira!" protestiere ich.
Er verzieht das Gesicht.
"Das wollen sie alle, Babe. Vergiss es. Werden wir nie sein, wir zwei Hübschchen, nicht wahr? Ich kann dir aber ein bürstenborstentaugliches zwei-Zentimeter-Stoppelfeld mähen, Schnuckel..." spiegelt er mich tonlos an und legt das Kinn geniert auf die Handfläche.
"Ok, gut, gut. Also Tina. Aber nicht zu kurz!" warne ich.

Ronnie seufzt. Ich seufze mit. Dem Fettgesicht mit Lockenwickel auf dem Nachbarstuhl fallen fast die Glupscher raus.
"Is was?"
Nix is.

Das Scheiß-Regal ist sauschwer, eigentlich brauche ich auch gar keines. Vor Wut ramme ich es im Bus einem Typen in die Nieren, der sich sofort dafür entschuldigt. Sein Blick ruht einen Moment zu lange auf meiner Frisur, was mir ein kratzbürstiges "Was verkehrt damit?" entlockt. Er kramt wohl nach irgendwas Schlauem. Vergiss es, denk ich mir. Bist nicht mein Typ. Ich brauch was Hartes. Handfestes. Ich feixe ihn übertrieben an, da findet er die Sprache wieder.
"Schwer, das Teil, nicht wahr?"
Wow. Ein Genie!
Handy raus, tipptipptipp, "Alex?"
"Kann ich dir vielleicht... beim Tragen helfen?" fragt mein Nachbar zuneigungsvoll. Meine Augen rollen gen Himmel. Mach schon, geh ran, Alex. Notfall.
"Ne, ne, ich hab schon ein Date, danke", lächle ich zurück.
"Alex? Ja... Anna. Nee, nee, alles bestens... das heißt... Alex, duuuu...? ... Ich bräuchte jemanden, der mir bei einem Regal helfen kann..."
Meinen Nachbarn reißt es. Er guckt mich säuerlich an. Ich blinzle mit Unschuldsmiene zurück, werf ihm ein Küsschen zu. Mehr gibt's nicht, Darling, nächstes Wochenende, vielleicht.
Scheiße. Alex hat vergessen, den Rotwein zu erwähnen.

Alex hat nun rasierte Hoden, keine Ahnung, wozu das gut sein soll, aber bitte, soll er, besser rasierte als kastrierte. Das sieht einerseits einladend, andererseits nutzlos aus. Na, jeder wie er mag, er rasiert sich ja auch das Gesicht, Schultern, Brust. Wer rasiert dir denn den Rücken, Alex?
Beim Küssen ist das ganze sehr vorteilhaft. Gleiche Intention? Analogie der Ereignisse: ich steh plötzlich drauf, ernte ein triumphales "Siehste?" Na, wenn schon. Soll ich mir nun deswegen die Kimme glatt hobeln, nur weil Alex nen neuen Fetisch entdeckt hat? Hirn auf Zunge, nech. Ich fange gerade an, mein neues Regal zu hassen, aber nun ist Alex schon mal da, also wird das jetzt durchgezogen, auch wenn ich mich plötzlich schrecklich müde fühle und einen leisen Anflug von Kopfschmerz bekomme. Das ordne ich flugs unter Champagner-Konsum ein, Alex zeigte sich spendabel.

Dennoch, das bin nicht wirklich ich, was jetzt kommt. Anna lässt sich die Brüste kneten, die Hüften, den Hintern begrapschen, Anna packt Alex an den Oberarmen, zerrt ihn zurecht, legt sich auf ihn, übersieht geflissentlich sein überlegenes Grinsen, dann fliegen Klamotten durchs Zimmer, Hände überall, ich wühl ihm die Shorts runter, dabei schnellt mir sein Bohrturm ins Gesicht, ich nehm in sofort in den Mund, spitz wie ein Streifenhörnchen. Schmeckt prima. Macht Spaß. Geile Nummer. Auf Alex ist Verlass, toll, ich darf mich nach Belieben bedienen, und genau das mach ich auch.

Anna hat den Vortritt, Alex hält sich zurück, Anna reitet auf einem Kamel schaukelnd durch siedende Hitzebäder und vollzieht ein Beckenbodentraining erster Güte, greift nach Muskelfleisch, lässt sich auf den Arsch klopfen, schließt die Augen, ist nur noch Wippen, Drehen, Schaukeln, Beben... hebt mehrmals ab.
FEIN.
Fein.
fein.
In der Reihenfolge, immer ein bisschen schwächer werdend, aber immer gut.

Dann darf Alex mit Anna spielen, leckt sie, massiert sich dabei, nimmt sie von oben, vorn, hinten, die üblichen Variationen halt. jedem sein Gähnen. Anna macht brav mit, sie sind ein eingespieltes Team. Kein richtiges Paar, aber paarungswillig. Dann sackt Alex erschöpft zur Seite, raunzt: "Ich kann nicht. Hab zu lange gewartet."
"Du hast doch aber!"
"Ich wollt zweimal..."
"Das wollen sie alle, Babe", entfährt es mir.

Anna verzieht das Gesicht, fühlt sich kurz scheiße, dann zuckt sie mit den Schultern, tapst ins Bad, kommt nicht wieder. Bis Alex' Gesicht auftaucht, darunter wieder sein rekonvaleszente Ausrufezeichen.
"O Gott", stöhnt Anna und versinkt unter Schaumkrönchen.

"Du hast am Telefon was von einem 'freien Wunsch' erwähnt", meint Alex.
Das war vor den Turnübungen, denke ich unentschlossen. Neugierig bin ich trotzdem.
"Hmm. Der wäre?"
Ich höre mir das verlegene, verzerrte Gestotter an, konstruierten Sex zu verbalisieren ist ne schlimme Rolle, denk ich mir, du solltest den Drehbuchschreiber feuern, Alex, und komme zu dem Schluss: Warum nicht. Soll er. Es amüsiert mich, na wenn schon. Ich brauche ja nichts weiter zu tun, als dazuliegen, soll er machen.
Nach endlos langen Minuten mit seinem fluppenden Ding vor meiner Nase, grient er keuchend:
"Ich kann nicht."
"Schon wieder nicht??" bedeute ich stirnrunzelnd. Alex zieht ne Fresse. Nicht hilfreich, ohrfeig ich mich insgeheim. Beiß auf deine Zähne, Anna, sonst nimmt das gar kein Ende. Es ist Zeit für eine gemütliche Tasse Espresso. Handbezogen. In der Küche. In aller Ruhe. Mit Anna und mir, also... ALLEIN!!!
"Na, du guckst so dabei!" beschwert er sich.
Himmel, klar gucke ich, mich interessiert nun mal die bloß gelegte Schaukelei, und was - vielleicht... irgendwann... da noch so alles... ins Blickfeld kommt. Ich lächle mein zauberhaftestes zuckersüßes Lächeln. Trotzdem: Ich habe Alex in besserer Form in Erinnerung.
Na gut, also Waschlappen. Passt ja auch. Kühlung meiner heiß gelaufenen Augen. Dunkelheit. Erneut fluppende Geräusche. Alex' sporadisches Stöhnen, Keuchen. Kleine Wellen schlagen an meine Brüste. Das Badezimmer hallt dumpf mit. Schweiß perlt mir von den Schläfen. Wieso mir? frag ich mich. Dann der Moment der Stille vor dem Sturm. Gefolgt von stoßweise gründelndem Grunzen und einem feinen Kitzel unter meiner Nase, auf meiner Wange, im Dekollete. Anna, die Schlampe. Na, bravo.

*

Ein Glas warmen Champagner später.
"Du hast da... äh, was an der Lippe... ich glaub, das ist..." will mich Alex aufmerksam machen.
"...das ist Avocado-Creme, Schnuckelchen", unterbreche ich ihn tonlos. "Die soll zarten Teint zaubern."
Er verzieht angewidert das Gesicht.
"Mach das bitte weg..." sagt er kleinlaut.
"Nö", geb ich zurück. "Das ist gleichzeitig meine Trophäe wie Therapie!"
Fein, denke ich. Beste Aussichten auf den baldigen Solo-Espresso in der Küche. Ich wette, Alex hat heute noch was Dringendes vor. Und tatsächlich: schon bald sitzt er unruhig auf dem Klodeckel, starrt gekonnt problembelastet auf ein Display.
"Entschuldige, Anna, aaaber..." Bla, bla, bla.
"Kein Problem", lächle ich ihm entspannt zu und lasse heißes Wasser nachlaufen. "Macht's dir was aus, wenn ich fertig bade, während du dich anziehst?"
Alex: "Sehe ich dich wieder?"
Anna: "Das wollen sie alle, Babe."
Das Regal schmeiß ich auch gerne selber weg.

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51 Antworten

Kommentare

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    Ich will ja echt niemanden beleidigen, aber: fürchterlich!
    Unsympatisch! Der Schreibstil wie auch das lyrische Ich.

    16.04.2010, 01:31 von Cosmictears
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    >schlechte Kritik ist die beste<
    weiter so - lockerflockig - super!

    08.03.2010, 09:40 von Adulterium
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    nette blümchen...
    aber kein tiefer einblick

    08.02.2010, 14:26 von logicoflove
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    nette blümchen...
    aber kein tiefer einblick

    08.02.2010, 14:24 von logicoflove
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    nette blümchen...
    aber kein tiefer einblick

    08.02.2010, 14:24 von logicoflove
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    nette blümchen...
    aber kein tiefer einblick

    08.02.2010, 14:23 von logicoflove
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    saugut

    06.12.2009, 23:47 von GonzoPiez
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    "meine Hände dirigieren eine Udo-Walz-Hymne"

    XD

    ich mag deinen Stil! mehr davon!

    03.12.2009, 00:22 von issmirdochegal
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    "Da wird dir wieder schlecht von!" warnt mein Magen und rät ab. "Halt die Klappe", fahr ich ihn an, "sonst geb ich dich zur Organspende frei, verzärteltes Saftgesicht!"

    Das war für mich das Highlight! Stellenweise sehr sehr witzig geschrieben!

    Ansonsten muss ich leider sagen:
    Viel zu lang. Auch Wortwitze und -spielereien konnten mich nicht von der Tatsache ablenken, dass manche Absätze total irrelevant für die Geschichte sind.
    Musste mich echt durchkämpfen und hätte zwischen Jobbeschreibung und Friseurbesuch beinahe den Mut verloren: Streichen!

    Auch für meinen Geschmack etwas zu frech und locker!

    02.12.2009, 20:04 von b.merker.in
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    PERFUMEMAAAAAN!!

    02.12.2009, 11:35 von maria.mercedes
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