Tate 13.12.2008, 20:44 Uhr 2 2

Wir laufen alle mit Löchern im Herzen...

... herum, aber wir laufen noch!!!

Ich bin jung, sehr jung und krank. Unheilbar krank.
Erfahren habe ich das erst Anfang dieses Jahres.
Es war ein Schlag ins Gesicht, als ich diesen Befund mitgeteilt bekommen habe. Ich kann mich noch exakt an das Gefühl der Leere erinnern und gleichzeitig an die Empfindung, es würde sich meine Kopfhaut zusammenziehen und mein Atem im konstanten Rhythmus gegen null gehen. Tränen sammelten sich erst langsam in meinen Augen, bis sie über die Schwelle des unteren Augenlides traten und mein Gesicht in Feuchte hüllten. Ich nahm die Tränen als einen Weckruf wahr, denn bis zu diesem Moment war ich regungslos in meiner im Krankenbett liegenden Position verweilt.
Erst als der Tränenfluss stoppte und meine von Salz ausgetrocknete Haut bei jeder Gesichtsbewegung spannte, schaffte ich es, die Gedanken, welche sich während den Minuten angesammelten hatten wahrzunehmen. Aber diese verwerten, das konnte ich nicht. Und das blieb auch noch eine Weile so.
Ein jedes Mal, wenn sich meine Gedanken in die Richtung meiner Krankheit bewegten, liefen mir Tränen über das Gesicht. Ein kalter Schauer überfiel mich, sobald ich mir dessen bewusst wurde, das mein Leben niemals so sein könne, wie das, einer richtigen Jugendlichen oder wie man das auch nennen möchte.
Ich verstand, dass ich in so vielen Dingen zurückstecken müsse, um mich nicht jede zweite Woche im Krankenhaus aufhalten zu müssen.
Und ich erkannte, dass ich innerhalb einer Sekunde dem Erwachsenwerden einen riesigen Schritt entgegen gekommen war, für welchen ich mich doch noch gar nicht bereit gefühlt hatte.
Meine Eltern konnten mich nicht mehr vor schlechten Nachrichten beschützen, das erkannte ich schnell, denn soeben hatte ich wohl eine der gravierensten Nachrichten in meinem Leben erhalten.
Ich kam mir vor, wie eine Seifenblase, kollidierend mit einem Gegenstand, welcher gegen die Existenz dieser farbig schimmernden, hoch sensiblen Kugel ankämpft und den Kampf gewinnt...

...und sie zerplatzen lässt.

Ich weiß nicht, wie lange es gebraucht hat, bis ich wieder lächeln konnte, aber es war eine lange Zeit. Ob das nun, an der von den Tränen gespannten Haut lag oder an meinem allgemein unglücklichen Zustand, das weiß ich nicht, doch inzwischen habe ich es mehr oder weniger gelernt mit meinem Schicksal zu leben, denn es gibt so viele Menschen, denen es schlechter geht als mir.
Ich glaube auch, dass ich diese Erfahrung nicht missen möchte, denn irgendwie hat sie mich geprägt. Ob diese Prägung nun vorteilhaft war oder nicht, da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber es gibt so viele Dinge im Leben, in denen man sich unsicher ist und bei denen man Probleme hat, sie zu fassen.

Auch ich habe noch nicht mit dem Thema abgeschlossen, aber das werde ich wohl auch nicht... Aber...

Wir laufen alle mit Löchern im Herzen umher, aber wir laufen noch und das ist das Entscheidende.

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2 Antworten

Kommentare

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    ... so ist das Leben....
    Danke

    24.12.2008, 01:50 von Tate
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    ui..tate das ist gut..
    und traurig..

    15.12.2008, 18:54 von gelblau
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