tanzdrauf7 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 14

Vom Leben gelernt.

was ich persönlich vom Leben gelernt habe.

Ich bin seit 18 ½ Jahren Single. Ich hatte noch nie einen richtigen Freund.
Aber ich hatte Sex. Mein erstes Mal hatte ich mit einem- bis dato- guten Freund, in den ich mich verliebt hab. Dadurch ist alles kaputt gegangen. Ich habe nicht nur meine Jungfräulichkeit sondern auch einen guten Freund verloren. Und nur eine der beiden Sachen vermisse ich bitterlich.
Ich habe gelernt: Sex zerstört Freundschaften.

Seit mein Großvater 2004, genau eine Woche vor meinem 13. Geburtstag, gestorben ist, habe ich ein gestörtes Verhältnis zu dem Thema Tod & Beerdigung. Seitdem war ich auf keiner Beerdigung mehr. Ich weiß nicht, warum. Zu der Beerdigung meines Großvaters bin ich nicht nicht gegangen, weil ich ihn nicht genug geliebt habe. Ich hatte angst davor. Angst, vor anderen so zusammenzubrechen, wie ich zusammenbrach als ich von seinem Tod hörte. Ich weine nicht gerne vor anderen.
Ich habe gelernt: Der Tod gehört zum Leben dazu und ist unumgänglich.

Ich hatte etwa 2 Jahre eine Essstörung. Wie genau man sie nennen würde, weiß ich nicht. Ich hab weniger als 600 Kalorien am Tag gegessen, Fressattacken gehabt, gefastet, gekotzt, fanatisch Sport getrieben, abgenommen, zugenommen, 6 Monate keine Menstruation und Haarausfall gehabt. Niemand hat auch nur irgendetwas mitbekommen. Ich wurde introvertierter, launischer, misstrauischer, unglücklich und depressiv. Auch jetzt bin ich noch nicht ganz frei von essgestörtem Denken, habe oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich Schokolade esse, vergleiche Kalorienangaben auf Lebensmitteln und kaufe natürlich das „gesündere“.
Ich habe gelernt: Dünn sein macht nicht glücklich.

In der 7. Klasse wurde ich von drei Jungs aus meinem Jahrgang im Schwimmbad sexuell belästigt. Nicht vergewaltigt, vielmehr rabiat an Stellen berührt, an denen man mit 12 Jahren noch nicht berührt werden möchte. Seitdem habe ich Komplexe und Berührungsängste. Umarmungen sind für mich eine Qual, Händchenhalten ist wie widerwilliges Festhalten und wenn ein Fuß- selbst wenn er zu jemandem gehört, den ich liebe- meinen Fuß berührt, zucke ich unwillkürlich zurück.
Ich habe gelernt: Selbst Kinder, die einfach nicht nachdenken, können einen Menschen ein lebenslang prägen.

Ich war bisher in zwei Kerle verliebt, unglücklich, in einen von beiden mehrmals. Mein Herz wurde so oft gebrochen, dass es mich fasziniert, dass es noch schlagen kann. Ich habe Angst, mich ein weiteres mal zu verlieben. Wenn ich wieder einmal gemerkt habe, dass ich mich umsonst für jemanden einen spaltbreit geöffnet habe, um ihn in mein Leben zu lassen, verfiel ich jedesmal in depressive Zustände, in denen ich nicht aß, schlief oder überhaupt irgendwas machte. Mit einem der beiden bin ich mittlerweile sehr gut befreundet, den anderen… siehe Punkt 1.
Ich habe vom Leben gelernt: Mit Liebeskummer muss man allein fertig werden. Er ist schlimm, zieht sich teilweise wie Kaugummi und man hat das Gefühl, man wird ihn nicht überleben. Tut man aber. Und es ist so schön, wenn er vorbei ist.

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5 Antworten

Kommentare

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    Irgendwie hasse ich ein paar Typen aus der Geschichte.

    12.12.2013, 01:49 von Plutarch
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    Mega Text! 

    17.04.2013, 10:21 von Umami
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    Sehr ehrlich und traurig- aber gut!

    27.11.2012, 17:43 von Tahina
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    Man kann sehr wohl an gebrochenem Herzen sterben.
    Manche finden das ja wahnsinnig romantisch.

    Und, dass Liebeskummer vorbeigeht ist nur die halbe Wahrheit. Wenn du die Akte nicht schließen kannst, aus welchen Gründen auch immer, dann hast du Geister. Und DIE sind ne Nummer härter unterwegs...

    Und ich hoffe, da sind professionelle Menschen um dich herum, die dich unterstützen. Therapeuten, whatever.




    20.10.2009, 19:55 von frl_smilla
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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