sharkai_elayd 04.12.2012, 16:40 Uhr 10 19

Verlust/Apfelduft

Wenn man nichts fühlen will, um sich selbst zu retten.

Nie wieder wollte ich diesen Schmerz im Inneren spüren, hatte ich mir geschworen. Immer der Kälte und dem tauben Gefühl dankbar sein, dass sich stattdessen in mir seit diesem Schwur an mich jedesmal ausbreitet. 


Natürlich ist es wiedergekommen. So ein Versprechen gibt man sich nicht wenn man noch so jung ist und so viel noch vor einem steht.

Ist es nicht so, dass man nach jeder erneuten Enttäuschung, jeder neuen Verletzung ein bisschen stumpfer wird? Will ich es dramatisch ausdrücken, beschreibe ich Asche die in meiner Seele vom Himmel regnet, Nebel und in meinem Herzen eine Schneelandschaft. Alles was wehtut unter Eis begraben und bestrahlt von Sonne, und mir geht es gut.

In mir war auch alles leer und kalt, als mir klar wurde, dass die Momente, die ich für besonders gehalten habe, für dich keine waren. In mir war auch alles taub und stumpf, als mir klar wurde, wie viel Zeit meines Lebens ich in etwas investiert habe, dass nie viel Energie wert war. Es war noch nicht mal weniger gefühlslos in mir, als ich erfahren habe, dass mit ihr plötzlich all das Möglich war, was bei mir solange nicht ging. 

Aber als ich dann an der Kasse stand, um meiner Schwester eins von diesen pappsüßen Weihnachtstörtchen mitzubringen, die sie immer immer isst, und ich plötzlich kein Gebäck oder heißen Kaffee mehr rieche, sondern nur diesen intensiven Apfelduft, da ist etwas in mir aufgebrochen, ganz tief in mir drin. Ihr Haar zu riechen, als sie den Laden betrat, hat mir so schmerzhaft intensiv bewusst gemacht, was ich nie für ihn sein durfte, dass plötzlich die schützende Kälte gewichen ist und mir mit Feuer lodernd alles versengt hat. 

Sie stand neben mir, direkt neben mir und hat sich freundlich mit der Verkäuferin unterhalten, ihr blondes Haar schimmerte mir entgegen und ihr Apfelduft bereitete mir fast körperliche Schmerzen. Sie war so ein Mädchen, wie ich es nie sein würde. Und so stand ich da, verbrannte innerlich vor lauter Verlust, Schmerz, Erinnerung, die ich jetzt erst spürte, weil die Taubheit gewichen war, ausgelöst von Apfelduft. Da bin ich rausgetaumelt, mit dem Törtchen, war so dankbar, dass sie mich nicht kannte und atmete die frische Winterluft, in der Hoffnung sie würde auch in mich zurückkehren um ja nichts fühlen zu müssen. Oder um ihn, die tausend Fragen, die Lügen, den Kampf und unser ''Beinahe'' über so lange Zeit wieder zu vergessen.


Tags: Duft, Apfel, Schmerzen, Törtchen, Vergangenheit, Lange Nächte, lange Zeit
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10 Antworten

Kommentare

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    Ich mache grad genau das gleiche durch. Sie ist gar nicht besser als du oder so ein Scheiß. Du bist die süßeste Ritter-Sport-Schokolade in dem ganzen verdammten Süßigkeitenregal und er greift sich Schogetten...Demnach zu urteilen ist sein Geschmack einfach ein Anderer... So etwas muss ich mir selbst auch die ganze Zeit sagen. Es tut einfach weh. Ich wünsch dir alles Gute- bis der Schmerz weggeht. Und denk immer daran. Das wird er irgendwann :-)

    17.12.2012, 21:22 von FrauLiebestrunken
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  • 0

    wahr

    13.12.2012, 13:15 von Lina.Tanzend
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  • 1

    Der Text ist Klasse! Sehr traurig, und sich selbst in den Schatten stellend. Doch wer es schafft solche stumpfen Gefühle des Nichts-Fühlens in Worte fassen zu können- sollte an sich glauben. alles was die Protagonistin aufzählt von der anderen Person, ist nachahmbar (Haare, Shampoo etc.) Aber ein Gefühl für berührende Texte zu haben..das ist individuell.

    Meine Verarbeitung sieht da wohl anders aus :D Ich find die Neuen (solange ich noch Gefühle habe) grundsätzlich doof. Und neben dem blonden Haar, der Freundlichkeit und dem Apfelduft hätte ich meinen Fokus auf irgendetwas gelegt, was ich niemals sein WILL. ;) - meine Nachfolgerinnen hatten grundsätzlich zu dicke Hintern, Stroh im Kopf, zu kurze Haare, albern etc. (kindische Bockigkeit hat mir da sehr geholfen...muss ja keiner erfahren ;) Aber mal ehrlich..die Protagonistin hat sicherlich auch sehr sehr viele Vorzüge, denn sonst wäre sie nicht die Vorgängerin gewesen.

    06.12.2012, 16:09 von leila27
    • 0

      sie war nie die vorgängerin, das kränkt sie ja so. es gab eine zeit mit ihr vorher, aber nicht in einer 

      beziehung, weil es nie dazu kam .. ;)

      11.12.2012, 22:28 von sharkai_elayd
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  • 1

    Schöner Text, vor allem der vierte Teil hat mir gut gefallen. Das ganze liest sich leider wie Zukunftsmusik, irgendwann werd ich wohl auch ganz spontan in einem Supermarkt verbrennen :-/ - oder eben auch nicht :-)
    Danke für den Text.

    06.12.2012, 00:12 von Hegelsburgkoenig
    • 0

      wow... denn es ist auch mein zukunftsszenario. gut erkannt.

      11.12.2012, 22:26 von sharkai_elayd
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  • 0

    Ja.


    Und schön! Stumpf. Milchiges Glas, durch das man sieht, als wäre man schon ein Stück weiter von dem entfernt, was man früher noch gefühlt hat. Kann ich verstehen, oder nicht sehen, oder nicht mehr entdecken, oder einfach nicht mehr wollen.

    05.12.2012, 21:14 von marco_frohberger
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  • 0

    Toller Text. Ich kann es aus eigener Erfahrung sehr gut nachempfinden, was du über diesen "Nebel im Herzen" schreibst....

    Ein Ergebnis nach langer Zeit des Nebels im Herzen ist dasjenige, das keine Frau mehr besonders für einen ist... keine Exklusivität mehr hat, sprich, dass allein IHRE Anwesenheit das Herz mit Freude erfüllt. Vielmehr ziehen die Frauen an einem vorüber... ohne Regung, ohne Wirkunge, ohne Spuren zu hinterlassen.

    04.12.2012, 19:05 von SimplyFrogButNoCrown
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Ich mag den text!! vielleicht wird es dadurch verstärkt, dass ich mich in einer ähnlichen situation befinde... trotzdem ich mag ihn!! :)

    04.12.2012, 17:50 von LeraFairytale
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