Anne-Peter 29.05.2009, 00:41 Uhr 20 11

Thekenalltag

Wir sind die, die immer nett lächeln.....

Ich stehe lächelnd an der Fleischtheke, und habe mein Herz in der Hand.

Die Maschine läuft.
Egal, wie man sich fühlt, man funktioniert.
Der Kopf rennt, während man dem alltäglichen Trott nachhängt.

„Guten Morgen! Was darf’s sein?“

Weshalb geht es mir so schlecht?
Ist es der ewige Dämon, mein Vater, der alles andere ist, als eine Person zu der man aufsehen kann?
Eher eine gute Kopie von Homer Simpson...
Lässt mich an mein Lieblingszitat denken:
‚Bart, ich möchte jetzt, dass du mit dem Auto zur Tankstelle fährst und so tust, als würdest du die Luft auf den Reifen prüfen, aber in Wirklichkeit befüllst du dieses Netz mit Volleybällen, um sie über die Gefängnismauer zu werfen.’
Dieser arme, alte, einsame Mann, der keine echten Freunde hat und deshalb jeden Abend betrunken in meiner Küche sitzt, um über große Pläne zu sprechen.

„Kommt zu dem Hackfleisch noch etwas dazu?“

Sind es meine Zukunftsängste? In zwei Wochen Abschlussprüfung, keine Antwort auf meine Bewerbungen, der Chef, der mir sein wahres Gesicht zeigt.
Ich bin die Beste meines Jahrgangs, und darf als Einzige stempeln gehen.
Was wird mit meiner Wohnung, meinem Auto, meiner Freizeit?
Ich fühle mich bedeutungslos neben all den Versagern, die nur hoffen können ihre Prüfung zu bestehen.

„Haben sie sonst noch einen Wunsch?“

Ist es diese Arbeit an sich?
Ich musste heute schon dreimal auf der Toilette verschwinden, konnte die Tränen nicht zurückhalten.
Damit mich die Kunden nicht sehen.
Stand weinend vor dem Waschbecken.
Meine Kollegen haben mich gesehen.

Aber die Maschine funktioniert.
Keinem fällt auch nur im Traum ein, mich gehen zu lassen.
Ich will mir keinen Fleck auf meiner weißen Weste einhandeln.
Nicht so kurz vor der Prüfung.
Will nicht schon wieder in das höhnische, feiste Zwergengesicht meiner Ausbilderin blicken, während sie die Vermutung äußert, ich hätte ‚keinen Bock’.
Wie damals, als ich mit Fieber den Zucker auffüllte, oder mit eingeklemmten Nerv die Milch, oder mit Mittelohrentzündung an der Kasse saß, oder....

Eigentlich egal, es ist ja bald vorbei.

„Danke sehr! Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen!“

Die funktionieren ja auch.....

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20 Antworten

Kommentare

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    Hey! Mir hat dein Text gefallen. Die Athmosphäre ist gut vorstellbar und deine Ausbilderin ne dumme Kuh :-) Kopf hoch! Es kommt was viel besseres auf dich zu, ganz bestimmt!

    05.06.2009, 15:30 von Intelligenzbestie
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    Schoner Text!

    01.06.2009, 19:27 von bondi.beach
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    Guter Text. Kenne das nur zu gut...

    31.05.2009, 19:22 von Peter.Silie
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    Ich weiß nur zu gut, was du meinst... Ich jobbe als Kassierin und hatte erst gestern einen echt beschissenen Arbeitstag. Da war es aber eine Kundin, die den Tag wirklich gründlich versaut hat... Da kann es ja heute nur besser werden...
    Drück dir die Daumen! Ich hab erst vor ein paar Tagen von einer Studie gelesen, die besagt, dass krank durcharbeiten viel schlimmer ist, als mal einen Tag frei zu nehmen, weil dann u.U. was richtig heftiges ausbrechen kann und man dann erst recht lange lahmgelegt ist!
    Versuch, mit deinen Kollegen zu reden. Wenn die wissen, wie es dir geht, werden sie darauf eingehen können und dich besser einschätzen! Alles Liebe!

    30.05.2009, 13:11 von MagicEye
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    Sehr schöner Text. Klar, deutlich und sehr leicht nachvollziehbar.
    Tut mir aber echt Leid, dass du das durchmachen musst!

    Liebe Grüße

    30.05.2009, 11:11 von dark_gwen
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    ich habe auch Kaufmann im Einzelhandel gelernt und 7 Jahre in dem Beruf gearbeitet...
    Du kennst die Szene bestimmt wenn ein Kunde lächelnd zu dir sagt: "Sie sind ja immer so gut gelaunt und freundlich", und du ihm für diesen überflüssigen,wenn auch lieb gemeinten Kommentar einfach nur ins Gesicht boxen möchtest weil er einfach keine Vorstellung davon hat/haben möchte WARUM du so freundlich bist-
    Du wirst dafür bezahlt...
    Da interessiert es keinen wie es dir geht,ob du glücklich bist oder ob dein Partner regelmässig mit deinem Nachbarn ins Bett springt.
    Und lässt du dir davon was anmerken,sitzt du gleich beim Chef im Büro und darfst dir anhören das deine Leistungen nachlassen und du dich mehr Konzentrieren musst...
    Ich bin mal mit 41(!) grad fieber von der kühltheke gefallen.Schuld war nicht auskurierte Erkältung weil "gerade so viel zu tun ist"...
    Für das von mir gezeigte "Firmen-Interesse",trotz Krankheit zu Arbeiten,hat sich auch keiner bei mir bedankt...
    Ich mich übrigens wenige Wochen später auch nicht für das (wirklich) gute Arbeitszeugnis...
    In diesem Sinne:
    "Vielen Dank für das Lesen des Kommetares.Ich wünsche ihnen ein Schönes Wochenende!"

    29.05.2009, 20:20 von yeahiknow
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      @yeahiknow in jedem job muss man freundlich sein zu den kunden, patienten, kindern, tieren etc. das ist nun mal so. und dafür wird man dann eben auch bezahlt. das ist das leben

      31.05.2009, 00:02 von Glen
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    ich finde deinen Text leider zu seicht..

    29.05.2009, 18:58 von Mouton86
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    das nennt man professionalität.

    was geht es den kunden an, wenns dir scheiße geht?
    kann der kunde was dafür, dass es dir scheiße geht?
    würde es etwas ändern, wenn du dich gehen lassen würdest?

    nein zu allen drei fragen.

    daher machst du das vollkommen richtig.
    durchhalten.

    29.05.2009, 18:44 von RedSonja
    • 0

      @RedSonja oh.
      "geht es den kunden was an..."

      sorry.

      29.05.2009, 18:46 von RedSonja
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