Freulein_Taktlos 20.12.2016, 13:32 Uhr 6 4

Willkommen zurück!

Ich hör die Schläge in meinem Ohr: Klick, Klick, Klack

Als wär's ein Morsealphabet, das nichts sagt

Als wär in meinem Kopf ne 808 von Rick Ross,

Als wär die Zeitbombe so weit, dass sie jetzt platzt.

 

Musik an, Welt aus. Das muss reichen, denke ich.

Ein Mensch kann nicht so viel trinken, wie ich vergessen will. Mein Kopf ist voller Worte, ein Durcheinander, bekanntvertraut und doch hat es mich selten so erschlagen. Unruhig atme ich aus und schließe die Augen. Ein Trick, um in mich hinein zu sehen. Ein Witz, denn ich stecke ja hier drin. Ziellos irre ich durch Gedanken und Bilder. Hier und da taucht schemenhaft eine Erinnerung auf: ein gelber Schein von Sonnenlicht, ein Tanz auf Gin und Wodka, Zuckerwattewelt. Dunkelheit.

„Wie weit ist unendlich?“, fragst du.

 

Ich fühl den Beat bis in den Bauch, er tritt und boxt mich,

Als wär's sein allergrößter Kampf wie bei Rocky

Als wär mein Puls so hoch wie nie, weil er geschockt ist,

Weil das, was lange tief verbuddelt war,

Auf einmal wieder doch spricht.

 

Ist es hier kälter geworden? Fest beiße ich meine Zähne aufeinander und versuche das Frösteln abzuschütteln. Ich konzentriere mich, tief und gleichmäßig Luft zu holen. Das Atmen schmerzt als bestünde meine Lunge aus Fieberglas. Panisch reibe ich mit nassen Handflächen über meine Jeans. Lass es nicht zu! Weich legen sich Finger um meine Kehle. Lass es nicht zu! Erst ein sanfter, liebevoller Druck. Lass es nicht zu! Dann schließt sich das Zugband mit aller Kraft. Lass es ni…

Hallo Angst, mein alter Freund.

 

Vielleicht lief es zu perfekt und jetzt kommt's wie's kommen musste,

Ich hol sie nach Haus, meine abgefuckten Muster,

Mein easy Weg aus Holz, der verlockend glänzt wie Gold,

Und mich immer wieder kreuzt.

 

„Für eine Maus ist ‘unendlich weit‘ ganz anders weit als für uns.“, sagst du.

Ein Krampfen im Bauch verrät mir, dass ich langsam dort angekommen bin, wo ich die ganze Zeit hin sollte: Ich folge einem blassen Pfad aus Steinen in meinem Kopf. Ich kenne diesen Ort. Ich hatte vor, nie mehr hierhin zurück zu kommen und doch stehe ich hier: vor mir liegt die See. Dunkle Wogen zeichnen zackige Risse in den Horizont. Ich will nicht weiter, aber meine Beine gehen bestimmt den alten Weg bis ich das Wasser spüre. Schmerz und Jubel verbinden sich, als ich in das triefende Nass tauche. Ich weiß jetzt, dass ich nicht umkehren kann. Leise beginne ich zu summen und lasse mich in die düsteren Fluten fallen.

 

Willkommen zurück, meine bösen Geister, treuesten Begleiter,

Ich hab die ganze Zeit geahnt, dass ihr mit dabei wart.

Und alles was mich vor euch schützte ist auf einmal weg,

Zerquetscht, zerdrückt,

Willkommen zurück.

 

Kurz hatte ich vergessen, wer ich war. Kurz ließ ich die See hinter mir, die mich ausmacht. Ich zeige dir, wie weit mein Unendlich ist. Und ganz vielleicht machen uns die Wellen dann gemeinsam nichts aus.

 

Keiner sagt, dass es leicht ist,

Der alte Kampf gegen die Geister,

Und glaub mir, irgendwann reicht es….

…doch bis dann:

 

Willkommen zurück.



https://www.youtube.com/watch?v=LOWaUlEOsyM






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6 Antworten

Kommentare

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  • 0

    nein danke, mehr Freulein brauch ich nicht :-(

    21.12.2016, 17:25 von Dr_Lapsus
    • 1

      wenn alle blieben, wäre es hier eh zu voll.

      22.12.2016, 11:03 von Freulein_Taktlos
    • 0

      Och, den drei Leuten, die den Text mochten, wird dein Wohnraum doch noch ausreichend  Platz bieten ?


      Man kann nicht alles haben, wo sollte man es auch hinpacken ?

      22.12.2016, 11:10 von Dr_Lapsus
    • 0

      Man kann nicht alles haben, wo sollte man es auch hinpacken ?

      Genau so sehe ich das auch :)

      22.12.2016, 13:35 von Freulein_Taktlos
    • 0

      Froie mich, deine Bekanntschaft gemacht zu haben und wuensche dir ein gnadenloses Weihnachtsfest :-)


      Moege der Weihnachtsfrosch zweimal klingeln

      22.12.2016, 14:11 von Dr_Lapsus
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  • 1

    ich wollte dir gerade ein herzchen geben für den flow der geschrägten wortzeilen. ohne dass ich das lied vorher kannte, hab ich an rap gedacht, hab ne kanye-stimme im kopf dazu gehört. inhalt ist egal, nur flow.

    21.12.2016, 14:14 von libido
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