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Alles eine Frage der Einstellung

Eine Affäre mit einem verheirateten Mann? Der Klassiker schlechthin? Nicht mit mir habe ich immer gedacht...

In meinen Singlezeiten bekam ich schonmal das ein oder andere Angebot von gebundenen Männern. Ich fand das immer abscheulich, denn nichts ist schlimmer, als seinen Partner zu hintergehen. Klar, vor einem Seitensprung ist niemand wirklich sicher, aber mit Kalkül vollzogene Untreue und die damit verbundene Unehrlichkeit sind unverzeihlich.

Auf einer Party lernte ich Max kennen. Ich fand ihn auf Anhieb super, kein spätpubertierender Jüngling, nein, ein echter Mann, der offenbar mitten im Leben stand. Sowas von, wie ich schon nach ungefähr 5 Minuten erfuhr, er war nämlich verheiratet und Vater dreier Kinder. Mir klappte die Kinnlade runter und ich ließ alle Hoffnung auf irgendwelche gemeinsamen Vergnügungen sinken.

Nicht so er! Er signalisierte Offenheit und sprach auch direkt drüber. Er und seine Frau würden eine "offene Beziehung" führen, was bedeutet, jeder darf seinen Spaß haben und der andere weiß davon.

Ein merkwürdiges Modell dachte ich, das kann doch wohl nicht die wahre Liebe sein. Auf der anderen Seite hatte ich mir schon lange Gedanken drüber gemacht, ob das nicht ohnehin ein Wunschtraum sei, das ewige Glück zu zweit. Immerhin bleibt nach ein paar Jahren dann doch ein wenig Leidenschaft und Kribbeln auf der Strecke.

Ich war hin und her gerissen. Kopflos küsste ich ihn und war hin und weg. Er strebte ein Wiedersehen an und es war klar, dass es dann nicht nur ums Küssen gehen würde. Ich erbat mir Bedenkzeit.

Mir war klar, wenn ich ihn wiedersehe besteht die Gefahr, dass ich mich komplett in ihn verliebe. Klar war aber auch, dass er zweifelsfrei zu seiner Ehe stand und für mehr als eine Affäre nie Raum sein würde. Außerdem bin ich ein relativ eifersüchtiger Mensch, wie sollte das funktionieren, immer zu wissen, dass er nachts bei einer anderen schläft? Trotzdem wollte ich nicht darauf verzichten, ihn näher kennezulernen, ich fand ihn einfach so wahnsinnig interessant, ein Traumtyp!

Ganz untypisch vereinbarte ich mit mir selber, mich ohne Besitzansprüche auf das ganze einzulassen und auszusteigen, sobald ich darunter leiden würde. Irgendwie sah ich das für mich auch als Erfahrung an, schließlich war ich in meinen Beziehungen nie sonderlich entspannt gewesen. Vielleicht konnte ich noch was lernen.

Max und ich hatten dann tatsächlich eine sehr schöne Zeit miteinander, das ganze lief etwa über 4 Monate. Seine Ehe war für mich währenddessen nie ein Thema, wenn er bei mir war, war er das auch ganz und gar. War er fort, freute ich mich einfach auf ein Wiedersehen.

Wir haben viel über das Thema "offene Beziehung" gesprochen und ich habe nie daran gezweifetl, dass er seine Frau liebt. Allerdings kann ich mir sowas für mich immer noch nicht vorstellen. Als "Dritte im Bunde" war das ok, aber auch nur weil klar war, dass es zeitlich begrenzt sein würde. Irgendwann ging es dann auch zu Ende, weil eine Ebene einfach fehlte, nämlich gemeinsamer Alltag und gemeinsame Zukunft. Einen festen Partner würde ich immer noch nicht teilen wollen! Trotzdem habe ich gelernt, dass man jemanden in gewisser Weise lieben kann, ohne ihn für sich alleine zu haben, in meiner neuen Beziehung lässt mich das sicher ein wenig entspannter sein.

15 Antworten

Kommentare

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    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Modell einer offenen Beziehung funktioniert. Irgendeiner fühlt sich doch immer hintergenagen, betrogen oder belogen. Ich denke, eine beziehung steht dann auf gesunden Beinen, wenn man sich in den anderen hineinfallen lassen kann, ihm vertrauen kann und wenn der Sex etwas ist, was nur diese zwei Personen miteinander teilen.
    Ich hatte selbst vor Jahren mal eine längere Affäre mit einem verheirateten Mann. Ich hatte aber kein schlechtes Gewissen, weil ich mich nirgends dazwischen gedrängt habe, durch mich keine funktionierende Beziehung zerstört wurde. Ich habe diesen Mann zwei Jahre später abends in einer Disko getroffen und er hat mit erzählt, dass sie sich haben scheiden lassen und dass er seine Tochter immer am Wochenende sieht.

    01.06.2006, 10:54 von brittney
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    Eine Affäre neben einer festen Beziehung hat bestimmt auch was mit Feigheit zu tun.
    Man ist zu feige sich mit den Problemen, der fehlenden Leidenschaft etc. auseinanderzusetzen.
    In einer Beziehung entwickelt sich das verliebtsein.
    Es ist nicht mehr alles neu, aber wer wirklich liebt, überwindet schlechte Phasen. Man "investiert" in seine Beziehung und flüchtet nicht.

    vielleicht wirken Affären auf den ersten Blick verfüherisch, aber ist doch so ähnlich wie mit dem Alkohol. Trinken löst keine Probleme auf die Dauer.

    naja, meine ersten unausgereiften Gedanken dazu.

    22.05.2006, 11:30 von nudpieda
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      @nudpieda Ja, der Meinung bin ich auch. Habe vor zwei Monaten einen Typen kennengelernt, der seine freundin (mit der er erst einen Monat zusammen war!) mit mit betrogen hat. Und erzählte mir dann, man betrüge seine Freundinnen nur, wenn "einem optisch was fehlt". Natürlich fand ich ihn toll und habe im Inneren auch gehofft, er werde mich ihr vorziehen. Aber auf der anderen Seite wa da auch eine Menge Verachtung für ihn, da ich sein Verhalten einfach feige fand. Viel schlimmer noch: egoistisch. Sich einfach alles nehmen. Denken, man habe alles verdient. Hauptsache Spaß haben und genießen. Da wären wir wieder bei der Feigheit davor, sich mit Problemen auseinanderzusetzen.

      23.05.2006, 13:26 von xany
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    ...Pfui...

    18.05.2006, 16:11 von mud_brain
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    Ich glaube, dass ein Mann der seine Familie liebt, durchaus in der Lage sein sollte, Versuchungen solcher Art zu wiederstehen. Sonst hat er einfach kein Format in meinenen Augen.
    Liebe bedeutet auch Verzicht. Man kann nicht alles haben.
    Bist Du sicher, dass seine Frau davon wußte?
    Dies ist kein Forwurf an Dich, denn Du hast ja niemanden betrogen.

    08.05.2006, 10:50 von crazymum
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      @crazymum Liebe bedeutet auch Verzicht ? Na ja, ich weiss nicht, irgendwann hält man seinem Partner diesen Verzicht vielleicht vor.

      Ich weiss ja nicht in was für einer romantischen Welt ihr lebt, aber nach 12 Jahren Ehe ist die Leidenschaft bestimmt nicht mehr so feurig wie am Anfang. Entweder man aktzeptiert das und kann damit leben, oder man sucht sich einen Ersatz.

      23.05.2006, 13:52 von Composer
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    ... ich könnte und wollte dies so nicht leben. Wichtig ist wohl, dass die Beteiligten sich über die Basis der Geschichte im klaren sind; feste Grenzen gesteckt sind.

    Für mich hört der 'Spaß' auf, wenn die Gefahr besteht, 3te zu verletzen - in dem Moment, wenn es eine Ehefrau zum Mann gibt oder sogar Kinder. Letztlich muss das aber jeder selbst entscheiden.

    Ich glaube, wer sowas mitgemacht hat, ist für künftige 'Versuchungen' gefestigter und kann sich dem entziehen. Für mich gab es dem so angestaubten Begriff "Moral" neues Leben.

    30.04.2006, 00:52 von ssanni
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    Hast Du das wirklich so locker gehandhabt? Oder denkst Du doch noch oft an ihn und wie schön alles hätte sein können, hätte er sich doch von seiner Frau getrennt? So wäre das wahrscheinlich bei mir. Schliesslich lässt man sich auf so eine Affaire doch eigentlich nur ein, wenn man sich auch etwas anderes/festeres/ernsteres vorstellen könnte? Oder? .. So ganz tief im Inneren, wenn man ehrlich ist.
    Ich frag mich immer, wie das geht? Da trifft man einen Mann, findet den echt toll und es entwickelt sich etwas ... Manchmal 'leider auch nur' eine Affaire. Und dann ist auf ein Mal Schluss. Einfach so? Ohne Herzschmerz?
    Ich hab das selber auch schon erlebt und mir anfangs immer gedacht: Mensch, ich bin so cool und locker, ich werd da sicher keine Gefühle entwickeln, mich nicht verlieben und alles einfach nur geniessen. Aber ich bin dann doch zu dem Entschluss gekommen, dass das einfach nicht funktioniert. Irgendwann, früher oder später, verliebt sich einer der beiden und dann wird es kompliziert ... War das bei Euch nicht so?
    Hab auch mal gelesen, dass es gerade bei Frauen oft der Fall ist, dass sie sich verlieben ... Gerade wenn man des öfteren und regelmmäßig guten Sex mit dem Mann hat und wenn man sich dann auch noch unterhalten kann und gemeinsam Spass hat ... Aber vielleicht gibt es auch Frauen, die das rationaler sehen. Und sich halt wirklich anders drauf einlassen.
    Meine letzte Affaire war letztes Jahr im Herbst. Ich mochte den Kerl und hätte mich auf mehr eingelassen, aber er wollte 'seine Freiheit' nicht verlieren und hat das Abenteuer der geheimen Affaire geliebt. Habs mitgemacht, denn so hatte ich ihn wenigstens ein bisschen ... Der Schlusspunkt wurde gezogen, weil ich mich ganz plötzlich und unerwartet in meinen jetzigen Freund verliebt habe ... ich hab lange überlegt: feste Beziehung oder spannende Affaire. Hab mich für erstes entschieden und es nicht bereut. Dem Affaire-Typen muss ich hoch anrechnen, dass er sich für mich gefreut hat und mir mein Glück gönnt. Er ist jetzt immer noch Single und ein guter Freund von mir geblieben. Anders herum - hätte er sich verliebt und die Affaire beendet - hätte ich sicher nicht so einfach damit umgehen können und wäre eifersüchtig gewesen. Aber ob das jetzt typabhängig ist oder der Unterschied zwischen Frau und Mann. Das weiss ich nicht.
    Fest steht aber sicher, dass Affairen nicht für die Ewigkeiten gemacht sind und ich kein Affairen-Typ bin. Natürlich kann jeder machen, was er will, aber mir geht es da ähnlich wie dieBeherzigte ... Warum brauch man überhaupt eine Affaire, wenn man in einer glücklichen Beziehung lebt? Klar, kann es mal passieren, dass man 'im Eifer des Gefechst' mit jmd anders rumknutscht und auch mal ab und an einen anderen typen interessant findet ... aber etwas Dauerhaftes wie eine Affaire? Das könnte ich mir nicht vorstellen, denn dann stimmt etwas in der Beziehug nicht. Finde ich zumindest. Ohne jemand anklagen zu wollen ...

    27.04.2006, 11:40 von luka21
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      @luka21 eine "dauerhafte affäre" ist doch ein widerspruch ansich! :)

      27.04.2006, 14:17 von zigzag
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      @zigzag stimmt, da hast du recht ... da hab ich mich wohl falsch ausgedrückt ... dauerhaft passt natürlich nicht ... wollte den unterschied zwischen einem kurzen flirt evtl. auch ons darstellen und einer affaire, die in der regel doch lange genug dauert, um gefühle zu entwickeln ...

      27.04.2006, 16:50 von luka21
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    Ich weiß nicht wie man die Überschrift in Einklang mit Gefühle (Liebe, Verliebtheit) bringen kann. Kann man Gefühle einstellen und dann eingestellt ausleben?

    Deine Geschichte ist eine wunderbar romantische Vorstellung von Liebe.

    Da gibt es diesen Traumtypen, Mäxchen... Mäxchen liebt seine Frau über alles, aber beide haben vereinbart, sie lieben sich offen, jedenfalls sagt das Mäxchen. Natürlich glaubst du ihn das, da es ja eine Normalität ist. Da nun in dir temporäre Gefühle entstanden sind, die durch dein Überlegen feinjustiert wurden, stürztest du dich in diese Beziehung ohne Zukunft...in eine Beziehung, in der er dich nie lieben wird (natürlich hast du irgendwo tief in dir drin gehofft, dass er sich vielleicht in dich verliebt und dann seine liebende Frau und seine drei Kinder verlässt). So habt ihr euch getroffen und viel miteinander "geredet", über offene Beziehungen und so...Irgendwann weil ihr eine gewisse Ebene nicht hattet ("Zukunft", "gemeinsamer Alltag") trennten sich eure Wege. Aber insgesamt hattet ihr nur eine Ebene "reden" und reden, lieben tat er dich ja nicht. Und leider ist gegenseitige!!! Liebe, die entscheidene und wichtigste Ebene, nichts anderes.

    Trotz all dem ist dieses offene Programm, nichts für dich...Warum? Es ist doch efficktiv. Ok, als "dritte" im Bunde ist es noch zu ertragen. Aber als Ehefrau, möchte man dann doch schon die Einzige für ihn sein...aber will das nicht jeder (außer Mäxchens Ehefrau).

    Was ist aus Mäxchen geworden, hat er jetzt eine neue "dritte" zum "reden" gefunden?
    Wie es auch sei, er hat wenigstens vier Monate Geld gespart...

    Wenn ich es mir so recht überlege, ist die Geschichte doch nicht so romantisch...obwohl es ist ja alles eine Frage der Einstellung...:-)

    27.04.2006, 10:59 von derAFV
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    MannOMannOMann...

    Ich glaube auch nicht, dass der Mensch sein Leben lang monogam lebt, aber die Konsequenzen daraus zu akzeptieren fällt sehr schwer...

    Vielleicht ist das einfach nur ein kleiner Schalter im Kopf, den man umlegen muss. Aber alle Welt redet vom Glück zu zweit, erst wenn man hinter Kulissen schauen kann, lernt man Schein und Sein zu unterscheiden...

    27.04.2006, 01:53 von calvin123
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      @calvin123 ja, das ist sicher so, wie gesagt, ich hätte auch mal den heimlichen klassiker haben können und das ist doch wohl dann echt beschissen.

      je mehr ich mich mit dem thema offene beziehung beschäftigt habe, desto mehr storys von paaren die das so handhaben, habe ich gehört. ich finde man draf auch nicht vernachlässigen, dass ein flirt, meinetwegen eine affäre einem ja auch gut tut. meine "affäre" bestätigte, dass das letztlich auch ihre ehe frisch hielt!

      03.05.2006, 12:44 von sunn
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    einerseits finde ich es nicht toll, dass du dich auf eine affäre eingelasen hast, denn ob sie beide wirklich so eine offene beziehung pflegen weisst du schließlich nicht mit gewissheit (geht zumindest nicht aus dem artikel hervor), andererseits finde ich es bewundernswert, wie locker du/ihr das gehandhabt habt (die überschrift bringt es auf den punkt)!

    26.04.2006, 23:04 von zigzag
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