Was du an mir has(s)t
Kann die Blicke spüren, jeden einzelnen. Und am liebsten würde ich einfach verschwinden, mich in Luft auflösen.
Ich liebe mich. Ich liebe mich so, wie ich bin.
Mit all meinen Fehlern und Makel. Meistens.
Ok, manchmal.
An gewissen Tagen stelle ich mich in meinem Zimmer vor den großen Spiegel, den ich eigentlich nie wollte, der jetzt aber trotzdem da ist.
Es ist nicht so, dass ich eine Abneigung gegen ihn hätte, bloß das, was ich darin zu sehen bekomme, gefällt mir meist nicht.
Und ich weiß, dass ich mich an jenen Tagen davon fernhalten sollte, schaff es aber dann doch nicht. Nur ein Blick. Doch dann kann ich meine Augen nicht mehr abwenden, sie bleiben haften. Und obwohl ich mich aus einigen Meter Entfernung betrachte, ist es als wäre ich dem Ganzen zu nahe. Und dann habe ich das Gefühl, dass heute wohl kein guter Tag wird.
Ich öffne meinen Gewandschrank, räume alles heraus um besser suchen zu können. Halte etwas in den Händen, probiere es vielleicht kurz an – bloß um es dann gleich wieder im Schrank verschwinden zu lassen. In den Händen hat es eben noch so gut ausgesehen.
Ich kann es nicht erklären, aber oft brauche ich ein bestimmtes Kleidungsstück um mich wohl zu fühlen. Eine ganz bestimmte Hose, ein bestimmtes Shirt oder besondere Schuhe. Dann fühle ich mich zumindest sicherer. Und an anderen Tagen fühle ich mich in genau jenen nicht wohl – sondern brauche wieder etwas anderes.
Und wenn ich meine Entscheidung getroffen habe, bereue ich sie meist, sobald ich aus dem Haus bin.
Jeder Schritt fühlt sich falsch an, als wären es nicht meine Beine. Als würde man mir meine Unsicherheit ansehen – mit jedem Schritt.
Ich will nicht, dass sie mich anstarren – sie sollen mich einfach in Ruhe lassen.
Denkt euch was ihr wollt, aber schaut mich nicht so an.
Auch wenn ich meinen Blick noch so weit senke, ich merke es trotzdem. Kann die Blicke spüren, jeden einzelnen. Und am liebsten würde ich einfach verschwinden, mich in Luft auflösen.
Manchmal ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, lege mich ins Bett und weine, weil einfach alles zu viel ist. Ich weiß nicht, was ich denken und fühlen soll. Ich weiß nicht wie lange ich es aushalten kann. Denn alles was ich tue oder lasse, scheint falsch zu sein – und niemand sagt mir wie ich es richtig machen kann. Und all meine Tränen helfen auch nicht weiter.
Doch sobald sie um mich herum sind, bin ich nicht mehr ich. Dann befinde ich mich auf einer Bühne und sie sind mein Publikum. Und sie denken ich wäre selbstbewusst, dabei kann ich es bloß gut vorspielen. Und sie merken nichts. Doch das ist alles nur Fassade.
Abends, im Dunkeln, stelle ich mich manchmal ganz nah zum Spiegel, den Blick gesenkt.
Versuche ehrlich zu mir selbst zu sein, weiß aber nicht, ob ich mir selbst glauben kann, mir selber vertrauen darf – kann mir nicht einmal in die Augen sehen. Und wenn ich es dann doch tue, füllen sie sich mit Tränen.
Ich kann nicht einschlafen, liege zusammengekauert im Bett. Beobachte durch das Fenster den Mond und versuche meine Gedanken zu ordnen, doch es klappt nicht.
Ich versuche einfach alles zu verdrängen und zu vergessen.
Ich weiß, dass ich was besonderes bin. Zumindest manchmal.
Doch oft muss man mich daran erinnern.



Kommentare
don't be scared just walk on through!
23.09.2009, 10:07 von 3mal_Schwarzer_KaterKönnte von mir sein. Einfach menschlich und echt.
23.03.2008, 19:18 von deinfreundundhelfer...ich kenne diese Tage, Wochen...diese Zeit in denen dein größter Feind der Spiegel ist. Der Spiegel und alle Anderen die dich ansehen, obwohl sie keinen Grund dazu haben...
11.03.2008, 22:06 von ninchen-lu....bis mich meine Freunde einfach umarmen, ohne zu wissen wie ich mich im moment fühle, ich wundere mich immer wieder- sie lassen es einfach verschwinden...
Solche Tage sind bei mir nicht selten. Distanz zum eigenen Leben ist es in dem Fall bei mir, nur habe ich irgendwie den Weg zurück aus den Augen verloren, auf welchem vor dem Spiegel stehend sagen könnte ''Ja, das bin ICH''.
09.03.2008, 20:56 von AlbensternAber wie man so schön sagt...''Das sind lediglich Phasen, die gehen vorbei.'' (na..wer noch dran glaubt: Viel Glück.)
klasse text du sprichst vielen aus der Seele!!!
18.02.2008, 10:17 von AnniMausies ist schwer sich selbst zu vertrauen- wirklich schwer aber das muss man lernen!
lg anni
aus meiner seele gesprochen..
08.02.2008, 11:02 von unicorna