Begräbnis einer Katze
Ich stand am Alex und wartete auf die Tram. Jemand lief an mir vorbei und etwas zuckte in meinem Kopf. Den kennst du, aber woher. Die Tram kam und ich stieg ein und er auch. Woher nur. Und plötzlich fiel mir die Katze ein. Die Katze, die unter dem Bett saß und kratzte und fauchte sobald man sie hervorholen wollte oder ihr Futter hinstellte. Und der Junge und ich, der Junge, der jetzt vielleicht ein Mann war, der aber immer noch die dunkelroten, breiten Lippen hatte, die ihn immer wie einen Jungen aussehen lassen würden und wegen den Lippen hat es ihn meinem Kopf gezuckt, der Junge und ich oben auf dem Bett und die Katze unten. Manchmal hat die Katze gefaucht, wenn das Bett quietschte. Ich habe ihn gefragt, was mit der Katze los ist und er hat gesagt, ein Freund von ihm hat der Katze LSD gegeben und seither ist sie so und frisst nicht mehr und ein paar Tage später hat sie nicht mehr gefaucht und wir haben unter das Bett gesehen und die Katze war tot.
Der Junge, der Jean Baptiste hieß und aus Luxemburg war, war wirklich traurig, als er sah, dass die Katze tot war. Wir zogen uns an und er nahm eine Edeka-Tüte und packte die Katze in die Tüte und wir liefen mit der Katze in der Tüte durch die ganze Freiburger Innenstadt bis zum Sternwald und dort gruben wir ein Loch und legten die Katze hinein. So saßen wir uns eine Weile gegenüber, zwischen uns das Loch mit der Katze in der Tüte. Jean Baptiste sah das Loch an und ich sah Jean Baptiste an. Dann nahm er die Katze aus der Tüte und ich fand auch, dass das besser war und schüttete das Loch wieder zu. Dann saßen wir wieder da. Bis es dunkel wurde. Ein Jogger kam vorbei und stolperte über eine Wurzel und fiel hin und stand wieder auf. Irgendwann standen wir auch auf, die Beine taten mir weh und an seinem Hintern klebte Laub. Ich wischte es weg.
Wir liefen durch den Wald und kamen an Schrebergärten vorbei. Es war mittlerweile stockdunkel und ich hatte keine Ahnung wie spät es war. Ich kletterte über den Zaun und Jean Baptiste auch. Wir aßen alle Erdbeeren auf. Jean Baptiste prüfte vorher mit dem Feuerzeug jede einzelne, ob sie auch reif genug war. Wir hatten immer noch kein Wort gesprochen seit wir auf dem Bett lagen und die Köpfe nach unten hängen ließen und die tote Katze gesehen hatten.
Irgendwann fing ein es an heftig zu regnen, ein Gewitter, wir gingen unter das Vordach der Hütte und rauchten und sahen eine Weile zu, dann drückte ich die Klinke und die Tür war offen. Ein Blitz zuckte und wir sahen kurz eine Küchenzeile, einen Tisch, vier Stühle, ein Sofa, einen Schrank, dann war alles wieder dunkel. Jean Baptiste tastete sich zum Schrank vor und fand dort eine Flasche. Er prüfte das Etikett mit dem Feuerzeug, irgendwas selbstgebranntes. Er nahm einen Schluck, ich auch. Es brannte in meiner Kehle. Er öffnete den Kühlschrank und im Kühlschranklicht sah er merkwürdig anders aus. Es war nur ein Quark drin. Er nahm den Quark, fuhr mit dem Finger hinein und schmierte ihn mir auf die Nase. Da lachte er und ich auch und wir hörten nicht mehr auf zu lachen und wir tranken Schnaps und er beschmierte mich mit Quark und ich ihn auch und auf dem Tisch war eine Plastiktischdecke, die an meinem Hintern klebte, und der Stoff auf dem Sofa war rau und roch nach alten Menschen und wir lachten immer weiter.
Der Junge saß die ganze Zeit vor mir, ich starrte seinen Rücken an. Dann stieg er aus, zwei Haltestellen vor meiner. Ich ging ihm hinterher. Er lief lange durch die Straßen, so erschien es mir zumindest. Einmal blieb er kurz stehen, drehte sich um und sah mich direkt an. Dann lief er weiter. Ich war mir nicht mehr sicher, ob es wirklich Jean Baptiste war, vielleicht war es irgendein Fremder. Er lief im Kreis, fast eine Stunde lang, und ich folgte ihm, aber er drehte sich nicht mehr um. Schließlich blieb er vor einem Haus stehen, schloss die Türe auf und kurz darauf ging das Licht im zweiten Stock an. Vor dem Fenster wuchsen Kräuter. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob es wirklich Jean Baptiste war, aber ich war mir sicher, dass es ein Fremder war.




Kommentare
du hattest doch mal sehr, sehr, sehr viel bessere Texte?? aber wieder ne Beerdigung...der letzte Satz ist irgendwie pseudo-wichtig
23.07.2009, 12:53 von rolfradolfskiThema sehr gut. Aufbau gut. Stil und Sprache mangelhaft.
23.07.2009, 00:11 von DarenBRens@DarenBRens Also 2-?
23.07.2009, 00:20 von Mentzo@Mentzo Nä. Glatte drei. :-)
23.07.2009, 00:38 von DarenBRensFuck ist das schön!!!!! Empfehlung.
22.07.2009, 15:42 von Olliemax
22.07.2009, 15:19 von mezzanineIch mag die Stelle mit den Erdbeeren/Feuerzeug..!
Der letzte Satz ist der beste. Sehr gut so.
22.07.2009, 14:19 von TaneaSchön.
22.07.2009, 13:37 von frl_smillaBei Tierbegräbnissen muss ich immer an Garden State denken....