HansDietrich 18.12.2014, 09:39 Uhr 93 3

Zeit,was ist das?

Was verstehen wir unter Zeit?

Die Zeit ist etwas über das wir eigentlich eher selten nachdenken. Meistens vergeht sie einfach, ohne das wir es uns darüber im Klaren sind oder genauer darauf achten bzw. Notiz von ihr nehmen. Wir benutzen das Wort „Zeit“ ständig in verschiedenen Zusammenhängen ohne uns über den Unterschied der verschiedenen Deutungsmuster im Klaren zu sein: „Heute habe ich keine Zeit..“, „Die Zeit vergeht heute mal wieder schnell“, „Zu dieser/jener Zeit waren die Dinge noch anders..“, „Wir leben in bewegten Zeiten“, „Was sagt die (Uhr)Zeit?“ etc.

Die Frage, ob Zeit an sich etwas ist, das unabhängig von uns existiert oder das nur in unserer Wahrnehmung entsteht - oder eben beides – besteht nach wie vor.

Gerade sind im Kino in Filmen wie Lucy oder Interstellar die Protagonisten in philosophischen Auseinandersetzungen zu dem Dilemma und Rätsel der Zeit zu sehen. Wer sie gesehen hat, wird sich erinnern.

Kein Wunder, dass das Thema Zeit so stark in den Fokus gerät? Ich frage mich, ob das Zufall ist, dass man sich zu einer „Zeit“, in der die „Zukunft“ in vielerlei Hinsicht unsicher scheint mit diesem Thema beschäftigt.

Vor etwas mehr als Hundert Jahren gab es die wirklich letzte große Revolution auf dem Gebiet. Damals entdeckte und formulierte Albert Einstein die sogenannte Raumzeit. Seitdem wissen wir, dass es keine absolute Zeit gibt und dass die Zeit für jemanden, der seine Hand auf eine heiße Herdplatte legt wesentlicher langsamer vorbeigeht als für jemanden, der das weiche Fell von einer Katze streichelt. Wir sind also nicht verrückt, wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass für uns die Zeit anders als für die anderen vergeht. Dennoch tragen alle von eine Uhr mit sich herum, die wenigsten noch am Handgelenk als im Smartphone als digitale Version. Die Uhrzeit funktioniert wie so eine Art soziale Reglementierung, ohne die der Fortschritt in unseren Industrienationen nicht möglich gewesen wäre. Wir werden also immer besser darin unsere Zeit zu messen und einzuteilen, wie z.B. in Form von Zeitmanagementseminaren, die mittlerweile schon an Schulen angeboten werden. Dennoch hat sich eigentlich nichts grundlegendes geändert. Es ist zudem bewiesen, dass wie so oft behauptet und gefühlt die Zeit nicht allgemein schneller geworden ist. Weder laufen die Menschen in Großstädten schneller als auf dem Land, noch gibt es eine Tendenz zu einer Länderübergreifenden Beschleunigung. All die technischen Erfindungen wie Auto, Computer und Mobiltelefon haben allerdings nicht wie von manchen erhofft zu einer Entschleunigung geführt. Obwohl wir eigentlich mehr Zeit durch sie haben, geraten trotzdem alle mehr und mehr in Hektik uns Stress.

Ich frage mich also, was es mit der Zeit auf sich hat und ob es Zufall ist, dass zur „Zeit“ das Thema Zeit anscheinend Hochkonjunktur erfährt.

Was haltet ihr von der Zeit? Wie geht ihr mit ihr um? Was ist eure Wahrnehmung bezüglich des Zeitgeistes? Und wie beurteilt ihr die Auseinandersetzung mit dem Thema im Allgemeinen? Als Zeitverschwendung, Zeichen für kollektive Depression oder Sonstiges?


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93 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Klaro :) Dein Artikel hat meiner Meinung nach deutlich mehr Zuspruch verdient. 

    Zeit betrifft jeden. Man lebt mit dem Herzen und dem Kopf in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig. Zeit ist immer da. Man kann sie nicht ignorieren. Wir haben allerdings Angst vor ihrem Einfluss auf unser Leben und Angst, sie nicht richtig zu nutzen. 

    03.04.2015, 00:22 von grumpy.cat
    • 0

      Zeit = Bewusstsein

      da kratzt dem einen oder der anderen schon an ihrer Ehre :D

      Im übrigen gefällt mir die Diskussionskultur hier insgesamt nicht so besonders. Es ging mir ja nicht ausschließlich um Aufmerksamkeit und Herzen, sondern eher um Austausch. Viele meinen hier alles kommentieren zu müssen und oft auch auf leider nicht besonderes sensible Art. Das ist einfach schade! Aber vielleicht wird das ja noch :)

      03.04.2015, 17:23 von HansDietrich
    • 0

      Die Ehre anderer ist mir egal ;) 

      Diskutieren lohnt sich auch nicht. Dafür ist keine Zeit haha
      Ich finde das Thema "Zeit"  ist echt unglaublich umfangreich. 
      Was wäre wenn man die Zeit beeinflussen könnte? Wenn man bestimmen könnte, wie lange manche Augenblicke anhalten? Dann würde jeder in einer anderen Zeit leben,  oder? 

      04.04.2015, 01:28 von grumpy.cat
    • 0

      Soso ;)

      Es lohnt nicht immer, stimmt.

      Es lebt ja jeder in seiner eigenen Zeit. Die Uhrzeit ist eine gesellschaftliche  Konvention.

      Das Rätsel der Zeit besteht darin, dass es subjektiv nur den vom Herzschlag vorgegebenen Rhythmus gibt (also die Dauer), man anderseits aber den Zeitfluss, der uns alle betrifft nicht leugnen kann. 

      "Niemand steigt zweimal in den gleichen Fluss" (Heraklit)

      Du kannst deine eigene Zeit in den Griff bekommen, indem du dich auf deinen Atem und deinen Herzschlag konzentrierst, also durch Meditation.

      Das ganze Ding mit Zeitreisen und Parallelwelten ist Fantasy bzw. Science-fiction,  wenn auch eine ganz nette Vorstellung ☺

      04.04.2015, 09:22 von HansDietrich
    • 0

      Interessanter Gedanke mit dem Herzschlag. Er bestimmt irgendwo auch unsere Lebenszeit.

      Also ist die Zeit ein Teil von uns oder sind wir eher ein Teil von ihr? 
      Nutzt man seine Zeit dann besser oder anders wenn man seinen Puls trainiert? Geht auch mit schwimmen oder laufen (okay der Herzschlag wird dann an seine Grenzen getrieben aber das Ergebnis zählt ja eigentlich :)) 
      Es wäre fantastisch wenn man die Zeit in schönen Momenten anhalten, in unangenehmen vorspulen überspringen oder zurück drehen könnte. Es ist und bleibt eine Wunsch Vorstellung. Man sollte die Zeit einfach so akzeptieren, wie sie kommt und nicht darüber fluchen, wie wenig man hat. Man muss sie sich manchmal einfach nehmen :-) 

      05.04.2015, 01:32 von grumpy.cat
    • 0

      Beides. Das ist es ja gerade! Außen und innen..

      Es ist glaube ich gar nicht erwiesen, ob man länger lebt, wenn man Sport treibt. Aber es steigert auf jeden Fall das Wohlbefinden :)

      Das wäre fantastisch, du sagst es!! Meistens ist es ja so, dass man sich genau in dem Moment gewahr darüber wird wie toll der jeweilige Moment gerade ist, wenn er gerade schon wieder vorüber ist. Versucht man dann an ihm festzuhalten, wehrt man sich gegen den Fluss der Zeit und gerät in einen Konflikt.

      Das Akzeptieren ist der Schlüssel zur Gegenwart und dann hat man auch Zeit :-)


      05.04.2015, 18:49 von HansDietrich
    • 1

      Ja auf jeden Fall das Wohlbefinden. Wenn man allerdings mit 80 immer noch an Volksläufen teil nimmt, hat man offensichtlich viel für Fitness und Gesundheit getan. Okay man ist auch immer nur so alt, wie man sich fühlt. Aber das ist auch ein anderes Thema. Wir wollen ja über Zeit reden, obwohl altern ja auch wieder mit Zeit zu tun hat haha

      Das ist es! Man genießt diesen einzigartigen Moment nicht genug. Im Nachhinein trauert man diesem Moment so sehr nach. Auf der anderen Seite ist es dann auch wieder so, dass man dann zu sehr verkrampft, gerade weil man die Augenblick nicht zum platzen bringen möchte. Und dann kostet man ihn genauso wenig aus. Dieser endlose Konflikt mit der Zeit ist schon eine ziemliche Folter finde ich.
      Aber gehört es auch dazu, über vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Momente nachzudenken und sich zu fragen "was wäre, wenn es so und so gewesen wäre, wäre oder sein wird" Wer nur in einer Zeitzone lebt, der verpasst etwas vom Leben.

      05.04.2015, 20:44 von grumpy.cat
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  • 0

    Ewig währt am längsten.

    22.12.2014, 19:54 von sailor
    • 0

      Amen!

      22.12.2014, 22:24 von HansDietrich
    • 0

      Prost.

      23.12.2014, 08:18 von sailor
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  • 3

    Vorab: Kommentare nicht gelesen -> keine Zeit. Höhö :)

    Die Länge einer Minute hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentür man sich befindet.
    Ich selbst hab ein sehr seltsames Verhältnis zum Konstrukt Zeit. Mein Tag hat in der Regel 30-34 Std., sofern ich nicht terminlich an Tageszeiten gebunden bin. Somit verschiebt sich bei mir der gesamte Rhythmus und die Aktivitätenzeiten. Anders würde ich meinen Kram auch gar nicht gebacken bekommen. Ich hab nie Zeit. Aber ich nehme mir Zeit. Wofür genau man sie sich nehmen möchte, ist natürlich komplett subjektiv und entspricht einer Kosten-Nutzen-Auflistung, auch wenn man sich derer nicht immer ganz bewusst ist. Auch die kann sich jederzeit verändern und wird vermutlich meist innerhalb weniger Bruchsekunden reflektiert und überschlagen. Davon abhängig ist meiner Meinung nach auch das Empfinden der Zeitstruktur und der Dauer von Zeitintervallen. Wenn man viel zu tun hat, vergeht die Zeit wie im Fluge. Wenn man auf etwas wartet, dauert das eeeeewig. Wenn man es schön hat, würde man die Zeit gerne noch länger nachspüren, wenn alles ätzend ist, würde man die Zeit lieber überspringen.

    Ich schätze dass Zeit und der Umgang mit ebenjener schon immer ein Thema war, selbst als das "einheitliche Konstrukt" noch nicht gegeben war. Wann ist Zeit um Nahrung zu beschaffen, zu welcher Tageszeit baut man sich einen Unterschlupf, wann ist Paarungszeit, wann ist Zeit zu schlafen, zu essen, .. wie lange dauert es von A nach B, wie lange brauche ich dafür, wenn ich älter und nicht mehr so flink bin, wie lange, wenn ich ein Hilfsmittel hab, oder Gepäck... Zu Sonnenaufgang treffen wir uns am Baum vor dem Graben... Wenn die Laternen an gehen, kommst du nach Hause... Nach der Schule wird gegessen...

    Zeit ist Orientierungshilfe und wohl notwendig, auch wenn sehr subjektiv und unterschiedlich ausgeprägt, unabhängig von Alter und Ethnie. Zeitreserven hat man vermutlich ebensowenig wie Zeitmangel. Man hat sich meist nur zu viel oder zu wenig vorgenommen.

    22.12.2014, 19:01 von nyx_nyx
    • 0

      Was ich übrigens auch interessant finde, sind Synästhetiker die eine ganz andere Vorstellung von Zeit haben, aber dennoch an das Konstrukt gebunden sind.
      Auch in Hilflosigkeit ist Zeit wie ein großes, schweres Element. Wenn man sie sich frei einteilen kann und über Ressourcen verfügt, um sie zu nutzen, ist Zeit aber wohl etwas Positives.

      22.12.2014, 19:04 von nyx_nyx
    • 0

      Thx!

      22.12.2014, 19:26 von HansDietrich
    • 2

      Jupp...

      22.12.2014, 19:52 von sailor
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  • 4

    new technologies:
    they don't save time, 

    they spend it. 

    19.12.2014, 20:01 von schauby
    • 0

      Exactly!

      20.12.2014, 11:37 von HansDietrich
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  • 0

    Alle haben Uhren, niemand hat Zeit.

    19.12.2014, 11:33 von sailor
    • 0

      uhren haben zeit.

      19.12.2014, 12:02 von ga
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  • 1

    Ich finde das Konzept der sog African Time nicht so verkehrt. Ich finde den Link, den ich im Sinn dazu habe, gerade nicht, aber diese Seite hier ist auch nicht schlecht.

    Zudem mag ich mich einem Kommentar von Sultanine anschliessen:

    Wieso kann man nicht einfach im Moment leben ohne ständig zu optimieren und zu reflektieren?  (...)
    Eben. So sinnvoll es in ein paar Bereichen des Lebens ist, es muss auch Raum sein um einfach zu leben, ohne einen Gedanken an die Zeit zu verschwenden. Denn wenn sie ausschließlich als Maß genommen wird um einzuengen, Stress und Hektik und andere negativen Gefühle zu verursachen, macht das krank.  Doch wie bei so vielem im Leben kommt es auf den verantwortungsvollen Umgang an, auch mit der Zeit. 

    19.12.2014, 11:11 von Cyro
    • 1

      Super, danke! Das Zitat "Gott gab den Europäern die Uhr und den Afdrikaner die Zeit" finde ich eh klasse :)
      ich war schon mal in Afrika und kann das nur bestätigen. Versucht man dort ein Gespräch über gestern zu führen wird man angeschaut, als ob man noch alles beisammen hätte. Die verstehen es echt im Moment zu leben, was auch immer genau das nach unseren Vorstellungen bedeuten mag.

      19.12.2014, 11:22 von HansDietrich
    • 0

      sorry, meine Rechtschreibung..

      19.12.2014, 11:23 von HansDietrich
    • 0

      sorry, meine Rechtschreibung..

      19.12.2014, 11:23 von HansDietrich
    • 1

      Ach, ich schaffe eh 1 Tippfehler/sec .... kein Ding :)

      19.12.2014, 12:35 von Cyro
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  • 3

    wie erdteile versunken ruh'n

    vergangenheit und zukunft schon
    in ozeanen weit
    von zeit

    X hier ist 4 zeilen und eine leerzeile später

    tipp: heidegger, sein und zeit

    19.12.2014, 10:46 von ga
    • 1

      Es ist alles eitel...

      19.12.2014, 11:23 von sailor
    • 1

      ... sonnenschein.

      19.12.2014, 12:02 von ga
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  • 0

    »All die technischen Erfindungen wie Auto, Computer und Mobiltelefon
    haben allerdings nicht wie versprochen zu einer Entschleunigung
    geführt.«

    Wann wurde das versprochen?

    19.12.2014, 08:22 von sailor
    • 1

      Vorgestern ;)

      19.12.2014, 08:24 von HansDietrich
    • 0

      Da war ich nicht da...
      :)

      In meiner Wahrnehmung wurde immer 'Geschwindigkeit', 'Gleichzeitigkeit' und 'Zeitersparnis' versprochen.

      Daassja nu in meiner Welt zmindest, das genaue Gegenteil von 'Entschleunigung'...

      19.12.2014, 09:30 von sailor
    • 0

      Also, ich denke du gehörst wohl zur aufgeklärten Minderheit. Ich meinte Entschleunigung im Sinne eines indirekten Versprechen der Werbung, dass es einfach allgemein besser würde. Allerdings macht Beschleunigung (Gegenteil von Entschleunigung?) auf Dauer krank. Die Frage ist, was man mit der Zeitersparnis anfängt...

      19.12.2014, 10:07 von HansDietrich
    • 0

      Ich bin eine Zielgruppe.

      Ich finde ja diese Vorstellung, man könne Zeit 'sparen' absurd...
      Aber ich hab ja auch mal 'Momo' gelesen... In einem früheren Leben...

      19.12.2014, 11:02 von sailor
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  • 0

    Ist relativ....

    19.12.2014, 08:10 von minka911
    • 0

      relativ zu was? ;)

      19.12.2014, 11:48 von HansDietrich
    • 0

      allem.

      20.12.2014, 15:58 von minka911
    • 0

      is nicht alles zu allem irgendwie relativ...?

      22.12.2014, 19:53 von sailor
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  • 1

    (ich find die zeit ja eher zu dick für die zeit, die ich habe)

    19.12.2014, 00:50 von libido
    • Kommentar schreiben
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