NieOhne 07.01.2019, 22:44 Uhr 17 3

Das Kreuz mit dem aufs Kreuz gelegt werden

Ich bin dann mal off.

Ok ich werde jetzt asexuell. Ich bin dann mal off. Ich bin abgestellt. 

S.E.X. Was ist das? 

Wenn du Sex in Beziehungen suchst, ausschließlich da, hast du spätestens dann ein Problem, wenn dein Partner und du sexuell unterschiedliche Bedürfnisse entwickeln, bzw. wenn sie sich offenbaren. Das Spektrum der Sexualität ist breit, sehr breit. Es reicht von Frequenz, über Spielart über Wünsche und Vorlieben was Sex-Partner angeht. Es ist unvorstellbar breit. Vieles von dem Möglichen verändert sich, ist Entwicklungen unterworfen oder wird dadurch erst sichtbar oder greifbar. Wenn man meint dass es möglich ist dauerhaft mit einem Partner sexuell glücklich zu sein, dann bin ich der persönlichen Meinung, dass man da einer Wunschdenke anheim fällt. So was ist ein Märchen, dass es immer passt bzw. dass es immer passen wird. Sexuelle Bedürfnisse sind immer unterschiedlich, so unterschiedlich wie Menschen unterschiedlich sind. Deshalb ist der dauerhafte Sex in der Zweierbeziehung eine Utopie. 

Das bedeutet wiederum, dass du immer alleine für deinen Sex verantwortlich bist. Niemand sonst. Denn nur du weißt was du brauchst. Und das musst du dir suchen. Du kannst zwei oder drei parallele Beziehungen haben, du wirst immer auf dasselbe Problem stoßen, immer. Es ist quasi eine mathematische Gewissheit. Deshalb landet man immer in der Sackgasse, wenn man den Sex ausschließlich in der Beziehung sucht. 

Kommen wir mal zu meinen Präferenzen. Wenn ich nicht regelmäßig Sex habe, gehe ich die Wände hoch, ich bin schlecht drauf, lustlos, quengelig und unausgeglichen. Mit regelmäßig meine ich mindestens zwei Mal die Woche, damit käme ich klar. Das wäre ok. Aushaltbar. Darunter ist es zum Leben zu wenig. Alles darunter, da schalte ich komplett ab. Da habe ich keine Lust mich sexuell zu öffnen. Mich da hochzufahren. Am besten wäre jeden Tag zwei Mal. Das wäre ideal. Da käme ich sehr gut mit klar. Muss auch nicht derselbe Typ sein. Einer morgens, einer abends. Wäre völlig ok. Sex ist in meinen Augen so wichtig wie essen. Und wer mich hungrig kennt, der weiß was passiert wenn ich keinen Sex habe. Sex ist so wichtig für das gesunde Funktionieren eines Menschen, das macht man sich gar nicht klar. Das wird oft total verdrängt. Es geht dabei nicht nur um Triebabfuhr, obwohl die auch total wichtig ist. Nein, es geht viel mir um den Austausch mit anderen, um das angenommensein, um das Körperliche Ausagieren von Aggressionen, um Kommunikation und Gemeinsamkeit für einen Augenblick, Energieausgleich usw. 

Nach meinen tollen Geständnissen in einer der vorherigen Texte muss ich leider sagen: Beziehung hin oder her. Sexuelle Bedürfnisse existieren davon total losgelöst. Und darum muss ich mich kümmern. 

Wenn ich keinen Sex habe, fahre ich mich total runter auf minus zehn. Ich vermeide dann alles was sexuell ist, schaue niemanden an, werde lustlos und sinke in meiner Laune ab. Deshalb beschäftige ich mich auch viel mit Sex, suche eine sexuell positives unverkrampftes Umfeld, weil es lebendig ist. Weil es prickelt, weil es belebt. Sex aktiviert unsere Lebensgeister, wir sind sofort auf Zack, werden wir sexuell angesprochen. Das macht Spaß, hebt die Laune und natürlich den Selbstwert. Aber wenn ich weiß der Sex ist für mich gerade weit weg, vermeide ich es damit im Kleinen In Kontakt zu kommen, nur um ja keinen Hunger auf mehr zu bekommen. Denn es ist unglaublich anstrengend das wieder runter zu fahren, wenn man sich einmal hoch gefahren hat. Schlimm ist das immer nach Sex-Partys. Da ist man so natürlich und offen unterwegs, darf hier anfassen da küssen, ganz normal und dann kommt der Alltag. Peng! ‚Und nun sei bitte nicht mehr sexuell‘, scheint es von überall her zu tönen. Ja super, das man da als offene Frau mega die Krise schiebt ist klar! 

Das Problem was ich jetzt speziell neben des zu wenigen Sex habe ist, dass man ihn sich ständig organisieren muss. Du musst ihn dir besorgen, um es dir besorgen zu lassen. So ist das und das ist mühsamer als manch Monogamie-Verfechter glaubt. Das ist nämlich gar nicht so leicht, der Sex liegt nicht auf der Straße, ich meine schön wäre es ja. Aber nope. Ihr Turteltäubchen fröhnt mal weiter im Schlaraffenland des körperlichen Begehrens, so lange es noch geht. Das ist toll, wenn das Monopol eine hohe Nachfrage und ein hohes Angebot schafft, wunderbar. Instabil der Kurs, aber ok. Das gibt es ja phasenweise. Ja, Kinde aber. 

Weiterhin ist es wirklich ein Kreuz gute Sexpartner zu finden. Nicht irgendwelche Egomanen, muskelbepackten ordinären Schmierlappen, diese „Hey Baby du bist so geil“ mit Rein-Raus-Manier oder armeslige Astlochficker, die es sich eigentlich nur selbst machen, nur das sie dafür in einer Frau stecken. Ne, das brauche ich nicht. Da gehe ich lieber leer aus. Ich brauche ein gewisses Niveau, eine entsprechende Wellenlänge, ein paar Sätze sprechen können oder sich sympathisch sein, das wäre gut. Die Organisiererei ist ein Kreuz. Du machst es entweder total auf Risiko (mache ich nicht, dafür ist mir meine Zeit zu schade) und triffst jemanden per Blind Date aus dem Internet, oder du lernst jemanden kennen, der ähnlich tickt wie du. Oder wohl, der ähnlich fickt wie du, das trifft es eher. Tja, aber woher nehmen, denn nicht jeder, eigentlich wenige können den Sex aus dem Stegreif im Alltag. Kontaktaufnahme, Nummer austauschen, verabreden, Kaffee, Nummer schieben. Wenn ich dann noch erzähle, dass ich ein kleines Luder bin dass promiskuitiv unterwegs ist und noch fest gebunden ist, dann gute Nacht. Ich suche Männer die das auf die Kette kriegen.

Es gibt so ein zwei Kandidaten die ich kenne, die das können. Sehr wenige also. Und mit immer denselben will man auch nicht, vor allem ist die Szene klein, schnell hat man da wirklich die Männer durch. Hat lustige Nebeneffekte, wenn man die Hälfte nackt kennt, aber irgendwann wird es ja auch langweilig. Die Materiallage ist einfach zu dünn. So oder. 

Also heißt es weiter suchen, planen organisieren und sich die Guten irgendwie warm halten für schlechte Zeiten. Und schlecht Zeiten, sind ja eigentlich sex-technisch immer. Besonders wenn man promiskuitiv ist. Nichts liegt da oft ferner als guter Sex. Kaum zu glauben aber es ist wahr. Das Kreuz mit dem aufs Kreuz gelegt werden. 



Tags: Promiskuitives Leben
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17 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Das ist ein schöner Text und habe ihn gerne gelesen. Nur drinstecken möchte ich nicht. Ist ja auch eine Qual Liebe, Beziehung, Sex und Lust -  Last und Zwang innerlich voreinander zu trennen und nicht in Abhängigkeit zu stellen und stellen zu lassen um sich darin zu konditionieren. Dieses Puzzle für sich selbst zu lösen ist schon schwer genug, als ein passendes Gegenstück zu finden, welches dem Wandel der eigenen Bedürfnisse entspricht.  

    11.01.2019, 18:14 von jetsam
    • 0

      Danke dir! 

      Ja da hast du sehr recht, Jetsam. Es ist nicht einfacher oder angenehmer als monogam. Es ist genauso frustrierend wie jedes andere Konzept auch. Und aus neuer Freiheit erwachsen neue Probleme. Und immer so weiter. 

      11.01.2019, 18:36 von NieOhne
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  • 1

    Mir gefällt das Wortspiel. Das Ganze hört sich echt stressig und anstrengend an. Hält sich das die Waage mit der Befriedigung, die es (potenziell) gibt? 

    09.01.2019, 14:30 von smillalotte
    • 1

      Nö. Sex ist immer Mangelware. 

      Und Dankeschön:) 

      09.01.2019, 16:13 von NieOhne
    • 0

      Ich korrigiere : guter sex ist immer Mangelware. 

      Schlechten kannst du überall bekommen, aber das will ja niemand, gell? Ich bin da wohl sehr anspruchsvoll.  

      09.01.2019, 16:14 von NieOhne
    • 0

      Wer will denn schon "schlechten" Sex? Gibt es bei Euch nur die beiden Extreme? Was ist mit soliden "Alltagssex"? ^^

      10.01.2019, 09:21 von chiral
    • 0

      Darum ging es mir gar nicht. Klar gibt es "soliden" Alltagssex. Die Frage zielte eher auf die gedankliche Stresssituation ab. 

      10.01.2019, 13:39 von smillalotte
    • 1

      Und das Anspruchsvolle finde ich eher normal als alles andere. Aber was ist schon normal?


      Sind wir nicht alle ein bisschen normal?

      :)

      10.01.2019, 13:41 von smillalotte
    • 0

      Alltagssex ist schön, den hab ich gern mit mir emotional stehenden, sprich Partnern. 

      Der hat hundert Prozent seine Berechtigung. Und eine ganz andere Qualität als Sex außerhalb der Beziehung. Das ist was ganz anderes. Und da gehts auch um was anderes. 

      11.01.2019, 06:04 von NieOhne
    • 0

      Da bin ich ja froh... dachte schon ich wäre "unnormal"...

      ;)

      15.01.2019, 11:38 von chiral
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  • 0

    Guter Text von Dir! Auch und gerade als Kontrast zu den anderen. Gefällt mir sehr, sehr gut...! ;)

    Auch wieder sehr ehrlich...

    09.01.2019, 13:11 von chiral
    • 1

      Dankeschön, freut mich :) 

      09.01.2019, 16:14 von NieOhne
    • 0

      Du beleuchtest einmal die andere Seite von Dir, von der man nicht wusste, dass Du Sie hast. Macht Dich normaler, menschlicher... finde ich gut, dass! Nun erkenne ich mich auch selbst im Text wieder.

      Eigentlich mag ich das hier am liebsten...

      10.01.2019, 09:19 von chiral
    • 0

      Welche Seite meinst du? Dass so ein Leben schwierig ist, oder der Sex nicht leicht ist - leicht zu bekommen ist? 

      11.01.2019, 06:02 von NieOhne
    • 0

      Das Bild das "man" (ich) von Dir hatte. Wenn man jetzt nur die ganzen "Swinger-Texte" liest macht man sich ein bestimmtes Bild, dass aber offensichtlich nicht deckungsgleich ist mit der Realität. Das meinte ich.

      15.01.2019, 11:39 von chiral
    • 0

      Swingen ist nicht meins. Auch wenn sich das so liest. Aber interessant dass das so rüberkommt. 

      15.01.2019, 16:10 von NieOhne
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  • 1

    Die Krux mit dem guten Sex...ich verzichte auch lieber als dass ich schlechten habe.

    08.01.2019, 13:40 von theChaosqueen
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