DoctorGonzo 30.11.-0001, 00:00 Uhr 72 34

Szene eines verwitterten Lebens

In meiner Hosentasche ein altes Feuerzeug. Halte es mit zusammengekniffenen Augen gegen das Sonnenlicht. Fast leer. So wie ich.

Es ist früh am Morgen, als sie mich weckt. Viel zu früh, für meinen Geschmack. Die Sonne ist noch nicht mal aufgegangen. Ihre warmen, zarten Hände fahren über meine Arme, meine Schultern, meinen nackten Rücken.
Ich kann meine verquollenen Augen kaum öffnen und irgendwas in meinem Kopf hämmert unentwegt gegen meine Schädeldecke.
Ihre Hände gleiten meinen Rücken hinab, sie beugt sich über mich. Ich spüre ihren warmen Atem in meinem Nacken. Leise haucht sie mir ein "Guten Morgen" ins Ohr.
Die Luft im Zimmer ist warm und stickig, kalter Zigarettenrauch hängt in der Luft, gemischt mit dem Dunst von abgestandenem Bier. Wäre es nicht so verdammt früh und wäre ich nicht so verdammt müde, würde ich mich fast schon wohlfühlen.
Sanft massiert sie meine Schultern. Nicht unangenehm. Ganz und gar nicht.

Langsam beginnt mein Gehirn zu arbeiten und die Erinnerungen von letzter Nacht werden wach.
Ich bin spät abends in der Stadt angekommen, habe meinen Wagen vor dem erstbesten Motel abgestellt und das Zimmer im Voraus bezahlt.
Eine Nacht.
Länger nicht.
Habe mir erst gar nicht die Mühe gemacht, meine Tasche aus dem Kofferraum zu holen.
Direkt gegenüber vom Motel, auf der anderen Seite des staubigen Highways, war etwas, das wie eine Bar aussah - je nach Blickwinkel. Für einen Durchreisenden dürfte es wie eine Ruine wirken, für die Einwohner ist es die letzte Zuflucht und für mich war es die Garantie, den Abend nicht nüchtern verbringen zu müssen.
Ich betrat die Bruchbude.
Sie hatte den Charme einer umgekippten Mülltonne.
Ich fühlte mich sofort wohl.
Das Licht war gedämpft, leuchtete fahl durch die dicken Rauchschwaden, die wie in Zeitlupe durch den Raum waberten. Die Wände mit dunklem, fleckigen Eichenholz getäfelt, ein langer Tresen an der Wand, einige vereinzelte Tische im Raum verteilt.
Aus einem kleinen Radio drang ein alter Song von Hank Williams.

Während ich hier liege und meine Erinnerungen zu ordnen versuche, beginnt sie, meinen Nacken zu küssen. Und auch wenn mein Körper nach einer Zigarette und einem Schluck Fusel schreit (oder zumindest einem starken Kaffee), lasse ich es geschehen. Ich bin kein Morgenmensch, bin ich nie gewesen, aber Teufel noch eins, wenn dich eine Frau wie diese mit Küssen und Berührungen weckt, schalten sich all deine Gewohnheiten ab und übergeben die Kontrolle an deine Instinkte und Triebe.
Ich drehe mich auf den Rücken, sie schmiegt ihren Körper an den meinen.
Ihre Hände erforschen meinen gealterten, abgewrackten Körper.
Gedankenverloren, ja buchstäblich geistlos, erwidere ich ihre Berührungen.

Ich weiß nicht mehr, wann ich die Bar betreten hatte, aber ich muss etliche Stunden an meinem kleinen Tisch gesessen haben. Kleine Reklameschilder mit Neonbeleuchtung an den Wänden waren die einzigen Lichtquellen weit und breit.
Der Barmann saß auf einem Hocker hinter dem Tresen, die Zeitung von gestern vor sich. Habe ihn in all den Stunden nicht ein einziges Mal umblättern sehen.
Außer mir waren noch ein paar weitere verlorene Seelen anwesend, teilten mit mir diesen Ort der Stille.
Diesen Ort der Einsamkeit.
Diesen Ort der Verlassenen.
Keiner hat ein Wort gesprochen, soweit ich mich erinnern kann.
Die einzigen Geräusche waren das Rascheln von fast leeren Zigarettenschachteln, das Klicken von Feuerzeugen und das langsame Ausatmen von schweren Nikotindämpfen.
Die Nacht war verflucht heiß und die drückende Luft ließ mein Hemd am Rücken festkleben. Ich spürte, wie einzelne Schweißtropfen meine Wirbelsäule herabrollten.

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Erinnerungen ab hier verblassen oder ob ich mich nur einfach nicht mehr konzentrieren kann, unter all den Berührungen dieser wunderschönen Frau auf mir.
Alles, was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass sie in der vergangenen Nacht irgendwann aus dem Nichts aufgetaucht ist, mich mit ihren hübschen braunen Augen angesehen und dabei gelächelt hat. Im Radio lief der Song "Crimson and Clover", ein alter Schmachtfetzen von Joan Jett.
Auch weiß ich, dass wir kräftig gebechert haben. Ich noch kräftiger als sie.
Tequila in rauhen Mengen.
Das verraten mir meine bruchstückhafte Erinnerung und der brummende Schmerz in meinem Kopf.
Tequila.
Ein Getränk, das nicht gerade dafür bekannt ist, zu weisen und umsichtigen Entscheidungen zu verleiten. Schon gar nicht in Kombination mit der nächtlichen Resthitze der tagsüber unbarmherzig brennenden Wüstensonne.

Jetzt liegen wir hier in diesem Bett, unsere Körper ineinander verschlungen. Die rostigen Federn in der Matratze liefern das Echo zu unseren rhythmischen Bewegungen. Ich bin schweißgebadet, atme schwer, ziehe ihren weichen, zarten Körper mir entgegen. Ihre dunkle, gebräunte Haut erinnert an Karamell und ist sanft wie Seide.
Schmeckt jedenfalls mindestens genau so gut wie Karamell.

Ich bin nie ein sonderlich guter oder talentierter Liebhaber gewesen (manchmal wünschte ich, Frauen wären weniger direkt), aber ihrer Körpersprache nach zu urteilen, liefere ich gerade eine recht passable Show ab.
Und selbst wenn nicht - ich habe sie zu nichts gezwungen. Sie hat mich letzte Nacht in der Bar sitzen sehen, mit meinem schweißnassen, zerknitterten Hemd und meinem noch zerknitterteren Gesicht. Schlecht rasiert, ungeduscht, nachlässig gepflegte Haare.
Sie muss sich im Klaren darüber gewesen sein, dass ich meine besten Zeiten hinter mir habe und nicht in der körperlichen Verfassung bin, mich im Bett abzurackern wie ein Rammler auf Speed.

Ich komme zum Ende und sacke erschöpft in mich zusammen, Schweißperlen stehen mir auf der Stirn und rinnen langsam meine Schläfen hinab.
Sie rollt sich von mir herunter, greift nach einem Laken und bedeckt sich damit. Während sie aufsteht, sammelt sie ihre Klamotten vom Boden zusammen und schreitet in Richtung Bad.
Kurze Zeit später höre ich die Spülung vom Klo, dann den Wasserhahn. Bekleidet und mäßig erfrischt tritt sie aus dem Badezimmer, steht vor dem Bett und sieht mich erwartungsvoll an. Ich habe das, was sie jetzt will und sie hat es sich redlich verdient.
Ich lehne mich über die Bettkante, zerre meine Jeans zu mir heran, krame nach meiner Geldbörse.
200 Scheine.
Wie vereinbart.
Sie nimmt die Kohle wortlos und lächelnd entgegen, lässt sie in ihrer Hosentasche verschwinden, gibt mir einen letzten Kuss auf meine unrasierte Wange.
Aus ihrer Handtasche angelt sie eine Dose Red Bull. Teufel nochmal, wie kann sie dieses Zeug nur saufen? Ich hab mich ein einziges Mal daran versucht und zwei Tage lang die Rechnung dafür bezahlt. Man, die Brühe ist durch mich hindurchgeschossen wie sonst nur mexikanisches Leitungswasser.
Geräuschvoll lässt sie die Dose aufploppen.
Möchte wissen, wie sie diesen Scheiß nur verträgt. Ich meine, was ist an diesem Energy-Dreck so toll? Beschert dir nichts als die Scheißerei und 'n Herzkasper. Und dafür bezahlst du auch noch Geld.
Ein billiger Burger und 'ne Ehefrau, und du bekommst das Gleiche. Ohne dafür Geld hinlegen zu müssen. Es sei denn natürlich, der Scheidungsanwalt packt dich irgendwann bei den Eiern.
Ich werde nie verstehen, warum so viele Leute dieses Zeug saufen.
Ebensowenig wie ich verstehe, warum so viele Leute heiraten.
Nur die billigen Burger, die sind echt was Feines.

Sie nimmt einen tiefen Schluck aus der Dose, genießt ihn augenscheinlich. Ich blicke ihr nach, während sie das Zimmer verlässt.
Geräuschlos schließt sich die Tür hinter ihr.

Im Halbdunkel taste ich nach meinen Zigaretten.
Camel.
Ohne Filter.
Die Schachtel fast leer.
Mit zittrigen Fingern klemme ich mir die Kippe zwischen meine aufgeplatzten Lippen, lasse das Feuerzeug aufflammen und inhaliere ihn tief, diesen süßen Nebel des Verderbens. Mein Kopf schmerzt immer noch und ich nehme mir vor, die Finger vom Tequila zu lassen. Zumindest in nächster Zeit.
Behäbig wuchte ich meinen aufgedunsenen Körper aus dem Bett und schleppe mich hustend und leise fluchend ins Bad. Während ich mein Gesicht im Spiegel betrachte, pinkele ich ins Waschbecken. Ich muss an einen alten Song denken, den ich mal auf Vinyl besessen habe. Vor langer Zeit. In einem anderen Leben.

I don't need no make up
I got real scars
I got hair on my chest
I look good without a shirt

My friends think I'm ugly
but I got a masculine face


Ich sammele meine Klamotten zusammen, ziehe mich an und frage mich, was der neue Tag zu bieten hat. Überlege, wohin mich meine Karre wohl heute bringen wird.
Wenigstens der V8-Motor meines staubigen, rostigen 68er Chevy Impala hält zu mir. Ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Das traute Heim eines Heimatlosen.
Abgewetzte Ledersitze, scheppernde Ventile und meine kleine Privatbibliothek auf der Rückbank.
Zerfranste Taschenbücher, die ich mit meinen letzten Cents in einer muffigen Pfandleihe erstanden habe.
Schopenhauer, Dostojewski, ein Libretto einer Wagner-Oper und ein Gedichtband von Bukowski.
Scheiße, ich bin vielleicht unmoralisch, selbstzerstörerisch und erfolglos.
Aber nenn mich nicht unkultiviert.

Vielleicht mache ich mich heute auf in Richtung Küste. Bin schon lange nicht mehr am Meer gewesen. Ich liebe es, den Wellen zuzusehen, wie sie sich in ihrer unzähmbaren Kraft aufbäumen, alles mit sich reißen und schließlich am felsigen Ufer zerschellen.
Vielleicht statte ich meinem Buchmacher einen Besuch ab, der gleichzeitig mein Seelsorger, Apotheker, zukünftiger Nachlassverwalter und bester Kumpel ist.
Hoffentlich wird er sich eines Tages gut um meinen Chevy kümmern. Der Chevy ist zwar eng und wird nach ein paar Stunden Fahrt unbequem, aber er bietet immer einen wohlig abgeschotteten Ort der Zuflucht. Natürlich ist es ein Hard-Top und kein Cabrio.
Ich fand Cabriolets schon immer dämlich. Staub sammelt sich in den unmöglichsten Ecken, Vögel kacken dir alles voll und jeder verdammte Versuch, sich eine Kippe anzuzünden, ist von vornherein zu kläglichem Scheitern verurteilt.
Ich hatte mal 'n Kumpel, der ganz verliebt in seinen Mustang Convertible war. Nicht ganz so liebenswürdig war deren beider Ende: Weil das Feuerzeug im Fahrtwind nicht zünden wollte, hat er es mit der anderen Hand abzuschirmen versucht.
Bei 70 Meilen die Stunde.
Auf einem kurvigen Bergpass.
Als sie ihn fanden, hat er noch gelebt, das Feuerzeug fest umklammert.
Keine Ahnung, ob was Wahres dran ist, aber im Polizeibericht steht, seine letzten Worte waren: "Wo sind meine gottverfluchten Fluppen?"

Tja, schätze, die Leute haben recht.
Rauchen tötet.

Ich verlasse das Motelzimmer und wanke zu meinem Impala. Gerade als ich die Tür aufschließen will, brechen die ersten Sonnenstrahlen über die weit entfernte Gebirgskette.
Ich spüre diese wohlige Wärme auf meiner Haut.
Diese wohlige Wärme, die mir sonst nur der billige Bourbon gibt, den ich Nacht für Nacht mit meinen letzten Münzen bezahle.
Doch diese Wärme der Sonne... die kommt nicht von innen, sondern von außen. Ich blinzele der Sonne entgegen.
Und fühle mich plötzlich verdammt gut.
Der Kater verzieht sich schlagartig.
Ich steige in das Auto, im Fußraum finde ich die Reste eines Joints. In meiner Hosentasche ein altes Feuerzeug. Halte es mit zusammengekniffenen Augen gegen das Sonnenlicht.
Fast leer.
So wie ich.
Aber es gibt Hoffnung.
Es gibt immer Hoffnung.
Mit längjähriger Routine stecke ich mir den halb abgebrannten Joint zwischen die Lippen, krame meine alte, verbogene Sonnenbrille aus dem Handschuhfach. Meine linke Hand dreht am Zündrädchen des Feuerzeugs, meine rechte Hand dreht den Zündschlüssel. Der Motor röhrt auf, während ich den heiligen Rauch tief in meine Lungen presse.
Ich trete das Gaspedal durch, treibe meine staubige Karre mit durchdrehenden Reifen vom Parkplatz. Im Rückspiegel die große Staubwolke, die ich hinter mir her ziehe.
Dann sehe ich mich selbst.
Der Spiegel ist zwar trüb und dreckig, aber ich sehe es: Dieses Lächeln in meinen Mundwinkeln, das ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe.

Und ich fahre.

Immer der Sonne entgegen.

34

Diesen Text mochten auch

72 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Du erinnerst mich daran das ich mir die Rum Diaries immer noch einmal zulegen wollte. Wär mal was fürn' Sommer. Norddeutsche Sonne mag ein billiges Abziehbild ihrer heißblütigen mexikanischen Schwester sein, aber dem Kater des nächsten Morgens ist das Scheißegal.

    Nein,lassen wir diesen kleinen literarischen Schwanzvergleich.
    Ich fand ihn gut. Deinen Text, meine ich. Um ihn Klasse zu finden fehlt mir persönlich ein noch etwas konsequenterer Zynismus.
    Und dann fehlt da dieses leicht verdrehte. Das ist dreckig. Das ist Lasterhaft. Aber Gonzo? Beim mexikanischen Leitungswasser flackerte es kurz und hell auf.

    04.04.2014, 15:56 von Myselfandme
    • 0

      Dankesehr! :)

      Dass mein Text nicht in die Hall of Fame der abgedrehten Säuferpoesie aufgenommen wird, damit hab ich gerechnet. Umso mehr freue ich mich aber über jeden Zuspruch.
      Schließlich ist es erst der zweite Text, den ich überhaupt je veröffentlicht hab und auch die Zahl der unveröffentlichen (da nicht veröffentlichungswürdigen) Werke hält sich in engen Grenzen.
      Mal schauen, in welche Richtung ich mich entwickeln werde. :)

      04.04.2014, 17:36 von DoctorGonzo
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Deine Beschreibung der Bar zwingt mich zu einer tiefen Verbeugung. 

    Sehr gelungen =)

    04.04.2014, 14:24 von FinsterLicht
    • 0

      Herzlichen Dank für dieses Kompliment! :)

      04.04.2014, 17:27 von DoctorGonzo
    • 0

      Gern=)

      04.04.2014, 20:02 von FinsterLicht
    • Kommentar schreiben
  • 8

    Man, die Brühe ist durch mich hindurchgeschossen wie sonst nur mexikanisches Leitungswasser.

    ManN, verdammt. 

    und ja, es ist offensichtlich, in welche reihe du dich mit deiner schreibe stellen willst. geschmacklich eine gute wahl.

    leider zündet dein text für mich nicht. dafür habe ich einfach zuviel bukowski, djian, thompson, kerouac, kesey und so gelesen. gerade auf hunter spielste ja mit deinem usernamen an.

    du bedienst dich viel zu vieler klischees, was den plot angeht, anstatt dich auf einen ausgereifteren stil zu konzentrieren. aber auch der ist klischee, da klingt für mich kaum eigenes durch.

    für das waits-zitat gibts aber ein bienchen.

    immerhin kann man ja sagen, dass du, zumindest was musik und autoren angeht, einen guten geschmack hast.

    04.04.2014, 12:21 von YOLK
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      ja, ich dachte, ich mach den armen jung mal nicht nur nieder. er hat sich ja schon mühe gegeben.

      04.04.2014, 12:48 von YOLK
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      das freut den autor sicher und das ist ja auch okay. jeder nimmt halt anders wahr.


      ach, ich kann sie alle nur empfehlen, wirklich. und nein, das macht gar nichts. überhaupt nicht blamabel. es muss doch immer etwas geben, was man noch nicht kennt, dann kann man sich einfach auf neues freuen. ich kenne auch ganz viel noch nicht.

      04.04.2014, 13:08 von YOLK
    • 5



      du bedienst dich viel zu vieler klischees, was den plot angeht, anstatt dich auf einen ausgereifteren stil zu konzentrieren.

      Wenn du Bukowski, Thompson, Kerouac etc. gelesen hast, dann weißt du doch, dass sich gerade die Werke dieser Autoren daduch auszeichnen, dass Klischees - und mögen sie noch so kitschig sein - immer und immer wieder aufgegriffen werden. Billiger Whiskey, leichte Mädchen, abfälliger Humor, Kneipen, Absteigen, Dreckskarren. Beatniks.

       

      Daher kann ich den Einwand, dass dieser Text hier nichts Neues bzw. Eigenes ist, gut nachvollziehen, das Argument der Klischees aber nicht. Immerhin hat Gonzo sowohl den Stil sprachlich, als auch inhaltlich von Anfang bis Ende durchgezogen.

      04.04.2014, 13:34 von Freulein_Taktlos
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      @ fraeulein taktlos: ich kann dir nicht recht geben. es ist etwas anderes, über whiskey, leichte mädchen, saufereien und drogenexzsesse zu schreiben, wenn man dieses leben selbst führt. dann ist es das eigene leben und speist sich aus eigener erfahrung, dem eigenen erlebten. das hat dann weder etwas aufgesetztes, noch ist es klischee. der autor führt ganz offensichtlich kein solches leben, das merkt man jeder zeile an, auch wenn die bewunderung für ein solches mitschwingt. nein, ich bin nicht der auffassung, dass man als author nur aus eigenem erlebten schreiben muss und kann. wenn das talent da ist, kann man über alles schreiben, auch authentisch. dazu fehlt hier aber schlicht das talent.


      nun zum stil, den du für dieses genre anscheinend für ausreichend authentisch hältst. auch das ist er nicht. es sind sprachlich viel zu viele holpereien drin, kitschige formulierungen noch und nöcher, man erkennt das bemühen, das ja, aber es bleibt nicht mehr unterm strich übrige als das bemühte aber nicht gelungene. weder djian noch thompson noch der alte buk haben so geschrieben und schreiben so. sorry, aber so ist es.

      04.04.2014, 14:38 von YOLK
    • 4

      Achso. Und ich dachte schon, es handele sich hier um konstruktive Kritik und nicht um eine subjektive Meinung.

      04.04.2014, 14:47 von Freulein_Taktlos
    • 2

      hahahaha.


      du darfst den autor doch weiterhin gut finden? warum kannst du es nicht aushalten, dass es mir nicht so geht und wirst plump?

      ich habe konstruktiv kritik geübt, was ziemlich nachvollziehbar ist, wenn man sich nicht von subjektiven empfindungen leiten lässt und die dann mit einem durchgehen, freulein. 

      dass unserer beider kritik dem subjektiven empfinden entspricht, setze ich voraus. ich bin in der lage, diese genügend zu objektivieren um anderen zu verdeutlichen, was ich meine. du musst nicht meiner ansicht sein, aber persönlich muss es deshalb nun auch nicht werden.

      04.04.2014, 15:05 von YOLK
    • 1

      mimimi.

      04.04.2014, 15:11 von Freulein_Taktlos
    • 6

      Kann Yolk nur beiplfichten, ist halt wie bei anderen Retro-Geschichten, wie in der Musik oder Mode. Wenn sich etwas vor allem auf die Codes und das Framework bezieht, die andere vor vielen Jahren definiert haben, und die schon kulturhistorisch als eigener und möglicherweise besonderer Stil ne recht breite Anerkennung gefunden haben, dann ist so ein Werk wie oben eben auch nur eine Hommage oder weniger nett ausgedrückt Rycycling oder Wiederkäuen. Besser als die vielen Liebeskummertexte, aber insgesamt ne sehr konservative Sache, was ja grad dem Geist der zitierten Künstler widerstrebt, die mit ihren Sachen teilweise echtes Neuland betreten haben.

      Daher steh ich bei solchen Sachen auch immer zweispältig gegenüber, ich wünsch mir da mehr eigene Ideen. Zumindest ist es aber stilsicher geschrieben, was auch schon ein Lob verdient.

      04.04.2014, 15:17 von EliasRafael
    • 1

      :D 


      souverän. maumaumau.

      du bist noch nicht achtzehn, oder?

      04.04.2014, 15:21 von YOLK
    • 3

      @EliasRafael: Natürlich liegt auf der Hand, dass das hier weder eine neue Thematik, noch "echt" ist. Trotzdem finde ich, verkauft sich der Text gut. Kleinere Holprigkeiten kann ich da verzeihen. ... und beim zweiten Lesen, denke ich: würde C.B. oder Kerouac drunter stehen, hätte manch einer es einfach geschluckt ;)


      In jeglicher Kritik schwingt Subjektivität mit und ich komme sehr gut damit klar, wenn jemand anderer Meinung ist als ich. Nur einer Kritik, die folgende Sätze enthält "...das merkt man jeder Zeile an..." ,"...hier fehlt das Talent...", "nun zum stil, den DU für dieses genre ANSCHEINEND für ausreichend authentisch hältst...", "man erkennt das bemühen" stehe ich eher zwiegespalten gegenüber, da ich denke, dass dem Schreiberling mit Tips, es besser zu machen, mehr geholfen wäre.




      du bist noch nicht achtzehn, oder?
      -_- schnarch. Ist gut jetzt :)

      04.04.2014, 15:34 von Freulein_Taktlos
    • 4

      freulein, es hatte für mich nicht den anschein, als würdest du gut mit meiner kritik klarkommen. wenn das anders ist, in ordnung.


      ich habe das geschrieben, was ich meine. wenn jemand ernsthaft darum bemüht ist, eigenen stil zu entwickeln, dürfte er auch daraus was ziehen.

      ich sehe es nämlich nicht als meine aufgabe, das talent des autors mit tipps auszugraben. ich habe übrigens den anderen text vom doctor gelesen und der ist anders, nicht so bemüht und damit runder und besser. auch wenn ich trotzdem manchmal die augen gerollt habe, verfängt dieser doch mehr.

      wenn jemand schreiben will, muss er seine eigene stimme finden, da kann man sich vielleicht ein weilchen an andere anlehnen aber das alles sind nur krücken. manche finden nie ihre eigene stimme und manche halt dann doch. wäre dem autor zu wünschen, dass er das schafft, anlagen sind da, die erkenne ich aber eher in seiner anderen geschichte. wie gesagt: er muss sie finden. ich kann ihm nicht dabei helfen.


      mimimi
      dann benimm dich mal einfach nicht so, sondern rück gleich mit der sprache raus. kannste doch. :)

      04.04.2014, 15:53 von YOLK
    • 3

      Na dann möchte ich mich doch auch mal zu Wort melden.
      Zunächst freue
      ich mich über jede Rückmeldung, ganz gleich ob zustimmend oder eher
      ablehnend. Natürlich lese ich die zustimmenden Meinungen lieber, aber es
      gibt wohl keinen Menschen, dem das anders geht.

      Ebenso bin ich
      mir wohl bewusst, dass ich nicht der nächste Buk bin oder in absehbarer
      Zeit sein werde. Ist auch nicht unbedingt meine Absicht. Mein anderer
      hier veröffentlichter Text spricht ja auch eher eine andere Sprache als
      die des dirty old man.
      Da ich erst kürzlich begonnen habe,
      längere Texte zu verfassen und sie hier zu veröffentlichen, wird sich
      zeigen, wohin sich mein Stil und meine Inhalte bewegen werden.

      Dass
      ich jetzt diese Hommage (ich nenn es einfach mal so) an die Beatniks,
      an Buk und überhaupt an die gepflegte Literatur der Gosse geschrieben
      habe, hängt wohl in erster Linie damit zusammen, dass sich meine
      Bücherwahl in den letzten Wochen sehr auf dieses Genre beschränkt hat.

      Worauf
      ich eigentlich hinauswill: Ich bin kein alter, erfahrener
      Schriftsteller, der mit allen Wassern gewaschen ist -- und es hat seinen
      Grund, dass noch kein Verlag auf mich aufmerksam geworden.
      Ich schreibe, weil es mir großen Spaß macht. Es ist ein Hobby und ein mir sehr angenehmer Zeitvertreib.

      Es wird immer Menschen geben, die meinen Stil oder meine Themen nicht mögen, aber damit kann ich leben. Umso schöner ist es, konkretes Feedback (auch negativer Natur) zu erhalten. So weiß ich zumindest, woran sich derjenige/diejenige gestoßen hat.

      Nicht zuletzt seh ich die Sache aber so: Wenn hundert Menschen meine Geschichte doof finden, aber ein einzelner sie mag, dann hab ich schon gewonnen. Denn ich hab's damit geschafft, diesen einzelnen Menschen in irgendeiner Art zu berühren. Und das allein schon ist mir die schönste Form der Anerkennung. :)

      04.04.2014, 17:58 von DoctorGonzo
    • 3

      hier gibts ja leute, die gezielt für das (wie auch immer geartete) neon- PUBLIKUM schreiben. mit genau der absicht, möglichst viele herzen einzuheimsen.
      da sagt kein mensch - ja ach gottchen armer junge- du schreibst wie xy... leider nicht gelungen. der dingens schreibt VIEL besser.
      man wird immer jemanden finden, der besser als man selbst, oder der andere ist .

      die art der vergleiche finde ich unschön bis ungerecht.


      04.04.2014, 21:21 von yuhi
    • 0

      und diese texte strotzen nur so vor klischees....

      04.04.2014, 21:55 von yuhi
    • 2

      bin ich anderer meinung. hab ich aber schon erklärt, yuhi. 


      und die klischee-text-verfasser bekommen hier eigentlich unter jeden text eine variation von: maaaann, der hunderste-liebeskummer-rumheul-text in dem tränenströme und rote rosen vorkommen.

      @gonzo: ich mag deine reaktion. unangepisst und souverän. viel spaß beim weiterschreiben!

      04.04.2014, 22:06 von YOLK
    • 0

      ja, kann man ja sein, anderer meinung.

      die meine ich nicht mal unbedingt.

      zu gonzo stimme ich dir zu.

      04.04.2014, 22:08 von yuhi
    • 1

      okay, du meinst die der "gehoberen" schreibe, die aber auch nur ein klischeestück nach dem anderen produzieren, da die sich aber gewählter ausdrücken und mitglieder im klub sind, herzen sich alle gegenseitig und schreiben "gehobene" kommentare drunter?


      mir ist schon klar, dass man die echten talente hier an einer hand abzählen kann.

      04.04.2014, 22:16 von YOLK
    • 2

      so ist es. und da wird nicht so ein kommentargechütz aufgefahren, sondern solidarisch geherzt und darüber hinweggesehen.
      ich finde das ungerecht. und der text ist allemal besser als irgendwelcher (verzeihung) mädchenschnulz und diese ewige liebeskummersülze.

      04.04.2014, 22:22 von yuhi
    • 3

      ja, aber nicht von mir. entweder ich finde einen text gut oder nicht. das kann ich dann im einzelfall auch mal ausführlicher begründen.


      dass du das generell unfair findest, kann ich verstehen, mich nervt das auch. vor allem, weil dann diverse tanten sich als superautoren begreifen, die kurz davor stehen, den literaturnobelpreis abzugreifen und dann andere fertig machen, die aber nicht wesentlich schlechter sind als sie selbst.

      04.04.2014, 22:30 von YOLK
    • 1

      hmm ja, an dich erinnere mich jetzt nicht konkret, nur in diesem fall hier fand ich es etwas unfair.
      aber hatten wir ja grade. immerhin hast du wenigstens was geschrieben, wenngleich nicht ganz sachlich, aber nun gut. (wir einem ja auch gerne mal vorgeworfen- zu persönlich zu sein, das dürfen hier auch nicht alle, sondern nur ein spezieller zirkel. der die unsachlichkeit dann bei "mädchentexten" / unbekannten schreibern, auslebt, da ist es dann ok. )

      egal. ich denke wir beenden das nun. :)

      04.04.2014, 22:35 von yuhi
    • 1

      Jaja, die Verschwörungstheorien blühen auch auf Neon.

      04.04.2014, 23:42 von EliasRafael
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Aber es gibt Hoffnung.
    Es gibt immer Hoffnung.

    Schon bevor im Text steht, dass ein Bukowski-Gedichtband in der Karre des Protagonisten liegt, hatte ich im Kopf, dir hier drunter zu schreiben, dass mich der Text sehr an den "dirty old man" erinnert. Von daher hast du bei mir eh schon gewonnen. Kulisse und Erzähler finde ich stimmig. Ich mag deinen Humor.


    Mehr davon!

    04.04.2014, 12:20 von Freulein_Taktlos
    • 0

      Jetzt, wo ich nochmal drübergesehen hab: Die Überschrift geht besser.

      04.04.2014, 12:23 von Freulein_Taktlos
    • 1

      Ich verneige mich zum Dank!

      Und natürlich hätte es diese Geschichte ohne den dirty old man wohl nicht in dieser Form gegeben. Ich schätze, es ist sowas wie eine Hommage an ihn und auch an die Noir-Literatur.
      Wie gut mir diese Hommage gelungen ist, ist eine andere Sache. Dies zu beurteilen steht mir kaum zu und eine entsprechende Diskussion ist ja bereits aufgeflammt.

      Ich freu mich jedenfalls, dass ich doch so regen Zuspruch erhalte, vor allem von Bukowski-Kennern wie dir. :)

      04.04.2014, 17:25 von DoctorGonzo
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Ich musste deinen text vom ersten Wort an mit whiskeyrauchiger Stimme lesen und er erinnert mich stark an eine Mischung aus Sin City und dem guten alten Hank Moody. Da ich beide(s) sehr liebe, gefiel mir auch dein Text wahnsinnig gut.


    Schön gemacht!

    Und ja, vor allem darüber musste ich schmunzeln:
    Ich betrat die Bruchbude.
    Sie hatte den Charme einer umgekippten Mülltonne.
    Ich fühlte mich sofort wohl.

    04.04.2014, 10:29 von Drahtseilakt.
    • 0

      Vielen Dank für die netten Worte!

      Was rauchige Stimmen, Sin City (sowohl Comics als auch Film) und Hank Moody angeht, kann ich dir nur beipflichten: einfach großartig. :)

      04.04.2014, 17:18 von DoctorGonzo
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Das:

    Sie hatte den Charme einer umgekippten Mülltonne.
    Ich fühlte mich sofort wohl.


    fand ich klasse... und noch son paar Stellen.

    Ganz rund ist er für mich auch nicht, aber er erzeugt Bilder... manchmal recht widersprüchliche Bilder.... z.B. hatte ich eher nen ausgemerkelten Typen vor Augen und dann steht da was von "aufgedunsener Körper"

    200 Scheine für ne Nutte und den Boubon mit den letzten Münzen zahlen usw.

    Auch was Razim sagt... irgendwie passt die Kulisse nicht 100% zum Erzähler....

    Aber im großen und ganzen schöne, kurzweilige Geschichte.

    04.04.2014, 09:17 von Tanea
    • 1

      hihi. du hast ausgeMERKELt geschrieben.

      04.04.2014, 09:19 von RAZim
    • 2

      Hihi... beim tippen hab ich mich schon gefragt, wer als erster drauf anspringt ;)

      04.04.2014, 09:20 von Tanea
    • 0

      Tja, bin heute mal früh aufgestanden. ;)

       

      04.04.2014, 09:25 von RAZim
    • 0

      und schon hellwach :D

      04.04.2014, 09:28 von Tanea
    • 0

      Ich finde es passt zum Charakter des Protagonisten die letzten Scheine auszugeben und dann nur noch mit ein paar Münzen herumzulaufen.
      Die einzige mir im Nachhinein aufstoßende Diskrepanz ist die zwischen dem Alter des Autors und dem Textinhalt. Ich hatte beim Lesen eher den Verdacht eines Zweitprofils von ein paar aus meiner Sicht dafür in Frage kommenden älteren Usern hier, denn ich erinnere mich an zwei ähnliche Texte.
      Aber das mindert das Lesevergnügen keineswegs.


      04.04.2014, 09:44 von Cyro
    • 0

      Ich lese es so, wie wenn er jeden Abend mit den letzen Münzen Wiskey drinkt...

      zu deiner anderen Vermutung: ja, die hatte ich auch...

      04.04.2014, 09:59 von Tanea
    • 0

      Ich kann euch beruhigen, es handelt sich ganz sicher nicht um ein Zweitprofil. :)

      04.04.2014, 16:14 von DoctorGonzo
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Hm, Wuppertal ist halt einfach nicht Durango oder Albuquerque, egal wie viele Filme man guckt. Und genau das kaufe ich dem Erzähler nicht ab. Der Text ist nicht schlecht geschrieben, aber die ganze Machart liegt mir nicht.

    Teufel noch eins und gottverflucht - wenigstens wird am Ende gekifft.

    04.04.2014, 07:57 von RAZim
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Vielen Dank für die netten Worte und das Lob! :)

      Und was den Tequila angeht... er ist eben eine Spirituose mit ganz eigenem Charakter.
      Drauf verzichten möcht ich auch nicht, aber es bleibt ein Spiel mit dem Feuer. ;D

      04.04.2014, 07:48 von DoctorGonzo
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
Seite: 1 2 3

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare