Justin-Time 11.06.2018, 15:56 Uhr 6 3

Beim Orgasmus sind alle Frauen schön

Ein kurzer Überblick über Kunstprojekte, die die Schönheit des weiblichen Orgasmus feiern.

Ich bin Kunststudent und daher immer auf der Suche nach Inspiration. Zu meiner Schande muss ich auch zugeben, dass ich oft Vorlesungen nutze, um neue Ideen zu sammeln. Kann ich ja nichts dafür, wenn der Professor so langweilig ist. Auf jeden Fall war ich wieder mal dabei in der Vorlesung im Internet zu surfen und bin da auf ein interessantes Kunstprojekt gestoßen. Hierbei geht es um Orgasmen von Frauen, was natürlich gleich meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Kunst und Sex passen immer gut zusammen.

Ich wollte in der Vergangenheit immer schon mal einen eigenen Blogbeitrag schreiben, aber habe nie so das richtige Thema gefunden. Jetzt denke ich aber, dass ich bereit für meinen ersten Blog bin, also seid nicht so hart zu mir.

Lesestunde mit Orgasmus

So weit ich das weiß, war Clayton Cubitt einer der Ersten, der versucht hat, den Orgasmus der Frau auf künstlerische Weise festzuhalten. Selbstverständlich gibt es viele Videos, welche den Höhepunkt der Frauen zeigen, hierbei handelt es sich entsprechend aber meist um Pornos und keine Kunstprojekte. Entsprechend kann bei Clayton Cubitt ein ganz anderer Aufbau der Videos erwartet werden.

Hier haben die Frauen nicht Sex mit einem Mann vor der Kamera, sondern lesen einfach in einem Buch! Natürlich führt das Lesen nicht zum Höhepunkt, wie man vielleicht zuerst denken könnte, sondern vielmehr was unter dem Tisch passiert. Gleichzeitig zum Lesen werden die Damen nämlich mit einem Vibrator befriedigt. Um welches Modell es sich dabei genau handelt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen (tut mir leid). Als Zuschauer ist die Reaktion auf die jeweilige Stimulation zuerst nur sehr verhalten zu erkennen.

Die Frauen stocken beim Lesen oder machen kürzere Pausen, als ob sie abgelenkt würden (was ja auch der Fall ist). Je länger das Video dann dauert, umso deutlicher wurde dann auch mir, was unter dem Tisch passiert. Hierbei werden aber zu keiner Zeit sexuelle Inhalte geboten, ist halt Kunst und kein Porno. Je nach Frau tritt der Höhepunkt dann nach einigen Minuten ein und spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte jedem Zuschauer klar werden, dass die Damen nicht wegen der Lektüre so erregt sind.

Das Filmprojekt von dem Filmemacher Clayton Cubitt hat mittlerweile 12 Episoden, von denen ich mir noch nicht alle angeschaut haben, und kann unter den passenden Namen: Hysterical Literature gefunden werden . Bei jeder Episode wird ein anderes Buch vorgelesen und natürlich wechselt auch die jeweilige Frau. Bereits im August 2012 konnte die erste Episode angeschaut werden. In einer Zeit, in der die Sexualität zwar schon offen aber nicht so freizügig wie heute behandelt wurde. Das Ziel von Cubitt war es dabei nicht, durch schockierende Bilder Klicks zu generieren, sondern er wollte die weibliche Lust offen zeigen und für den Feminismus kämpfen, wie er in einem Interview gegenüber der Zeitung „The Daily Dot“ eröffnete.

Ich denke Mal, einige Klicks waren sicherlich willkommen. Weiterhin erklärte er, dass es durchaus wichtig war, dass die Damen beim Lesen gefilmt wurden, auf diese Weise sollte der Kontrast zwischen der Kultur und der Sexualität dargestellt werden. Ich persönlich finde das Projekt ganz interessant, aber wie weit das jetzt Frauen helfen soll bin ich mir nicht ganz sicher.

Orgastischer Gesang

Der Erfolg von Clayton Cubitt hat dazu geführt, dass auch andere Menschen ein ähnliches Projekt gestartet haben. Wie es halt immer so ist. Hierbei handelt es sich nicht direkt um Nachahmer, aber dennoch sind die auf den Zug aufgesprungen. Natürlich sagen sie selbst von sich, dass sie Künstler sind, die den weiblichen Orgasmus auf ihre Art zeigen wollen. Als Beispiel zu nennen ist die Girl-Band „Adam“, welche ihre ganz eigene Variante des Videos veröffentlicht hat. Das Prinzip ist dabei gleich geblieben: Man sieht den Oberkörper der Damen, während diese im intimen Bereich stimuliert werden. Das Besondere an dem Video, welches übrigens unter: YouTube angeschaut werden kann ist, dass die Damen während der Stimulation nicht vorlesen, sondern eines ihrer Lieder singen.

Die deutliche Gesichtsmimik verrät dem aufmerksamen Zuschauer sofort, dann alles, was er über den Orgasmus wissen muss. Es ist natürlich verständlich, dass mit dem Voranschreiten des Videos, dass Singen auf der Strecke bleibt. Auch mit diesem Beitrag möchte die Band Adam für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen. Ich finde diese Art von Projekt besser, da mit das Singen mehr gefällt dass das Vorlesen, außerdem sehen die Damen im Video nicht schlecht aus. ;-)

Bildgewaltiger Höhepunkt

Wer auch der Meinung ist, wie ich: „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ der sollte sich das Kunstprojekt von dem Fotografen Marcos Alberti genauer anschauen. Hier gibt es keine Videos, wie die Frauen einen Orgasmus bekommen, sondern nur vier Fotos, welche mich stark an Passfotos erinnern. Dies ändert aber nichts daran, dass es möglich ist, auf den Bildern eine große Bandbreite an Emotionen feststellen zu können. Die Fotos, als auch eine Hintergrundgeschichte, wie die Bilder gemacht wurden, können sich alle unter Masmorrastiod anschauen.

Besonders interessant finde ich hierbei die vier unterschiedlichen Stadien, welche die Frauen auf den Bildern durchlaufen. Meiner Meinung nach handelt es sich auf dem ersten Bild um die Vorbereitung oder Einweisung. Auf dem zweiten Foto kann der Weg zum Höhepunkt erkannt werden. Das dritte Bild zeigt dann den Orgasmus und das vierte Foto strahlt eine Art Erleichterung aber auch jeden Fall Freude aus.

Die Fotos sind auf jeden Fall interessant und zeigen, wie abwechslungsreich die Damen beim Höhepunkt sein können. Der Fotograf Marcos Alberti hat dabei schon mehrere Projekte dieser Art in Angriff genommen, wie das „3 Glasses" -Projekt zum maßvollen Alkoholkonsum. Nun will er mit dem sogenannten "O-Projekt" deutlicher den Bereich der weiblichen Sexualität beleuchten (und das mit Blitzlicht). Sein Ziel ist es nach eigener Aussage: Das alle Frauen, egal welcher Herkunft, das Recht dazu haben, die Kontrolle über ihre Sexualität zu gewinnen. Sie sollen frei darin sein, ihre Sexualität frei für ihren eigenen Spaß zu nutzen. Das weitreichende Ziel ist wohl die allgemeine Veränderung der Mentalität der Menschheit, um auch ein Thema wie den weiblichen Höhepunkt ohne Scham oder Einschränkungen besprechen zu können. Ich drücke ihm die Daumen.

Höhepunkte beim Zocken

Eine etwas andere Art von Kunstprojekt, das ich im Internet noch gefunden habe, heißt Girl vs. Toy. Auch in diesem Fall wird die jeweilige Dame unter dem Tisch mit einem Vibrator befriedigt, während sie versucht sich abzulenken. In den ersten beiden Videos wird für diesen Zweck ebenfalls das Lesen genutzt. Wohingegen im aktuell dritten Video das Gaming im Vordergrund steht. Hierbei wird von der Dame (leider immer die gleiche Frau, aber dennoch sexy) das Spiel „Rise of the Tomb Raider“ gedaddelt, während unter dem Tisch die wahre Action abgeht.

Auf der anderen Seite kann noch anhand der Videolängen abgelesen werden, dass das Lesen von Büchern auf jeden Fall mehr ablenkt als das Zocken, da der Orgasmus beim Vorlesen länger auf sich warten lässt. Ich dachte immer, dass das Gaming mehr ablenkt, als das Lesen.

Wie auf der Seite selbst nachzulesen ist, handelt es sich um ein feministisches Kunstprojekt, welches ähnlich wie bei den anderen Projekten, den Geist in Konkurrenz zum Körper stellt. Ist die Selbstbeherrschung der Frau stärker oder gewinnen die Stimulation in diesem spielerischen Wettkampf? Ich kann euch verraten, der Ausgang von diesem nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit, ist immer der Gleiche! Außerdem sollen die Videos den Dialog zwischen Männern und Frauen fördern, um auch im Bett für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.

Bei meiner Recherche auf der Seite bin ich auch immer wieder auf die Worte „orgasm equality“ gestoßen. Hierbei geht es wohl darum, dass die Frauen es oft schwerer haben, zum Orgasmus zu kommen als Männer. Scheinbar nur die Hälfte der Damen haben so oft einen Orgasmus wie die Männer. Ich bin mir jetzt zwar nicht so ganz sicher, wie Videos mit Sexspielzeugen helfen können, für mehr Orgasmen bei Frauen zu sorgen, aber die Aufklärung ist sicherlich schon die halbe Miete. Mal sehen, ob das klappt. Ich für meinen Teil freue mich auf neue Videos, wenn die denn mal kommen sollten, hab dazu keine Angaben gefunden.

Kunstprojekt oder eher doch nicht?

Ich sehe auf jeden Fall das Künstlerische in all diesen Projekten und den Versuch etwas Besonderes zu schaffen. Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, das dies nicht alle Menschen so sehen werden. Für einige sind die Videos sicherlich nicht besser als Soft-Pornos. Was jetzt aber die wirkliche Frage ist, helfen solche Projekte wirklich den Frauen, öfter einen Orgasmus zu haben oder die sexuelle Gleichberechtigung zu erreichen, wie es hier so schön heißt. Mein Urteil lautet, dass es auf jeden Fall für Gesprächsstoff sorgt und wenn man darüber redet, dann kann auch leichter etwas verändert werden. Meiner Meinung nach, handelt es sich somit um einen guten Anfang für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und schön anzusehen sind die Videos alle mal ;-)


Tags: Orgasmus, Hysterical Literaturem, Kunstprojekt
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6 Antworten

Kommentare

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    Freut
    mich, dass euch mein Beitrag oder die Videos gut gefallen haben. Bin
    auch froh hier Gleichgesinnte zu finden, die dasselbe Denken wie ich.
    Kunst ist immer eine gute Möglichkeit um Aufmerksamkeit zu gewinnen
    also warum nicht für den Orgasmus der Frauen.


    14.06.2018, 11:57 von Justin-Time
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    .... Übrigens bekommen Frauen aus gutem Grund nicht so schnell einen Orgasmus wie der Mann. Das hat schon seinen biologischen Sinn.


    Ja, das sind nette Kunstprojekte. So kann man das machen, nur einen Frame der Emotion (hier Gesicht/Oberkörper) zeigen und der Kopf des Betrachters muss sich denken, was da passiert. Die Idee ist gut und die Videos sind ganz nett. 
    Auch oder vielleicht gerade weil es etwas absurd ist. Man stelle sich vor, man zeige beim Essen ein Ohr, oder ein Bein um zu zeigen wie es der Person schmeckt. Auch das könnte dann Kunst sein. Solange da nicht der Anspruch besteht es wäre ein sexuell aufgeschlossenes Projekt, ist das ne witzige Idee. 
    Ich habe ein Paar Videos gesehen davon und war geschockt. Es ist nämlich wie NieOhne unten schreibt: Scham überall, bei den Betrachtern, bei den Künstlern, bei den Darstellerinnen. Überall Scham. Ich fürchte nur, dass genau das keiner sieht. 


    13.06.2018, 18:39 von Paul_Kaufmann
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    Ja, finde ich gut. Die Lust der Frau muss total enttabuisiert werden. Ich finde schade dass die Frauen in dem Video angezogen, sind weil Kleidung das ganze wieder nüchterner macht und dass sie sich etwas zu schämen Scheinen. Sie sind doch sehr verhalten und ich kann es verstehen. Das will / darf man als Frau nicht offen zeigen was einem Lust bereitet und vor allem dass man es autonom entscheiden darf, um sich selbst zu holen, sich selbst zuzuführen- es ist eine machtvolle Geste die gegen patriarchale Strukturen geht. Die Scham darüber - über das was man sexuell wünscht - muss weg. Kunst ist da ein gutes Mittel. 

    13.06.2018, 16:56 von NieOhne
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      Du kannst ein solches Projekt nicht verbreiten, wenn die Frau nackt ist. Außerdem willst du ja möglichst viele Menschen erreichen.
      Ich finde gut, dass Frauen "erlaubt" wird Lust zu empfinden. Die aktuelle Situation ist vollkommen absurd.

      16.07.2018, 19:39 von Liaata
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