Taugenichts Schlüssel.
Hier stehe ich nun voller leerer Hände mit nichts und dennoch reicher als ohne alles.
Wie liebreizend du dich doch heute wieder gekleidet hast, du meine treue und ergebene Begleiterin. Du schwebst förmlich in deinem schimmernden Kleide, gehüllt in einen Hauch deiner olfaktorischen Unverkennbarkeit.
Ich bin von dir eingenommen.
Es gibt Tage, an denen sitze ich in der Kälte des Raumes und beobachte dich, wie du dich bewegst, wie der Stoff deines zarten Kleides sich mit jeder Bewegung an deinen Körper schmiegt.
Nie ließest du mich allein, standst immerzu an meiner Seite. Keinen Sturm musste ich ohne dich durchleben, keine Tiefe allein gelassen durchschreiten.
Lieb gewonnen habe ich dich im Verlauf der Zeit, wie sie dahin rann. Tagein. Tagaus.
Du bürstetest mir das Haar, kleidetest mich für den Tanz und du bettetest mich zur Nacht. Was hätte ich nur ohne dich gemacht, oft der Verzweiflung nahe. Du hieltest meine Hand, erteiltest mir Geleit und spendetest Trost. Du gabst mich nie auf.
Als ich springen wollte - in ein Ungewisses, hast du mich aufgefangen.
Als ich fliegen wollte - in ein Himmelblau, hast du mich am Boden gehalten.
Als ich lachte - voller Unbeschwertheit, hobst du den Index in Mahnung zur Vorsicht.
Was ich auch machte, nie hast du mich verlassen.
Vertraut halte ich deine Hand. Noch immer stehst du neben mir. Auf kleinstem Raum teile ich den Platz mit dir.
Unbemerkt deiner Aufmerksamkeit, steckte mir ein Taugenichts unlängst einen Schlüssel zu. Ich nahm ihn voller Neugierde und schließe die dunkle Holztür auf, der es mir oblag stets den Rücken zuzuwenden. Wärmendes Licht fällt beim Öffnen durch den ersten Spalt begleitet durch das zarte Odeur der Frühlingsblume. Unwissend schreite ich unerschrocken vorwärts.
Ein letzter Blick fällt auf dich in deinem faden Gewand, meine treue und ergebene Begleiterin. In diesem Licht schimmern deine Farben in einem anderen Ton. Ich erblicke dein Gesicht in Falten liegend und der letzte Rest deiner Präsenz gibt mir ein Gefühl des Unbehagens mit auf den Weg.
Der Samt, den du mir umhingst, wiegt plötzlich schwer auf meinen Schultern.
Der Griff, den du mich einst lehrtest, fasst befreit ins Nichts.
Der Blick, den du unablässig lenktest, richtet sich nun auf einen neuen Horizont.
Vielleicht falle ich über Stolpersteine und schlage mir die Knie blutig während ich in der Weite der Eventualität irre.
„Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Hals zu schaffen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)



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