IamALeftOver 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 5

Danach

Wimperntusche auf den Laken, die Maske der Nacht ruiniert.

Augen auf, aus geträumt. Was ist passiert. Unsicherer Blick, das Umfeld erkunden.

Wach. Schwebezustand. Schlafende Ruhe von der anderen Seite des Bettes.

Beißender Geruch von morgendlichem Scheintod und Alkohol verseuchte Luft.

Die Küsse der Nacht hängen wie Trophäen an der Wand, aufgereiht ins unendliche.

Das Kondom knapp neben dem Mülleimer gelandet, nicht mal wert es fachgerecht zu Entsorgen.

Die ruhende Person nebenan mit eindringlichen Blicken mustern.

Die Blase drückt doch man wagt es nicht aufzustehen, der kalten, verschwitzen Wahrheit in ihr feixendes Gesicht zu sehen.

Hämisch bricht der Morgen herein, tritt der Nacht in den Arsch, zeigt die Schatten unter den Augen nur zu deutlich.

Wimperntusche auf den Laken, die Maske der Nacht ruiniert.

Nacktheit vom feinsten, trotz BH und String die verzweifelt gesucht und irgendwo neben dem Bett gefunden wurde.

Gehen, bleiben. Zwickmühle. Flashback.

Kaffee? Ja, gerne. Etwas Humanität in diesen morbiden Zustand bringen.

Dabei verzweifelte, sinnlose Gespräche konstruieren. Immer um die Geschehnisse der Nacht herumtanzen wie Krähen um einen Halbtoten in der Wüste.

Kopfschmerzen, Kater, Restalkohol und den Gestank des Abends noch in den Haaren hängend versuchen sich herzurichten. Pinkeln und ein paar Spritzer Deo aus dem Schränkchen neben dem Spiegel klauen. Den Schein wahren.

Verabschiedungszeremonie über sich ergehen lassen. Eine kurze Umarmung um wieder Fremde zu werden. Mit einem Lächeln die Beteuerung auf eine kommende Kurznachricht abnicken, mit dem Wissen es wird sowieso niemals so sein und wenn doch wird auch diese ignoriert.

Sex. So nah bei einer Person und doch so fern.

Kennenlernen auf der Überholspur, glauben zu wissen wen man vor sich hat. Verdrängung der Tatsache das es nicht stimmt. Das perfekte Paar für eine Nacht (?)

Bahnhof, der Zug rollt ein. Die halb auf gerauchte Zigarette wird ausgetreten.

Selbstgefälliges Grinsen in die Fensterscheibenspiegelung.


5

Diesen Text mochten auch

6 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Boah, eine beschissene Lebensphase, die du da beschreibst.

    31.07.2012, 08:22 von Tanea
    • 0

      Post coitum omne animal triste praeter gallum qui cantat

      31.07.2012, 08:32 von EliasRafael
    • 0

      Echt jetzt? Wußt ich gar nicht. Aber der Hahn ist ja eh was besonderes.

      31.07.2012, 08:35 von Tanea
    • 0

      Der kräht lauter als die Krähen im Text!

      31.07.2012, 08:37 von EliasRafael
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Selbstgefälliges Grinsen in die Fensterscheibenspiegelung.


    Wie hohl.


     

    31.07.2012, 04:31 von Jackie_Grey
    • Kommentar schreiben
  • 0

    sehr schön geschrieben :)

    31.07.2012, 03:31 von whatever-sab
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare