jennerle 25.07.2007, 00:04 Uhr 0 0

Wer weiß wo das noch hinführt

Fußstapfen am Strand, entlang der zerklüfteten Felsen. Nach dem Windstoß dreht sich alles, ich drehe mich um und da ist etwas,

wie federleichter weißer Faden, oder die fallenden Stücke eines Spinnennetzes. Es bewegt sich kaum merklich über mein Gesicht und verschwindet in verdrehter Dunkelheit; die Luft wird schwerer um mich herum. Noch mehr Spinnennetz überzieht mein Gesicht, und irgendwas saugt an meinen Fußsohlen, irgendetwas streicht mir durch die Haare, irgendetwas übt schwachen aber bemerkbaren Druck aus. Ich versinke im Sand wie in einem Topf voll kochendem Wasser, kochend aber ohne Blubberblasen. So ist er, dieser Zustand. Steigende Dichte, wilde, weiß-grelle Zuckungen von Licht auf der Oberfläche über mir, wie Pfeile, die an mir vorbeipfeien und mich nicht treffen. Mehr Spinnennetz, mein Körper wird in einen Kokon gerollt. Ich bewege mich nicht... das wiegende Wasser um mich herum ist blassblau, gespickt mit weißen Flecken. Meine Haare sind wie Algen, wellend, weich wie Samt, bewegt von den Wellen. Dieselben Wellen, die auf ein Ufer weit weg aufschlagen, weit weit weg, rasend vor Wut. Ich kann nichts hören.
Die Strömungen verschlingen sich und ich werde nach oben gezogen und schieße aus dem Wasser. Das Sonnenlicht kitzelt; ich kann immer noch nichts hören. Sprühende Wassertropfen benetzen mein Gesicht, sie bleiben an meiner Haut kleben und rollen meinen ganzen Körper hinunter, zurück ins Wasser. Echos verlorener stimmen sirren in meinem Kopf, endlose Echos von Gedichten und Kinderliedern, von Fabeln, Wörtern und Geschichten. Ein ton nähert sich wie das Summen einer Biene, es ist so weit weg und so leise, dass meine tauben, verworfenen ohren größte Schwierigkeiten haben, ihn überhaupt wahrzunehmen, aber die Laute in meinem Kopf verweben sich mit ihm und tragen sich fort. Meine Haut fängt an zu trocknen, das Gesprühe versiegt.
Die Sonne brennt stärker. ich sitze am Rand meines sturms, auf dem metallenen Rand, und das Wasser beginnt zu sinken. Tiefgrün, fast schwarz; wie flüssiger Diamant, wie gefärbtes Quecksilber; schlangengleich verschwindet es durch irgendein loch, irgendwo, und nimmt das Spinnennetz mit sich. Seine Überreste beflecken meine Haut, ich kippe nach hinten, lande im Bus und steige aus.

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