Mrs.McH 17.11.2012, 15:21 Uhr 10 10

„Wenn ich mich mit einer Kriminellen einlasse, dann nur auf ganz hohem Niveau."

°4° Mrs.McPüüülcher schreibt schon wieder.

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„Sie wird per Haftbefehl gesucht?“ sein bester Freund sah ihn fassungslos an. „Internationaler Haftbefehl!“ erwiderte er matt. „Wenn ich mich schon mit einer Kriminellen einlasse, dann nur auf ganz hohem Niveau. Ist doch klar!“ ergänzte er trocken. Sie saßen zum Frühstück in irgendeinem Fastfood Restaurant und er war froh, nicht alleine sein zu müssen. Die Polizei hatte ihn die ganze restliche Nacht verhört und ist dann mit ihm in seine Wohnung gefahren, als es gerade hell wurde.

Sie hatten alle ihre Sachen mitgenommen und außerdem auch seinen Laptop beschlagnahmt. Er wusste nicht, ob das rechtens war und musste sich unbedingt einen Anwalt suchen. Doch er rief zunächst seinen Freund an und bat ihn, sich mit ihm zu treffen. Wie er geahnt hatte, war dieser gerade eben erst aus einem Club gestolpert und sah, wie er selbst, entsprechend katastrophal aus. Was er am frühen Morgen von der Polizei erfahren hatte, erschütterte sein Weltbild.

Sie soll vor sechs Jahren ihre Schwester, sowie ihre Nichte ermordet haben. Ihre DNA konnte am Tatort nachgewiesen werden. Sozusagen. Da keine Fingerabdrücke auf der Tatwaffe gefunden wurden, konnte man sie dennoch nicht überführen, denn sie waren eineiige Zwillinge mit nahezu identischer DNA. Da beide des Weiteren etwa zur gleichen Zeit jeweils ein Kind geboren hatten und per Kaiserschnitt entbunden worden waren, gab es hier ebenfalls keine weiteren körperlichen Merkmale, die Hinweise auf die Identitäten hätten geben können. Somit  wussten die Ermittler im Prinzip nicht, welche der beiden Schwestern ermordet worden und welche die Täterin war. Eigentlich hatten sie nur Indizien, dass sie am Tatort gewesen sein soll. Jedenfalls mussten sie letztendlich die noch lebende Schwester laufen lassen.

„Und was ist mit dem anderen Kind geworden, also ihrem?“ fragte ihn sein Freund. „Das soll gestorben sein. Plötzlicher Kindstod. Danach soll sie schwere Depressionen bekommen haben und völlig durchgedreht sein. Das war aber vor den Morden.“ erklärte er. „Verstehe…“ murmelte sein Freund. „Deshalb gehen sie davon aus, dass die Schwester, deren Kind gestorben war, die Mörderin der anderen ist? So aus Neidgründen oder was?“ „Scheinbar. Sie sind sich ihrer Annahme ziemlich sicher, haben wohl mit mehreren Profilern daran gearbeitet.“ „Finde ich ja etwas zu einfach gedacht. Warum auch das andere Kind töten? Aber was hat es nun mit diesem Haftbefehl auf sich?“

Er hatte erfahren, dass es DNA-Datenbanken gab und die aller europäischen Polizeibehörden, inzwischen miteinander vernetzt worden waren. Die DNA der Schwestern war dabei im Zusammenhang mit mehreren ungeklärten Mordfällen in verschiedenen Ländern aufgetaucht, was im weiteren Verlauf der Ermittlungen dazu führte, dass mehrere Auslieferungsanträge gegen sie vorlägen.

„Was sind das für Mordfälle?“ fragte sein Freund. „Das haben die mir natürlich nicht gesagt. Ich bekomme das auch alles noch nicht wirklich zusammen. Wieso haben die sie in der Psychoklinik gleich erkannt? Sie war also schon einmal dort, wahrscheinlich sogar mehr als einmal, obwohl sie doch eigentlich in einem völlig anderen Bundesland lebt. Mir hat sie erzählt, sie wäre das erste Mal in der Stadt.“

Er hatte Kopfschmerzen und verstand überhaupt nichts mehr. Er fühlte sich getäuscht und war schockiert darüber, sich plötzlich in den Ermittlungen mehrerer Mordfälle wieder zu finden. „Ist sie jetzt noch in der Klinik?“ unterbrach sein Freund seine Gedanken. „Ich denke ja. Ich durfte noch einmal kurz zu ihr, da stand ein Bulle vor ihrem Zimmer, das musst Du Dir mal vorstellen. Er hat genau beobachtet, was ich da wohl tue.“ „Hat sie irgendwas gesagt? „Nein, die müssen sie völlig weg geschossen haben. Ich habe sie nur angeschaut und… naja… halt ein bisschen ihre Hand gestreichelt. Es war mir unangenehm mit diesem Bullen in einem Raum.“

Er erinnerte sich an den Moment, als die Nachtschwester sie anscheinend erkannt hatte. In dem Augenblick war ihm natürlich nicht klar gewesen, was es mit dem überraschten Gesicht der Nachtschwester auf sich hatte. Erst jetzt im Rückblick verstand er. Und auch wieder nicht. Die Nachtschwester stutze kurz, als sie auf die Station kamen und nahm sich dann aber sofort ihrer an. Fast liebevoll strich sie ihr über die Wange und schüttelte dabei leicht ihren Kopf. „Ach, Kleines… Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns noch einmal wiedersehen würden. Warum kommst Du ausgerechnet hier her? Du weiß doch, was nun passieren wird.“ Dann musterte sie ihn von oben bis unten und sagte „Bitte gehen Sie in den Wartebereich, ich kümmere mich um sie.“ Er hatte angesetzt um zu fragen, was das alles zu bedeuten habe, doch da wandte sich die Nachtschwester bereits ab und führte sie von ihm weg. In dem Moment fing sie an zu wimmern und brach in den Armen der Krankenschwester zusammen. Er eilte zu ihr, doch scheinbar hatte die Krankenschwester bereits zuvor so eine Art Alarm ausgelöst, denn plötzlich waren sie umringt von drei oder vier weiteren Pflegekräften. Einer davon packte ihn kräftig am Arm und zog ihn von den beiden weg und schob ihn durch eine Tür. Er hörte noch, wie aus dem Gewimmer ein fürchterlicher Klagegesang wurde, der etwa zwei Minuten andauerte und dann schlagartig aufhörte. Er hatte gezittert und geschrien „Verdammt, was fällt Ihnen ein!“ als er feststellte, dass der Pfleger ihn eingesperrt hatte. Später hatte sich dieser bei ihm für diese Maßnahme entschuldigt, er hätte nur eine Eskalation vermeiden wollen.

„Alter Falter, das ist ja mal eine Story! Da triffst Du endlich mal so eine Hammerfrau und dann ist die total durchgeknallt!“ riss sein Freund ihn erneut aus den Gedanken. „Eine Mörderin! Sogar eine Kindermörderin. Das ist hart, echt hart...“ „Das wissen wir doch gar nicht!“ unterbrach er seinen Freund barsch. „Ich kann das alles gar nicht glauben! Du hast sie doch kennen gelernt, sie ein total liebenswürdiger Mensch! Und intelligent noch dazu!“ er schüttelte den Kopf und wunderte sich gleichzeitig darüber, dass er sie verteidigte. „Naja…“ antwortete ihm sein Freund zweifelnd. „Hast Du nicht erzählt, dass sie mit ihrem Schlüssel telefoniert hat?“  „Ja… sicher… Irgendetwas stimmt nicht mit ihr, aber…“ Er hatte plötzlich keine Lust mehr mit seinem Freund zu reden. „IRGENDWAS stimmt nicht mit ihr? Also ehrlich, mein Freund! Deine Süße wird sozusagen mit einem Welcome-Home-Schild begrüßt… IN DER PSYCHATRIE! In einer Stadt, in der sie angeblich nie zuvor gewesen ist!“

Später tat es ihm leid, dass er seinen Freund einfach so sitzen gelassen hatte, doch ihm war alles zu viel geworden. Er wollte nur noch nach Hause und sich schlafen legen. Dort angekommen kam er jedoch nicht zur Ruhe. Er hatte festgestellt, dass die Bullen ihren karierten Bademantel nicht mitgenommen hatten. Wahrscheinlich hatten sie sich nicht vorstellen können, dass er ihr gehörte. Er schämte sich ein bisschen, als er seine Nase in den Stoff steckte und den ihr eigenen Geruch tief einatmete. Er vermisste sie. Kurzentschlossen zog er sich den Bademantel über und tigerte rastlos durch die Wohnung.

Sie hat ein Kind. Hatte. Was ist mit dem Vater? Hatte sie einen Mann? Und was ist mit dem Mann ihrer Schwester? Dem Vater des ermordeten Mädchens? Er und sein Freund hatten überlegt, ob es nicht möglich war, anhand der DNA des getöteten Kindes Rückschlüsse zu ziehen, welche der beiden Zwillinge die Mutter gewesen ist. Nun fiel ihm auch wieder ein, was sie am Telefon gesagt hatte. Beziehungsweise was sie dachte in ein Telefon gesagt zu haben. "Daddy ist natürlich auch hier und es geht uns wunderbar!“ Wen meinte sie damit? Den Daddy ihrer Tochter? Oder ihren eigenen? Hatte sie in ihrer Verwirrung geglaubt, er sei Daddy? Außerdem hatte sie die Anruferin in ihrem Kopf als "Schwesterherz" begrüßt...

Ihm wurde klar, dass er dabei war zu versuchen, die Gedanken einer vielleicht Verrückten nachzuvollziehen. Wenn er damit nicht aufhören würde, würde er wahrscheinlich selbst gleich durchdrehen.

Er fing an aufzuräumen. Am Schluss haderte er mit sich, ob er das Gästebett abziehen sollte. Vielleicht spazierte sie gleich durch die Tür herein und würde ihn fürchterlich auslachen, wenn sie ihn in ihrem Bademantel ertappte. Unsinn!  Er war kein Tagträumer, das alles war wirklich passiert und im schlimmsten Fall hatte er sich in eine irre Mörderin… verliebt.

Verliebt! Er ärgerte sich über diesen Gedanken und nahm dabei die Decke vom Bett und schmiss sie wütend in eine Ecke des Zimmers. Dann riss er das Laken von der Matratze. Ihm stiegen Tränen in die Augen, als er sich das Kopfkissen vornehmen wollte und fand sich sogleich mit seiner Nase darin wieder. Als er dann endlich den Kissenbezug abzog, fiel ein fliederfarbener Briefumschlag heraus und auf den Boden. Er starrte ihn an und bückte sich langsam, um ihn aufzuheben. Tausend Fragen schossen ihm durch den Kopf. Dieser Umschlag weckte in ihm eine seltsame Hoffnung auf Antworten.

Er erkannte ihre hübsche, etwas mädchenhafte Handschrift. Sein Name stand darauf und darunter eine Notiz aus zwei Sätzen: „Bitte nur lesen, wenn mir etwas zugestoßen sein sollte. Ich danke Dir für die wunderschöne Zeit."

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Fortsetzung... folgt...

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10 Antworten

Kommentare

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  • 1

    ...well done!

    Hast du gerade nen äußerst kreativen Schub oder was oder wie? 1-4 = 2+ und setzen! ^^

    23.11.2012, 00:46 von derHalbstarke
    • 1

      Keine Ahnung, im Moment ist es gerade eher wieder schlecht, da ich an Nr.5 arbeite, aber leider "real-life-issues" meine Pläne durchkreuzen :-/
      Freut mich sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast und das Lob lässt den Tag gut anfangen! Danke Dir!!

      23.11.2012, 05:47 von Mrs.McH
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  • 1

    Hab's grad gelesen. Toll, kann ich nur sagen. Darfste stolz auf Dich sein. Der Text fließt und bleibt spannend. Klingt gekonnt u. ich finde, dass ist Mrs.McH und nicht Mrs. McPüüülcher.

    20.11.2012, 18:40 von Jackie_Grey
    • 1

      Grrr.... ja, ich weiß... Fr.Püüü... oder Piii... ist etwas abhanden gekommen, aber ich habe fest vor, sie nocheinmal in Erscheinung treten zu lassen ;-) Danke für Deine Lesezeit, das Feedback und nicht zuletzt für das Herz. Freut mich sääääährrr :)

      20.11.2012, 19:16 von Mrs.McH
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  • 1

    Wow *jauchz*
    Bei Geschichten dieser Länge behalte ich mir immer ein abschließendes Urteil vor, bis ich den Schluss gelesen habe. Aber dennoch kann man jetzt schon sagen: Du hast es drauf! Macht mir Spaß beim Lesen, ich bleib stetig am Ball und freue mich auf das, was noch kommen mag.

    19.11.2012, 15:42 von Bender018
    • 0

      Toll! Freut mich sehr!! Vielen lieben Dank!

      19.11.2012, 20:07 von Mrs.McH
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  • 1

    Dir gelingt es die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl die vorigen Teile eigentlich kaum zu überbieten waren, aus meiner Sicht.  Wobei der Grat zwischen „too much“ und „wird trivial“ ein schmaler ist. Doch mit Teil4 hast Du bewiesen, dass Du die Balance halten kannst.

    19.11.2012, 11:23 von Cyro
    • 0

      Danke für das Feedback, das ist mir echt wichtig und motiviert mich sehr! Merci!!

      19.11.2012, 20:07 von Mrs.McH
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  • 1

    Der etwas andere Kommentar.


    Einen Text kann man bewerten und über seinen Inhalt diskutieren. Viele Dinge habe ich hier in den letzten Monaten gelesen. Manchmal folgte eine zweite Version zu einem Gedanken, manchmal eine Neuauflage. Aber was ich hier von dir lese, das ist was ganz anderes. Zumindest habe ich ein „Buch“ hier noch nicht gefunden.


     


    Ich hatte mich entschlossen, nicht jedes Kapitel zu kommentieren. Doch diese Entscheidung ist wohl aus meiner Sicht nicht mehr richtig.


    Es geht nicht um die vielen Fragen, die jedes Kapitel in sich aufwirft. Sie werden in den nächsten Texten beantwortet. Es geht nicht um die Länge, die hier untypisch ist. Eine Analyse hierzu wird erst nach dem Schlusspunkt möglich sein.


    Aber lebt nicht jeder Schreiber von einer Resonanz, einer Zustimmung oder gar einem Einwand?


     


    An dieser Stelle ziehe ich einfach mal meinen Hut und danke dir als Leser für deiner Kreativität und freue mich auf viele weitere niedergeschriebene Gedanken/Kapitel.


     


    Ich hätte es auch in dein Gästebuch schreiben können. Vielleicht auch als Nachricht. Aber ich glaube genau hier ist es richtig und gut.

    19.11.2012, 09:47 von jetsam
    • 0

      Ich danke Dir sehr, das tut richtig gut! Vielen lieben Dank!

      19.11.2012, 20:05 von Mrs.McH
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