Wie es sich anfühlt fast zu gehen...
Wie so oft freue ich mich auf den Abend; der anstrengende Tag neigt sich dem Ende und die äußeren Einflüsse versprechen endlich geringer zu werden
und das obwohl die Abende oft quälender sind als der Tag bereits war.
Der vergangene Abend und miles from anywhere...
... wie so oft mache ich mich schon gegen halb sieben auf ins Bett. Bin froh, dass der Tag zuende ist, freue mich auf die Ruhe vor der manchmal ein wenig komplizierten Welt, freue mich auf das geringer werden der äußeren Einflüsse, freue mich auf die Ruhe, freue mich darauf schreiben zu können was ich fühle, denke und darauf nur noch das und nur noch ich und keine Masken mehr sein zu müssen. Gerade im Bett sitzend erreicht mich ein Anruf meines Vaters, er wolle noch ein paar Bierchen mit mir trinken. Mir ist klar, dass er reden möchte und ich lasse mich diesmal darauf ein, auch wenn seine Aussage wieder nur versteckt ist. Also mache ich mich wieder auf den Weg nach unten und warte bis er heim kommt. Wenige Minuten später sitzen wir in meinem Zimmer, ich mit Wein in der Hand, er mit Bier und er erzählt, erzählt, lässt mich nicht zu Wort kommen, rechtfertigt, erklärt, erzählt von sich und seinen Problemen. Er gibt mir zu verstehen, dass ich froh sein könnte nicht mit dem Rohrstock geschlagen worden zu sein, möchte mein Coach werden und mir beibringen wie ich mich gegen andere wehren kann, erzählt von sich, seinen Ehen, was alles schief lief. Ich versuche zu Wort zu kommen, versuche zu erklären, dass wir wieder an dem Punkt sind an dem er mich mit Dingen belastet die nicht zu mir gehören, versuche näher zu bringen, dass es mir um keine Veränderungen meiner Kindheit im Nachhinein geht, sondern nur darum, dass ich einmal ausdrücken konnte wie es mir ging und geht, meine Wut dahin zu richten wo sie hingehört. Es dringt nichts bis zu ihm vor, nur seine Überheblichkeit und er werde schon aus mir machen, dass ich stark gegen andere werde, scheint Gültigkeit für ihn zu haben. Mein Zorn auf ihn nimmt zu, ich versuche das Gespräch zu beenden, aber es gelingt mir nicht. Irgendwann scheint er nach langer Zeit genug geredet zu haben. Die Diskussion, wie er es bezeichnet besteht dabei zu 90 % aus seinen Worten, meiner Meinung nach von Diskussion keine Spur. Ein unbändiger Hass und eine riesige Verzweiflung keimen in mir auf. Das "Gespräch", oder sein Monolog sind zu Ende und ich wimmle ihn damit ab, dass er mir schon Zeit geben müsse um zu entscheiden ob ich von ihm "gecoacht" werden möchte oder nicht. Eine andere Chance scheine ich zu diesem Zeitpunkt nicht zu haben. Ich fühle mich in dem was ich ihm in einem Brief schrieb bestätigt. Er weist wie so oft alles von sich, lässt nichts an sich heran. Ich bleibe ungehört, werde im Gegenteil wieder zurecht gebogen, aber dafür hat er keinerlei Verständnis. Er versteht es wirklich nicht. Plötzlich ist alles einfach nur sinnlos. Keine Minute später sitze ich weinend am Schreibtisch, drücke die Tabletten aus der Verpackung, spüle sie mit Wein hinunter. Wie viele es genau waren weiß ich nicht mehr. Ich mache den Laptop an, versuche den mir wichtigsten Mensch in meinem Leben telefonisch zu erreichen, weil nachdem ich die Tabletten genommen habe doch Sorge auftaucht, schreibe eine kurze Mail, lese die Mail die ich von meinem Lieblings- Menschen bekommen habe. Sie berührt mich sehr, macht gleichzeitig aber auch ein bisschen traurig, weil klar wird was klar war, dass die Beziehung eben zwischen professionell und persönlichem stehen bleiben wird. Alles scheint zu passen, ich stelle mich auf Tod ein und bin kaum noch ansprechbar als mich kurz darauf der Mensch anruft den ich zu erreichen versuchte. Ich bin zwar noch körperlich da und ansprechbar, aber innerlich einfach nur noch aufgewühlt und miles from anywhere. Das Gespräch mit meinem Vater war sinnlos, eher verhärtend, die Kraft ist sowieso am äußersten Ende und die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit mit einem Schlag scheinbar nur noch real. Wie ich am Telefon noch zusagte übergebe ich mich, weil ich mich weigere mich in eine Klinik bringen zu lassen und werde dadurch einige Tabletten wieder los. Im Anschluss ist mir übel, ich sehe kaum mehr etwas, finde aber zurück in mein Zimmer. Bin unsicher, ob ich einfach nur psychisch am Boden und zerstört bin, oder ob die Tabletten bereits Wirkung zeigen. Ich versuche noch eine kleine Mail zu schreiben, scheitere aber und schlafe offensichtlich ein. Ohne das Licht oder den Laptop auszumachen, schlafe einfach ein und finde mich gegen Mitternacht verkehrt herum im Bett liegend, aber soweit wieder hergestellt wieder.
Rückblickend ist all das einfach nur irreal. Ich bin traurig darüber, dass ich nicht mehr vernünftig am Telefon sprechen konnte, erinnere wohl, dass ich sehr kurz angebunden war, erinnere diese große Verzweiflung und das Gefühl nun wirklich am Ende zu sein, denn die Tabletten sind schon unten. Mein Gott! was war nur los!?! Inzwischen bin ich tatsächlich wieder soweit hergestellt. Ich fühle mich noch ein wenig neben der Spur, bin aber in der Tat unsicher was von den Tabletten kommt und was "normale Reaktion" auf diesen Stress ist. Ich bin schlichtweg ahnungslos wie ich weiter mit meinem Vater umgehen soll, bin froh, dass wenigstens die Aussprache mit meiner Mutter gut verlaufen ist und bin über die Maßen glücklich noch am Leben zu sein. Nicht für meinen Vater am Leben, - sondern für mich.
Gestern fiel mir diese Unterscheidung aber offenbar wirklich schwer...



Kommentare