A bis Z: Sexstress
Wie man besseren Sex haben kann, erklärt uns jeden Tag ein Ratgeber oder ein Magazin.Trotzdem sind 49% der Deutschen mit ihrem LIEBESLEBEN unzufrieden
A nalverkehr : Einer Onlineumfrage zu folge wollen ihn nur sieben Prozent der befragten Frauen, aber 30,9 Prozent der Männer. Obwohl man Anleitungen dazu in jedem Buchladen kaufen kann, wird er als Sextabu gefeiert. Tabu ist er für die meisten aber nur, weil er sehr, sehr wehtut, wenn man ihn falsch oder unfreiwillig praktiziert. Die Analsexszene in »Der letzte Tango in Paris« soll sich Marlon Brando zusammen mit Regisseur Bernardo Bertolucci beim Mittagessen ausgedacht und die Schauspielerin Maria Schneider vor der Kamera »überrascht« haben. Nach dem Film brach sie den Kontakt zu Bertolucci ab.
B adewanne : Zwei Menschen, eine Temperatur und die durchschnittlich 80 Zentimeter Badewannenbreite, das geht nie gut. Und schön ist es auch nicht. Denn hohe Temperaturen denaturieren die Eiweißkörper des männlichen Ejakulats, die Wasserstoffbrückenverbindungen lösen sich auf. Konkret heißt das: Im Badewasser entstehen flockige Knäulchen. Wenn im Kaffee die Milch ausflockt, dann schüttet man ihn gewöhnlich weg.
C andle-Light-Dinner: Angeblich der Gipfel der Romantik. Glaubt man Liebesratgebern, führt ein Candle-Light-Dinner automatisch zum Geschlechtsverkehr. Darum haben auch Männer ohne Sinn für Romantik eine verstaubte Kerze in ihrer rumpeligen Wohnung stehen – weil das der Frau gefällt! In Deutschland werden jedes Jahr 123 343 Tonnen Kerzen hergestellt.
D reier: Knieerweichend toll, solange man sich in der Fantasie daran erfreut, doch sobald er oder sie konkrete Kandidaten nennt, nimmt das Unglück schon seinen Lauf. Und danach wartet auch kein Happy End. Nie. Nur Eifersucht und Schlamassel. Dann wird aus dem Dreisam ganz schnell wieder das Einsam. Und den Joker unter dem Sexfantasien hat man damit auch schon verbraten. Blöd.
E ssen: Austern, Spargel und Sellerie sollen angeblich Scharfmacher sein. Die Wissenschaft kennt aber keine Belege für die Wirksamkeit der Rezepte in den zahlreichen Liebes-Kochbüchern. Scharf machen soll auch das Einschmieren mit Lebensmitteln. Obwohl das so fragwürdig ist wie der saxofonlastige Soundtrack im Hausfrauen-Erotikklassiker »9 ½ Wochen«, der das behauptet. Honig verklebt nur das Bett, und Orangenhaut mit Sprühsahne schmeckt nicht jedem.
F inger: Handanlegen im Bett ist wie Freihändigfahren mit dem Fahrrad: Auch wenn man meint, es grundsätzlich zu können, muss man es doch mit jedem neuen Gerät wieder neu lernen. Das Problem: Einmal zeigen lassen reicht meistens nicht, beim dritten Mal Nachfragen wird es trotzdem peinlich – und beim zehnten Mal hat sich dann der Fehlerteufel schon fest und unwidersprochen zwischen die Kissen gesetzt.
G ymnastik: Schon mal im Hotel auf den >Pornokanal gezappt? Und dann versucht, genauso schnell zu hoppeln? Sehr richtig: Normalliebende bekommen das nicht hin. Müssen wir auch nicht. Im Fernsehen ficken Profis. Beim Joggen messen wir uns ja auch nicht mit Marathonläufern. Wer nicht mit einem Hexenschuss oder Herzinfarkt übereinander zusammenbrechen will, sollte einfach – wie heißt es beim Wandern so schön – »bei seinem Tempo bleiben«. Gleiches gilt für alle verdrehten Kamasutra-Stellungen, bei denen man auch ohne Erregung nicht in der Lage wäre, gleichmäßig weiterzuatmen.
H ilfsmittel: Dinky Digger ist hellgrün, hat eine Stupsnase und ein breites Lächeln. So grinst der Maulwurf in die Welt. Ein Maulwurf mit Vibratorfunktion. Nein, gegen Werkzeuge ist gar nichts zu sagen. Doch müssen sie wie Kinderspielzeug daherkommen und »Wormie « oder »Dolly Dolphin« heißen? Immerhin »Wormie« wurde in den USA als Sextoy des Jahres ausgezeichnet.
I m Stehen: Frauen sind in Deutschland durchschnittlich 1,68 cm groß, Männer 1,80. Macht 12 cm Unterschied, selbst auf Zehenspitzen fehlen immer noch ein paar Zentimeter für ein gemütliches Beisammenstehen (wenn man von ähnlichen Beine-Rumpf-Proportionen ausgeht). Hilft nur Hochheben. Deutsche Frauen wiegen im Schnitt 64 kg.
J eden Tag: Im Schnitt haben deutsche Paare ein bis zwei Mal pro Woche Sex. Zwar wird bei Sexumfragen immer gelogen, trotzdem machen >Zahlen Druck. »Durchschnitt « heißt »normal«. Und wer möchte gerade beim Sex gern unterdurchschnittlich sein.
K opfschmerzen: Männer wollen immer, Frauen nie. Zwar nur ein Klischee, aber ein so wirkmächtiges, dass Frauen, wenn sie wirklich mal nicht wollen, lieber Ausreden erfinden. Muss man schon lügen, ist die Beziehung eh am Ende.
L autstärke: In Kiel stand vor kurzem eine Prostituierte vor Gericht. Grund: zu laute Arbeitsausübung. Die Anklageschrift würde man manchmal gerne dem eigenen Mitbewohner unter der Türritze durchschieben. Klar, wenig ist so erregend wie die Erregung des anderen. Aber nur, wenn man mitspielen darf. Pornokaraoke ist für die Zuhörer halt nur lustig, nicht sexy. Und beim Karaoke wartet man ja auch immer darauf, dass der Refrain endlich anfängt. Die Frau aus Kiel musste 3600 Euro zahlen.
M usik: Kann die Lust steigern, das ist erwiesen. Welche bei wem und warum, allerdings nicht. Der Lustmacher des einen kann der Lustkiller des anderen sein. Ein R ’n’ BFan und eine Punkerin werden da nicht zusammenkommen.
Nie auflegen: Stöhnstücke wie »Je t’aime« oder »Push it«. Und Lieblingslieder: Die sind es die längste Zeit gewesen, wenn man sich beim Hören daran erinnert, wie man sich mit dem falschen Sexpartner im Takt einen abgekrampft hat.
N ackig: 30 Prozent aller deutschen Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden, bei den Männern sind es nur 17 Prozent. Kein Wunder also, dass viel mehr Männer bereits nach den ersten Nächten kein Problem damit haben, im Adamskostüm Spiegeleier zu braten. Frauen verstecken sich in seinem Schlabbershirt und warten, bis er so viele Komplimente gemacht hat, dass sogar Cellulite im Küchenlicht diesen Lorbeeren nichts mehr anhaben kann.
O rgasmus: Anzahl der Frauen im Freundeskreis, die sagen, noch nie einen Orgasmus gehabt zu haben: null. Anzahl der Frauen, die nach der Studie von Stanley »selten oder nie« einen Orgasmus haben: 21 Prozent.
P orno: Sexualwissenschaftler schätzen, dass mittlerweile vier von fünf deutschen Männern und rund ein Drittel der Frauen mit Pornografie vertraut sind. Das ist großartig. Je selbstverständlicher der Umgang damit wird, desto offensichtlicher dürfte es auch sein, dass es sich dabei nicht um Gebrauchsanweisungen handelt, sondern um Genrefilme mit eigenen Regeln.
Q uatschmachen: Gemeinsam über seltsame Geräusche, Situationen und Missgeschicke zu lachen, kann ja ganz befreiend sein. Beim geplatzten Kondom hört der Spaß aber auf, Witze über den Körper des anderen verbieten sich. Und – verrückte Sache: Auf die Nippel drücken und »Ding Dong« sagen findet gar nicht jede Frau lustig!
R asieren: Der Sinn von Schamhaaren war ursprünglich das Verteilen von Duftstoffen. Aber die Zeiten, in denen sich Männer und Frauen im Dschungel erschnüffeln mussten, sind vorbei. Es bleibt: die politische und modische Aussage der Intimfrisur. Die Hippies wollten Wolle, um sich gegen die büstenhaltersteifen Hausmütterchen der 50er Jahre abzugrenzen, jetzt wird sich wieder gegen die Hippies abgegrenzt – mit knappsten Schnitten namens »Landing Strip«, »Metro Ticket« oder einfach »Glatze«. Abgesehen davon, dass man sich wundern darf, dass Männer auf Frauen stehen, die untenrum wie Neunjährige aussehen: Die tägliche Intimrasur reizt die Haut, Rasierschaum und andere Mittel weichen die Epidermis auf, und in der Bikinizone, wo Haut und Slip aufeinander reiben, vermehren sich Bakterien ohne Haare ungebremst.
S trand: Natürlich ist es romantisch, bei Sonnenuntergang am einsamen Südseestrand heiße Liebe zu machen. Aber erstens sind Strände nie einsam und zweitens: Sand im Getriebe! Da hilft auch kein Bad im Meer: Salzwasser verschlimmert die Scheuerei. Wer nicht weiß, wo er danach sofort duschen kann, sollte Sex on The Beach lieber nur trinken.
T ests: Frauen, die gut im Bett sind, tragen Lackdessous und haben Handschellen, sie werden gern im Fahrstuhl hart rangenommen. Männer, die gut im Bett sind, haben das Kamasutra drauf und bringen Frauen, deren Namen sie nicht kennen, zu multiplen Orgasmen. Auflösung: Sextests beweisen, dass Klischees hartnäckig sind.
U h Baby: »Lüstern flüstern – die richtigen Worte zur richtigen Zeit machen jede Frau willenlos.« Gebrauchsanleitungen wie diese sind in der einschlägigen Literatur noch allen Ernstes zu finden. Wahr ist: Mit nichts kann sich ein möglicher Sexualpartner so schnell disqualifizieren wie mit unpassender Verbalanimation. Wahr ist auch: Wenn man sich ein bisschen besser kennt, kann das Wort »ficken« im richtigen Moment anregend klingen. Aber bei nichts ist Routine so erschreckend wie beim Dirty Talking. Wer auf: »Ja, ja, ich komme«, nur noch »Dann mach halt endlich « denkt, sollte seinem Partner wieder Schweigen verordnen.
V iagra: Seit 1999 wurden mehr als 1,3 Milliarden Tabletten verschrieben. Viagra ist damit eines der meistverordneten Medikamente überhaupt. Eine Studie von 2004 besagt, dass etwa 22 Prozent der 25- bis 40-jährigen Männer Erektionsprobleme haben. Diese werden am häufigsten durch Stress verursacht.
W ahrheit: Über Sex? Gibt es nicht. Jeder Mensch ist anders. Und bei jedem funktioniert Sex anders. Deshalb kann keine Frauenzeitschrift und keine Sexstudie der Welt erklären, wie eine Frau zum Orgasmus kommt oder woran ein Mann merkt, dass sie ihn nur spielt. Auch dieses A-Z kann nicht verraten, wovon »Männer träumen«. Denn »die Männer« und »die Frauen« gibt es nicht. Sondern nur deine Freundin oder deinen Freund. Frag sie!
X xl: Zwei Drittel der Männer wünscht sich einen längeren Penis. Manche quälen sich dafür. Etwa mit dem Penis-Extender, in den das beste Stück eingespannt und in die Länge gezogen wird. Die Folgen: bis zu zwei Extra- Zentimeter – aber auch schmerzhafte Geweberisse, Blutstau und gefährliche Entzündungen.
Y oga: »Das Tantra-Geheimnis liegt darin, dass der Mann die Frau in jeder Hinsicht glücklich machen sollte. »Denn ihr Vergnügen ist seines«, sagt der neuseeländische Yogalehrer Mark Whitwell. Anstatt Männern folgerichtig zu raten, öfter mal die Spülmaschine auszuräumen, propagiert er allerdings Yoga. Und die Männer verbiegen sich immer öfter in Kursen zu Kobras, Muscheln und Flundern.
Z ahl: Weil Männer als feurige Liebhaber (»Casanova«) gelten, je mehr Sexpartner sie hatten, Frauen dagegen als Schlampen (»Matratze«), wird von allen bei der Anzahl ihrer Bettgeschichten gelogen. Männer korrigieren sie nach oben, Frauen nach unten. Das »Kranzgeld «, das eine Frau verlangen konnte, wenn der Verlobte sie entjungfert und verlassen hatte, war bis 1998 im BGB verankert. Die letzte Klage wurde 1993 abgewiesen.




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