Das Leben aus der Vögelperspektive
In »LUDERSCHULEN« wollen junge Frauen in Russland lernen, Männer für sich zu begeistern.
Als Olga vor fünf Jahren von Tartastan nach Moskau zog, hatte sie neben ein paar tausend Rubeln und einer passablen Schulbildung zwei Regeln mit auf den Weg bekommen: »Erstens«, hatte ihre Mutter gesagt, »du musst so bald wie möglich heiraten. Und zweitens: deine Jungfräulichkeit für deinen Mann bewahren.« Olga folgte dem Rat und ehelichte den Erstbesten, der ihr über den Weg lief: Sergej, ein Gelegenheitsarbeiter, der zwar weder klug noch attraktiv war, aber wenigstens nicht trank. Inzwischen sind sie geschieden – Sergej hat eine Neue –, doch Olga teilt sich mit ihm immer noch eine Zweizimmerwohnung, in der außer ihnen ihre dreijährige Tochter und Sergejs Mutter leben. Die Miete bezahlt Olga. Dafür kümmert sich die Schwiegermutter um das Kind, damit Olga zur Arbeit gehen kann. Sie ist jetzt 29 und findet, dass in ihrem Leben einiges schiefgelaufen ist. »Ein neuer Mann muss her«, sagt sie. »Nur – ich weiß nicht wie.«
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Deshalb steht sie nun in einem Halbkreis aus 34 Frauen, zupft sich ihr T-Shirt bis unter den Ansatz ihrer Brüste und stöckelt auf hohen Absätzen los. Ein Mann namens Viktor, der auf einem Stuhl an der Wand sitzt, schaut ihr gelangweilt zu. Auf seiner Höhe lässt Olga einen Stift fallen, um sich dann so nach ihm zu bücken, dass Viktor einen Blick unter ihren Minirock werfen könnte. Als Viktor kaum reagiert, plumpst Olga zwischen seine Beine, ihr Gesicht landet ziemlich genau in seinem Schritt. Die anderen Frauen im Raum haben aufmerksam zugeschaut und johlen. Auch Wladimir Rakowski, dessen Urteil hier zählt, ist aus dem Häuschen: »Bravo! Jetzt sitzt Viktor in der Falle.«




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