linski 28.06.2009, 13:18 Uhr 11 6

Bettgeschichte

Eine Ode an den schlechten Sex, der trotzdem überraschend schön sein kann.

Unsere Leiber prallen klatschend aufeinander. Die Karikatur eines Geräusches ist das und nicht geeignet die Erotik zu steigern. Ich werde aus meiner gespielten Ekstase gerissen und versuche den Ursprung des Lautes zu ergründen. „Es liegt an seinem Bauch“ stelle ich nach kurzem Zögern fest. Ich bemerke dass ich noch nie mit einem pummeligen Mann geschlafen habe. Ich und ein pummeliger Mann, ist gleich Klatschgeräusch. Interessant. Ich störe mich nicht weiter daran. Weder an dem Geräusch, noch an seiner Pummeligkeit.

Ich halte mich selbst nicht für perfekt. Im Gegensatz zu ihm, wirke ich jedoch wie ein zierliches Püppchen. Schlank und zerbrechlich. Ich habe es genossen mit einem Arm gepackt und aufs Bett geworfen zu werden. Wenngleich sich der nachfolgende Akt, er mäßig spannend und wenig spektakulär gestaltete.

Er schwitzt. Ich hoffe dass ihm nicht die Puste ausgeht. Meine Muschi ist nass, mein Körper ist nass. Es ist heiß. Ich störe mich nicht daran. Ich war noch nie der Meinung, dass es beim Sex notwendig ist, gut auszusehen. Langsam spüre ich ein leichtes Brennen zwischen meinen Beinen. „Na toll ich werde wund“. Denke ich mir und gebe mir Mühe verzückter Auszusehen und ihn durch gezieltes Stöhnen endlich zum kommen zu bewegen.
Es nützt nichts. Er macht Anstalten sich auf den Rücken zu drehen. Innerlich rolle ich mit den Augen. Wie ich das hasse. Stellungswechsel wenn ich bereits wund gevögelt bin, und einen akuten Harndrang verspüre. Männer sind so faul. Wieso muss ich denn auch noch nach oben wenn ich eh schon nichts von der ganzen Sache habe? Ich seufze, führe sein etwas zu kurz geratenes Glied in meine Muschi ein.
Schnell bewege ich mich auf und ab, da ich bemerke wie er schon wieder zu erschlaffen droht. Er stößt von unten gegen mich. „Nass und glitschig“ denke ich angewidert, richte mich auf und werfe meine Haare zurück. „Ja fick mich! Ich will das du kommst“ stöhne ich und hoffe zu überzeugen. Zu spät. Er ist schlaff, nichts zu machen.

Ich lasse mich aufs Bett fallen und starre den Stuck an. „Macht doch nichts“, sage ich beiläufig und streichle seine speckige Brust. „Hm“ brummt er. „Wir sind nicht gerade ein gutes Team“. Auf solche Dreistigkeit weiß ich nichts zu erwidern. Versucht er mich zu kritisieren? Vor zehn Minuten hat er andächtig meine Kurven gestreichelt und jetzt zieht er mich in sein Versagen mit rein.

Aus der Stereoanlage ertönt klassische Musik. Eigentlich nicht im eigentlichen Sinne klassisch. Doch mit Klavier und Geigen. Auf dem Fensterbrett flackern zahlreiche Kerzen. Die pseudo Romantik des Augenblicks schlägt mir auf die Stimmung. Ich strample mit den Beinen die Decke weg. Zugedeckt sein beim Ficken, das geht ja mal gar nicht. Wenn er sich schon an mir befriedigen möchte, dann muss er mich dabei auch ansehn. Ich bin wie ich bin. Zu dicke Schenkel, zu kleine Brüste, keine ausgeprägten Wangenknochen.
Aber er hat sich darauf eingelassen mich in seinem Bett auszuziehen. Also sind keine Hemmungen mehr angebracht. Außerdem entspricht er bei weitem nicht meinem Ideal. Vermutlich erklärt dass auch meine Gelassenheit. Ich fühle mich wohl und ungehemmt.

„ An klassische Musik könnte ich mich glatt gewöhnen“ murmle ich mit matter Stimme.“ Äh“ er sieht mich zweifelnd ich an. „ Das ist keine klassische Musik“. „Wieso?“ frage ich. „Da ist Klavier und Geige, keiner singt und überhaupt.“ Er schaut mich an als hätte ich sie nicht mehr alle. „Ähhh“, sagt er noch mal. „Ja, ist schon gut du musst jetzt nicht ausholen und es mir erklären, ich bin ja nicht blöd. Dann meinetwegen Musik im klassischen Sinne.“ Er ist noch nicht überzeugt. „Na ohne verzerrte Gitarren halt.“ „Also jetzt nimmst du die Sache aber echt zu einfach.“ „Welche Sache?“ entgegne ich. „Kann man hier nicht mal eine belanglose Bemerkung über Hintergrundgeräusche machen, ohne dass daraus eine Grundsatzdiskussion wird?“ „Du bist ja ne Zicke!“ stellt er fest. Ich ärgere mich und frage mich wieso ich allen ernstes nackt bin und überdies in seinem Bett liege. Zum glück passiert mir sowas nicht allzu häufig. Also nicht, dass ich mit Idioten im Bett liege, sondern dass ich eben generell mit irgendwelchen Typen im Bett liege.
Das habe ich alles meiner immer wiederkehrenden Akne zu verdanken. Zeitweilig ist meine Haut richtig toll, glatt und rein, wie Haut eben sein muss. Und dann Zack. Wumm. Ich nenne das Pickelalarm. Rücken Dekoltee, alles Mist. In dieser Zeit kann man sexuelle Kontakte auch genannt One Night Stands, eh schon mal total vergessen. Das hat auch sein Gutes irgendwie. Hätte ich immer tolle Haut, wäre ich ein richtiges Flittchen. Da bin ich ganz sicher. Genauso wie ich, als ich zeitweilig, richtig schlank war immer mit Miniröcken und knappen Oberteilen rumgerannt bin.. Das bestätigt nur die Theorie. Ich sag ja, Flittchen.

Er kuschelt sich an mich dran und schiebt seinen Arm unter meinen Kopf. Ich entspanne mich. Hmm eigentlich ist das echt schön. Geborgen und warm. Ich spiele mit dem Gedanken, eine gewisse Regelmäßigkeit in dieses Spiel zu bringen. In meinem Kopf baut sich blitzschnell eine Pro und Contraliste auf. Contra: der Sex war mehr als mies. Pro: er hat mich von sich aus geleckt. Contra: sein Schwanz ist zu klein. Pro: ich mag es mit ihm zu kuscheln. Pro: ich mag seine Wohnung. Pro: es ist warm und gemütlich. Contra… er ist gerade wieder hart geworden.
Ich mag diese zweiten Runden, so kurz hintereinander nicht. Erstens sifft es bei den Typen dann vorne immer gleich so raus sobald sie hart sind. In diesem Fall, wird mein nackter Arsch vollgetropft. Und zweitens bin ich jetzt schon wund. Ich frage mich, wie er das eigentlich geschafft hat, mit seinem kleinen Ding.

Zweiter Versuch. Das Klatschgeräusch. Gespielte Ekstase. Ich spiele mit dem Gedanken Nutte zu werden. Immerhin bringt das Kohle rein und Schauspielern, ja Schauspielern kann ich wirklich gut. „Ja komm!“ rufe ich. Er sieht mein schmerzverzerrtes Gesicht. „Alles ok?“ „Äh naja ich werde langsam wund.“ „Oh“ Ja, „Oh“ denke ich mir, große Überraschung!
„Oh“ sagt er und weiß nicht ob er weiterstoßen darf. Ich verdrehe die Augen. „Nun mach schon. Es ist ok.“ Ich gebe mir Mühe meine Stimme nicht allzu genervt klingen zu lassen. Gierig beginnt er wieder zu stoßen. Sein Ding ist mittlerweile richtig hart geworden. Langsam werde ich geil. Das ist der beste Teil vom Sex. Wenn der Typ kurz davor ist zu kommen. Deswegen ist es mir auch so wichtig, dass ein Kerl beim Sex unbedingt kommt. Wenn ich schon selbst nie komme, dann muss ich wenigstens die Befriedigung haben, dass ich für einige Sekunden für ihn die geilste Frau der Welt gewesen bin. Mann klingt das armselig und banal, aber so ist es. Er zuckt noch ein paar Mal, grunzt plötzlich laut und atmet schließlich entspannt aus.
„Na komm, du hast die offizielle Erlaubnis auf mir zusammen zu brechen“, sage ich lachend. Dankbar tut er genau dies. Nach einigen Sekunden rollt er sich von mir herunter und zieht mich in eine Bärenumarmung. Irgendwie schön.

6

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11 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Irgendwie, so traurig es klingt, aber am Text ist echt viel wahres dran.

    Empfehlung dafür.

    04.08.2009, 09:06 von Tanea
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    unterhaltsam geschrieben, die perspektive is toll, das ende ist unvorhersehbar ^^
    schön!

    12.07.2009, 09:46 von pinkness
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    Danke für deinen realitätsnahen Blick in die weibliche Gedankenwelt bei schlechtem Sex. Höchst amüsant!!! :-)

    06.07.2009, 15:47 von Abenteuerlady
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    Das ist die beste Sexgeschichte, die ich seit langen hier bei Neon gelesen habe! Geil!

    30.06.2009, 13:40 von Olliemax
    • 0

      @Olliemax Ich versteh auch nicht, warum die Protagonistin einen Therapeuten brauchen sollte. N bisschen mehr Selbstbewusstsein, OK, wer brauch das nicht. Aber ansonsten: Klingt realistisch, offen und ist richtig gut geschrieben.

      30.06.2009, 15:44 von coronaria
    • 0

      @coronaria Ich finde, die Protagonistin hat verdammt viel Selbstbewusstsein. So wie sie über ihr körperlichen "Mängel" denkt. Und einen Therapeuten hat sie in meinen Augen wahrlich nicht nötig. Da kenne ich ganz andere Leute.

      01.07.2009, 10:48 von Olliemax
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      @[Benutzer gelöscht] Mann kennt das auch.

      01.07.2009, 17:07 von Olliemax
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    ich mag den text.

    und mal ehrlich, wer von uns hat noch nie besc****issenen sex gehabt?
    limp dicks, präcoxe, rammler..

    landet doch alles auf dem haufen:"ist hinterher ne gute geschichte!"

    :D

    28.06.2009, 20:13 von RedSonja
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    Also ein Problem sehe ich in der Geschichte eigentlich gar nich so....

    Außerdem darf man ja nicht vergessen Fiktion von Realität zu trennen, mein Lieber...

    28.06.2009, 14:28 von linski
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    einen Therapeuthen? Wieso denn das? Was ist denn ungesund oder falsch daran über Sexualität offen zu sprechen?

    28.06.2009, 14:14 von linski
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  • Haben wir sie noch alle?

    Burn-Out, Internetsucht, Depression - immer mehr Deutsche lassen sich therapieren. Braucht es all diese Therapien wirklich?

  • Apokalypse Wow!

    Die Mode ist die Message: Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine sehen mit Macheten, Masken usw. aus wie Figuren aus den »Mad Max«-Filmen.

  • Der Witz geht nicht mehr weg!

    Jeder kennt den Moment, in dem der Send-Balken hochgeht und man noch denkt: Stop! Was würdet Ihr gern aus dem Netz löschen?

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