stephanxy 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Sucht sucht Süchtigen

Es ist nicht das Erste Mal in meinem Leben, dass sich bei mir ein Suchtverhalten eingestellt hat.

Schon damals wusste ich, dass etwas nicht stimmt und ich dachte, es wäre nur die EINE Sucht, die ich in den Griff bekommen müsste. Hinter jeder Sucht wirken Ursachen, die bestehen bleiben, selbst wenn das EINE Suchtverhalten überwunden ist. Heute weiß ich, dass ich immer nur von einer Sucht in die nächste geschlittert bin. Es ist mir schmerzlich bewusst geworden, wie lange mir mein Suchtverhalten schon im Wege steht, wie lange ich mich von Suchtkrankheiten habe bestimmen lassen. Es ist mir bewusst geworden, was alles an meiner Sucht gescheitert ist, was meinem bisherigen Leben deswegen entgangen ist.

Der letztliche Anstoß kam durch sehr unangenehme und wiederkehrende Gefühle der Eifersucht und des Neides. Diese Gefühle können nur entstehen, wenn mensch zu heftig begehrt, zu abhängig wird - süchtig nach etwas ist. Eifersucht und Neid haben nichts mit Liebe zu tun, sondern sind Folgen übergroßer BeGIERde. Sobald die Verfügbarkeit des Objektes der Begierde durch irgendetwas bedroht erscheint, kommt es zu Neid und Eifersucht. Zu jeder Sucht gibt es die entsprechende EiferSucht. Oder besser gesagt: Zu jeder Sucht gibt es den entsprechenden SuchtEifer bestehend aus SuchtAngst und SuchtDruck bei der Beschaffung der Droge.

Wenn es schon ein Tabu in unserer Leistungsgesellschaft ist, Ängste zuzugeben, so ist es noch schwieriger sich und anderen gegenüber eine Suchtkrankheit einzugestehen. Ich verteufele meine Sucht nicht mehr, denn ich weiß, dass sie ihre Gründe hatte. Die Suchtkrankheit annehmen als anfänglichen Notbegleiter in einer Verlegenheitsphase seelischer Überlastung, die Sucht verstehen als etwas, was dann außer Kontrolle geraten ist, ein parasitäres Eigenleben entwickelt hat, welches das eigene Leben immer mehr überwuchert. Zu fühlen, dass es erst ohne Sucht noch so etwas geben kann, wie das eigene Leben mit all seinen unendlichen Möglichkeiten des Glücks, der Liebe und der Erfüllung. Zu erkennen, dass die Ursachen von einst schon längst nicht mehr so bedrohlich und unüberwindbar sind, wie sie es damals vielleicht noch waren. Zu begreifen, dass es keinen Grund mehr gibt, sich der Sucht einfach so zu ergeben, die Suchtschäden einfach so hinzunehmen und somit das eigene großartige Leben zu verleugnen. Diese Bewusstseinsstufen sind es, die erklommen werden müssen um das eigene Leben vom Parasiten befreien zu wollen.

Doch der Wille ist nicht alles. Ohne Unterstützung werden der dauerhafte Entzug und die glückliche Freiheit kaum gelingen. Im "besten" Falle schlittert mensch von einer Abhängigkeit in die nächste, im schlimmsten Fall gibt es einen deprimierenden Rückfall. Erst wenn der Leidensdruck so groß ist, dass mensch nur noch weglaufen möchte, stellt sich vielleicht die Frage, vor wem oder was möchte ich eigentlich davonlaufen - und wohin...

Wer nicht "fest" im eigenen Leben steht und somit selbst suchtanfällig ist, wird häufig co-abhängig von suchtkranken Menschen. Solche "Helfer" werden süchtig danach zu helfen, geraten in Abhängigkeit von süchtigen Menschen und verlieren darüber ihr eigenes Leben - verständnisvolle SelbstLiebe hat damit nichts zu tun. Und wenn der suchtleidende oder der sonstwie hilfsbedürftige Mensch aus welchen Gründen auch immer nicht mehr "verfügbar" sein sollte, steht der Helfer da und hat niemanden mehr, dem geholfen werden muss. Dann wird oft geklammert, sabotiert, Schuldigkeit vorgeworfen und wenn nichts mehr "hilft", schließlich nach "Ersatz" gesucht. Das hat sicher auch nichts mit Liebe zu tun. Der Helfer muss mit den Folgen seiner Sucht fertig werden, braucht wahrscheinlich selbst Hilfe.

Natürlich ist Hilfe wichtig, aber es ist wohl kaum jemandem damit geholfen, eine Sucht durch eine andere Sucht zu ersetzen oder schlimmer noch das Suchtverhalten in einem Teufelskreislauf gegenseitig zu verstärken. Nach dem Motto: Je stärker Deine Sucht, desto stärker wird meine Sucht Dir zu helfen. Und je größer meine Sucht Dir zu helfen, desto abhängiger wirst Du (von mir). Hilfe zur Selbsthilfe für einen suchtkranken Menschen besteht darin, ihn mit seiner Krankheit anzunehmen, ABER Suchtschäden nicht stillschweigend hinzunehmen, nicht zu verharmlosen, nicht mit FALSCHER Hilfe zu vergrößern. Den Rest muss der Süchtige selbst wollen und vor allem machen. Es gibt ausgebildete und sehr erfahrene Fachleute, die dabei unterstützen können.

Ein gutes Buch zur Selbsthilfe ist für mich "Sucht - Hintergründe und Heilung" von Heinz-Peter Röhr. In diesem Buch wird die Suchtproblematik anhand "klassischer" und "moderner" Suchtbeispiele sehr gut dargestellt, auch wenn mancher Schreibfehler zuviel und meiner Meinung nach manches Suchtbeispiel zuwenig auftauchen. Die Schreibfehler in der 3. Auflage sind bereits an den Autor weitergeleitet; fehlende Suchtbeispiele wie Fernsehsucht, Pornografiesucht, Handysucht, Koffeinsucht, Nikotinsucht, Besitzsucht, Schönheitssucht, Adrenalinsucht, Kritiksucht, Geltungssucht, Streitsucht, Tobsucht, Rachsucht, Sehnsucht, Kontrollsucht, Musiksucht, Lärmsucht, Feiersucht, Zappelsucht oder Grübel- und Plappersucht noch nicht. Andere gute Bücher zur Selbsthilfe sehe ich in "Verwundete Kinderseelen Heilen" und in "Vom Trauma Befreien" von Peter A. Levine und Maggie Kline.

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