Puenktlicherzug 30.07.2014, 15:01 Uhr 12 0

Danke Emily, aber...

Zum Thema wollte ich schon länger einen Text schreiben. Jedesmal löschte ich aber meine Formulierungen im Zwiespalt.

Vielleicht haben es einige schon gelesen, Nachrichten in den verschiedenen Internetnews, auch diskutiert in Foren von Frauenzeitschriften. Eine Frau, Mitte 20, aus den USA. Ihr Name wäre wohl nur den engsten Freunden bekannt gewesen. Hätte sie nicht diesen Schritt unternommen. Emily Letts, entspricht vielleicht der Verbreitung dem deutschen Hanna Gruber oder Susanne Böhm. Aber sie erntete Ruhm und Beachtung, natürlich auch Verachtung. Nicht durch eine gesangliche, schauspielerische oder wissenschaftliche, schon gar nicht sportliche Leistung. Nein, was sie getan hat, war eigentlich so nicht spektakulär. Sie hat abgetrieben. Wie in Deutschland jede vierte Frau, wie in den USA jede zweite oder dritte. Sollten meinen Beitrag tatsächlich 20 Frauen hier lesen, dann sind statistich gesehen 4-5 Eingeweihte, welche diese Erfahrung ebenfalls schon gemacht haben. Aber im Gegensatz zu Emily schweigen sie. Es gibt wenige Themen, die derart viele Menschen betreffen, über die aber Betroffene so schweigen. Deshalb Emily, danke, ein Beitrag zur Enttabuisierung des Themas. Es treiben nicht asoziale Teenies von Hartzlern ab, es betrifft viele, Gymnasiastinnen, Studentinnen, die Verkäuferin vom Discounter, Zugbegleiterin, Hausfrei, die Frau Professor. Und eben auch, wie Emily, das nette Mädel von nebenan.

Ich habe schon hunderten Frauen in die Augen geblickt. Die mir vor Einleitung der Narkose noch in 70 Sekunden einen kurzgefassten Lebenslauf präsentieren, weshalb sie sich so entscheiden und lieber mich, die Krankenschwester als einen älteren Arzt ansprechen. Solche, die im wachen Zustand es durchführen lassen und feuchte Augen haben, Schmerzen, körperliche oder psychische, schwer zu entscheiden. Auch solche, die mich und das ganze Team verachten und keinen Hehl daraus machen. Weinende Frauen, solche die gefasst reagieren. Aber eine solche Emily? Die es cool findet? Natürlich sind manche danach erleichtert, dass es vorbei ist und nicht sehr dramatisch war. Und früher, als das Radio noch lief. Zur perfekten Welle oder zusätzliche Quälerei durch Silbermond. Das wurde nun abgeschafft, weil das angeblich bei einigen Frauen später negative Assoziationen geweckt haben soll, wenn sie einen Song wieder hörten. Aber diese Emily, lässt Musik zum Eingriff mixen. Spricht locker darüber. Cool. Was will sie uns sagen? Eine Abtreibung ist niemals cool. Sie kann eine schmerzhafte Erfahrung sein, ein notwendiges Übel. Oder einfach ein gängiger Bestandteil im Leben einer Frau. Es betrifft ja so viele. Cool findet das niemand. Oder was würden wir über eine Frau, einen Mann sagen, der vorher und nachher über eine Wurzelspitzenresektion so flappsig spricht? Der hat einen Knall, würde mit Recht jeder Mensch urteilen.

Und so auch diese Emiliy. Ja danke, du hast das Thema für wenige Tage in die Medien gebracht. Aber der medizinische Informationsgehalt war null. Kopf sichtbar, es hätte ein x-beliebiger Eingriff sein können. Keine Infos zum Vorgang. Einfach nur ein nettes Mädel, das es voll cool findet. Das wird dem Thema nicht gerecht. Und es verschwindet für die nächsten Jahre wieder in der medialen Versenkung.

12 Antworten

Kommentare

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    Wie die Mrs. weiter unten schon schrieb, fehlt hier definitiv ein Link. Oder zumindest ein paar zitierte passagen, damit man weiß worüber du sprichst.

    01.08.2014, 08:35 von -Maybellene-
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    Mal Weg von der Debatte um den Ort der Veröffentlichung, ich versteh die Autorin. Wir sind aufgeklärt und vernünftige Menschen, die sich Fakten, Umstände und Beweggründe durchlesen,schauen und denken und dann ihre Meinung formulieren, aber ich finde es auch unpassend, Abtreibung als cool zu bewerten. Das trifft Menschen die aus medizinischen Gründen abtreiben mussten obwohl Sie Kinderwünsche hatten, genauso wie Menschen die aus persönlichen, sozialen oder finanziellen Gründen sich gegen die Geburt entschieden haben und sich damit im nachhinein schlecht fühlen. Für mich klingt das als wenn Emily einfach zu faul zum verhüten war und dachte, naja geht doch auch so, ich verurteile so eine leichtsinnige Handhabe so einer schweren Thematik.

    30.07.2014, 21:01 von Emotionslegastheniker
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      Mit Google-Suchmaschinen kann man es finden. Ich wollte absichtilch keinen Link bringen, weil auf einigen Videos auf Youtube es gesperrt ist - angeblich wegen GEMA wegen der Musik. Anderswo ist es sichtbar.

      Was ich zum Ausdruck bringen wollte? Meinen Zwiespalt. Dass ich einerseits es gut finde, dass man so ein Thema nüchtern und offen angeht. Andererseits dass ich extreme Zweifel habe, ob die Art, wie es präsentiert wird, die richtige ist.

      30.07.2014, 21:13 von Puenktlicherzug
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      Ja, denn sie arbeitet ja angeblich als Beraterin in so einem Zentrum. Und der Film ist ja nicht spontan, da sind Szenen reingeschnitten. Es ist mir einfach alles zu flappsig. Sorry, versteh mich nicht falsch. Ich stehe fast täglich im OP und assistiere bei Abbrüchen, auch heute waren ein paar dran. Und ich finde es absolut gut, wenn eine Frau danacht Erleichterung zeigt. Aber in diesem Video wird es für meinen Geschmack irgendwie schon fast zelebriert.

      30.07.2014, 21:33 von Puenktlicherzug
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      Schräge Bilder. Ich kenne sogar promovierte ALGII-Empfänger. Was hast da nur für Vorurteile,

      30.07.2014, 18:52 von HG1000-1
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    Du kannst ja schlecht hier einen Beitrag aus den USA kritisieren. Es ist eine andere Kultur, ein anderer Umgang mit Tabuthemen und natürlich, das zeigt ja der Beitrag, eine allgemeine Verkrampfheit, was alles unter der Gürtellinie angeht, deshalb war der Film ja wohl auch so schräg geschnitten, dass man rein gar nichts vom Vorgang sieht.
    Ein nette Beitrag. Aber eben verankert in der amerikanischen Kultur. Dass die Frau da ein bißerl aufgedreht scheint ist schon komisch, ich fand den Beitrag aber nicht so befremdlich. Aber wie du ja sagst, ist jetzt schon länger her und kein Mensch spricht mehr darüber.

    30.07.2014, 18:40 von HG1000-1
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