Sleepingbeauty1 09.09.2012, 11:34 Uhr 8 6

Wer ist schuld?

Der Wald war voller Geheimnisse. Man musste nur den Wurzeln folgen, um sie zu ergründen.

Lieber Samuel,

ich bin deine Mutter, aber bist du noch mein Sohn? Manchmal weiß ich das nicht, wenn ich daran zurückdenke, was du getan hast. Seit dem Geständnis, was du mir in einer deiner cholerischen Launen, vor den Kopf geknallt hast, sehe ich nur noch den Mörder in dir. Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich dein Gesicht in mir und fühle mich schuldig, weil ich in mir ebenfalls eine Mörderin sehe. Eine, die das Böse erschaffen hat, und als Mitwisserin die blutigen Schleimspuren nicht wegwischt.

Vor 25 Jahren, an dem Tag, als du auf die Welt kamst, war es der wundervollste Tag meines Lebens. Wahrscheinlich der schönste Augenblick einer jeden Mutter, den sie sich je vorstellen kann. Du warst ein unglaublich widerspenstiges Kind, und es hat mehr als einen Tag gedauert, bis ich dich trotz der höllischen Schmerzen aus meinem Bauch gepresst habe. Schon zu dem Zeitpunkt kam es mir so vor, als würdest du meine quälenden Schreie genießen, und aus Vergnügen solange in mir steckenbleiben. Vielleicht war es aber nur die Angst, dieser grausamen Welt schon so früh zu begegnen, wenn der mütterliche Leib dagegen eine geborgene Höhle darstellte, der alles abwehrte, was dir schaden könnte. Vorher hatte ich schon lange mit mir gehadert, ob es die richtige Entscheidung war, dich wirklich zu gebären, da  dein Vater – diese feige Heideschnucke – sich sofort aus dem Staub gemacht hatte, als er wusste, dass seine kreuz und quere „Samenbestäubung“ Wirkung zeigte.  

Das Leiden - die Zweifel - die stechende Unsicherheit, alles war aufgehoben, in dem Moment, als ich dich das erste Mal erblickte. Du warst ein Wunder! Deine zu gekniffenen Augen kneteten zwei friedlich ausschauende Falten in dein zerbrechliches, weiches Köpfchen, und deine japsenden Schreie weckten sofort den Mutterinstinkt in mir. Nun waren wir keine Einheit mehr, aber die unsichtbare Nabelschnur, die uns beide verband, konnte niemals gebrochen werden. Da war ich mir sicher. Meine Liebe zu dir überwand die Grenzen des Zorns und der Bitterkeit, die ich manchmal für dich empfand. Ich habe immer nur das Beste für dich gewollt, und hatte immer den Wunsch diese Welt mit meiner Liebe zu umarmen, und in ein himmlisches Paradies des vollkommenen Friedens für dich zu verwandeln, der diesen schmutzigen Boden heilig mache. Liebevoll habe ich dich auf meinem Schoss geschaukelt und dir zärtlich den Milchbart, um dein Schleckermäulein, gesäubert, wenn du dich mal wieder all zu hastig an meinem Busen ernährtest. 

Ich schickte dich in den Knabenchor der Kirche und ich war so stolz, dich in der ersten Reihe zu sehen mit deinen blonden Schillerlocken. Deine strahlenden, unschuldigen Augen machten jeden Ort für einen Augenblick zu einem besseren Ort, und dein engelsgleiches Lächeln entmachtete jedes Bröckelchen von Finsterkeit, das sich in das Herz von Menschen einbohre. Als du anfingst zu singen, stieg die Rührseligkeit weiter in mir hoch, und der Druck der emotionalen Erregung entlud sich in hingebungsvollen Tränen, weil deine Stimme von so kindlicher Naivität und Fröhlichkeit gefärbt war. Ich nahm dich in den Arm und spürte die Liebe, die ich nun anfassen konnte, und die nur löbliche, behagliche Wortlaute in Strömen aus mir herauskitzelte. 

Um so mehr betrübte es mich, als du eines Tages ein Bild für mich gezeichnet hast, bei dem ich nie begreifen konnte, das so etwas möglich sein konnte. Tote Menschen, aus deren Augen Blut strömte, umzingelt von abscheulichen, monströsen Gestalten mit hässlich grinsenden Fratzen. Ich dachte, du hättest die Bilder von älteren, flegelhaften Kindsköpfen bekommen, doch ich erwischte dich einmal dabei, wie du auf deinem Hocker vor dem Kindertisch gesessen hast, und konzentriert an etwas werkelst. Dann erhaschte ich dich, wie du deine Mundwinkel spitzbübisch formtest, was dein sonst so reizendes Lächeln entstellte. Deine Augen brannten wie ein schwarzes Feuer, als wurde dort brennende Kohle entladen, und deine Finger malten voller Ehrgeiz, grob und boshaft dicke Striche auf das reine, weiße Papier. Mein Herz setzte für eine Sekunde aus und ich kippte beinahe ohnmächtig nach hinten, als ich entdeckte, dass deine Seele  schon in diesem desaströsen Maße von böser Macht befleckt war. Wie konntest du nur fähig genug sein, solche blutigen Greueltaten gewissenlos zu zeichnen? Ich schrie dich an, endlich den Stift zur Seite zu legen, doch du lachtest nur mit einem fremden, teuflischen Krächzen. Das warst nicht du. Diese dünkelhaften, intelligenten Blicke passten nicht zu einem Kind und schon gar nicht zu dir! In dem Moment wusste ich nicht, wie ich handeln sollte, und schlug dich gedankenlos, weil ich wollte das es aufhört -das du zu dir kommst- ich wollte doch nur den bösen Geist, der sich in deinen schmächtigen, engelsgleichen Körper geschlichen hatte, herausprügeln. Du befandst dich in dem schmalen Spalt der Bewusstlosigkeit zwischen der guten und der bösen Welt, und ich wollte dich nur auf die richtige Seite ziehen. Es tat mir so weh, nach dem ich gesehen habe, wie rot ich dein Fleisch gehauen hatte, und du mir ins Gesicht gezischt hast, dass du mich hasst. Ich schämte mich, so eine furchtbare Mutter zu sein, und deine kalten, fauchenden Worte ruinierten meine empfindsame Seele. Niemand war dort, der mich unterstützte und mir sagte, was ich tun sollte, und es war mir so peinlich, Jemanden von den Problemen zu erzählen, da ich selbst nicht begreifen konnte, warum du so etwas getan hast? Du warfst Ratten, die sich um das Haus tummelten gnadenlos ins Feuer und ergötztest dich an ihrem schmerzvollen Keifen. Du schriebst kleinen Mädchen Hassbriefe, die mit Blut beschmiert und Spinnenbeinen beklebt waren. Du schlugst mit Fäusten auf mich ein, und bedrohtest jede Bekanntschaft, die ich gemacht hatte, mit einem Messer. In eiskalten, stumpfen Sätzen mit derbem Ausdruck, garantierste du, dass du ihnen „ein Messer in den Arsch schieben würdest, sobald sie Mom ficken“. Was hatte ich nur falsch gemacht? Ich wollte dir doch nur meine ganze Liebe schenken, weil du doch das einzige warst, was ich hatte, und mir so viel Freude bereitest. Wenn du friedlich schliefst, dann habe ich dir gerne zugeschaut und wollte gerne in deine Träume eintauchen, um sie dir am nächsten Tag zu erfüllen. Doch häufig erzähltest  du nur von Alpträumen, die dir keine Angst einjagten, mir aber um so mehr. Ich hatte das Gefühl, dich für immer verloren zu haben, und betete jeden Abend eine Stunde lang für die Rettung deiner Seele.

Ich habe dir das Leben geschenkt. Mit dem Tag deiner Geburt hauchte ich dir den Atem ein, der dein schwaches Herz zum Klopfen brachte. Doch jetzt bereue ich das. Du bist eine üble Laune der Natur gewesen und kein Gedanke Gottes. Welche Dämonen haben deine wunderschöne Seele gefressen? Wer hat meinen Engel verächtlich in der schwarzen Pfütze des Übels ertränkt und das Gute in ihm sterben lassen, damit die Boshaftigkeit in ihrer beißenden, donnernden Schrecklichkeit, dich völlig für das Schöne in der Welt erblinden ließ. Wer ist schuld? Wer ist an den Morden dieser Mädchen schuld? Ich - weil ich ein Monster in die Welt gesetzt habe, was der Teufel aus mir herausgespuckt hat? Es ist eine Schande die Mutter eines Mörders zu sein! Ich habe dir nicht das Leben geschenkt, damit du es anderen stiehlst. Menschen, die sich am Leben freuen.  Menschen mit Plänen, die denken alt zu werden, und viel erleben und sehen wollen. Menschen, die andere Menschen lieben, und sie nie verlassen wollen. Menschen, die jung und schön sind, und die Hässlichkeit einiger Geschöpfe niemals begreifen können, werden aus dem Leben gerissen. 

Jeden Tag lese ich in der Zeitung Zeilen wie „Mr. Proper wischt fleißig seine Blutspuren – Madeleine immer noch vermisst“ oder „Scheinbarer Saubermann unter uns fegt weiterhin seine Opfer zusammen“. Als kleiner Junge, wolltest du immer so stark sein wie Popeye. Jetzt bist du der andere Glatzkopf, der seine dreckige Arbeit steril und mit Vorsicht macht, und weil ein entronnenes Opfer deinen blanken Schädel erkannt hat. Mit Verachtung würde ich darauf spucken, und dir deine giftigen Putzmittel einflößen. So viel Hass staut sich in mir auf. Weißt du, was das Schlimme ist? Ich müsste dich wirklich so sehr hassen, wie ich es mir wünsche, und wie ich es andauernd ausspreche. Ich müsste dich eine Bestie nennen, und es so meinen. Ich müsste dich mit aller Gewalt mit den grausamsten Worten schlagen, sodass dir der pure Hass in dein eiskaltes Gesicht springt. Doch ich kann es nicht! Ich kann dich nicht hassen! Ich kann dich nicht hassen, obwohl es meine moralische Pflicht ist. Ich fühle mich so grausam, als würde ich dir das Messer reichen, damit du Leben zerstören kannst. Durch mein Schweigen lasse ich zu, das sich das Unheil verbreitet, und schwarze Rabenschwärme, um liebliche Tauben kreisen. Ich will schreien und gehört werden, doch ich kann nicht, weil meine mütterliche Liebe zu stark ist, und die Bomben in mir, nur innendrin in meiner Seele explodieren, und mich langsam, aber effektiv töten. Der Alkohol betäubt zusätzlich, obwohl er zuerst heftig in meiner Kehle brennt, spüre ich danach nichts mehr, und der Schlaf lockt mich häufig in bessere Welten. Andere müssen dir deine Flügel abschneiden, mein Engel, in dem ein Teufel rumort. Die Menschen hassen dich, weil du der Mörder bist, der sie und ihre Kinder tötet, doch ich - ich liebe dich, weil du mein Sohn bist!

Liebe Grüße von Mutter


Die zirkulierende Ader des Himmels wurde durchschnitten und sein durchsichtig bis perlblaues Königsblut tropfte auf die altersschwachen Bäume herab. Die grauen Wolkenballen saugten düstere  Energie aus der biederen Landschaft, und selbst durch ihren vollen Blattschopf konnten die Bäume nicht, durch die tief eingekerbten Falten und Narben, ihre Vergänglichkeit kaschieren. Langsam verdichtete sich der Wolkenzug. Bis auf das leise Zirpen und dem Rascheln der umsichtigen Waldbewohner,  schwieg der Wald. Nur der kalte Wind pulsierte über den Laubkronen, ließ die zerbrechlichen Äste knacken, und lotste seine Opfer an dieselbe gefährliche Zufluchtsstelle.

An jenem Tag stapfte ein Mädchen zarten Alters durch den Schlamm. Ihre Schritte waren schnell und weichten den Pfützen aus. Die Regentropfen vereinten sich zu immer größeren Ameisenseen, die sie mit immer größeren Sprüngen umging. Sie trug einen weißen Mantel und von weitem sah es aus, als würde eine riesige Schneekugel im Slalom, um die Bäume rollen.

Weiße Wolken verstopften allmählich die Wunde des Himmels, sodass der brennende Regen nachließ. Vor einer Flussstelle legte sie erschöpft eine Pause ein und wrang ihr Kopftuch aus. Sie schmiegte ihren Kopf sanft in das nasse Gras und bettete sich gemütlich in den Kreislauf des Blühens und Vergehens ein. Ein Moment lang geschah nichts. Der satte Nebelschleier verteilte sich nur weiter in der ländlichen Idylle, und juckte in den Augen, wie ein stechendes Gift. Allmählich brach das Licht magisch in Regenbogenfarben durch die Baumkronen, und die Sonne wischte mit ihren Strahlen wie Scheibenwischer, um die verschwommene Sicht klarer zu machen, und vertrieb die Kälte. Der monotone Klang der Stille durchdrang den grünen Raum, und das Knistern der Äste schepperte wie ein heimliches Wispern zwischenzeitlich, als würde über eine brisante Angelegenheit getuschelt werden, die nicht laut ausgesprochen werden durfte. Der Wald war voller Geheimnisse. Man musste nur den Wurzeln folgen, um sie zu ergründen.

Das Mädchen mit den blondgelockten, langen Haaren schloss die Augen, und vergass für einen Moment zu atmen und zu denken. Der betörende Rosenduft umschmeichelte ihre Nase und sie genoss den Moment der Unwirklichkeit. Plötzlich hörte sie Schritte, in der Nähe eines Busches, und ein Mann mit einem undeutbarem Gesichtsausdruck kam auf sie zu, als hätte er nur die Absicht, sich neben ihr in das Gras zu setzen, und auf den Sonnenuntergang zu warten. Das Mädchen trat nicht verunsichert zurück, oder deutete sonstige Zeichen von Unbehaglichkeit auf, sondern verharrte in ihrer Position mit einer unnachahmlichen Gelassenheit, und rührte mit einem Zeh geruhsam im Wasser.

Der Mann machte es sich neben dem Mädchen bequem und starrte sie eine Zeitlang nur an, bis er sie mit neugieriger Erwartungshaltung fragte: „Ist dir meine Gegenwart nicht unangenehm?“

„Nein“, antwortete das Mädchen. „Sollte sie das denn sein?“

„Hast du denn keine Vermutung, wer ich sein könnte?“

„Wenn ich mich richtig entsinne, dann habe ich schon viel über Sie in der Zeitung gelesen. Sie glänzen wirklich mit Ihrem Mr.Proper-Image in der mysteriösen Pressewelt, und sind ein schönes Rate-und Rätselspiel für Hobbydetektive. Sie bringen die Stadt ganz schön in Aufruhr. Kein Mensch setzt seine Kinder mehr alleine zum Spielen vor die Tür, und zieht seine geschärften Blicke, wie ein Halsband um seine Schützlinge, um sie in Sicherheit zu wissen.“

„Du weißt also, wer ich bin, und trotzdem versetzt es dich nicht in Angst und Schrecken?“

„Das Gefühl der Freiheit ist für mich stärker, als der unterdrückende Terror der Angst, und diese kann ich nur hier in den Wäldern finden. Heute muss Ihr Glückstag sein. Ich denke, es passiert nicht sehr häufig, dass sich eine verwirrte Fliege in ihr Netz verfängt, sonst müssen Sie doch gewiss mühselig auf die Jagd gehen.“

„Das stimmt! Es ist sonderbar, dich hier zu treffen. Das erspart viel Planung und aufwendige Vorsichtsmaßnahmen sind nicht nötig. Wenn du weißt, was passieren wird, und du keine Angst vor dem Ungewissen hast, fürchtest du dann nicht den Schmerz?“

„Ich bettele darum Schmerz zu empfinden, wenn es die Freude nicht sein darf, denn diese emotionslose Maskerade, die sich irgendwann tief in mein Fleisch brannte, hat ein Stück Mensch und Herzlichkeit in mir getötet. Ohne Gefühle benehmen wir uns wie Tiere, die nur nach ihren Instinkten handeln, und nur wirtschaftlich danach trachten, was von Nutzen sein kann. Ein Mensch, der keine positive Aufmerksamkeit erhalten kann, strengt sich an, wenigstens Negative zu erhalten, und so ist es mit mir und dem Schmerz.“

„Das ist äußerst ungewöhnlich. Die meisten Menschen streben danach, Schmerz zu vermeiden.“

„Nicht immer. Jeden Abend gibt es unzählige von DVD-Abende, an denen sich Jugendliche, die zu alt sind, um sich amüsante Schauergeschichten von ihren Großeltern vorlesen zu lassen, in ihren Zimmern verbarrikadieren, um sich irgendeinen unheimlichen Horrorstreifen hineinzuziehen, nur um das Thrill-Gefühl – den ungeheuerlichen Schauer zu erleben . Oder führen Sie sich die masochistischen Geschöpfe vor Augen, die tatsächlich gerne in den verderblichen, scharfen Genuss von Chillischoten kommen wollen, da es so schön schmerzhaft auf der Zunge brutzelt. Die Geschmacksknospen im Nuacentheater  flüchten dann in den Kulissenschlund, damit das Feuerspektakel Freilauf hat. Führen Sie sich die jämmerlichen Typen vor Augen, die in den  Diskotheken die hübschesten Damen angraben, die Klassen über ihnen stehen, nur um sich einen Korb, und mit Pech noch einen Volltreffer zwischen den beiden Basketbällen unter der Gürtellinie, einzufangen. Nicht jeder vermeidet Schmerz.  Einige suchen geradewegs nach diesen Schmerz-Bonbons.“

„Mir wurde damals gesagt, ich solle die Augen zu machen, sobald ich etwas Schmerzvolles sehe oder fühle, und an etwas Schönes denken. Dann würde alles gut werden.“

„Und haben Sie immer brav die Hände vor das Gesicht gehalten, wenn es mal böse zur Sache ging?“

Schweigen.

„Darf ich dir einen Zopf flechten?“

„Wollen Sie mir Avancen machen oder was bezwecken Sie damit?“

„Ich flechte meinen Mädchen immer einen Zopf und du hast wunderschöne Haare. Sie lodern im Wind wie ein weißes Feuer. Ich würde sie so gerne anfassen.“

„Meine Haare brennen auch nicht, wenn Sie sie berühren werden, sondern sie sind weich und flauschig wie ein samtiger Katzenpelz.“

,,Komm her, Rapunzel, und lasse dein Haar herunter.“

„Na schön, wenn das zu Ihrer Masche dazugehört. Wann genau hatten Sie vor, mich zu töten?“

„Der Moment muss einfach der Richtige sein.“

„Und jetzt ist es noch zu früh. Ich habe Sie wohl noch nicht genügend in Stimmung gebracht, damit Sie ihrem mörderischen Verlangen nachgehen können.“

„Es ist noch nicht soweit!“

„Werden Sie den Zopf behalten?“

„Ja, ich sammele die Zöpfe, so habe ich immer einen Überblick über meine Mädchen, die sich nun im Himmelreich scharen wie süße Schäfchen.“

„Haben Sie einen Zopf in meiner Haarfarbe?“

„Lasse mich nachdenken… Nein, durch so ein helles Platinblond durften meine Finger noch nie behutsam fahren, Schneeweißchen. Ich habe pechschwarz, kastanienbraun, rotblond, dunkelbraun mit Lilastich, Kinderschokolade.“

„Kinderschokolade?“

„Ich muss sagen, das war eine sehr bizarre Frisur. Unter der Haaroberfläche, verbarg sich milchblondes Haar, und darüber war ein schokoladiger Braunton gegossen, weshalb mich dieser Farbton an Kinderschokolade erinnerte. Wirklich exotisch. Ach, mein blondes Schneewittchen, aber deine Haare sind besonders entzückend. Bei dir tut es mir sogar leid, es tun zu müssen. Diese wunderschönen Haare werden nie wieder nach wachsen können.“

 „Sie müssen es nicht tun. Sie haben eine Wahl und ich würde sogar schweigen wie ein Grab, wenn Sie mich nicht umbringen. Ich kann nur aufrichtig behaupten, dass sie mir viel mehr Leidtun als ich Ihnen. Jedes Mal, wenn sie einen Menschen töten, stirbt auch ein Teil in Ihnen. Sie entfremden sich immer mehr von Ihrem ursprünglichen Naturell, und mutieren immer mehr zu dem gefürchteten Monster, das Ihnen eine Sondermachtstellung gibt. Sie bilden sich ein, überlegen zu sein, und sind stolz gegenüber den Normalsterblichen Ihre verletzliche und dunkle Haut, mit weißem Puder  überstreuen zu können. Vielleicht schaffen Sie es sogar, sie in ihrer weißen Maske zu blenden, aber sind Sie nicht mehr als ein trauriger Clown. Ein Clown, der sich dazu berufen fühlt, den Zirkus mitzumachen. Sie lachen mit und fratzeln sich durch die Gesellschaft. Doch mit dem Spaß, den Sie machen, müssen andere mehr bezahlen, als nur mit einem Lächeln – nämlich mit dem Tod. In der Gesellschaft sind Sie nur eine unscheinbare Kasperlpuppe , die von anderen gespielt wird, aber dagegen rebellieren möchte, in dem Sie den Hass auf die Kinder projizieren, die Ihnen zu schauen, und die Sie fressen wollen, weil sie Sie nicht ernst nehmen können. Nur geschieht Ihre Rache hinter dem Vorhang, auf der Bühne wird nur das offensichtliche Krokodil attackiert. Die Unschuldigsten und Wehrlosesten müssen das Leid tragen.“

„Höre auf dir einzubilden, dass du mich kennst.“

„Sie sind für mich kein Geheimnis, das mit sieben Siegeln verschlossen ist, sondern ein offenes Buch, in dem ich einen interessanten Psychothriller lese. Jedes Zucken Ihres Augenlides, jedes Zittern Ihres Fingers und jede noch so subtile Verengung oder Vergrößerung Ihrer Pupille, verrät mehr über Sie, als Sie sich vorstellen können, und so sehr Sie sich auch bemühen, es zu kontrollieren, Ihre wahren Gedanken können nicht gesteuert werden, sondern sind Teil Ihrer Persönlichkeit, und somit auch Ihres Körpers.“

„Oh, da spricht wohl die Hobbypsychologin. Mal sehen, ob du noch so eine große Klappe haben wirst, wenn es ernst für dich wird.“

„Glauben Sie mir, Sie werden keine Freude daran haben, wenn Sie sich wie ein Killergepard oder Gorilla im Äffchenformat auf mich stürzen. Ich werde weder schreien noch um Gnade flehen. Meine Hände und mein Körper werden in Todesstarre verharren. Vollkommen emotionslos werde ich ihnen meine schwächsten Stellen offenbaren und mein Körper wird so leblos daliegen, als hätte mein Geist ihn schon verlassen, wenn Sie gerade erst anfangen meinen Hals mit ihren groben Händen zu umarmen, als würden sie wollen, dass ich meine Seele herauskotze. Ich werde nicht mit den Armen flattern, als würde ich davon fliegen wollen. “

„Willst du nicht mit mir in die Berge ziehen und ein einsames Dasein führen, dann könnte ich dir das ersparen?“

„Versuchen Sie nicht gegen ihre Natur anzukämpfen, Äffchen mit zerfleischenden Zähnen. Sie werden nicht um die Versuchung herumkommen, mich zu töten. Sie werden es mir sicher nicht glauben, aber in mir schlummert auch ein böser Geist, wofür ich nur mit Gleichem bezahlen möchte. Ich kann es nicht rückgängig machen, so sehr ich es auch bereue. Haben Sie schon einmal einen Schmetterling getötet? Etwas das so gerne leben wollte, das kurz davor war, sich mit Leichtigkeit in die Lüfte zu erheben? Allein mit der Pracht seiner bunten Flügel versprühte es so viel Glanz. Dann möchte es beschwingt und nichtsahnend, mit seinen bezaubernden Flügelschlägen, in den blauen Himmel empor steigen. Plötzlich zwang sich irgend etwas in Ihnen diese Harmonie und Natürlichkeit des Moments, mit nur einem unüberlegten Schlag zu zerstören.  Der Schmetterling zitterte nur noch ein paar Sekunden danach. Es versuchte mühsam, seine Flügel zu bewegen, und möchte endlich zur duftenden Blumenwiese flüchten, doch es funktioniert einfach nicht mehr. Allmählich wird es immer schwächer, da seine Kräfte schwinden, und der letzte Tropfen Lebenswillen herausgequetscht wird. Dann schlagen Sie noch einmal zu, weil Sie dieses Leiden nicht mehr ertragen können, und fühlen sich anschließend noch grauenvoller und elendiger, da Sie so herzlos und grob gewesen sind. Natürlich, Schmetterlinge sind nicht ganz Ihre Klasse, aber vielleicht verstehen Sie ja, was ich Ihnen mitteilen möchte.“

„Wegen einem Schmetterling würde man dich nicht einsperren, und man würde dich vielleicht als tierfeindlich und aggressiv bezeichnen, aber nichts desto trotz wäre es kein Grund dich tiefsinnig zu hassen.“

„Der Schmetterling ist nur ein Sinnbild und Sie verstehen nicht, worauf es ankommt. Es geht nicht darum, wen oder was Sie töten, sondern was es in Ihnen tötet. Was Sie dabei verlieren, wenn das Böse in Sie eindringt, und Besitz über Sie nimmt. Sie sind Jemand, der Sie nicht gerne sein wollen, und können nichts dagegen tun, und Sie hassen sich für ihre Natur, die ihre dunkelsten Launen an Ihnen auslebt. Das, was in Ihnen zerbröckelt, hat eine viel höhere Relevanz, als das, was wir objektiv wahrnehmen. Seitdem dieser Schmetterling nicht mehr fliegen kann, möchte ich nicht mehr leben, da ich diese Schuld nicht mehr ertrage. Wissen Sie warum ich keine Angst vor Ihnen habe? Ich sehe in Ihnen keinen Mörder, sondern den Bringer der Gerechtigkeit – einen Erlöser. Wenn Sie sich an mir vergehen, dann verunreinigen Sie mich nicht, sondern Sie reinigen meinen Geist. Sie retten meine Seele. Sie waschen mein Blut sauber und unschuldig.“

Sie trat näher an ihn heran und küsste ihn erst zaghaft, dann leidenschaftlich. Anschließend legte sie ihren weißen Mantel ab und zog sich aus, bis kein weißer Fetzen mehr ihre Haut verdeckte, und stieg in das kühle Wasser. Ihre bleiche Haut glänzte in der Sonne. Sie wirkte tatsächlich wie ein blondes Schneewittchen. Bevor sie unter Wasser tauchte, drehte sie sich noch einmal um, und flüsterte kaum hörbar, das es fast mit dem Heulen des Waldes unterging, und blinzelte dabei mit ihren süßen Augen: „Dieser Tag ist zum Sterben schön.“

Als er sie später, nach ihrem letzten Bad in der Natur, würgte, stierten ihn nicht Blicke der Panik oder der Angst an, sondern eher neckische Dornenaugen, die ihn auszulachen schienen. Obwohl er deutlich der Überlegenere war, kam sie ihm mächtiger vor, und sein Bedürfnis endlich ihr Leid zu merken, konnte nicht gestillt werden. Sie verlor ihre Würde nicht und war als Königin des Todes unbezwingbar. Diesmal spürte er es, wie ein Mädchen ein Stück Leben aus ihm heraussaugte. Er brach ab und wollte sie nicht mehr töten, doch es war zu spät, und ihre Augen erstarrten zu Eisklumpen. Neben ihr fühlte er sich nur, wie ein Dorftrottel, selbst als sie ohne Gewand tot im Schlamm lag. Er meinte sogar noch ein Lächeln zu erkennen, das zeigte, dass sie Frieden fand. In diesem Augenblick stieg ein Schmetterling empor, der kurzzeitig auf ihrer Nasenspitze geruht hatte. Diesmal weinte er und vergrub seinen Kopf in ihrem Schoss, wie ein kleiner Junge, der Schutz bei einer weisen Nymphe suchte. Ihr Gesicht flackerte komisch, und nahm kurzseitig die Konturen seiner Mutter, und dann wieder anderer toter Mädchen an. Der Wald schwieg und die Wolkenzüge verdrängten den klaren Himmel, der nicht Zeuge sein wollte. Später verbrannte er sie und warf ihre Asche und Knochenreste in ein stinkendes Moorloch.

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Samuel wachte auf. Es war alles nur ein Traum gewesen. Als er sich umdrehte, fand er nur schwarze bis brünette Zöpfe auf seiner Regalwand, doch der Platinblonde fehlte noch. Er wagte sich heute nach draußen, um Post zu holen, was er nur einmal wöchentlich tat, da er so wenig auffallen wollte, wie nur möglich. Die Nachbarn sollten nicht viel über ihn wissen, außer dass er ein zurückhaltender, höflicher Bursche war, der viel arbeitete. Die meisten Briefe waren nur vom Finanzamt oder Versicherungen, doch dazwischengeschoben, entdeckte er einen Brief seiner Mutter. Nachdem Lesen zerknüllte er das sorgsam gefaltete Briefpapier, und saß sich missmutig in seinen Sessel. Er dachte nach:


Hat meine Mutter recht, dass ein Teufel in mir wohnt? Bin ich nur ein Kind des Bösen, das von der schwarzen Magie verführt wurde? Es macht mich glücklich, andere sterben zu sehen. Ich kann dieses Verlangen nicht leugnen. Die Macht über Leben und Tod zu haben, ist für mich wie eine außergewöhnliche Gabe. Ich fühle mich besonders und tanke Stärke durch ihre Schwäche. Ihr Leid zu sehen, und dabei nichts zu fühlen, außer die Freude selbst zu leben. Wenn sie weinen, kann ich nur lachen. Das Lachen ist ein Aufrichtiges, und kein Falsches, Gekünsteltes, mit dem ich mich in die Gesellschaft integriere. Im Traum hatte ich nicht einmal Lust, sie zu vergewaltigen, da ich sie irgendwie mochte. Gewöhnlich mag ich es am liebsten, wenn sie noch leben, aber sich nach anfänglichen Abwehrversuchen ergeben, da sie  die Ausweglosigkeit erkennen. Ihre stummen Schreie und weinerlichen Blicke sind göttlich. Wenn ich erst mal in diesem Rausch gefangen bin, kann ich nicht aufhören, da die Freude immer mehr steigt, desto mehr Schmerz ich in ihnen lesen kann. Wenn ich mich vor Lust winde, winden sie sich vor Angst. Ich will ihre hässlichen Gesichter sehen, die durch die Qual verzerrt sind, und nicht das alberne Honigkuchenpferdgrinsen, dass diese Gören aufsetzen, wenn sie in den kuscheligen Armen ihres Freundes liegen und von  rosaroten Welten träumen. Ich liebe es die wahre, nackte Hässlichkeit aufzudecken. Die Gefühle, die sich hinter der Fassade des Glückes befinden. Es ist so herrlich zu sehen, wie sie nach ihrem Leben – so einem Schmutzfinken-  trachten, und darum betteln, obwohl es so wertlos, erbärmlich und widerlich ist. 

Die Menschen kann man alle über einen Kamm scheren. Sie sind alle so dumm und einfältig und können nicht ein paar Schritte vorausdenken und bilden sich ein, ich wäre freundlich, ohne den tieferen Zweck, der dahintersteckt zu begreifen. Als wäre ich nur auf Wohlgefallen und Liebe aus. Ich brauche ihre Liebe nicht! Ich will ihr Leid und ihr verderbliches Fleisch spüren und mich und meine Klingen hineinbohren. Ihre verdorbenen Seelen sollen endgültig verderben. Sie lernen nie aus ihren schlechten Erfahrungen. Immer wieder müssen sie auf die heiße Platte fassen, um zu merken, dass sie brennt. Sie vergessen so schnell und lächeln ihre Probleme weg. Hauptsache das Leben ist schön und macht Spaß. Sorgen kann man auf übermorgen verschieben. Mich kotzt diese Friede-Freude-Eier-Kuchen-Welt einfach nur an, da es nicht die Realität ist, sondern nur ihr selbstkreiertes Fantasieland. 

Jemand muss aufräumen und sie sollten sich glücklich schätzen, dass ich mich bereitwillig dazu erkläre. Es gibt zu viele von diesen oberflächlichen Nettigkeitsmaskenträgern, als wären wir jeden Tag auf einem Ball. Ebenso tanzen diese Spaßbegehrer durch den surrealen Saal und greifen nach immer neuen Schlafittchen, wollen köstlicher schlemmen und edlere Juwelen an sich ketten. Haha…wir feiern hier auch ein feines Fest, eine nette Opfergabe, mit einem leckeren Blutgemetzel und lassen sogar den Grusel-Spaß-Faktor nicht aus. 

Irgendwo auf dieser Welt stirbt Jemand, und irgendwo anders wird wieder ein kleiner Hosenscheißer geboren. Meine Mutter redet von Geschenk.  Werden diese Kinder gefragt, ob sie geboren werden wollen? Vielleicht wollen sie dieses beschissene Leben ja gar nicht. Wer will schon in einer Gosse aufwachsen oder als Psycho an sein Schicksal gebunden sein? Die Kirche möchte dann noch das Seelenheil retten. Mutter, bete nicht, um mich, alte, naive Frau. Nie wieder werde ich dort einen Schritt hineinwagen, und auf dem Beichtstuhl sitzen, um zur Hölle zur fahren, und dort ewig auf Erden zu schmoren. Mein Leben als toter Mann wurde dort geboren. 

Alle rufen meinen Namen und wollen mich am liebsten auf dem Scheiterhaufen verbrennen, doch sie sind die wahren Monster. Die Monster, die ihr Elend auf mich erbrochen haben, und meine Augen auskratzten, um Todeskugeln des Satans hineinzusetzen. Am liebsten würde ich durch die Straßen rennen und sie alle anbrüllen „Mörder“, „Mörder“ „Mörder“ und frech mit dem Finger auf sie zeigen. Jetzt soll ich ruhig sein? Oh, ich bin ruhig, aber wenn es Nacht wird, dann spreche ich mit Messern und Feuer. Die Verwüstung, die Abscheulichkeit und die Qualen sind mein dunkles Paradies, in das ich meine Opfer ziehe, um sie aus dem Nebeltal der Glückseligkeit aufzuwecken, und ihnen die wahre Welt zu zeigen. Sie sollen die Wahrheit kennen lernen. Es ist eine Erfüllung für mich und ich fühle eine Befreiung. Ein Zustand von Befriedigung, wenn ich einen neuen Zopf zu meiner Sammlung hinzufüge. Die Gewissheit zu haben, dass sie in der grässlichen Unterwelt, in der ich im Dreck wühle, gestorben sind, ist eine Augenweide in meiner Erinnerung. Leben wir nicht hauptsächlich für unsere Leidenschaften? Was, kann ich dafür, wenn es meine ist, zu töten?

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8 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Wundervolle Sätze für einen Text aus der Hölle :)


    Brillant.

    20.09.2012, 18:00 von Jackie_Grey
    • 1

      Vielen Dank :)

      22.09.2012, 10:53 von Sleepingbeauty1
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  • 0

    ... KURSIV!


    das ist ekelig und jetzt habe ich vom lesen Augenschmerzen.


    Nochmal tu ich mir das nich an, und einige andere potenzielle Leser schreckt das bestimmt auch ab

    11.09.2012, 15:29 von Jingeling89
    • 1

      Tut mir leid, das ist mir gar nicht aufgefallen, und ich stimme dir zu, das ist wirklich nicht leserfreundlich. Eigentlich wollte ich nur den Brief in kursiv, aber Neon konnte es leider nur einheitlich ausführen, jetzt habe ich das geändert ;)

      12.09.2012, 18:49 von Sleepingbeauty1
    • 0

      Jut. =)
      Jetz gibts auchn Herz

      12.09.2012, 20:23 von Jingeling89
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Das ist ein interessanter Text, ich hoffe aber, dass er reine Phantasie ist. Davon ausgehend, mag ich auch mal etwas Kritik übern.
    Zum Brief  / 1. Teil:
    Das kommt mir etwas merkwürdig vor … die Mutter sieht in dem Kind zunächst ausschließlich was sie sehen will, nämlich alles Gute, Reine und Unschuldige, bis sich herausstellt dass die Realität ganz anders aussieht.  Doch es gelingt ihr nicht, die Gründe zu erforschen und reagiert mit Gewalt,  Verheimlichen und Scham.
    Schuld ? Schwierige Frage. Vergangenheit ist Vergangenheit, aber was mir als Aussage zur Gegenwart nicht gefällt ist  „es ist eine Schande Mutter eines Mörders zu sein“.   Liegt die Priorität immer noch bei dem, was andere denken könnten ? Beim Verheimlichen, unter dem Teppich kehren, Probleme ignorieren und dem Versuch,  mit Alkohol alles zu vergessen ? Selbst jetzt noch, nachdem der Sohn im Knast sitzt ?

    Zum 2. Teil:
    Interessante Phantasie, ihn zu verstehen und sich zu opfern um ihn zu ändern (?) und dabei selber frei zu werden.
    Der 3. Teil sagt mir nicht zu, es ist für mich unverständliches Geschwurbel mit Pseudo-Rechtfertigung. Sorry für klare Worte meinerseits an dieser Stelle.


    10.09.2012, 10:36 von Cyro
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      Hallo Cyro,


      die Mutter soll die Figur darstellen, die sich in einer Zwickmühle befindet, weil sie seit der Geburt ihren Sohn stets idealisiert hat, und es ihr immer noch schwer fällt, die dunklen Facetten ihres Sohnes, anzuerkennen, und emotional zu verarbeiten. Sie empfindet eine sehr starke Liebe für ihn, die die Hassgefühle, die aufgrund seiner verwerflichen Taten entstanden sind, überwiegt. Andererseits fürchtet sie sich vor der Gesellschaft, da sie sich ebenfalls verantwortlich für die Morde fühlt, und denkt, dass sie ebenso verachtenswert ist, oder vielleicht sogar der Auslöser der Misere ist. Sie empfindet es als Last und Schande durch die Medienberichte von den Morden indirekt angeklagt zu werden, da diese Vorwürfe einen großen Druck auf sie ausüben, dem sie standhalten muss, um ihren Sohn zu schützen. Ihr Sohn ist nämlich noch nicht inhaftiert worden.

      Im zweiten Teil ging es hauptsächlich darum, den Mörder als schwach und eher kindlich darzustellen, um seine Empfindlichkeit zu offenbaren. Das Mädchen opfert sich bereitwillig und möchte für ihre Fehler einstehen, im Gegensatz zum Mörder, der die Vergehen, die an ihm verübt wurden, an Unschuldigen rächt. Sie steht für die Einsicht und das übertriebene Gewissen, welches dem Mörder fehlt.

      Der dritte Teil soll vom Aufbau eher konfus sein, da es das zerrüttete, zerbrochene Seelenleben des Täters verdeutlicht, der seine Ansichten für die Wahren hält, und überzeugt von der Richtigkeit seiner Taten ist. Der Leser soll sich bewusst durch das unverständliche Chaos und den provokanten Äußerungen distanzieren.

      10.09.2012, 18:09 von Sleepingbeauty1
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