Miss_Satansbraten 30.11.-0001, 00:00 Uhr 32 26

Raubtierbeute

„Ich bin der Einzige, der dich fickt!“ raunst du heißer frohlockend in mein Ohr. “...Und ich bin auch der Einzige, der dich schlägt.“

Du kannst vor dem davonlaufen,
was hinter dir her ist, - aber was in dir ist, das holt dich ein.


Davongelaufen bin ich mehrmals.
Aber du hast mich immer wieder eingeholt.

Und in nachmittäglicher Dunkelheit erwache ich dann immer wieder.

Mit ein paar mehr Rissen im Körper spüre ich noch immer die Anwesenheit der schwarzen Krake in mir,
höre den Nachhall deiner gefauchten Worte und die Vibration der Schreibtischlampe bei jedem Stoß.
Ich schreie nicht.
Ich gehe.
Das tue ich immer.
Ich ziehe mich langsam an unserem Couchtisch hoch und schleiche wankend im Rückwärtsgang Richtung Fenster.
Während mein Kopf sich anfühlt, als wäre er zwischen die Teller eines Schlagbeckens geraten, reibe ich mir gedankenverloren die schmerzenden Schläfen und richte dann langsam meinen Blick auf die Szenerie.

Blut hat sich mit dem Weiß der Zimmerfliesen vermischt.
Klebt verschmiert an meinen Haaren und hat versucht,
sich den Weg durch die Fugen Richtung Tür zu bahnen.
Ebenso wie ich, wurde es aufgehalten.
Von deinem zweiten Schlag.
Rote Flüsse auf meinem Gesicht,
rote Perlen auf meinem zerrissenem Rock.
Der Besenstiel liegt auf dem Boden, quer unter meinem Kopf.
Um meine gespreitzten Beine hat sich der Inhalt der Einkaufstaschen verteilt. Butter, Seife, Milch, eine neue Dose Espresso und die aufgeplatzte Müslitüte.
Ich schwimme in Alltäglichem.
Die Scherben einer zerbrochenen Tasse wirken wie kleine Eisberge in der Blumenerde, die der umgeworfenen Pflanze nun fehlt.
Ihr Fundament, ihr Lebenselexier liegt auf unserem Fussboden und sie wird Zeugin.
All diese Tatsachen machen uns zu Verbündeten.

Ich bin geschätzte 2 Meter von dir entfernt und sehe dich an.
30 Jahre, dunkel, groß und eigentlich furchtbar schön.
Dennoch habe ich dich niemals zuvor so hässlich gesehn.

Deine Haare hängen dir in kleinen, feuchten Strähnen ins wutschnaubend aufgedunsene Gesicht.
Die Muskeln in deinen Armen versprechen Schmerzen und sind auf den rotgepunkteten Fliesen abgestützt.
Dein Blick, deine wunderschönen Augen sind wirr und kalt.
Selbstvergessen,
voller Wut und Macht zerreisst du in wilder Gier meinen Körper.
Teilst ihn stoßweise von innen auf,
lässt ihn unter dir gefrieren,
spukst Lava in ihn und Speichel auf meine Hülle.
Beisst schnaufend und keuchend in das wabbelnde Fleisch meiner rotblaugrünen Brüste,
stösst deine Zunge in meinen Mund und ich schmecke dein Feierabendbier und das Blut meiner aufgeplatzten Lippen..


Warum ich nicht an mein Handy gegangen bin, hast du vorhin,
bei meinem Eintreffen scheinbar beiläufig gefragt,
ohne den Blick von deiner Zeitung abzuwenden.
Ich hab die Einkaufstüten abgestellt, meinen Mantel ausgezogen,
dich fragend angesehn und dir mit einem Stirnrunzeln erklärt:

„Ich hab dir doch vorhin gesagt, dass ichs hierlasse, für den Fall, deine Mutter ruft an. Es liegt im Schlafzimmer.“

Reaktionslos, mit zusammengekniffenem Mund hast du weiter auf deine Lektüre gestarrt. Ich lächelte dich an, schüttelte den Kopf und fügte lachend, mit gespieltem Vorwurf hinzu:

“Nie hörst du mir zu, Hase..“

Dann wand ich mich um und bücke mich nach den vollen Einkaufstaschen.

Auf Grund ihrer Jagdtechnik bevorzugen Tiger Gelände mit ausreichend Deckung. Sie schleichen sich so nahe wie möglich heran und schlagen meist mit einem blitzartigen Satz von hinten zu. Manchmal treiben sie ihre Beute auch einfach in ein Wasserloch und warten, bis sie ertrinkt.

Du hast dich für den Sprung aus dem Hinterhalt entschieden.
Und während mich nach einem heftigen Schlag auf den Hinterkopf, die Dunkelheit ummantelte, standst du über mir und öffnetest deine Hose...
Wie jedes Mal.

Einige Wunden später, verklingt die Vibration der Schreibtischlampe.
Die Krake drängt aus mir heraus,
schlüpft feucht und glitschig über mein Gesicht.
Das eisige Echo deines zufriedenen Stöhnens widerhallt im Zimmer.
Und obwohl ich noch immer am Fenster stehe,
spüre ich deinen Atem an meinem Hals.

„Ich bin der Einzige, der dich fickt!“ raunst du heißer frohlockend in mein Ohr.

Du schnappst nach Luft,
keuchst nach Sauerstoff,
den du dir in deiner Hetzjagd auf dein Wild gerade genommen hast.
Und während du mir die blutverschmierten Haare aus dem
zerschundenen Gesicht streifst,
fügst du triumphierend lächelnd hinzu:

“...Und ich bin auch der Einzige, der dich schlägt.“

Dann wandert dein Blick tiefer,
während du mit den Fingerspitzen beinähe zärtlich meine Arme streichelst.
Meine Augen sind geschlossen.
Du flüsterst.

„Weisst du Süße, du bist alles was ich habe.
Ich kann nicht zulassen, dass du dich wie eine Schlampe benimmst.
Ich bin doch nichts ohne dich. Mhm? Hörst du mir zu?
Ich bin nämlich wirklich kein Arschloch!
Die anderen Frauen vor dir habe ich nie geschlagen, niemals!
Die waren doch alle viel zu bedeutungslos!
Aber du,
du mein Engel,
du bist etwas ganz Besonderes.
Und manchmal muss ich das machen,
damit du wieder zur Vernunft kommst.
Aber ich tu das doch nur, weil ich dich so liebe.
Das weisst du doch, nicht wahr?“

Auf schnellen, leisen Sohlen tapse ich vom Fenster weg, zurück zu dir.
Lege mich unter dich und öffne langsam die Augen.
Du lächelst ein „Klein-Jungen-Lächeln“..

„Du musst nicht antworten, Baby.. "flüsterst du heiser und streichelst meine Wange. "Wenn du mal wieder vergessen solltest,
wie sehr ICH dich liebe,
dann kann ich dich schließlich jederzeit daran erinnern...“



**


Du kannst vor dem davonlaufen, was hinter dir her ist,
aber was in dir ist, das holt dich ein.

Heute ist nichts von dir mehr in mir.

Und darum bist du zwar immer einen Sprung weit hinter mir,
- aber einholen wirst du mich nie wieder.

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32 Antworten

Kommentare

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  • 0

    wow..

    13.05.2010, 18:11 von CyberShot
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    Sehr gut geschrieben!

    Nimmt den Leser mit und erschreckt, zieht ihn mit in seinen Bann.

    Wirklich gute Geschichte!

    08.06.2009, 21:59 von wasserschildkroete
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    Das Grausamste an derartigen Abartigkeiten dürfte ihre Entwicklungsfähigkeit sein.

    12.10.2008, 21:14 von Shufro
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    Meinen Respekt. Nicht nur für diesen Text, auch fürs Überleben. Auch wenn ich eigentlich hoffe, dass dir das nicht wirklich passiert ist. Aber wenn doch ... dass du dafür noch Worte gefunden hast - chapeau.

    14.01.2008, 14:46 von Mariki
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    Hart....ich hoffe es sind keine eigenen Erfahrungen aber ich fürchte es

    29.08.2007, 20:47 von Cliff
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  • 0

    um gottes willen, mir kommen die traenen. sag mir bitte nicht dass diese geschichte deiner wahrheit entspricht! wenn doch, dann such hilfe um gottes willen. melde dich bei einem frauen haus. kann ich irgendwie helfen?
    marion

    08.06.2007, 07:57 von ktty
    • 0

      @ktty Ich habe es so verstanden, dass sie ihn hinter sich gelassen hat (siehe letzter Absatz). Ich wünsche mir, dass es stimmt. Mein Respekt für diesen (Erfahrungs-???)Bericht.

      10.03.2008, 23:13 von chiaramadita
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