fluestern 26.10.2010, 22:09 Uhr 10 11

zurück bleibt die stille

ein leben, das nicht sein sollte.

zurück bleibt die stille

und mit ihr das schrille piepen in meinem ohr. hinter meinen augen brennt es. jetzt verschwimmt der blick.
ich schaue dich an, warte auf ein zucken des lids, eine bewegung der hand. doch das wird nicht passieren.
zu ende dein leben, das viel zu früh begann. viel zu früh endete.

ich schalte den monitor aus, ziehe mit zittrigen fingern die elektroden von deiner brust, baue das beatmungsgerät ab. ich wasche dich. zärtlich und mit warmen waschlappen. wähle ein schönes mützchen, einen strampler für dich aus. lege dir das kuscheltier in den arm, das deine mama und dein papa mitgebracht haben.
wir machen einen fußabdruck, damit sie eine erinnerung an dich haben. einen abdruck deines kleinen, perfekten fußes.

eingewickelt in dein deckchen siehst du friedlich aus. so friedlich man nur sein kann, wenn man unter morphin einschläft, weil man fürs leben zu früh gekommen ist. vier tage hast du gekämpft, wir mit dir. und verloren.

ich stupse dein näschen an. du bist so ein schönes kind. der tod ist mir wieder einmal zu viel begegnet. was soll ich dir noch sagen?

'gute heimreise, kleine seele.' wünscht meine kollegin. zu viel. ich muss hier raus.
zurück bleibt das gefühl, dich allein zu lassen, dich beschützen zu müssen.

und die stille.

11

Diesen Text mochten auch

10 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich kenne mich da nicht aus aber ich gehe mal davon aus, dass es  so selten nicht ist dass ein Frühchen stirbt. Das ist so eine Sache, ein Umstand an den man so gut wie kaum denkt. Obwohl es ein Gedanke wert ist weil einem bestimmte Dinge dadurch wieder klar werden. Auch wenn es ein äußerst bedrückender und trauriger Gedanke ist. Toll geschrieben und auch von mir größten Respekt für dich und deine Arbeit.

    14.02.2012, 01:37 von Felix-Oscar
    • 0

      danke.

      die arbeit mit betroffenen familien liegt mir sehr am herzen. gerade, weil sie so bedrückend ist. keiner findet die richtigen worte - eben, weil es die richtigen worte gar nicht gibt. der fehler ist, aus diesem grund zu schweigen.

      14.02.2012, 01:49 von fluestern
    • 0

      Stimmt. Aber den Mut in diesem Moment zu sprechen, den muss man haben. Der Gedanke etwas sagen zu wollen aber nicht zu wissen was schührt die Angst. Zum Glück gibt es Menschen wie dich. Das soll jetzt kein "Geschleime" sein, sondern ist ernst gemeint. Wenn sich allein Patienten mit- sagen wir mal- weniger gewichtigen oder weniger emotional behafteten Problemen verloren fühlen, wie muss es dann erst in diesem Fall den Eltern gehen. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen.

      14.02.2012, 01:56 von Felix-Oscar
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Sehr traurig. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es den Eltern gehen mag. WIe sie das alles ertragen und damit weiterleben.

    Du hast das sehr gefühlvoll geschrieben und ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft.

    05.09.2011, 21:40 von HuelsStattKrefeld
    • Kommentar schreiben
  • 0

    das berührt einen zu tiefst

    25.08.2011, 23:13 von theCandyman
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Eine leise Träne von mir.

    14.03.2011, 18:44 von DeanLebimski
    • 0

      @DeanLebimski sckluck, oh gott, also mir kommen hier auch grade die tränen
      puhhh

      25.08.2011, 22:48 von Gluecksaktivistin
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    .. ein leiser, stiller text ..

    schrecklich und unendlich traurig

    28.10.2010, 10:10 von ilofi
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Meinen größten Respekt, dass du solche Situationen meisterst...

    Trauriger Text!....sehr zart beschrieben.

    27.10.2010, 21:54 von XeNia79
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Sehr gefühlvoller Text. Traurig.

    27.10.2010, 21:10 von Jackie_Grey
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare