Highwayman1985 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 3

Wer weniger weiß, der kann besser schlafen

Und guter Schlaf ist wichtig für die körperliche, vor allem aber für die geistige Gesundheit, oder doch nicht?

Weniger zu wissen scheint auf den ersten Blick ein recht hoher Preis für den guten Schlaf zu sein. Schließlich ist Wissen ja Macht und es heißt, die Wahrheit ist unfehlbar. Andererseits "dumm aber glücklich", wäre das nicht auch reizvoll?

Eine Frage, die wir uns wohl alle schon mal gestellt haben und prompt damit beantwortet haben, dass es für uns dafür nun leider zu spät sei. Wir sind ja schon schlauer als der Rest: wir hinterfragen alles und wissen alles besser. Das gilt vor allem für die Frage, welches Leben wir leben wollen – nämlich das echte, unverfälschte. Dafür bezahlen wir gerne den Preis, dass wir Getriebene sind. Getrieben von unseren Idealen und vor allem getrieben davon, die Möglichkeiten unserer Zeit zu nutzen und möglichst viel aus unserem ach so kurzen Leben zu machen.

Im Grunde sind wir Perfektionisten, die durch eine unperfekte Welt wandeln, mit der wir nicht selten hart zu kämpfen haben. Wir stellen uns die essentiellen fragen nach dem Sinn des Lebens, fragen sie in Communities wie diese hinein und bekommen doch nur die Antwort, dass all die Gleichgesinnten zwar keine Antworten, wohl aber die gleichen Fragen haben. Gekonnt ignorieren wir dabei die Stimme in unserem Kopf, die leise flüstert, dass diese ganze Sinnsucherei am Ende vielleicht doch gar nirgendwo hinführt.

Oder noch viel schlimmer: was passiert wenn man glaubt einen Sinn, einen größeren Zusammenhang gefunden zu haben:  AfD, RAF, Reichsbürgerbewegung. Die, die glauben, endlich alles verstanden zu haben sind letztlich doch die größten Clowns der Zeitgeschichte. Denn eigentlich wissen wir, dass die Welt ohnehin viel zu komplex ist, um sie verstehen. Und wir ahnen auch, dass bei all unseren Möglichkeiten immer ein besserer Partner, ein besserer Job, eine bessere Stadt – ja ein vermeintlich besseres Leben – irgendwo da draußen auf uns wartet; und dieses Wissen nagt an uns, wir können es nicht ausblenden.

Ich blicke daher manchmal mit ein wenig Verachtung auf die, die es können. In meinem Freundeskreis gibt es Menschen, die mit über dreißig noch bei ihren Eltern wohnen und nicht die geringste Absicht haben, was daran zu ändern. Oder Menschen, die mit Partnern zusammen sind, die sie nicht lieben. Man kann sich bequem einrichten im Leben, wenn man aufhört Fragen an sich selbst zu stellen.

Vielleicht besteht das Geheimnis am Ende darin, einfach einen Teil der Realität auszublenden, gewisse Entscheidungen zu treffen und sich in seiner eigenen Wahrheit halbwegs gemütlich einzurichten.

„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen!“ werden sich jetzt sicher Einige empören. Aber solange die Frage nicht geklärt ist, was denn das richtige Leben ist, ist diese Aussage so hilfreich wie der abgedroschene Spruch, dass Leben das ist, was an einem vorbeizieht, während man andere Pläne macht.

Ich frage mich manchmal, ob ich mich nicht von der Vorstellung verabschieden muss, das ich ergründen kann, was denn das richtige Leben ist. Es könnte vorbei sein, bevor ich es herausgefunden habe. Und überhaupt, wer sich alle Türen offen hält, wird sein Leben auf dem Flur verbringen! Und wer will das schon? Es war immer meine größte Angst, dass ich in eine falsche Tür gehe, weil ich aus irgendwelchen Gründen aufgehört habe die richtigen Fragen zu stellen.

Aber vielleicht ist die richtige Frage, ob man auf dem Flur leben will. Ich fühle mich manchmal so, als würde ich auf dem Flur stehen und allen Leuten bloß gedanklich zurufen: „falsche Tür“.

Ich bewege mich nicht. Ich habe da noch einige Fragen.

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7 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich glaube nicht an 'falsche' Türen...

    Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn es die falschen sind.

    13.05.2015, 07:48 von sailor
    • 0

      Ja, stimme dir zu; v.a. dass man Entscheidungen treffen muss. Aber vor dem Hintergrund ist doch jede Tür die falsche, für die man sich nicht willentlich entscheidet. Jede die man nur nimmt, weil sie vielleicht am nächsten dran ist, oder man sich von der Masse mit reintreiben lässt. Dann hat man nämlich aufgehört Entscheidungen zu treffen.

      13.05.2015, 11:33 von Highwayman1985
    • 0

      Panta rhei

      13.05.2015, 14:28 von sailor
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  • 0

    »Unwissenheit ist ein Segen.«
    Cypher zu Mr. Smith

    13.05.2015, 07:45 von sailor
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Er will damit, glaube ich, etwas anderes zum Ausdruck bringen...

      13.05.2015, 07:49 von sailor
    • 0

      Ja, will er. Damit war natürlich gemeint, dass viele von uns nur glauben alles besser zu wissen und schlauer zu sein als der Rest. So eine Art Pseudo-Intellektualität, der man bisweilen begegnet.

      Und ja, "Wahrheit und richtiges Leben" ist eine Illusion, aber bestimmt keine nette! Sondern eine, die einen verführt, ihr hinterzurennen, obwohl es sowas ja gar nicht gibt. Auf dieses Dilemma zielte der Text ab.

      Und im Übrigen WhereWhenWhy, Dein letzter Satz mit der Illusion ist genau Ausdruck der Einstellung, die mit "wir hinterfragen alles und wissen alles besser" gemeint war.

      13.05.2015, 11:44 von Highwayman1985

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