Sich selbst zu finden, ist die härteste Suche der Welt!
Unter'm Sofa? Nichts. Im Kühlschrank? Auch nicht... Wo würde ich mich selbst suchen, wenn Ich Ich wäre?
Ich bin - mal wieder - auf der Suche.
Ich suche ziemlich oft ziemlich viel - meinen Schlüssel, mein Handy, die Batterien, meine Fehler, die große Liebe... doch am Meisten suche ich mich selbst.
So ist es auch gerade wieder. Ach, was heißt gerade... so geht's mir seit drei Tagen. Kann es denn so schwer sein? Meine Antwort darauf lautet ganz klar: Oh ja. Es ist nicht so, dass man in die große Bibliothek geht, nach dem großen Buch mit meinem Namen darauf sucht, es aufschlägt und alles nachlesen kann.
Aber mal ehrlich. Wenn es solch ein Buch geben würde... was würde da wohl drinstehen?
"Sie ist ein Mensch, der jeden Tag in eine andere Richtung laufen könnte. Impulsivität ist, was sie wohl am Meisten ausmacht. Als klarer Idealist geboren, baut sie lieber auf Luftschlössern denn auf soliden Steinen. Wer sich mit ihr umgibt, muss damit leben, dass ihre Lieblingsfarbe heute Rot und morgen Blau ist. Festlegen ist etwas, das sie möglichst vermeidet, da es ein Graus ist, Türen zu schließen, die sie vielleicht eines Tages noch brauchen könnte.
Alles in allem ist sie sehr flatterhaft und launisch."
So in etwa würde dann wohl ein Eintrag in meinem Buch aussehen. Eine genaue Charakteristika eines jeden Menschen. Natürlich wesentlich ausführlicher als mein dilettantisches Absätzchen.
Also ich fände sowas praktisch. Gut, es würde eine Kennenlernphase zweier Menschen wahrscheinlich drastisch abkürzen, andererseits würde es so viele Dinge einfacher machen!
Aber ich schweife ab.
Ich bin seit drei Tagen mal wieder dabei, mir selbst auf den Grund zu gehen. Ich denke mal wieder zu viel nach.
Mir ist aufgefallen, dass ich mich verändert habe. Teilweise in Kleinigkeiten, teilweise bei Dingen, die mir wirklich zu Denken geben.
Der Auslöser dafür ist, wie meistens bei mir, mal wieder das Herz gewesen.
Noch vor 3 Monaten war ich in einer (Fern-)Beziehung, die ich als Glücklich bezeichnen würde. Dann jedoch, von einem auf den Anderen Tag habe ich gemerkt, wie unglücklich ich eigentlich bin. Keine nennenswerte Resonanz vom Liebsten, keine Ahnung, wann wir uns das nächste mal sehen würden, kein Gefühl der Geborgenheit mehr.
Dafür hatte ich etwas Neues entdeckt. Ein Gefühl, das mir ein völlig anderer Mensch gegeben hat.
Jemanden genauso zu brauchen, wie man selbst gebraucht wird.
Wenn man wie ein Kartenhaus aneinanderlehnt und sich gegenseitig stützt.
Wenn man sich auf die starken Arme des Anderen genauso verlassen kann, wie er sich auf die Standfestigkeit meiner Füße verlassen kann.
Wenn ein Gesichtsausdruck mehr erzählen kann, als Lippen es tun können.
Wenn ein Lächeln einem Sonnenaufgang so sehr gleicht, wie ein verführerischer Blick dem Bann des Mondes.
Es fühlt sich zum ersten Mal richtig UND solide an. Außerdem "vermisse" ich die rosa Brille - ich sehe trotz Allem Fehler und weiß, was ich will. Ich habe nicht das Bedürfnis, 24 Stunden meines Lebens nur mit diesem Menschen zu verbringen, wie sonst immer. Es fehlt das krampfhafte Gefühl, nur noch Händchenhalten und stolz aufzeigend mit diesem Menschen durch die Straßen zu laufen. Ich will nicht labern, um krampfhaft zu erzählen, ohne etwas zu sagen.
Jeder Leser wird sich jetzt denken: "Ey Mädchen sei froh... kein Kerl kann es leiden, keinen Freiraum zu haben, ständig begrapscht und zugetextet zu werden" und ich sage klar: "Ja, ihr habt recht".
Ich habe auch mit keinem Wort beigesteuert, dass ich diese Veränderung schlecht finde. Ich find's sogar gut!
Was mir dennoch Angst macht, sind die Gefühle, die dahinterstehen.
Das Gefühl, alles richtig machen zu wollen, nicht noch eine Beziehung in den Sand werfen zu wollen, die Angst, jemandem Gefühle zu schenken, die man nicht zurückbekommt - um mal ein paar Beispiele zu nennen.
Mein Kopf hält sich enorm zurück, mein Herz auch. In manchen Momenten taut es auf und ich fühle mich verliebt wie ein junger Hund, koennte herumspringen und tanzen. Dann wiederum sitze ich da, überlege, ob das alles überhaupt so ist, wie ich es denke oder ob ich mir nur alles vorgaukele... dann bin ich wieder steif, friere in meiner Umgebung, die vor Wärme strotzt und weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll.
Es ist gerade schwierig für mich, zu wissen, was sich alles in mir weshalb verändert hat und, vor allem, was so bleiben wird und was wieder in alte Schemata fällt?
Ich denke, ich werde es herausfinden...




Kommentare
sehr schöner text.. hat mich berührt dass jemand in vielen punkten so denkt und fühlt wie ich :) danke!
08.06.2010, 20:02 von quietsch_vergnuegt@quietsch_vergnuegt Gerne doch :) ich freu' mich immer, wenn meine Texte jemandem gefallen! :)
11.06.2010, 11:09 von Un-Schuld"Ein Gefühl, dass mir ein völlig anderer Mensch gegeben hat. "
07.06.2010, 17:29 von SurecampWillste nicht erstmal rausfinden, wie das mit dem dassdas geht?
@Surecamp Hum... mist, ueberlesen... ich weiß wie's geht, kenne auch die Regel aber intuitiv vermassel ich es grundsaetzlich immer :)
08.06.2010, 10:07 von Un-SchuldDanke!
@Un-Schuld Hab's verbessert!
08.06.2010, 10:10 von Un-Schuld