Maya_Lo 15.05.2012, 14:32 Uhr 13 1

Wie ist es so als Mobbingopfer?

...meine Zeit zwischen den Stühlen...

Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen von to mob, dass bedeutet anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen und mob wird mit Meute, Gesindel, Pöbel, Bande übersetzt.

Die Definition des Begriffs Mobbing ist unumstritten weitestgehend gleich. Ein wiederkehrendes Verhaltensmuster, keine Einzeltat, vom Opfer wird es als Negativ empfunden, oftmals charakterisiert durch ungleiche Machtverhältnisse und es gibt mindestens ein Opfer und mindestens einen Täter. Eine der griffigsten Definitionen stammt von Heinz Leymann: „Negative kommunikative Handlungen (von einer Person oder mehreren Personen) die gegen eine Person (oder mehrere Personen) gerichtet sind und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer bestimmen“

Täter und Opfer. In diesem Fall, bin ich das Opfer. Ohne mich wie gewohnt zu Hause zu fühlen in dieser unumstritten schwachen Rolle, es ist purer Horror. Der Täter, ein Freund unseres Geschäftsführers. Ein wirklich unbedeutender Typ in der Gesellschaft. Hat mich gesucht und gefunden, um mir die Hölle auf Erden zu bereiten.

Es fing vor ungefähr zwei Jahren an, kurz nachdem ich mein Studium neben dem Beruf begonnen habe. Ihm gefiel nicht das ich studiere, dass ich meine Arbeiten selbstständig ausführe und auch nicht, dass ich so bin wie ich bin. Im Prinzip, gab es nichts, was er nicht an mir auszusetzen hatte. So nahm alles seinen Lauf.

Die ersten Schwierigkeiten begannen, indem meine Arbeiten alle in Frage gestellt wurden. Für alles musste ich Protokolle führen und dokumentieren, begründen warum gerade das meine Vorgehensweise war. Es wurden in meinem Urlaub Beschwerden an den Geschäftsführer verfasst, in denen vermeintliche Fehler und charakterliche Defizite meiner Person aufgeführt wurden. Mitarbeiter wurden angestiftet mich auszuhören, inwiefern ich plane zukünftig in der Firma zu arbeiten. Geheime Sitzungen wurden veranstaltet um vermeintliche Fakten gegen meine Person zusammen zu tragen und der Geschäftsleitung zu präsentieren.

Das alles hatte zur Folge, dass ich schon sehr rasch die erste Abmahnung erhielt. Im Nachhinein, wäre diese vor Gericht nicht gültig gewesen, da die Fakten verdreht wurden von dem besagten Kollegen. Aber wen interessiert das schon, wenn man vor jedermann als schlechtester und unprofessionellster Mitarbeiter gestellt wird. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht begriffen, dass es noch schlimmer werden würde.

Meine Arbeit als solches war nicht das Problem, sondern das was zwischenmenschlich vor sich ging. So musste ich auch nach einem Jahr Terror durch eine Jobrotation mit diesem besagten Kollegen sogar direkt zusammen arbeiten. Meine Kräfte nahmen stetig ab. Meine Konzentration litt durch die Schlafstörungen, ich konnte keine Nacht durchschlafen, lag teilweise bis morgens fünf Uhr wach und dachte nach. Das hatte zur Folge, dass meine Arbeit eine überdurchschnittliche Fehlerquote aufwies. Auch im Privatleben war der Abstieg zu erkennen. Die Vorlesungen besuchte ich nicht mehr, schob die Klausuren auf unbestimmte Zeit, distanzierte mich von Freunden und Familie, ging nicht ans Telefon und sprach auch sonst nur noch das nötigste. Ich vernachlässigte mich als solches, ging nicht mehr zum Sport – wobei ich vor dem Terror beinahe täglich ins Fitnessstudio lief oder Beachvolley spielte und sonst auch keine Gelegenheit ausließ etwas zu unternehmen. Doch zu diesem Zeitpunkt war ich nur noch ohnmächtig von dem Druck und Angst die täglich geschürt wurde von diesem Kollegen der mir sogar nahe legte mich anderweitig zu orientieren, da ich scheinbar von allen Menschen in der Firma gehasst werde.

Nun gut. Die Kündigung erhielt ich im Sommer. Schönste Zeit. Für mich, der Zusammenbruch. Im nachhinein, bin ich dankbar dafür, dass ich das Leben mehr liebe als den Tod. Ich flüchtete, und zwar nach vorne. Nahm einen Anwalt (der härteste Hund den man sich nur vorstellen kann) und ging gegen die Kündigung an. Das Schlusslied, ich musste zurück in die Firma, natürlich nicht in das gleiche Büro. Man gab mir Arbeiten die praktisch gesehen, nichts mit meinen Qualifikationen oder meinem Vertrag zu tun haben. Es war mir gleich, mir ging es ums Prinzip. Wenn ich der Meinung bin, nicht fair behandelt zu werden oder sogar schlechter gestellt zu werden als andere, gehe ich dagegen vor und lasse es nicht auf mir sitzen. So auch geschehen.

Ein weiteres Jahr habe ich gebraucht um mich selbst zu finden. Wenigstens phasenweise Schlaf zu finden. Mein Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Die Fröhlichkeit und Gelassenheit wieder zu entdecken und meine Uni wieder ernst zu nehmen. Sogar meine Freizeitaktivitäten nahmen zu, mehr Sport, mehr Leute, mehr von allem was mir gefällt.

Im Rückblick lässt sich zusammenfassen, es war mir eine Lehre. Ich kann nicht ausschließen, dass dies in nächster Zeit nicht noch einmal geschehen wird und man erneut versucht mich zu brechen, aber was ich mit Gewissheit sagen kann ist, es hat mich an meine Grenzen gebracht und darüber hinaus, ich habe gesehen wie ich funktioniere sobald ich am Boden liege und was mir hilft wieder auf die Beine zu kommen. Es hat mich charakterlich so sehr geprägt, dass aus mir ein anderer Mensch mit mehr Selbstbewusstsein und Zuversicht geworden ist. Herausforderungen sind da, um sie zu bezwingen, keine Gelegenheit unversucht lassen um neue Grenzen zu überschreiten…

In Kürze werden sich meine Karten wieder neu mischen und ich werde weiter ziehen, neues erleben und mich selbst auf die Probe stellen. Zuversicht, Ehrgeiz und die Liebe zum Leben sind mein Antrieb.

 

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      ...ich bin immer mehr der Meinung, dass zu Beginn beide Seite einen Teil der Schuld tragen. Sobald weitere Parteien involviert werden und alles zum Selbstläufer wird, verliert derjenige mit dem geringsten Zuspruch. 

      Die wesentliche Frage ist doch, wie häufig beteiligen wir uns bewusst oder unbewusst an solchen Aktionen und welche Präventivmaßnahmen könnten helfen?!

      17.05.2012, 22:08 von Maya_Lo
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      ...Rettung wird es sein, sobald alles vorbei ist...

      17.05.2012, 22:09 von Maya_Lo
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      ...ein stetiger kampf...so albern es auch klingen mag...es ist die realität...achte täglich auf deine worte und taten, damit niemand dir einen strick daraus baut...

      15.05.2012, 20:35 von Maya_Lo
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      traurig aber wahr...wunder mich täglich aufs neue, wie verdorben die leute sind und wie wenig die ihre scheuklappen abnehmen um mal um sich herum zu blicken und mit offenen augen durch die welt zu wandern...

      15.05.2012, 20:41 von Maya_Lo
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    Das hört sich sehr schlimm an. Aber ich glaube, wenn du es so lange ausgehalten hast, musst du stärker sein, als du denkst.
    Die Kündigung hätte ich persönlich vermutlich angenommen, weil du dir ein objektives Arbeitszeugnis ja trotzdem erstreiten kannst. Und wenn du selber gehst, ist ja erstmal 3 Monate das ALG gesperrt.
    Gab es keinen Betriebsrat oder einen Beauftragten, der dir hätte helfen können?
    Ich wünsche dir auf jeden Fall für deine Zukunft alles Gute. Arschlöcher gibt es überall, aber eben auch supernette Menschen.

    15.05.2012, 18:57 von wordmage
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      ...am liebsten hätte ich alles so hingenommen, mir war aber wichtig das studium zu beenden - dafür hab ich das geld und den job einfach gebraucht - die angst ohne mittel und hilfe da zu stehen - war in dem moment größer. und einfach jmd. seinen willen lassen - warum sollte ich das tun...dann erleide ich für eine kurze zeit schmerz und weiß das es diesen menschen mehr stört als mich auf dauer ;)


      vielen lieben dank für deinen zuspruch!

      15.05.2012, 20:33 von Maya_Lo
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